{"id":29788,"date":"2018-08-19T08:49:00","date_gmt":"2018-08-19T07:49:00","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29788"},"modified":"2018-08-19T08:49:00","modified_gmt":"2018-08-19T07:49:00","slug":"tagebuch-freitag-samstag-17-18-august-2018-raus-da","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=29788","title":{"rendered":"Tagebuch Freitag\/Samstag, 17.\/18. August 2018 \u2013 Raus da"},"content":{"rendered":"<p>Freitag buddelte ich mich erfolgreich aus dem Dissertationsmotivationsloch heraus, indem ich mich brav an den Schreibtisch setzte und endlich mal die Bibliotheksb\u00fccher durcharbeitete, die hier seit Wochen liegen und die ich immer nur verl\u00e4ngere anstatt reinzugucken. Das tat gut, den Kopf wieder sinnvoll zu besch\u00e4ftigen anstatt Herrn Grossberg nachzutrauern oder Netflix leerzugucken. Die Uni-Sommerferien sind anscheinend vorbei.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends wieder bei F. vom Balkon runtergeguckt. Mit einigen Dingen, die mich seit einer Woche stressen und dann freuen und dann wieder stressen und dann wieder freuen, meinen Frieden gemacht. Der Mann holte Pizza, und damit wird ja eh immer alles gut.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Der Samstagvormittag f\u00fchlte sich dann fast wie zusammenwohnen an, weil ich nicht nach Hause ging, um meinen Tag mit Kaffee und Lekt\u00fcre zu beginnen, sondern stattdessen die Tram zum Stachus nahm, um dort mein derzeitiges <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rischart\">Lieblingsbrot<\/a> zu kaufen (zu hei\u00df zum Selberbacken) und meine Drogen bei Starbucks zu holen, um dann weiter bei F. rumzulungern, weil der Mann gerade nicht allein sein wollte. War mir sehr recht.<\/p>\n<p>Den neuen <em>Spiegel<\/em> nahm ich auch mit, weil ich ein Interview mit <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Okwui_Enwezor\">Okwui Enwezor<\/a> darin entdeckte, dem gerade zur\u00fcckgetretenen Direktor vom Haus der Kunst. Die <a href=\"https:\/\/hausderkunst.de\/ausstellungen\/postwar-kunst-zwischen-pazifik-und-atlantik-1945-1965\">Postwar-Ausstellung<\/a>, die er mitkuratierte, geh\u00f6rt mit zum Besten, das ich je gesehen habe, und ich trauere dem Mann sehr hinterher. Auch auf diese Ausstellung nahm Enwezor Bezug, als er meinte: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eEnwezor: Das Haus der Kunst hat \u2013\u00a0und das schon seit Jahrzehnten \u2013 ein strukturelles Defizit. Das Geld reicht nicht, die Einrichtung ist chronisch unterfinanziert, es fehlen Mitarbeiter. Man wollte nicht viel investieren, aber eine gro\u00dfe Wirkung erzielen. Das ist das eine.<\/p>\n<p>Spiegel: Was ist das andere?<\/p>\n<p>Enwezor: Wom\u00f6glich passte unsere inhaltliche Ausrichtung nicht ins heutige politische Klima. Wir haben uns wirklich dem Dialog verpflichtet gef\u00fchlt, nat\u00fcrlich bedeutete das auch, dass wir nicht nur Blockbuster veranstaltet haben. \u201ePostwar\u201c, unsere Ausstellung zur Nachkriegszeit, hat neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt.<\/p>\n<p>Spiegel: Sie haben darin bekannte und weniger bekannte K\u00fcnstler aus der gesamten Welt zusammengebracht und gezeigt, dass der kulturelle Fortschritt seit 1945 nicht nur im Westen stattgefunden hat. Das war eine weitreichende Neubewertung der j\u00fcngeren Kunstgeschichte, Sie erhielten international viel Lob. Aber der gro\u00dfe Besucherandrang blieb aus.<\/p>\n<p>Enwezor: Nicht alles l\u00e4sst sich auf Erfolge an der Museumskasse reduzieren. Manchmal ist der Zugewinn, den eine Institution erh\u00e4lt, kein finanzieller. Wissen Sie, was erstaunlich ist?<\/p>\n<p>Spiegel: Was?<\/p>\n<p>Enwezor: Etliche unserer Ausstellungen sind, nachdem sie hier zu sehen waren, von anderen Museen \u00fcbernommen worden. Unsere Ausstellung mit den <a href=\"https:\/\/hausderkunst.de\/ausstellungen\/louise-bourgeois-cells\">Skulpturen von Louise Bourgeois<\/a> [<a href=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=21908\">Fehlfarben-Podcast dazu<\/a>] reiste nach Russland, D\u00e4nemark und Spanien. In Moskau und im d\u00e4nischen Humlebaek kamen so um die 200.000 Besucher, in Bilbao sogar 600.000. In M\u00fcnchen, dem Ausgangsort, aber waren es weniger als 80.000 gewesen. Unsere Ausstellungen haben eine internationale Strahlkraft, nur warum sind sie woanders popul\u00e4rer als hier?<\/p>\n<p>Spiegel: Ist M\u00fcnchen kein guter Ort mehr f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Kunst? Auch in der M\u00fcnchner Theaterszene haben es experimentierfreudige Leute schwer. Matthias Lilienthal, Intendant der Kammerspiele, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/kultur-in-muenchen-matthias-lilienthal-hoert-als-intendant-der-muenchner-kammerspiele-auf-1.3913360\">verl\u00e4sst die Stadt<\/a>.