{"id":31213,"date":"2019-02-21T07:28:22","date_gmt":"2019-02-21T06:28:22","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=31213"},"modified":"2019-02-21T07:55:06","modified_gmt":"2019-02-21T06:55:06","slug":"tagebuch-mittwoch-20-februar-2019-neu-eingekleidet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=31213","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch, 20. Februar 2019 \u2013 Neu eingekleidet"},"content":{"rendered":"<p>Okay geschlafen, aber recht lange nicht eingeschlafen. Nicht weil ich wieder ein sch\u00f6nes Buch vor der Nase hatte, das nicht warten konnte, sondern weil ich mir Sorgen um Zeug gemacht habe, das gr\u00f6\u00dftenteils au\u00dferhalb meines Einflussbereichs liegt. Also genau das richtige, um nicht schlafen zu k\u00f6nnen, weil man sich nicht sagen kann: \u201eSo, morgen mache ich das und dann passiert genau das\u201c, sondern: \u201eIch mache morgen das und hoffe, dass eventuell das passiert, was ich mir w\u00fcnsche.\u201c<\/p>\n<p>Zwar den Wecker morgens nicht ausgetreten, aber trotzdem stumm liegengeblieben und an die Decke geguckt. Irgendwann die morgendliche DM von F. bekommen und endlich aufgestanden, geduscht, Kaffee gemacht, den vorgestern geschriebenen Blogeintrag verbessert und ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Der Plan war, meine Diss-Exposition vorzeigbar zu machen, aber gestern lag mir nichts ferner als das. Also erledigte ich Kleinkram, Anrufe, die ich vor mir hergeschoben hatte, vereinbarte Termine, machte B\u00fcrozeug. Die Ablage ist ja nie dringender als an den Tagen, an denen man eigentlich etwas anderes erledigen sollte. Als ich dann aber einen Termin erledigen wollte, bekam ich dort gute Ratschl\u00e4ge statt einer Verabredung, die nun nicht mehr n\u00f6tig war und hatte pl\u00f6tzlich einen neuen Tagesplan, auf den ich auch weitaus mehr Lust hatte als auf mein exzentrisches Hobby, denn mehr ist die Diss gerade nicht.<\/p>\n<p>Und so sa\u00df ich ab dem fr\u00fchen Mittag nicht mehr am Schreibtisch, sondern inspizierte beim Optiker um die Ecke diverse Brillengestelle.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Meine derzeitige Brille ist mindestens f\u00fcnfzehn Jahre alt, genau wei\u00df ich es schon gar nicht mehr. In der letzten Zeit bemerkte ich \u00f6fter, dass ich nur noch mit M\u00fche die Anzeigen in den U-Bahnh\u00f6fen lesen konnte, manche Stra\u00dfenschilder riet ich eher als sie zu lesen, in der Bibliothek hielt ich manchmal die B\u00fccher etwas weiter von mir weg, anstatt die Nase reinzustecken, und nach f\u00fcnfzehn Jahren k\u00f6nnte man ja auch mal wieder die Dioptrienwerte checken lassen.<\/p>\n<p>Also ging ich zum Optiker, bei dem ich im Vorbeigehen schon oft genug gesehen hatte, dass er viele Gestelle hatte, die mir zusagten (gucken Nicht-Brillentr\u00e4gerinnen bei Optikerinnen in die Schaufenster?), und bat um eine Untersuchung. Wir vereinbarten einen Termin am Nachmittag, aber wenn ich schon mal hier sei, k\u00f6nne ich ja gleich ein paar Gestelle aufsetzen? Aber hallo!