{"id":30195,"date":"2018-10-26T09:44:15","date_gmt":"2018-10-26T08:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30195"},"modified":"2018-10-26T09:44:15","modified_gmt":"2018-10-26T08:44:15","slug":"tagebuch-donnerstag-25-oktober-2018-eher-ja","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=30195","title":{"rendered":"Tagebuch Donnerstag, 25. Oktober 2018 \u2013 Eher ja"},"content":{"rendered":"<p>Vormittags hatte sich F. angek\u00fcndigt, um mir noch bei ein paar Wohnungsdetails zu helfen. Ich hatte den armen Mann vollgejammert, dass die W\u00e4nde meines Schlafzimmers aus Granit best\u00fcnden, jedenfalls konnte ich kein anst\u00e4ndig tiefes Loch bohren, um meine Gardinenstangen anzud\u00fcbeln. Das war einer der Gr\u00fcnde, warum mich der <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30192\">Mittwoch<\/a> spontan und langanhaltend \u00fcberforderte: Irgendwie funktionierte nichts, was ich mir vorgenommen hatte, die neuen M\u00f6bel sahen im Raum teilweise nicht so gut aus wie erwartet, die Pappverpackungen von drei Regalen standen im Flur rum, den ich seit f\u00fcnf Wochen nicht leerbekomme, und Mittwoch war dann irgendwie alles ein bisschen zu viel. Es f\u00fchlte sich an wie ein Riesenberg, der nicht kleiner wird, und in ganz fiesen Minuten dachte ich so lustige Dinge wie: \u201eIch stecke jetzt irre viel Geld in eine Wohnung, aus der ich in drei Monaten ausziehen muss, weil mich niemand mehr bucht und ich kein Geld mehr verdiene.\u201c Und dann musste ich gedanklich in Papiert\u00fcten atmen bzw. Schokolade essen (f\u00fcr mein Seelenleben ist das dasselbe).<\/p>\n<p>Aber gestern war Unterst\u00fctzung da, und zu zweit geht Zeug wegschaffen besser. Wir begannen mit der Gardinenstange im Schlafzimmer, wobei mich F. fragte, wieso ich nicht zu seiner Hilti gegriffen h\u00e4tte, wenn meine Bosch mit der Wand nicht klarkommt. Darauf hatte ich keine gute Antwort au\u00dfer \u201eIch habe gro\u00dfen Respekt vor der Hilti\u201c, woraufhin F. mir das Ding in die Hand dr\u00fcckte, ich auf die Leiter kletterte \u2013\u00a0und nat\u00fcrlich der Bohrer wie durch Butter in die Wand glitt. Ich h\u00e4tte mir eine Menge Seelenfirlefanz ersparen k\u00f6nnen, wenn ich einfach die Bohrmaschine gewechselt h\u00e4tte. Wieder was gelernt. Bohrmaschinen statt Schokolade. Andererseits w\u00e4re meine Gardinenstange dann garantiert nicht so perfekt gerade wie sie jetzt ist, denn ich neige beim Heimwerkern grunds\u00e4tzlich zum \u201eDas passt schon irgendwie\u201c aka \u201eDa gew\u00f6hnt man sich dran\u201c. <\/p>\n<p>Auch die Gardinenstange im Arbeitszimmer wurde angebracht. Nachmittags b\u00fcgelte ich dann K\u00fcrzungsb\u00e4nder auf die zu langen Gardinen im Schlafzimmer, zog diese abends erstmals zu und f\u00fchlte mich gleich wie in einem Hotelzimmer. Was nett ist; ich schlafe gerne in Hotelzimmern. Im Arbeitszimmer h\u00e4ngte ich Gardinen auf, die ich letztmals vor 19 Jahren in Hannover abgenommen hatte (damals im Schlafzimmer) und die ich seitdem sinnlos von einer Wohnung zur anderen getragen habe, weil ich sie so sch\u00f6n finde, sie aber seitdem nirgends hingepasst haben. Es sind ganz schlichte, d\u00fcnne, wei\u00dfe Flattergardinen von Ikea (nat\u00fcrlich), die alles Licht reinlassen, aber von drau\u00dfen kann man, solange im Zimmer kein Licht brennt, nicht reingucken. Also genau das, was ich f\u00fcrs Arbeitszimmer haben wollte, denn die letzten Wochen konnte man mir von den Nachbarbalkonen ganz prima beim Tippen und Teetrinken zuschauen.<\/p>\n<p>Aber vor diese Gl\u00fcckseligkeit hatte der Heimwerkerteufel noch zwei Lampen gesetzt. Nach den erfolgreich anged\u00fcbelten Gardinenstangen machte sich F. an die Arbeitszimmerdeckenlampe. Da meine Monsterstehschreibtischlampe (ich <a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=30183\">erw\u00e4hnte<\/a> sie bereits) gerade nicht finanzierbar ist, hatte ich mich f\u00fcr eine simple Lichtschiene entschieden. Meine Vormieterin hatte ihre Lampe anscheinend aus der Decke gerissen, denn die noch hervorstehenden Kabel waren arg kurz und eine L\u00fcsterklemme gab es auch nicht. Weswegen ich in den letzten Wochen immer brav aufgepasst habe, wenn ich lange oder hohe Gegenst\u00e4nde in der Gegend rumschwenkte, um blo\u00df nicht an die offenen Kabel an der Decke zu