{"id":31371,"date":"2019-03-08T09:07:12","date_gmt":"2019-03-08T08:07:12","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31371"},"modified":"2019-03-08T20:08:36","modified_gmt":"2019-03-08T19:08:36","slug":"tagebuch-donnerstag-7-marz-2019-mein-erstes-latex-dokument","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31371","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 7. M\u00e4rz 2019 \u2013 Mein erstes LaTeX-Dokument"},"content":{"rendered":"<p>Den Vormittag verbrachte ich in der Stabi, wo ich mir einen Ausstellungskatalog ansah, der unglaublicherweise nicht im Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte steht. F\u00fcr meine Diss ist eine Ausstellung mit dem propagandistisch hervorragenden Titel \u201e<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Stra%C3%9Fen_Adolf_Hitlers_in_der_Kunst\">Die Stra\u00dfen Adolf Hitlers in der Kunst<\/a>\u201c wichtig, wo die Menschen in M\u00fcnchen 1936 bergeweise Autobahnbilder zu sehen bekamen. Die Ausstellung wanderte dann nach Berlin und Ende 1936 nach Breslau, und den Breslauer Katalog kannte ich noch nicht. In ihm fehlten schon einige Werke, denn das waren alles Verkaufsausstellungen, und so eine h\u00fcbsche Ansicht einer Gro\u00dfbaustelle h\u00e4ngt man sich ja gerne \u00fcbers Sofa. Im Breslauer Katalog fanden sich daher ein paar K\u00e4ufernamen, was sehr praktisch f\u00fcr meine kleine Provenienzrecherche ist. Ich bin bei meinem Thema auf jeden Fitzel angewiesen, weil es au\u00dfer ein paar Lexikonartikeln nichts Schriftliches \u00fcber Herrn Protzen gibt. Ich bin gerade die erste, die sich l\u00e4nger mit ihm befasst. (Soweit ich wei\u00df.)<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde mir inzwischen ein derartiges Bild \u00fcbrigens mit Kusshand \u00fcbers Sofa h\u00e4ngen \u2013 vielleicht ist die systemkonforme NS-Kunst doch verf\u00fchrerischer als ich es demn\u00e4chst auf 150 Seiten entschieden verneinen werde? Da die Pinakotheken aus Urheberrechtsgr\u00fcnden ihre eigenen Bilder nicht auf ihrer eigenen <a href=\"https:\/\/www.sammlung.pinakothek.de\/de\/artist\/carl-protzen\/donaubruecke-bei-leipheim\">Website<\/a> zeigen d\u00fcrfen, verlinke ich mal auf ein <a href=\"https:\/\/www.akpool.de\/ansichtskarten\/27393467-kuenstler-ansichtskarte-postkarte-protzen-c-th-leipheim-donaubruecke-der-reichsautobahn-die-strassen-adolf-hitlers\">Foto<\/a> eines kommerziellen Anbieters \u2013\u00a0bei dem ich gerade eine Postkarte von Herrn Protzen erworben habe, von deren Motiv ich bisher noch nicht wusste, dass es als Postkarte erh\u00e4ltlich war. Danke, Google. (Jeder Fitzel!)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>In der Mittagspause kaufte ich einen kleinen Eimer (den Satz lasse ich einfach so stehen, der ist super als geistiger Stopper), dann gab&#8217;s die neue Folge <em>Masterchef UK<\/em> und dazu ein K\u00e4sebrot.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Und dann setzte ich mich um 14 Uhr todesmutig an den eigenen Schreibtisch, installierte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LaTeX\">LaTeX<\/a>, \u00f6ffnete <a href=\"https:\/\/www.fernuni-hagen.de\/imperia\/md\/content\/zmi_2010\/a026_latex_einf.pdf\">ein<\/a>, zwei PDFe, die mir Newbie erkl\u00e4ren sollten, wie ich \u00fcberhaupt anfangen sollte \u2013 und dann fing ich an. <\/p>\n<p>(Sie k\u00f6nnen sich diesen Blogeintrag ersparen und einfach meinen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/1103639662025994240\">Thread<\/a> von gestern auf Twitter nachlesen, da kann man mir quasi beim Livelernen zuschauen.)<\/p>\n<p>Vor tausend Jahren hatte ich mal ein paar Tage in HTML und CSS investiert, daher schreckte mich die Oberfl\u00e4che nicht so sehr ab. Ich erinnerte mich allerdings auch daran, wie schnell ich die Lust am Coden verloren hatte. Das \u00fcberlasse ich bis heute eher Menschen, die wissen, was sie tun und die das vor allem tun wollen. Ich will blo\u00df schreiben. Und genau deshalb wird die Diss in LaTeX getippt, weil mich Word bei einem derart langen Schriftst\u00fcck vermutlich in den Wahnsinn treiben wird.<\/p>\n<p>Mein <a href=\"https:\/\/www.rowohlt.de\/taschenbuch\/anke-groener-nudeldicke-deern.html\">Buch<\/a> habe ich damals auch in Word geschrieben, aber das kam ohne gro\u00dfe Fu\u00dfnoten aus, ohne wissenschaftlichen Apparat wie einem Literaturverzeichnis und vor allem \u2013 ohne Abbildungen. Die haben mich bisher bei jeder Arbeit zum Schreien gebracht, weil Word irrwitzig unkomfortabel und unflexibel ist, wenn man Bilder einf\u00fcgen will und wom\u00f6glich noch was drunterschreiben m\u00f6chte. Oder einen Tag sp\u00e4ter noch was. Bei der Masterarbeit habe ich ernsthaft teilweise lauter Einzelseiten angelegt, damit nicht immer alles umbrach, die einzeln als PDF abgespeichert und irgendwann alles zusammengef\u00fcgt. Bei 30 Bildern war das okay, aber f\u00fcr die Diss werde ich weitaus mehr brauchen.