{"id":314,"date":"2003-05-25T16:12:03","date_gmt":"2003-05-25T15:12:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=314"},"modified":"2004-11-12T21:43:30","modified_gmt":"2004-11-12T20:43:30","slug":"x-2-x-men-united","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=314","title":{"rendered":"X2: X-Men United"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0290334\/\">X2: X-Men United<\/a><br \/>\n(X-Men 2, USA 2003)<\/p>\n<p>Darsteller: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen, Halle Berry, Famke Janssen, Anna Paquin, Rebecca Romijn-Stamos, Brian Cox, Alan Cumming, James Marsden<br \/>\nMusik: John Ottman<br \/>\nDrehbuch: Daniel P. Harris (nach einer Story von David Hayter, Zak Penn &#038; Bryan Singer)<br \/>\nKamera: Newton Thomas Sigel<br \/>\nRegie: Bryan Singer<\/em><\/p>\n<p>Ach ja, die armen Mutanten. Keiner mag sie, alle haben Angst vor ihnen oder wenigstens ihren F\u00e4higkeiten, jammerjammerjammer. Im ersten Teil von <em>X-Men<\/em> haben sich nicht nur die Menschen und die Mutanten bek\u00e4mpft, sondern auch die Mutanten untereinander. Der b\u00f6se Magneto wanderte zum Schluss in ein Gef\u00e4ngnis aus Plastik, der gute Professor Xavier durfte dagegen eine Schule betreiben, in der kleine Mutantenkinder zusammen gro\u00df werden.<\/p>\n<p>Soviel zum ersten Teil, den man aber nicht zwingend gesehen haben muss, um in den zweiten zu gehen. Der erz\u00e4hlt n\u00e4mlich im Prinzip die gleiche Geschichte nochmal, nur mit ein paar neuen Gesichtern, noch mehr Special Effects und noch weniger Handlung. Nichtsdestotrotz ist ein sch\u00f6nes Popcorn-Filmchen dabei rausgekommen.<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn lernen wir einen neuen Mutanten kennen: Kurt Wagner, einen Teleporter, der, kaum ist er irgendwo aufgetaucht, auch schon wieder weg ist. Der Effekt klingt v\u00f6llig simpel, hat mich aber sehr erfreut, weil er ein bisschen kl\u00fcger ist als die sonstigen, einfach viel zu schnell geschnittenen Szenen, mit denen unser lahmes Auge \u00fcberlistet wird. Wagner l\u00f6st sich nicht einfach auf, sondern verschwindet in einer Art schwarzem Rauch, der aussieht wie Tinte. Unser Auge versucht noch, in diesen Schwaden etwas zu erkennen, da blitzt er pl\u00f6tzlich ganz am Rande unseres Sichtfelds auf und ist \u2013 zack \u2013 sofort wieder verschwunden. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem sorgt er f\u00fcr einen charmanten Unterton, den wahrscheinlich nur das hiesige Publikum w\u00fcrdigen kann, denn er ist anscheinend deutschen Ursprungs und erw\u00e4hnt auch ab und zu den Zirkus in M\u00fcnchen, in dem er aufgetreten ist. Sein deutscher Akzent hat ausnahmsweise mal nichts Nazi-artiges, und es klingt einfach sehr r\u00fchrend, wenn er Halle Berrys dahingehauchtes \u201eThank you\u201c nach einer Rettungsaktion mit einem verlegenen \u201eBittesch\u00f6n\u201c beantwortet.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt haben s\u00e4mtliche Charaktere bei all ihrer Schablonenhaftigkeit (wir befinden uns schlie\u00dflich in einer Comicverfilmung) alle ihre kleinen Eigenarten, die aus ihnen mehr machen als blo\u00dfe Staffage in einem bunten Spektakel. Jeder darf seine F\u00e4higkeiten mehr oder weniger martialisch vorf\u00fchren: Pyro, ein z\u00fcndelnder Teenager, jagt die halbe Polizeistaffel in die Luft, w\u00e4hrend Iceman, dessen Atem alles zufrieren l\u00e4sst, sein Talent auch gerne mal an einer zu warmen Cola unter Beweis stellt. Dass nun jeder das, was ihn auszeichnet, einmal gro\u00df ins Bild r\u00fccken darf, bringt allerdings mit sich, dass der Film verdammt lang wird. Es ist zwar sch\u00f6n, dass wir neue Charaktere kennenlernen, aber die ziehen die eh schon d\u00fcnne Story doch arg in die L\u00e4nge.