<\/p>\n<p>Ich mag meine Brille immer noch, deswegen wollte ich nichts gro\u00dfartig anderes, nur etwas gr\u00f6\u00dfer d\u00fcrften die Gl\u00e4ser sein. Wir fanden relativ schnell mehrere Gestelle, die mir gefielen, und dann probierte ich nat\u00fcrlich alle weiteren Gestelle auf, von denen ich schon vorher wusste, dass sie mir nicht stehen, die ich aber einfach mal auf der Nase haben wollte. Seit ich irgendwann in den 1980er Jahren die <em>Blues Brothers<\/em> gesehen habe, will ich die klassische <a href=\"https:\/\/www.ray-ban.com\/germany\/sonnenbrillen\/wayfarer\/plp\">Wayfarer<\/a> von Ray-Ban haben (gibt&#8217;s auch als Nicht-Sonnenbrille), probiere sie immer wieder auf und muss mir seit nun fast 40 Jahren eingestehen, dass sie einfach nicht zu mir passt. Aber ich setze sie jedesmal wieder auf und hoffe, dass mir inzwischen das richtige Gesicht daf\u00fcr gewachsen ist. Ist es bis jetzt nicht, aber ich gebe die Hoffnung weiterhin nicht auf. Gestern den Entschluss gefasst: Mit sp\u00e4testens 70, wenn ich so alt werden darf, wird das Ding gekauft, passende Passform oder nicht. Mit 70 muss ich hoffentlich weder auf Kunden noch auf potentielle Lebensgef\u00e4hrten mehr Eindruck machen m\u00fcssen; dann trage ich nur noch Leggings, bunte Kaftane, ein Tuch um den Kopf, schei\u00df auf die Frisur, Sneakers auch in die Oper und eine Ray-Ban. Mit 70 darf ich alles.<\/p>\n<p>Ein paar Managerbrillen in Metall probierte ich nat\u00fcrlich auch auf, nur um mich zu sch\u00fctteln, ein paar bunte Gestelle, weil bunt halt, aber eigentlich hatten wir nach zwanzig Minuten die gefunden, die ich haben wollte. Ich konnte mich noch nicht ganz zwischen dunkelgraublau und braun entscheiden, lie\u00df mich vom Optiker per iPhone fotografieren und besah mir zuhause in den Stunden bis zum Termin weiterhin das Gestell auf meiner Pixelnase.<\/p>\n<p>Als ich dann um 15 Uhr wieder ankam, war der freundliche junge Herr vom Mittag nicht mehr da, stattdessen bediente mich eine junge Dame, f\u00fcr die ich nochmal beide Gestelle aufsetzte. Woraufhin die Dame meinte: \u201eDie stehen Ihnen beide sehr gut, aber merken Sie, dass die Gl\u00e4ser eher auf den Wangen aufliegen als auf der Nase?\u201c Nein, das hatte ich nicht gemerkt, erst in dem Moment, als sie es ansprach. Ich erinnerte mich schlagartig an jeden Sommer mit meiner jetzigen Brille, die nur durch den Nasensteg da bleibt, wo sie hingeh\u00f6rt, sie hat keine von diesen zwei Metallschr\u00e4ubchen, an denen Kunststoffpl\u00e4ttchen kleben, die man notfalls verbiegen kann, bis die Brille gut sitzt, aber daf\u00fcr sieht sie halt nur mit dem Nasensteg netter aus (finde ich). In jedem Sommer bin ich damit besch\u00e4ftigt, die Brille die Nase hochzuschieben, weil sie durch meinen st\u00e4ndig vorhandenen leichten Schwei\u00dffilm runterrutscht. Und dabei streiche ich grunds\u00e4tzlich den Schwei\u00df zwischen Wangen und Gestell weg. Die Aussicht, das nun dauernd machen zu m\u00fcssen, weil die Brille jetzt vermutlich deutlich \u00f6fter auf den Wangen liegt, gefiel mir gar nicht. Ich wollte aber auch keine doofen Plastikpr\u00f6ppel, die man theoretisch an das ausgesuchte Gestell h\u00e4tte randengeln k\u00f6nnen. Ich bat lieber um ein anderes Gestell, und die hilfsbereite und gr\u00fcndliche Dame hatte auch relativ schnell eine Alternative parat (sogar g\u00fcnstiger als das bisher angepeilte Modell), deren Gl\u00e4ser etwas kleiner waren, aber immer noch deutlich gr\u00f6\u00dfer als meine bisherige Brille. Dieses Mal machte ich schnell Selfies, w\u00e4hrend sie noch weiter suchte und verglich und verglich \u2013 und mochte die Alternative dann ziemlich genauso gerne wie das Modell vom Morgen.<\/p>\n<p>Wunderbar, dann konnten wir ja lustig Dioptrien messen. Da hat sich in den letzten f\u00fcnfzehn Jahren nicht viel ver\u00e4ndert, man hockt vor dem Metallgestell, guckt durch Linsen, die st\u00e4ndig gewechselt werden und muss achtzigmal \u201eSo besser oder schlechter?