kommen. Bei Strom bin ich vermutlich extrem \u00fcbervorsichtig; bevor ich Kabel anfasse, schaue ich ungef\u00e4hr achtzigmal mit dem Phasenpr\u00fcfer, ob auch ja kein Strom flie\u00dft und gucke f\u00fcnfmal nach, ob die Sicherung auch <em>wirklich<\/em> drau\u00dfen ist. Gestern stieg aber F. freiwillig auf die Leiter, weil die Lampe zu schwer f\u00fcr eine Person alleine war, um sie vern\u00fcnftig anzubauen. Wir bohrten erstmal nur L\u00f6cher und schraubten die L\u00fcsterklemme der K\u00fcchenlampe im Arbeitszimmer an, die danach noch drankommen sollte, hatten nach den Gardinenstangen aber allm\u00e4hlich Hunger und gingen erstmal <a href=\"http:\/\/cafe-puck.de\/\">fr\u00fchst\u00fccken<\/a> bzw. mittagessen.<\/p>\n<p>Danach wollte F. eigentlich noch wohin, aber vorher k\u00f6nne man ja noch schnell die beiden Lampen &#8230; \u00e4h. Ja. Ich glaube, der Mann kam erst gegen 16 Uhr bei mir weg, weil sich beide Lampen als zickiger herausstellten als gedacht. Wir hatten auf dem R\u00fcckweg vom Lunch zwar beim <a href=\"https:\/\/www.suckfuell.de\/ladengeschaeft\">Suckf\u00fcll<\/a> noch L\u00fcsterklemmen, D\u00fcbel und zwei Meter Kabel besorgt, aber es war alles ein Schmerz im Arsch, und ich bewundere seit gestern die stoische Ruhe von F., w\u00e4hrend ich zwischendurch den ernsthaften Vorschlag machte, einfach eine neue Lampe zu kaufen, verdammte Axt.<\/p>\n<p>Bei Suckf\u00fcll erstand ich auch einen Hammer. Mein Hammer hat mal meinem Opa geh\u00f6rt und bei meinem Auszug von zuhause best\u00fcckte mein Papa meine Werkzeugkiste damit. Seitdem wei\u00df ich, dass man wackelige Hammerk\u00f6pfe wieder festkriegt, indem man den Stiel fest auf irgendwas draufklopft, aber nach 30 Jahren wird das Ding nicht mehr besser. Daher kaufte ich einen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BpWuWwCjTkJ\/\">neuen Hammer<\/a>, werde den alten aber vermutlich einfach weiter in der Kiste liegen lassen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend F. auf der Leiter vor sich hinfluchte und ich nichts tun konnte als eiskaltes Spezi anzureichen bzw. kurz Wundversorgung zu machen, weil der Cutter doch recht scharf war, mit dem F. Kabel von der Umh\u00fcllung befreite, klingelte auch noch ein Handwerker, den mir die Verwaltung bestellt hatte. Ich wusste beim Telefonat gar nicht, was genau der Mann machen sollte, aber seit gestern habe ich vor der Balkont\u00fcr jetzt eine Holzschwelle statt einer gammeligen Plastikschiene, die mir nicht mal gro\u00df aufgefallen war, bis der Mann sie herausriss. (Ich sag ja: \u201eDa gew\u00f6hnt man sich dran.\u201c)<\/p>\n<p>Nachdem beide Flei\u00dfbienchen weg waren, saugte ich die ganze Wohnung durch und gef\u00fchlt 20 Kabelenden und 200 Gramm Holzstaub ein. Der Schreiner hatte aber brav nach Kehrblech und Handfeger gefragt, die ich seit meinem gro\u00dfen Baumarktkauf f\u00fcr die Farbeimer auch besitze. Und ich fand sie sogar! Aber innerlich jammerte ich dabei wieder, genau wie Mittwoch. Ich habe f\u00fcr diese Wohnung so vieles neu gekauft, was ich schon mal besessen hatte (Badezimmerschrank, anst\u00e4ndige Teleskopstange zum Streichen, Handfeger, Besen, Schrubber undundund). Das hatte ich alles in Hamburg zur\u00fcckgelassen, weil ich keinen Platz mehr daf\u00fcr hatte bzw. weil ich wusste, es ist billiger, es neu zu kaufen, als es jetzt erst auf den Dachboden meiner Eltern zu schleppen und dann irgendwann wieder zu mir. Trotzdem nagt das alles manchmal noch an mir, dieses \u201eDa war ich schon, das hatte ich alles\u201c und jetzt fange ich wieder neu an. Aber ich ahne langsam, dass das der Witz am Leben ist. Man f\u00e4ngt halt immer irgendwas oder irgendwo wieder neu an.<\/p>\n<p>Abends sa\u00df ich dann auch einfach nur still in der K\u00fcche, freute mich \u00fcber mein neues, warmes Schnuffellicht \u00fcber dem Esstisch, sch\u00e4lte ein Dutzend Mandarinen und guckte in der Gegend herum. Das war sch\u00f6n.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.eater.com\/2018\/10\/24\/18014782\/salt-fat-acid-heat-samin-nosrat-eating-cooking-food-tv-netflix\">\u2018Salt, Fat, Acid, Heat\u2019 Changes the Rules for Who Gets to Eat on TV<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe noch nicht alle Folgen von <em>Salt, Fat, Acid, Heat<\/em> gesehen, aber schon bei der ersten dachte ich genau das, was Jenny G. Zhang f\u00fcr <em>Eater<\/em> so eloquent formuliert hat: Da sagt eine Frau, dass sie bitte noch mehr essen m\u00f6chte und macht das dann auch. Das ist radikal.