{"id":311,"date":"2003-07-22T16:01:05","date_gmt":"2003-07-22T15:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=311"},"modified":"2004-11-08T20:03:08","modified_gmt":"2004-11-08T19:03:08","slug":"verschende-deine-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=311","title":{"rendered":"Verschwende deine Jugend"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0327227\/\">Verschwende deine Jugend<\/a><br \/>\n(D, 2003)<\/p>\n<p>Darsteller: Tom Schilling, Robert Stadlober, Jessica Schwarz, Marlon Kittel, Dieter Landuris, Christian Ulmen<br \/>\nKamera: David Schultz<br \/>\nMusik: Lee Buddah<br \/>\nDrehbuch: Kathrin Richter &#038; Ralf Hertwig<br \/>\nRegie: Benjamin Quabeck<\/em><\/p>\n<p><em>Verschwende deine Jugend<\/em> spielt 1980 und versucht, den Anf\u00e4ngen der Neuen Deutschen Welle nachzusp\u00fcren. Also den Anf\u00e4ngen mit DAF und nicht dem Kinderkram mit UKW oder Hubert Kah. Es geht um die Nachwuchsband Apollo Schwabing, deren \u201eManager\u201c Harry Pritzel (Tom Schilling) eigentlich Bankazubi ist, der aber alles daran setzt, die Jungs als Vorgruppe von DAF in den Zirkus Krone zu kriegen. Und das ist im Prinzip schon der ganze Film.<\/p>\n<p>Die Story selber ist nicht sonderlich aufregend oder \u00fcberraschend, die Darsteller dagegen recht ordentlich, die Dialoge sind nett, tun aber auch niemandem weh, und der Ausstattung merkt man an, wieviele Menschen in meinem Alter hinter den Kulissen rumgewuselt haben: alles da von Zauberw\u00fcrfel bis Senso, von Computerspielen bis zu fiesen LP-Covern, von spitzen Schuhen bis zur grellen Neon-Bar-Beleuchtung. Ich hab mich nicht gelangweilt, ich fand&#8217;s aber auch nicht umwerfend.<\/p>\n<p>Was mir trotzdem an dem Film gefallen hat, war das Gef\u00fchl, mit dem ich aus dem Kino kam: das Gef\u00fchl, noch einmal diese wunderbare Naivit\u00e4t genossen zu haben, mit der scheinbar alle damals durch die Gegend gerannt sind. Und mit \u201edamals\u201c meine ich nicht unbedingt die Zeit der 80er, sondern die Zeit, in der jeder f\u00fcr sich jung war. Die Zeit, in der man das Gef\u00fchl hatte, unsterblich zu sein und in der jeder Augenblick der beste war, den man je hatte. Wo man nie weiter als bis \u00fcbermorgen gedacht hat, wo man mit absoluter Gewissheit sagen konnte, dass man immer nur das machen w\u00fcrde, was man wollte und wo das Wort \u201eKonsequenzen\u201c irgendwas war, was man im Lexikon nachschlagen musste. Die Zeit, in der die richtige Musik wichtiger war als die gro\u00dfe Weltpolitik. Eben die Zeit, in der wir alle sehr, sehr seltsame Priorit\u00e4ten hatten \u2013 und das in der vollen \u00dcberzeugung, die einzigen zu sein, die eben diese Priorit\u00e4ten kennen. Das gab uns dieses einzigartige Gef\u00fchl der \u00dcberlegenheit der Jugend; die \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber den Erwachsenen, die anscheinend nicht mehr wussten, was wichtig ist.<\/p>\n<p>Am Ende des Films muss sich Harry eingestehen, dass so ziemlich alle seine Pl\u00e4ne grandios in die Hose gegangen sind. Und trotzdem spricht er davon, dass ihn das nicht einmal st\u00f6re, denn das sei eben die Quittung f\u00fcr das Geilste, was er je gemacht habe.<\/p>\n<p>Was ist, bittesch\u00f6n, so geil daran, eine Menge Kohle in den Sand zu setzen? Was ist an einer Niederlage so geil? Was?<\/p>\n<p>Ganz einfach: das Gef\u00fchl, etwas erlebt zu haben. Das Gef\u00fchl, einen Unterschied gemacht zu haben. Ich war da. Ihr habt es alle gesehen. Okay, ich bin gescheitert. Aber ich hab&#8217;s versucht. Das war es wert. Und jetzt mach ich das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding.<\/p>\n<p><em>Verschwende deine Jugend<\/em> versteht es, einen auf eine ganz widerliche Art sentimental zu machen. Man will gar nicht die ganzen seltsamen Klamotten und Frisuren wiederhaben. Aber auf einmal will man dieses Gef\u00fchl wiederhaben, dieses: Ich will auch noch mal den Wunsch versp\u00fcren, einen Unterschied zu machen. Ich will mich wieder nach v\u00f6llig irrationalen Dingen sehnen wie der n\u00e4chsten Platte einer obskuren Band anstatt nach der n\u00e4chsten geregelten Gehalts\u00fcberweisung. Ich will auch wieder Dinge tun, ohne dar\u00fcber nachdenken zu m\u00fcssen, welche Konsequenzen sie haben. Ich will mir wieder zugestehen, v\u00f6lligen Bl\u00f6dsinn im Brustton der \u00dcberzeugung von mir zu geben. Und vielleicht will ich auch einfach nur wieder das Gef\u00fchl haben, mein Leben sei unendlich und alle T\u00fcren st\u00fcnden mir offen.<\/p>\n<p>Ich sag&#8217;s ja: widerlich. Aber irgendwie auch sch\u00f6n. Also los. Ins Kino gehen. Ein bisschen Jugend (oder Alter) verschwenden. Den Mussolini tanzen. Passt schon.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschwende deine Jugend (D, 2003) Darsteller: Tom Schilling, Robert Stadlober, Jessica Schwarz, Marlon Kittel, Dieter Landuris, Christian Ulmen Kamera: David Schultz Musik: Lee Buddah Drehbuch: Kathrin Richter &#038; Ralf Hertwig Regie: Benjamin Quabeck Verschwende deine Jugend spielt 1980 und versucht, den Anf\u00e4ngen der Neuen Deutschen Welle nachzusp\u00fcren. 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