{"id":310,"date":"2003-02-25T15:57:42","date_gmt":"2003-02-25T14:57:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=310"},"modified":"2004-11-08T20:16:26","modified_gmt":"2004-11-08T19:16:26","slug":"two-weeks-notice","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=310","title":{"rendered":"Two Weeks Notice"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0313737\/\">Two Weeks Notice<\/a><br \/>\n(Ein Chef zum Verlieben, USA 2002)<\/p>\n<p>Darsteller: Hugh Grant, Sandra Bullock, Dana Ivey, Robert Klein<br \/>\nDrehbuch: Mark Lawrence<br \/>\nKamera: L\u00e1szl\u00f3 Kov\u00e1cs<br \/>\nMusik: John Powell<br \/>\nRegie: Mark Lawrence<\/em><\/p>\n<p>Ich mag Hugh Grant, wenn er ein bisschen das Arschloch spielt wie in <em>About a Boy<\/em> und nicht den stotternden Depp wie in <em>Four Weddings and a Funeral<\/em>. Ich mag Sandra Bullock, weil sie meiner Meinung nach keine von den Standard-Beautys in Hollywood ist. Ich mag romantische Kom\u00f6dien. Ich mag die gute, alte Hepburn-Tracy-Formel von \u201eSie treffen sich, sie k\u00f6nnen sich nicht leiden, sie lernen sich kennen, sie zieren sich, sie kriegen sich\u201c. Ich mag Filme, die in New York spielen. Ich mag Filme, die Aretha Franklin-Songs im Soundtrack haben. Wie lautet also mein Urteil \u00fcber <em>Two Weeks Notice<\/em>?<\/p>\n<p>Ach, ging so.<\/p>\n<p>Die Story: Sie ist eine Anw\u00e4ltin, die sich stets f\u00fcr die sozial Schwachen einsetzt, er ist ein steinreicher Firmenboss, der ausnahmsweise mal eine Anw\u00e4ltin mit K\u00f6pfchen einstellen will und keine Blondine mit einem Volkshochschuldiplom. Au\u00dferdem ist er ein verzogener, selbstgef\u00e4lliger Schn\u00f6sel, der sie selbst von der Hochzeit ihrer besten Freundin holt, damit sie ihm eine Krawatte aussucht. Nach fast einem Jahr und einem Magengeschw\u00fcr k\u00fcndigt sie, und nat\u00fcrlich wird beiden in den verbleibenden zwei Wochen ihrer gemeinsamen Zeit klar, dass sie sich und ihre jeweiligen Macken inzwischen verdammt gerne m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n und gut. Mehr wollte ich ja eigentlich auch gar nicht. Es macht schon Spa\u00df, Grant und Bullock bei ihren ziemlich h\u00fcbsch geschriebenen Wortgefechten zuzuschauen, aber die beiden wirken die ganze Zeit wie alte Saufkumpane, die sich gedacht haben, Hey, drehen wir doch mal einen Film zusammen und tun so, als w\u00fcrden wir uns gerade kennenlernen. Und genau dieses Kumpelhafte ist es, was die Romantik ruiniert. Beim modernen Klassiker des Genres, <em>When Harry met Sally<\/em>, knistert es wenigstens die ganze Zeit zwischen den beiden, auch wenn sie so tun, als w\u00e4re da nichts. Bei Grant und Bullock knistert es nicht einmal, wenn sie \u00fcber Sex reden und dar\u00fcber, dass Sandra sich im Bett wie eine Brezel verbiegen kann. Und wenn die beiden im Hubschrauber bei Abendsonnenschein \u00fcber New York fliegen (bestes romantisches Setting ever), dar\u00fcber reden, wie gro\u00dfartig sie sich finden und sich dabei bedeutungsschwangere Blicke zuwerfen, dann will man als Zuschauer diese Szene verdammt noch mal aufgel\u00f6st haben, und zwar mit einem Kuss oder wenigstens einer Kracherpointe, aber auf keinen Fall mit einem Ausblick auf das Chrysler-Building. Ich hab nur gedacht: Wenn ihr jetzt nicht knutscht, dann nie.<\/p>\n<p>Sie knutschen nicht. Und ab da habe ich innerlich abgeschenkt. Nat\u00fcrlich kommt der gro\u00dfe Kuss erst zum Schluss, und die Kamera zieht brav nach oben, w\u00e4hrend die Schnulze beginnt, die den Abspann einleitet, aber da hatte ich schon keine Lust mehr. Der magische Moment kam mir eindeutig zu sp\u00e4t.<\/p>\n<p>Regisseur Mark Lawrence war bisher Drehbuchautor, und das h\u00e4tte er vielleicht bleiben sollen, denn die S\u00e4tze, die er seinen Personen in den Mund legt, sind nicht unkomisch, und vor allem Hugh Grant liefert auch die schw\u00e4cheren Pointen sauber ab. Trotzdem wirkte der Film streckenweise so, als w\u00e4ren sich Regisseur und Cutter unschl\u00fcssig, ob sie noch ein wenig in der jeweiligen Szenerie verharren oder doch lieber weitermachen wollen. Ein bisschen mehr Tempo h\u00e4tte dem Film sehr gut getan \u2013 und ein bisschen mehr Konsequenz. Es werden eine Menge sch\u00f6ner Ideen ausgestreut, aus denen man h\u00e4tte mehr machen k\u00f6nnen: zum Beispiel Bullocks Eltern, die beide genauso liberale Anw\u00e4lte wie ihre Tochter (und au\u00dferdem politisch-korrekte Nervens\u00e4gen) sind oder der Idealismus von Bullock, der einfach mehr mit dem \u201eWas kostet die Welt\u201c-Gehabe von Grant h\u00e4tte kollidieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht braucht es wirklich Vollblut-Komiker wie Billy Crystal und Meg Ryan, um \u00fcber die schw\u00e4cheren Momente eines Films hinwegzukommen. Es reicht eben manchmal doch nicht, sich auf die alten Formeln f\u00fcr Chick Flicks zu verlassen. So bleibt <em>Two Weeks Notice<\/em> ein halbwegs am\u00fcsantes Filmchen, das mir etwas zu lang war und einfach nicht dieses \u201eAch, watt war datt sch\u00f6n\u201c-Gef\u00fchl im Bauch zur\u00fcckgelassen hat. Ich hatte blo\u00df Hunger nach dem Film, weil Sandra die ganze Zeit gegessen hat. Kein gutes Zeichen, wenn ich schon im Kino \u00fcberlege, ob danach Burger King oder Subway angesagt ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Two Weeks Notice (Ein Chef zum Verlieben, USA 2002) Darsteller: Hugh Grant, Sandra Bullock, Dana Ivey, Robert Klein Drehbuch: Mark Lawrence Kamera: L\u00e1szl\u00f3 Kov\u00e1cs Musik: John Powell Regie: Mark Lawrence Ich mag Hugh Grant, wenn er ein bisschen das Arschloch spielt wie in About a Boy und nicht den stotternden Depp wie in Four Weddings [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-310","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=310"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/310\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}