{"id":30268,"date":"2018-11-05T09:11:20","date_gmt":"2018-11-05T08:11:20","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30268"},"modified":"2018-11-05T09:25:13","modified_gmt":"2018-11-05T08:25:13","slug":"tagebuch-samstag-sonntag-3-4-november-2018-grrrr-und-hach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=30268","title":{"rendered":"Tagebuch Samstag\/Sonntag, 3.\/4. November 2018 \u2013 Grrrr und Hach"},"content":{"rendered":"<p>Sehr lange am Samstag geschlafen bzw. ged\u00f6st; lag vermutlich daran, dass ich nicht alleine im Bett war, das ist immer sch\u00f6n, zu zweit ewig rumzugammeln. Daf\u00fcr war der Vormittag dann pl\u00f6tzlich schon fast um, ich hetzte noch zum Einkaufen, und dann musste ich mich schon in die Stadionklamotten werfen, um den Zug um 13.30 nach Augsburg zu kriegen.<\/p>\n<p>Der FCA spielte gegen den Aufsteiger aus N\u00fcrnberg, und obwohl ich \u00fcberhaupt nichts gegen die Stadt habe (Kunstarchiv! Fahrerlose U-Bahnen! Rostbratw\u00fcrstchen!), ist mir der Fu\u00dfballverein f\u00fcrchterlich unsympathisch, keine Ahnung, warum. Einen Vorgeschmack auf die volle Fankurve bekamen wir schon an der Tramhaltestelle, wo die ersten Ultras rumnervten. Wir verzogen uns und warteten auf eine der n\u00e4chsten Trams, die eher mit gr\u00fcnwei\u00dfrot gekleideten Menschen besetzt war. Vor dem Spiel war ich super entspannt, ach, der Aufsteiger, ach, der olle Glubb, und nach wenigen Minuten schoss Herr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alfre%C3%B0_Finnbogason\">Finnbogason<\/a> auch das eins zu null. Die erste Halbzeit geh\u00f6rte dem FCA und ich war weiterhin entspannt \u2013 bis nach der Halbzeitpause alles anders wurde. Die N\u00fcrnberger hatten sich daran erinnert, wie man Fu\u00dfball spielt, der FCA hatte das anscheinend vergessen, und trotz eines wundersch\u00f6nen Freisto\u00dftores von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Jonathan_Schmid_(Fu%C3%9Fballspieler)\">Schmid<\/a> ging die Partie 2:2 unentschieden aus und f\u00fchlte sich wie eine Niederlage an. Extrem pampig latschten wir zur Tram zur\u00fcck und ich quengelte innerlich noch eine Stunde vor mich hin. <\/p>\n<p>Zur\u00fcck in M\u00fcnchen war dann auch das angepeilte Lokal total \u00fcberf\u00fcllt, aber in der Alternativ-Location war noch genau ein Tisch f\u00fcr uns frei. Wir lie\u00dfen uns <a href=\"http:\/\/deeba.de\/\">pakistanische K\u00f6stlichkeiten<\/a> statt Schnitzel servieren und waren wieder besser gelaunt. Noch ein Einschlafbierchen und wieder gemeinsam ins Bettchen. Das ist auch immer sch\u00f6n.<\/p>\n<p>(Ja, ich wei\u00df, ich klinge wie ein Teenager, der noch nie einen Freund hatte. Ich mag das aber ganz gern, mich wieder so albern verknallt zu f\u00fchlen.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Sonntag wollte ich nicht ganz so lange rumgammeln und begann schon mal mit <em>Saturday Night Live<\/em>, w\u00e4hrend F. noch selig schlummerte. Nutellatoast und Assamtee, dann wollte ich eigentlich lesen, aber dann doch irgendwie lieber hirntot vor einer Serie rumgammeln. Ich entschied mich f\u00fcr die neue Amazon-Prime-Produktion mit Julia Roberts, <em>Homecoming<\/em>, von deren zehn Folgen ich gestern sieben schaffte \u2013 und mich sp\u00e4testens seit dem Abspann der ersten Folge fragte, ob das Produktionsteam mich verarschen will. Jede Folge dauert ungef\u00e4hr 21 Minuten, wonach noch drei Minuten DRAMATISCHER ABSPANN folgen. Die Schauspieler*innen sind top, die Ausstattung auch, aber die Story ist so albern auf zehn Folgen MIT DRAMATISCHEM ABSPANN gestreckt und die st\u00e4ndig unheilvoll dr\u00e4uende Musik von einem miesen Agentenfilm von 1956 geklaut, dass ich nur noch mit den Augen rolle. Fieserweise will ich aber wissen, wie es ausgeht, also muss ich noch drei weitere Folgen mit den Augen rollen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Netterweise hatte ich abends ein wunderbares <a