{"id":31301,"date":"2019-02-28T09:13:22","date_gmt":"2019-02-28T08:13:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31301"},"modified":"2019-02-28T09:16:00","modified_gmt":"2019-02-28T08:16:00","slug":"tagebuch-mittwoch-27-februar-2019-aber-dann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31301","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch, 27. Februar 2019 \u2013 Aber dann"},"content":{"rendered":"<p>Gemeinsam aufgewacht, bei Sonnenschein den Flat White am Schreibtisch eingenommen, um kurz vor 9 eine Jobanfrage reinbekommen, die ich ab 10 bearbeiten konnte. <\/p>\n<p>Nach gut zwei Stunden war ich damit durch und holte mir Croissants vom B\u00e4cker, quasi zum Brunch. Dazu gab es Pflaumenmarmelade meiner Schwester plus Butter aus meiner neuen <a href=\"https:\/\/www.manufactum.de\/butterdose-wasserkuehlung-p1521876\/\">franz\u00f6sischen Butterdose<\/a>, die mit der Wasserk\u00fchlung, die wirklich funktioniert: frische, streichf\u00e4hige Butter ohne K\u00fchlschrank. Ich bin begeistert. Weniger vom ollen Manufactum-Preis von 48 Euro, aber die war die einzig halbwegs h\u00fcbsche, die ich finden konnte. F\u00fcr diese Dose war ich zum ersten Mal bei Manufactum, dessen Katalog ich fr\u00fcher (TM) gerne gelesen habe, weil er so sch\u00f6n rumschmalzte. Heute geht er mir eher auf die Nerven, und ich summte die ganze Zeit, als ich durch den Laden ging, der mir sehr vollgestopft und provisorisch vorkam, nach der Fu\u00dfballkurvenmelodie \u201eIhr seid nur zum Fressen hier\u201c in Richtung VIP-Trib\u00fcnen (neudeutsch \u201eBusiness Seats\u201c) \u201eDu bist nur ein Pop-up-Store\u201c.<\/p>\n<p>Nach dem Brunch sehr motiviert vom vorgestrigen <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31287\">Doktorvatergespr\u00e4ch<\/a> an die Exposition gesetzt, denn das war meine Hausaufgabe: \u201eSchreiben Sie mal auf, was Sie vorhaben, was Sie an der Idee spannend finden \u2013 irgendwas zwischen einer halben Seite und zehn Seiten. Das schicken Sie mir, ich gebe Feedback, und dann geht&#8217;s weiter.\u201c Ich wei\u00df nicht, welcher Knoten sich beim Gespr\u00e4ch gel\u00f6st hatte, vielleicht war es auch schlicht das Vertrauen des erfahrenen Wissenschaftlers, der mir hektischem Huhn signalisieren konnte, dass meine Idee f\u00fcr eine Diss tr\u00e4gt und nicht nur f\u00fcr einen Aufsatz, aber zum ersten Mal seit \u00fcber einem Jahr konnte ich in wenigen Stunden exakt formulieren, was der Ansto\u00df zu meinen \u00dcberlegungen war, was ich schon geleistet habe, wo ich noch hinwill und wie ungef\u00e4hr meine Arbeit aussehen wird. Nach monatelangem Rumhampeln auf diversen Schaupl\u00e4tzen habe ich schl\u00fcssig zusammengefasst, was ich vorhabe und warum das interessant und sinnvoll ist. Das hat sich au\u00dferordentlich gut angef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Dann lungerte ich eine Stunde vor den Michael-Cohen-Hearings rum und wollte das eigentlich alles gar nicht wissen, aber gl\u00fccklicherweise musste ich gegen 19 Uhr in die Kammerspiele, wo F. und ich uns <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Yael_Ronen\">Yael Ronens<\/a> <em><a href=\"https:\/\/www.muenchner-kammerspiele.de\/inszenierung\/genesis\">Genesis<\/a><\/em> anschauten. Ich knabberte die ersten zehn Minuten arg an der Publikumsreaktion, dann fand ich das St\u00fcck aber sehr gelungen, wobei ich das Ende mit den pers\u00f6nlichen Erfahrungserz\u00e4hlungen wieder etwas mau fand im Vergleich zu den vorhergegangenen anderthalb Stunden.