<\/p>\n<p>Enwezor: Die Leute behaupten oft, sie w\u00fcrden sich f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Kunst interessieren. Aber zeitgen\u00f6ssische Kunst ist etwas Toughes und Herausforderndes, nichts Eing\u00e4ngiges, und das gef\u00e4llt nicht jedem. Hier wird immer noch \u00fcber die wirklich gro\u00dfartige Ai-Weiwei-Ausstellung gesprochen, die 2009 im Haus der Kunst er\u00f6ffnet wurde, also einige Jahre bevor ich kam. Aber wenn sie die Popularit\u00e4t in Besucherzahlen messen wollen, muss ich sie entt\u00e4uschen, es kamen nur 100.000 Leute.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(<em>Der Spiegel<\/em> 34 (2018), S. 115\/116.)<\/p>\n<p>Ich habe schon l\u00e4nger keinen gedruckten <em>Spiegel<\/em> mehr in der Hand gehabt. Ganz sch\u00f6n d\u00fcnn geworden, das Ding. Und keine wirklich langen Artikel mehr au\u00dfer der Titelstory? Und neue Headline-Typo. UND F\u00dcNF EURO ZEHN? Aber immerhin noch einen sch\u00f6nen Artikel \u00fcber ein <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B07CHR54ST\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B07CHR54ST&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=daeb5ee6e903ca390a24c3bda820f069\">Buch<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=B07CHR54ST\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> \u00fcber Wein und seine Bedeutung in der bundesrepublikanischen Politik gefunden. \u00dcber diesen Absatz musste ich sehr lachen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBeim allerersten Staatsbesuch der jungen Bundesrepublik war sie [die Qualit\u00e4t der angebotenen Weine] eher m\u00e4\u00dfig. Was Bundespr\u00e4sident Theodor Heuss unter dem \u201ePathos der N\u00fcchternheit\u201c verstand, erfuhr der Kaiser von \u00c4thiopien, als er im November 1954 nach Bonn reiste. Wein aus guten Lagen, aber schlechten Jahrg\u00e4ngen, und ein Sekt, \u201eS\u00f6hnlein Rheingold\u201c, zu dessen Gunsten nur vorgebracht werden konnte, dass der Kaiser 1875 angeordnet hatte, alle Kriegsschiffe der Marine fortan damit zu taufen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>(<em>Der Spiegel<\/em> 34 (2018), S. 30.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Kalte Pizza ist das beste Fr\u00fchst\u00fcck, basta, keine Diskussion.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Nachmittags alleine DFB-Pokal geguckt, weil der Mann zum Grillen eingeladen war (ich auch, aber ich wollte nicht mit). Sehr belustigt dabei zugesehen, wie das kleine nieders\u00e4chsische Drochtersen-Assel aus der vierten Liga den gro\u00dfen FC Bayern <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=h5KdWnNPj3M\">anstrengte<\/a>, der nur so gerade mit 1:0 gewinnen konnte. In der Vorberichterstattung meinte der Kapit\u00e4n der Truppe: \u201eZiel ist es, weniger Gegentore zu kriegen als der HSV.\u201c Das hat ziemlich gut geklappt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends einen Riesenberg Caesar Salad vertilgt. Seit einiger Zeit hadere ich mit den Anchovis, die ins Dressing kommen. Ich esse die Viecher schon, aber ich arbeite extrem ungern mit ihnen. Das \u00d6lig-Glitschige macht mir nichts aus, aber diese gef\u00fchlten Widerhaken, die mich pieksen, wenn ich sie zerschneide, finde ich sehr unangenehm, und ich denke dann zu lange \u00fcber mein Essen nach, als dass es mir danach schmeckt. Also lasse ich sie neuerdings weg. Ja, dann fehlt diese herbsalzige Komponente, aber ganz ehrlich: knackiger Salat, frisch gehobelter Parmesan, hei\u00dfe Knoblauchcroutons \u2013 da reicht auch ein Dressing aus Cr\u00e8me fra\u00eeche, Senf und Zitronensaft, das schmeckt auch so geil.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Im Bett bei ausgeschaltetem Licht auf dem Smartphone einen Artikel dar\u00fcber gelesen, dass Lesen auf dem Smartphone bei ausgeschaltetem Licht eventuell <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/society\/2018\/aug\/09\/blue-light-from-phone-screens-accelerates-blindness-study-finds\">ganz b\u00f6se<\/a> ist. (Gerade eben beim Linkgoogeln einen weiteren <a href=\"https:\/\/www.digitaltrends.com\/mobile\/blue-light-blindness-study\/\">Artikel<\/a> gefunden, der mich wieder beruhigt hat.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freitag buddelte ich mich erfolgreich aus dem Dissertationsmotivationsloch heraus, indem ich mich brav an den Schreibtisch setzte und endlich mal die Bibliotheksb\u00fccher durcharbeitete, die hier seit Wochen liegen und die ich immer nur verl\u00e4ngere anstatt reinzugucken. Das tat gut, den Kopf wieder sinnvoll zu besch\u00e4ftigen anstatt Herrn Grossberg nachzutrauern oder Netflix leerzugucken. Die Uni-Sommerferien sind [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-29788","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29788","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29788"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29788\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29791,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29788\/revisions\/29791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29788"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29788"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29788"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}