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEating as a woman is fraught. <a href=\"http:\/\/www.med.unc.edu\/www\/newsarchive\/2008\/april\/survey-finds-disordered-eating-behaviors-among-three-out-of-four-american-women\">Given that more than half of American women<\/a> have unhealthy relationships with food or their bodies, it\u2019s small wonder that dining in public is a mental tightrope walk of weighing indulgence versus restraint, portion sizes versus the eventual, inevitable hunger \u2014 all while being acutely aware of how any given choice may be read by dining companions and passersby alike. A salad? She\u2019s dieting. A dessert all for herself? She\u2019s not watching her figure.<\/p>\n<p>Now imagine that amplified on screen, for the mass consumption of thousands and millions of viewers. If eating as a woman is fraught, doing so as a woman on TV is even more so. Food TV most often functions as an escape from reality, transporting the audience to faraway lands or alternate realities in which every bite is creamy, fatty, decadent, transcendent, glorious. But for many viewers, the existence of that fantasy is propped up by an underlying tension: the tangled relationship between food, weight, and self worth. If we had the means to eat like a king, if we had the metabolism \u2014 without fear of judgment or the sheer physicality of bodies \u2014 would we not just live every day like an episode of Diners, Drive-ins and Dives?<\/p>\n<p>To confront that unspoken tension is to ruin the fantasy, as Great British Baking Show fans discovered with the <a href=\"https:\/\/www.eater.com\/2018\/8\/23\/17774956\/great-british-baking-show-new-season-netflix-2018\">latest iteration<\/a> of the beloved baking competition series. \u201cIt\u2019s not worth the calories,\u201d judge Prue Leith has taken to declaring as her ultimate critique of cakes, pastries, and other desserts that don\u2019t make the cut. It\u2019s proven to be an <a href=\"https:\/\/guce.oath.com\/collectConsent?brandType=eu&#038;.done=https%3A%2F%2Fwww.huffingtonpost.co.uk%2Fentry%2Fgreat-british-bake-off-2018-prue-leith-calories-catchphrase_uk_5b8647f4e4b0cf7b00305073%3Fguccounter%3D1%26guce_referrer_us%3DaHR0cHM6Ly93d3cuZWF0ZXIuY29tLw%26guce_referrer_cs%3DFQfx4KQLxhEBKuYsZFSrgA&#038;sessionId=3_cc-session_0bd42323-171a-4056-845b-abc4da5f2501&#038;lang=en-gb&#038;inline=false\">inflammatory catchphrase<\/a>, not least because it ruins the escapist joy of a show like GBBS: It poisons the fantasy with the nagging reminder that, in the real world, <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/tv-and-radio\/shortcuts\/2017\/aug\/07\/calories-bake-off-prue-leith\">calories are the enemy<\/a> because of <a href=\"https:\/\/highline.huffingtonpost.com\/articles\/en\/everything-you-know-about-obesity-is-wrong\/\">the virtue we assign to thinness<\/a>, and entire lives are reoriented around the axis of consuming as little of them as possible.<\/p>\n<p>What would Leith call the generous way Nosrat eats on <em>Salt, Fat, Acid, Heat<\/em>? \u201cGuilty pleasures,\u201d perhaps, that infuriating phrase that denotes <a href=\"https:\/\/www.newyorker.com\/books\/page-turner\/against-guilty-pleasure\">performative guilt and pleasure<\/a>. We know we\u2019re not supposed to enjoy too much butter in our pasta, according to societal conventions, so we must loudly confess our sin to absolve ourselves for eating it. What is radical, then, is to watch Nosrat, a woman of color who is neither a Giada nor an Ina, eat on camera with no reservations, and to do so without any mention of calories or guilty pleasures. She makes no apologies for occupying space and for consuming, even requesting more.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vormittags hatte sich F. angek\u00fcndigt, um mir noch bei ein paar Wohnungsdetails zu helfen. Ich hatte den armen Mann vollgejammert, dass die W\u00e4nde meines Schlafzimmers aus Granit best\u00fcnden, jedenfalls konnte ich kein anst\u00e4ndig tiefes Loch bohren, um meine Gardinenstangen anzud\u00fcbeln. 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