<\/p>\n<p>Ronen erarbeitet mit ihren Schauspieler*innen in gemeinschaftlicher Arbeit ein Skript, wenn ich das richtig verstanden habe. Die Grundidee ist da, aber der endg\u00fcltige Text steht relativ sp\u00e4t fest. Daf\u00fcr fand ich ihn gut bis sehr gut, manchmal ein bisschen zu viel B\u00fchnendramatik (br\u00fcllende Kerle), und die Kost\u00fcme haben sich mir auch nicht erschlossen, aber wurst, Rest war fesselnd genug. Es ging, ganz grob, um die biblische Genesis und warum wir uns selbst einen so menschen- und lustfeindlichen Sch\u00f6pfungsmythos ausgedacht haben. Gott war auch auf der B\u00fchne, als Mann, woraufhin ein sich als schwul bezeichnender Schauspieler meinte, er wisse ja nicht, ob heute noch ein cis-Mann den Gott geben sollte, w\u00e4hrend eine Schauspielerin sagte, sie h\u00e4tte auch gerne Gott gespielt, der trage immer so bequeme weite Gew\u00e4nder, w\u00e4hrend sie hier schon wieder ihren nackten Arsch auf der B\u00fchne zeigen m\u00fcsse. <\/p>\n<p>In diesem Stil entwickelte das Team ein teils pers\u00f6nliches, teils anklagendes, teils \u00e4u\u00dferst lustiges Spiel um eben diesen Mythos und erw\u00e4hnte auch andere. Denn wie eine Schauspielerin meinte: Wenn wir uns den selbst ausgedacht haben, k\u00f6nnen wir ihn dann nicht \u00e4ndern? Oder uns f\u00fcr einen anderen entscheiden? Woraufhin zwei Leute von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Japanische_Mythologie#Weltentstehung\">japanischen<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schu\">\u00e4gyptischen<\/a> Mythen erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich gefiel die Geschichte mit Kain und Abel am besten. Denn nachdem die Truppe sich an Adam, Eva, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lilith#Symbolfigur_der_Emanzipation\">Lilith<\/a> und Gottes angeblichem Verh\u00e4ltnis mit einer sumerischen Fruchtbarkeitsg\u00f6ttin abgearbeitet hat, tritt <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kain\">Kain<\/a> hinzu und es gibt Dialoge wie: \u201eIch bin der erste Mensch, der zum M\u00f6rder wird.\u201c \u201eIch bin der erste Mensch, der nur zum Sterben geboren wurde.\u201c \u201eIch bin die erste Mutter, die ihr Kind begraben muss.\u201c \u201eIch bin der erste Vater, der einen M\u00f6rder aufgezogen hat.\u201c<\/p>\n<p>Mir gefiel au\u00dferdem das B\u00fchnenbild, das sehr simpel aus einer Drehb\u00fchne bestand, \u00fcber der ein schr\u00e4ger Spiegel angebracht war. Des \u00d6fteren wurden auf die B\u00fchnenfl\u00e4che Gem\u00e4lde (bei Kain ein Kupferstich) eingeblendet, in die sich die Spielenden einf\u00fcgten, indem sie sich hinlegten. Gerade bei einer pers\u00f6nlichen Erz\u00e4hlung, als ein j\u00fcdischer Knabe alleine im Wald zu Gott finden soll, klappte das wunderbar. Eingeblendet war ein Bild eines Felsvorsprungs, und die zwei Spielenden positionierten sich so, dass es im Spiegel aussah, als w\u00fcrde einer mit baumelnden Beinen auf dem Vorsprung sitzen, w\u00e4hrend der andere versucht, an der kleinen Bergwand emporzuklettern. Guckt euch das doch einfach selbst mal an.<\/p>\n<p>Wie \u00fcblich gingen wir nach dem Theater ins Blaue Haus und bestellten Bier, als meine Schwester sich per Whatsapp meldete, ich sie zur\u00fcckrief und sie mir weniger gute Nachrichten \u00fcbermittelte. Die hatte ich hier gestern vorformuliert, habe sie jetzt aber gel\u00f6scht, denn was hier nicht steht, wird auch nicht schlimm werden. Ich habe anscheinend gestern einen sehr kindlichen Glauben wiedergefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gemeinsam aufgewacht, bei Sonnenschein den Flat White am Schreibtisch eingenommen, um kurz vor 9 eine Jobanfrage reinbekommen, die ich ab 10 bearbeiten konnte. Nach gut zwei Stunden war ich damit durch und holte mir Croissants vom B\u00e4cker, quasi zum Brunch. 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