<\/p>\n<p>Meine individuelle Schwierigkeit bei der Diss mit ihrem irgendwie unangenehmen Thema: Ich sehe die Bilder, \u00fcber die ich schreibe, nie in Katalogen. Mit Abbildungen von Kiefer und L\u00fcpertz konnte ich mich totschmei\u00dfen, da konnte ich digital sogar aus diversen JPGs der Kunstdatenbanken das ausw\u00e4hlen, was den f\u00fcnf Katalogen vor mir in der Farbgebung am n\u00e4chsten kommt bzw. von dort das beste einscannen, wenn ausnahmsweise keins bereits online vorhanden war. Systemkonforme Bilder aus der NS-Zeit h\u00e4ngen au\u00dfer in der Pinakothek de Moderne in keinem deutschen Kunstmuseum und befinden sich daher auch so gut wie nie in Datenbanken. Ersteres \u00e4ndert sich gerade, ich verweise <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29217\">nochmal<\/a> auf die hervorragende <a href=\"https:\/\/www.kunstmuseum-moritzburg.de\/museum-ausstellungen\/sammlungspraesentationen\/wege-der-moderne\/\">H\u00e4ngung<\/a> in der Moritzburg in Halle. Oder man guckt sich die Bilder im Historischen Museum in Berlin oder dem GNM in N\u00fcrnberg an.<\/p>\n<p>Aber Protzen h\u00e4ngt eben, au\u00dfer wie gesagt netterweise mit zwei Bildern direkt vor meiner Haust\u00fcr, nirgends. Deswegen war ich so gl\u00fccklich \u00fcber die Fotoalben in seinem Nachlass im Kunstarchiv N\u00fcrnberg, denn da ist fast sein komplettes malerisches Ouevre auf immerhin Schwarzwei\u00dffotos festgehalten. Die Alben habe ich komplett fotografiert und bin immer noch dabei, sie in halbwegs vern\u00fcnftige Einzeldateien zu unterteilen, 350 von ungef\u00e4hr 600 Werken habe ich schon.<\/p>\n<p>Ein Kapitel in der Diss wird von der Autobahnmalerei handeln, denn ein <a href=\"http:\/\/www.gdk-research.de\/de\/obj19405473.html\">solches Bild<\/a> ist es, mit dem wir heute Protzen verbinden \u2013 was ein Teil meiner Forschungsfrage ist: wieso dieser Maler? Wieso dieses Bild? Um das Bild in einen Kontext einzuordnen, brauche ich alle seine Autobahnbilder (28 an der Zahl). Und deswegen sollte mein erstes LaTeX-Dokument ein Abbildungsverzeichnis aller Autobahnbilder von Protzen werden, damit ich sie endlich in einem Dokument vor der Nase habe und mich nicht dauernd durch meine JPGs klicken muss, wenn ich Ma\u00dfe oder Erstellungsdaten brauche.<\/p>\n<p>Ich begann allerdings erst einmal mit einem simplen Textdokument und copypastete ein paar Abs\u00e4tze aus meinem fast fertiggestellten Diss-Expos\u00e9 in die LaTeX-Eingabemaske. Ich arbeite nicht mit einer wilden Oberfl\u00e4che wie TeXstudio, sondern bisher komplett h\u00e4ndisch. F\u00fchlt sich f\u00fcr mich okay an. Ich erlas und ergoogelte und erfragte mir erste \u00c4nderungsm\u00f6glichkeiten \u2013 eher neue deutsche Rechtschreibung und Trennung als amerikanische, Umlaute w\u00e4ren super, der Texteinzug in der ersten Zeile sollte beim Abbildungsverzeichnis weg, und wie kriege ich fetten Text auch noch kursiv? Letzteres habe ich noch nicht verstanden, aber ich werde mir das erarbeiten. Nicht vorsagen! Ich finde das selbst raus.<\/p>\n<p>Und so propelte ich stundenlang an 28 Seiten herum, was eher daran lag, dass ich alle Bilder umbenennen musste und irgendwann leichtsinnig eine geschweifte Klammer zu viel im Dokument hatte, die ich 30 Minuten lang suchte, bis die Ausgabe wieder so aussah wie ich sie haben wollte. Ich ahne, dass es noch h\u00fcbschere M\u00f6glichkeiten gibt, den Text nicht ganz so nah ans Bild dengeln zu lassen wie ich es jetzt eingestellt habe, und die Schrift gef\u00e4llt mir auch noch nicht, aber f\u00fcr den ersten Tag war ich doch sehr beeindruckt davon, was alles ging und wie okay mein Dokument schon aussieht. Mein erstes LaTeX-Dokument! Ich bin ein bisschen stolz auf mich.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Was au\u00dferdem toll war: der Kaffee, den ich nebenbei trank und der jetzt auch gerade frisch aus der French Press neben mir steht. Er kommt von der <a href=\"https:\/\/wasserburger-bohnenroester.de\/kaffeeauswahl\/kaffeeauswahl\/\">Wasserburger R\u00f6sterei<\/a> und schmeckt ausgezeichnet. Danke an die lockige Schenkerin!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Vormittag verbrachte ich in der Stabi, wo ich mir einen Ausstellungskatalog ansah, der unglaublicherweise nicht im Zentralinstitut f\u00fcr Kunstgeschichte steht. F\u00fcr meine Diss ist eine Ausstellung mit dem propagandistisch hervorragenden Titel \u201eDie Stra\u00dfen Adolf Hitlers in der Kunst\u201c wichtig, wo die Menschen in M\u00fcnchen 1936 bergeweise Autobahnbilder zu sehen bekamen. 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