{"id":30249,"date":"2018-11-01T12:27:14","date_gmt":"2018-11-01T11:27:14","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30249"},"modified":"2018-11-01T12:27:14","modified_gmt":"2018-11-01T11:27:14","slug":"tagebuch-mittwoch-31-oktober-2018-zeichnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=30249","title":{"rendered":"Tagebuch Mittwoch, 31. Oktober 2018 \u2013 Zeichnen"},"content":{"rendered":"<p>F. kam von einem Kurzurlaub wieder und ich wollte ihm einen kleinen Willkommensgru\u00df in gezeichneter Form auf den Esstisch legen. Bei den ersten Skizzen merkte ich, dass ich quasi alles verlernt hatte, was ich mir in Volkshochschulkursen, im Kunstunterricht und beim Telefondoodeln angeeignet hatte (man telefoniert ja nicht mehr an einem Telefon mit Schnur!). Deswegen googelte ich nach einer Vorlage, die wenigstens in der Form dem Bild entsprach, das ich im Kopf hatte. Das zeichnete ich dann mit Bleistift und viel k\u00fcnstlerischer Freiheit ab, zog die richtigen Linien mit einem schwarzen Stift nach, radierte den Bleistift weg, nachdem ich zehn Minuten lang mein Radiergummi gesucht hatte, und konnte dann zu F. fahren, um die Karte (und Schokolade) abzulegen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Gearbeitet.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den Geschirrsp\u00fcler einger\u00e4umt und mich dar\u00fcber gefreut, einen Geschirrsp\u00fcler zu haben. \u00dcberhaupt freue ich mich so ziemlich t\u00e4glich \u00fcber irgendwas in der Wohnung und denke dauernd, ach, was geht&#8217;s mir gold. (Nicht an die Miete denken. Nicht an die Miete denken. Nicht an die Miete denken.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Weiter Feuchtwangers <em>Exil<\/em> gelesen, nachdem die <em>FAZ<\/em> durch war. Dabei kurz die Luft scharf eingezogen, als ich auf einen Satz stie\u00df, der beschreibt, wie ein Nazi-Funktion\u00e4r den Roman eines vertriebenen Schriftstellers liest, der sich am NS-System abarbeitet: \u201eEigentlich, dachte er, m\u00fc\u00dften uns diese emigrierten Schriftsteller dankbar sein, da\u00df wir ihnen so gro\u00dfartige Stoffe liefern.\u201c (Berlin 2012, S. 89.)<\/p>\n<p><em>Exil<\/em> ist bisher das Buch in der Wartesaal-Trilogie, was am allerwenigsten Spa\u00df macht. Aber Feuchtwanger! So toll, diese Sprache!<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/kino\/der-film-bohemian-rhapsody-ueber-die-rockband-queen-in-der-kritik-15865244.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0\">Eine Spur mehr zu laut w\u00e4re noch besser gewesen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Der Film <em>Bohemian Rhapsody<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mP0VHJYFOAU\">Trailer<\/a>) kommt in der Kritik nicht besonders gut weg. Dietmar Dath to the rescue!<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWie lange ist es her, dass so verklemmt wie im aktuellen Gerede \u00fcber \u201eBohemian Rhapsody\u201c an der Inszeniertheit und freim\u00fctigen Plattheit eines Films herumgebeckmessert wurde, der nichts weiter zu sein und zu k\u00f6nnen behauptet als die offiziell abgesegnete Selbstbeweihr\u00e4ucherung samt Erinnerungsarbeit einer Rockgruppe?<\/p>\n<p>Sieht man sich audiovisuelle Original-Dokumentaraufnahmen von Queen an (am besten die allerbeste, aufgenommen in Montreal 1981), erf\u00e4hrt man Mercury als einen, der besser konnte, was er tat, als andere, weil er mehr Spa\u00df dran hatte als alle, und umgekehrt \u2013 ein funkenspr\u00fchender Regelkreis der legitimen Selbstverehrung, der nur von au\u00dfen zerst\u00f6rt werden konnte (und auch wurde, von einem saudummen Virus). Der Titel seiner edelsten Arie lautet \u201eSomebody to Love\u201c, was bei einem berufsm\u00e4\u00dfigen Narzissten etwas ganz anderes bedeutet, als wenn die Nummer \u201eSomebody to be Loved by\u201c hie\u00dfe: Geliebtwerden oder nicht, das war nie sein Problem, auch wenn er die Stimmen der Sehnsucht, des Defizits, der Verlassenheit ebenso sicher aus sich sprechen lassen konnte wie die der Lust. Der Mann, dessen selbst ausgesuchter Nachname \u201eQuecksilber\u201c war, konnte jubeln und klagen wie keiner, das teilt der Film treu mit, auch wenn die Gitarrenspuren, die ihn dabei unterst\u00fctzen, hier und da ein bisschen lauter h\u00e4tten sein d\u00fcrfen (wir Altfans sind schwerh\u00f6rig, erfahrungsdumm und leicht zu beeindrucken, aber nach den ersten Takten von \u201eKeep yourself alive\u201c hat \u201eBohemian Rhapsody\u201c uns in der Tasche). [&#8230;]<\/p>\n<p>Pathos als Euphorie, Euphorie als Pathos, \u201eDon\u2019t Stop Me Now\u201c und \u201eWho Wants to Live Forever\u201c \u2013 man k\u00f6nnte eine ganze Pop-Anthropologie aus Queen-Songtiteln bauen, und sie w\u00e4re nicht d\u00fcmmer als irgendwas, was in akademischen F\u00e4chern vom Menschen jeden Tag an allen Unis so zusammengeforscht wird. Ein Kritiker der mangelnden Bereitschaft des Feuilletons, sich f\u00fcr Kitsch zu begeistern, meinte neulich, das Schlimme daran sei eine \u201e elit\u00e4re Kunstauffassung\u201c. Darauf kommen nur Leute, die auf Privatschulen waren \u2013 Feuilletonismus im schlechten Sinn ist doch gar nicht elit\u00e4r, Freddie Mercury war viel elit\u00e4rer (macht nur mal die Augen auf und schaut euch diese Pr\u00e4sentation an, demokratisch geht anders). Das Allerelit\u00e4rste ist (im Guten wie, manchmal, wie jetzt in Brasilien, im B\u00f6sen) sowieso das Allerpopul\u00e4rste, n\u00e4mlich die Stimme, die sich an die Masse wendet, indem sie allen Einzelnen darin suggeriert, man unterhalte sich von Meisterschaft zu Empf\u00e4nglichkeit, von oben nach unten. Autorit\u00e4t muss ein bisschen r\u00e4tselhaft sein, um zu funktionieren \u2013 keine Sau wei\u00df, worum es im Song \u201eBohemian Rhapsody\u201c \u00fcberhaupt geht, was Galileo, Scaramouche und Figaro darin zu suchen haben, aber als der Plattenfirmenidiot sich genau dar\u00fcber beschwert, reagiert Freddie Mercury, der bis in die Titel letzter Werke (\u201eInnuendo\u201c!) wusste, dass das Unverst\u00e4ndliche das Allgemeing\u00fcltige sein kann, mit der berechtigten Arroganz des G\u00f6tterlieblings.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>PS: Ich mochte den Musikschnitt im <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6S9c5nnDd_s\">Teaser-Trailer<\/a> sehr.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=A22oy8dFjqc\">Ach, hier, komm<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F. kam von einem Kurzurlaub wieder und ich wollte ihm einen kleinen Willkommensgru\u00df in gezeichneter Form auf den Esstisch legen. 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