\u201c beantworten, bis die Optikerin zufrieden ist. Was ich noch nicht kannte: Die nun ausgew\u00e4hlten Linsen wurden in eine Brille eingepasst, die f\u00fcr mich so aussah, als w\u00e4re sie aus Lego. Damit wurde ich nun wieder nach vorne in den Laden gebeten, aus dem man auf die Stra\u00dfe schauen konnte, damit ich das fern sehen mal ausprobieren k\u00f6nnte. Auch dort wurde noch an mir gearbeitet, mit mobilen Pl\u00e4ttchen \u2013 \u201eso besser oder schlechter?\u201c \u2013, und als ich dann auch bei Tageslicht und mit weiter entferntem Sehziel zufrieden war, suchten wir die passenden Gl\u00e4ser aus, eine Wissenschaft f\u00fcr sich, was wei\u00df denn ich \u00fcber Entspiegelungen und Beschichtungen. Einfach aus dem Bauch raus das mittelteure bestellt.<\/p>\n<p>Im Laden war gerade eine Mutter mit einem kleinen bebrillen M\u00e4dchen, das mich fasziniert, aber auch irgendwie \u00e4ngstlich anschaute, als ich mit der schlimmen Legobrille durch den Laden spazierte. Ich meinte zu ihr: \u201eDu kriegst auf jeden Fall eine sch\u00f6nere Brille!\u201c, was sie sehr lustig fand.<\/p>\n<p>\u00dcber eine Gleitsichtbrille dachte ich auch kurz nach; die Optikerin meinte, dass das sch\u00f6n sei, dass es jetzt noch ginge mit dem B\u00fccher weiter weg halten, aber irgendwann sind die Arme eben auch nicht mehr lang genug. Und: Mit den neuen Gl\u00e4sern werde ich ja quasi noch weitsichtiger. Daran hatte ich nicht gedacht. Aber mit der Legobrille auf der Nase bekam ich einen Folder vorgelegt, der in verschieden gro\u00dfen bzw. kleinen Buchstaben gedruckt war, und bis auf die letzte Zeile konnte ich alles prima lesen. Und f\u00fcr diese letzte Zeile waren die Arme noch locker lang genug. Also: erstmal keine Gleitsichtbrille.<\/p>\n<p>Wenn ich Gl\u00fcck habe, kann ich schon Freitag mit neuen Gl\u00e4sern durch M\u00fcnchen spazieren, sp\u00e4testens n\u00e4chste Woche. Es ist \u00fcbrigens die links im Bild geworden, auch weil sie wirklich sofort perfekt auf der Nase sa\u00df. Und sie ist ein winziges bisschen bluesy!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_4445.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-31220\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_4445.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_4445-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Das vormitt\u00e4gliche Gestell w\u00e4re von <a href=\"http:\/\/www.williammorris.co.uk\/\">William Morris<\/a> gewesen und im Kopf hatte ich nat\u00fcrlich schon einen sch\u00f6nen Pr\u00e4-Brexit-Einkauf f\u00fcrs Blog vorformuliert, aber jetzt ist es eine <a href=\"https:\/\/de.longchamp.com\/\">Longchamp<\/a> geworden. Auf die deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nach dem doch recht langen, weil gr\u00fcndlichen Termin ging ich noch schnell einkaufen und verga\u00df wie immer, wenn ich Lust auf Lasagnemachen habe, dass ich alleine wohne und sie nie schaffe. Ich habe dann jetzt f\u00fcr drei bis vier Tage Essen. Mit einer etwas zu beherzt gew\u00fcrzten Bechamelschicht, aber Pfeffer ist ja bestimmt gesund.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_4449.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"536\" class=\"alignnone size-full wp-image-31221\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Okay geschlafen, aber recht lange nicht eingeschlafen. Nicht weil ich wieder ein sch\u00f6nes Buch vor der Nase hatte, das nicht warten konnte, sondern weil ich mir Sorgen um Zeug gemacht habe, das gr\u00f6\u00dftenteils au\u00dferhalb meines Einflussbereichs liegt. 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