<\/p>\n<p>Diese kleineren Einlagen wie die Szene mit der Cola-Flasche dienen nicht nur zum Atemholen, sondern auch, um wenigstens ein bisschen Charakterbildung zwischen die ganzen Action-Szenen zu klemmen. Es bleibt allerdings eher beim Versuch; die Charaktere sind eben relativ simpel gestrickt, werden auf ihre jeweilige F\u00e4higkeit reduziert und sorgen so f\u00fcr einen Effekt nach dem n\u00e4chsten. Trotzdem ist es genau das, was <em>X2<\/em> ausmacht: Er ist, so komisch es klingt, eher ein Ensemble-Film als ein Actionfilm, denn die ganze Geschichte dreht sich eben um die Mutanten und ihre F\u00e4higkeiten. Es wird nicht versucht, eine bl\u00f6de Rahmenhandlung um die Weltherrschaft oder was auch immer um die Jungs und M\u00e4dels herumzustricken. Jede Storyline entsteht aus der ganz simplen Frage: Sind Mutanten eine gute oder eine b\u00f6sartige Form von Evolution?<\/p>\n<p>Leider wird dieser Story nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie im ersten Teil. Die Effekte in <em>X2<\/em> sind sicher besser geworden und sehen nicht mehr ganz so pappkulissig aus, aber daf\u00fcr leidet leider die Geschichte. In <em>X-Men<\/em> war ich zum Beispiel sehr ger\u00fchrt von Rogue, die niemanden anfassen konnte, ohne denjenigen dabei durch ihre spezielle Kraft zu verletzen. In diesem Teil hat sie ihr Herz an Iceman verschenkt und sie versuchen sich n\u00e4herzukommen, aber \u2013 auch hier scheitert sie. Aber anstatt daraus einen Themenstrang zu machen, wird die ganze Storyline einfach fallengelassen. Nichts mehr von ihren Seelenqualen, sich niemandem n\u00e4hern zu k\u00f6nnen, nichts mehr von ihrer gerade aufkeimenden Zuneigung \u2013 wenn&#8217;s nicht geht, dann geht&#8217;s eben nicht, weiter im Text, wir m\u00fcssen schlie\u00dflich noch \u00fcber zwei Stunden Film vollkriegen.<\/p>\n<p>Die einzigen, die immerhin einen Hauch von Wahrhaftigkeit in das bunte Spektakel bringen, sind (nat\u00fcrlich) Patrick Stewart als Professor und (nat\u00fcrlich) Ian McKellen als Magneto. Auch ihre beiden Rollen geben eigentlich nicht mehr her als ein paar Standardspr\u00fcche aus dem Drehbuchbaukasten, aber die beiden haben einfach eine solche Leinwandpr\u00e4senz, dass sie ihre Rollen durchaus mit Ernsthaftigkeit und sogar einer gewissen W\u00fcrde ausspielen. W\u00e4hrend der Rest der Truppe theatralisch-ver\u00e4ngstigt oder theatralisch-w\u00fctend in die Kamera guckt und sich dar\u00fcber beschwert, dass die Menschen die Mutanten nie verstehen werden, bringen der Professor und Magneto Ruhe in diese verfahrene Situation \u2013 nat\u00fcrlich jeder auf seine Weise; der eine gut, der andere b\u00f6se. Genau wie die beiden einfach erfahrene Schauspieler sind, geben sie hier die erfahrenen Mutanten, die die anderen fast zu n\u00f6ligen Kleinkindern degradieren. Man wartet beinahe darauf, dass beide dem Jungvolk kurz Einhalt gebieten und den Satz bringen: \u201eWenn du erstmal in mein Alter kommst &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Und so wie <em>X2<\/em> endet, ahne ich, dass die X-Men alle Chancen haben, noch in das Alter von Professor und Magneto zu kommen. Das Ende bleibt n\u00e4mlich sehr offen &#8230; so offen, dass man kaum glauben kann, jetzt am Schluss angekommen zu sein. Wo ist das obligatorische Schlussbild, wo der B\u00f6se noch einen Blick zur\u00fcck aus dem Fenster des Fluchtfahrzeugs seiner Wahl wirft? Wo ist die gro\u00dfe Knutschszene, egal mit wem? <\/p>\n<p>Neinnein, so geht das nicht. Logan muss endlich ein M\u00e4del abkriegen, Storm und Wagner scheinen sich auch ganz gut zu verstehen, und was wird aus der Familie, die den armen Iceman im Stich gelassen hat? Ich glaube, der Countdown zu <em>X3<\/em> beginnt genau \u2013 jetzt. Wir sehen uns in zwei Jahren im Kino. Aber nun k\u00f6nnt ihr euch erstmal entspannt in diesem Teil zur\u00fccklehnen. F\u00fcr einen gut gelaunten Abend reicht&#8217;s allemal. Es ist nicht <em>Matrix<\/em> \u2013 aber es ist auch nicht <em>Rocky 6<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>X2: X-Men United (X-Men 2, USA 2003) Darsteller: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen, Halle Berry, Famke Janssen, Anna Paquin, Rebecca Romijn-Stamos, Brian Cox, Alan Cumming, James Marsden Musik: John Ottman Drehbuch: Daniel P. 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