href=\"https:\/\/www.muenchenmusik.de\/veranstaltungen\/Sir_John_Eliot_Gardiner-4169.html\">Kontrastprogramm<\/a>: Im Gasteig f\u00fchrten der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Monteverdi_Choir\">Monteverdi Choir<\/a> und das <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Orchestre_R%C3%A9volutionnaire_et_Romantique\">Orchestre R\u00e9volutionnaire et Romantique<\/a> unter der Leitung von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/John_Eliot_Gardiner\">Sir John Eliot Gardiner<\/a> Verdis <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Messa_da_Requiem_(Verdi)\">Requiem<\/a> auf. <\/p>\n<p>Ich kenne mich mit Requiems null aus, ich wei\u00df nicht, ob die immer der gleichen Struktur folgen (Verdis Requiem folgt, soweit ich der katholischen Begleitung glauben darf, einer Messe), ich hatte daher nichts, woran ich mich festhalten konnte so wie in den \u00fcblichen Sinfonien oder Klavierkonzerten, wo man sch\u00f6n im Kopf die S\u00e4tze abhaken oder Variationen z\u00e4hlen kann. Hier lie\u00df ich mich einfach \u00fcberrollen, und Kinders, wenn irgendetwas einen \u00fcberrollen kann, dann das <em>Dies Irae<\/em>, was in <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Xl59Gn602hg\">dieser Aufnahme<\/a> bei 08.43 losfeuert. In der Philharmonie mit ihrem verschachtelten Zuschauer- und B\u00fchnenraum traten daf\u00fcr noch vier zus\u00e4tzliche Musiker*innen rechts und links auf eine Art Balkon, so dass wir altert\u00fcmliche Posaunen (?) in Stereo h\u00f6ren konnten. In solchen Momenten f\u00fchle ich mich auch immer wie ein Teenager, der noch nie in einem klassischen Konzert war und erwischte mich dabei, grinsend und\/oder mit offenem Mund dazusitzen. Posaunen in Stereo hatte ich aber wirklich noch nie!<\/p>\n<p>Ich war ansonsten wie immer in der Klassik damit besch\u00e4ftigt, mir die Klamotten der Damen genauer anzuschauen. Bei den Herren in ihren Pinguin-Outfits ist ja nie was zu holen, aber hier war immerhin ein Man Bun bei den Bratschen und ein sch\u00f6ner Hipster-Vollbart bei den Celli zu bewundern. Mein Liebling war eine Dame in der ersten Geige, die Hosen trug (immer ein Pluspunkt bei mir), dazu ein recht legeres Oberteil, und mit ihren kecken Ponyfransen und vor allem den 10-Zentimeter-Killerheels h\u00e4tte sie auch super in eine Rockerkneipe hinter die Theke gepasst.<\/p>\n<p>Die Solist*innen waren dem Anlass entsprechend auch in schwarz gewandet, die Sopranistin mit ein bisschen Glitzer am Ohr und G\u00fcrtel. Ich musste verwundert an mir feststellen, dass ich irgendwie \u00fcber Ten\u00f6re weg bin. Jahrelang war das meine liebste Lage bei den Jungs, und gestern dachte ich nur beim ersten Einsatz des Herrn, pfft, Show-Off; guckt mal, wie hoch ich singen kann. Ein echter Kerl singt Bass! Total unfair, wei\u00df ich auch, aber der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gianluca_Buratto\">Bass gestern<\/a> war auch richtig schmelzig, nicht so brummig. (Meine Klassik-Adjektive sind auch noch Teenager.)<\/p>\n<p>Aber irgendwann verga\u00df ich Klamotten und die innere, \u00fcber Ten\u00f6re naser\u00fcmpfende Rentnerin und h\u00f6rte einfach nur noch zu, weil es so wundersch\u00f6n war. Zwischendurch krachte das Thema (das ist vermutlich der falsche Begriff) vom <em>Dies Irae<\/em> noch zweimal rein, wenn ich richtig aufgepasst habe, und gerade, als ich dachte, so, jetzt bin ich drin, war das Requiem vorbei. F. holte unsere Jacken, ich wartete mit seinem M\u00fctterchen in der Lobby, bevor wir dann noch einen kleinen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BpxcRt1Hmkx\/\">Cocktail<\/a> zu uns nahmen. Die 85 Minuten in der Philharmonie haben das ganze Wochenende rausgerissen. Und ich will dringend wieder Gesangsunterricht haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr lange am Samstag geschlafen bzw. ged\u00f6st; lag vermutlich daran, dass ich nicht alleine im Bett war, das ist immer sch\u00f6n, zu zweit ewig rumzugammeln. 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