{"id":29217,"date":"2018-05-24T07:45:18","date_gmt":"2018-05-24T06:45:18","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=29217"},"modified":"2018-05-24T08:02:05","modified_gmt":"2018-05-24T07:02:05","slug":"was-schon-war-sonntag-bis-mittwoch-20-bis-23-mai-2018-wennebostel-hannover-halle-munchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=29217","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Sonntag bis Mittwoch, 20. bis 23. Mai 2018 \u2013 Wennebostel, Hannover, Halle, M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sonntag: Wennebostel<\/strong><\/p>\n<p>Am Sonntag feierte mein Papa seinen 80. Geburtstag. Er hatte dazu die \u00fcbliche Rotte an Verwandtschaft und Bekanntschaft eingeladen; der Landgasthof, in dem meine Familie quasi alles feiert von Hochzeiten bis zu Goldenen Hochzeiten, tischte wie immer bergeweise rustikale K\u00f6stlichkeiten auf, und wir lie\u00dfen es uns von 11 Uhr morgens bis kurz vor 19 Uhr abends rundum gutgehen. Mich pers\u00f6nlich interessierte nat\u00fcrlich die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Welfenspeise\">Welfenspeise<\/a> am meisten, mein allerliebster Nachtisch, von dem nie etwas \u00fcbrigbleibt, was ich jedesmal anprangere. Ansonsten griff ich zum Huhn statt zum Wildschwein, genoss fiese Fertigkroketten, die ich genau deshalb nie kaufe, weil sie fies und fertig sind, aber auf einem Buffet findet ich sie super, nachmittags schmeckte eine Mascarpone-Himbeer-Torte ganz ausgezeichnet, und ich alleine vernichtete vermutlich ein bis zwei Flaschen herrlichen Kerner. Was man halt so in Landgasth\u00f6fen macht.<\/p>\n<p>Mir gefiel auch der gebuchte Alleinunterhalter gut. Ich w\u00fcrde den Mann nie anheuern, weil er schlicht nicht zu meiner Altersklasse passt, aber ich mochte seine Professionalit\u00e4t sehr gerne. Er begr\u00fc\u00dfte uns alle, als wir drau\u00dfen beim Empfangsschl\u00fcckchen Sekt herumstanden, mit einem Lied auf dem Akkordeon und brachte fast alle dazu, Papa ein Geburtstagsst\u00e4ndchen zu schmettern, wobei die \u00e4ltere Generation weitaus textsicherer war als wir und die Generation nach uns. Danach hielt er sich wieder zur\u00fcck und dudelte unaufdringliche Schlager im Hintergrund, teilweise am Keyboard selbst gespielt und gesungen, teilweise vom Band, w\u00e4hrend wir a\u00dfen und uns unterhielten. Nach Absprache mit meinen Eltern wurde dann zum Tanz aufgespielt. Irgendwann am Nachmittag verteilte er Textb\u00fccher, und wer wollte, konnte Volkslieder mit ihm singen. Ab und zu wurden G\u00e4ste mit in die Performance einbezogen, wenn sie wollten, keiner musste, alles ging. Das fand ich wirklich bemerkenswert, diese Grenze zwischen \u201eich muss f\u00fcr Stimmung sorgen\u201c, \u201eich lasse alles einfach mal laufen, sorge aber f\u00fcr einen angenehmen Musikteppich\u201c und \u201eich unterst\u00fctze die gut gelaunte Feierlichkeit, ohne dass es peinlich oder penetrant wird\u201c. Profi halt.<\/p>\n<p>Wor\u00fcber ich mich auch freute: dass meine Idee mit den ausgedruckten Fotokarten gut ankam. Meine Schwester hatte in den letzten Jahren nach und nach unsere ganzen Familienalben eingescannt und mir einen Berg an Zeug gemailt, aus dem ich Motive ausw\u00e4hlte, die meiner Meinung nach Papas 80 Lebensjahre wenigstens punktuell abbildeten: mit seinen Eltern, mit Mama, die vor \u00fcber 50 Jahren noch seine schicke, junge Verlobte war, dann mit meiner Schwester und mir, Hausbau, Urlaub, Feiern mit der Verwandtschaft, Nachbarschaftshilfe, Familienkram. Wir stellten einige Karten auf die Tische, andere aufs Buffet und es passierte genau das, was ich mir erhofft hatte: Die Menschen an den jeweiligen Tischen unterhielten sich \u00fcber die Bilder bzw. die Abgebildeten, tauschten die Karten miteinander und guckten auch nach, was auf den anderen Tischen so stand. Simple Idee, prima Konversationsstarter. Profi halt. (SCNR.)<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\" data-instgrm-captioned data-instgrm-permalink=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Bi__C4TDQFU\/\" data-instgrm-version=\"8\" style=\" background:#FFF; border:0; border-radius:3px; box-shadow:0 0 1px 0 rgba(0,0,0,0.5),0 1px 10px 0 rgba(0,0,0,0.15); margin: 1px; max-width:658px; padding:0; width:99.375%; width:-webkit-calc(100% - 2px); width:calc(100% - 2px);\">\n<div style=\"padding:8px;\">\n<div style=\" background:#F8F8F8; line-height:0; margin-top:40px; padding:50.0% 0; text-align:center; width:100%;\">\n<div style=\" background:url(data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAACwAAAAsCAMAAAApWqozAAAABGdBTUEAALGPC\/xhBQAAAAFzUkdCAK7OHOkAAAAMUExURczMzPf399fX1+bm5mzY9AMAAADiSURBVDjLvZXbEsMgCES5\/P8\/t9FuRVCRmU73JWlzosgSIIZURCjo\/ad+EQJJB4Hv8BFt+IDpQoCx1wjOSBFhh2XssxEIYn3ulI\/6MNReE07UIWJEv8UEOWDS88LY97kqyTliJKKtuYBbruAyVh5wOHiXmpi5we58Ek028czwyuQdLKPG1Bkb4NnM+VeAnfHqn1k4+GPT6uGQcvu2h2OVuIf\/gWUFyy8OWEpdyZSa3aVCqpVoVvzZZ2VTnn2wU8qzVjDDetO90GSy9mVLqtgYSy231MxrY6I2gGqjrTY0L8fxCxfCBbhWrsYYAAAAAElFTkSuQmCC); display:block; height:44px; margin:0 auto -44px; position:relative; top:-22px; width:44px;\"><\/div>\n<\/div>\n<p style=\" margin:8px 0 0 0; padding:0 4px;\"> <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/Bi__C4TDQFU\/\" style=\" color:#000; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px; text-decoration:none; word-wrap:break-word;\" target=\"_blank\">#papawird80<\/a><\/p>\n<p style=\" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px; margin-bottom:0; margin-top:8px; overflow:hidden; padding:8px 0 7px; text-align:center; text-overflow:ellipsis; white-space:nowrap;\">Ein Beitrag geteilt von <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/ankegroener\/\" style=\" color:#c9c8cd; font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; font-style:normal; font-weight:normal; line-height:17px;\" target=\"_blank\"> Anke Gr\u00f6ner<\/a> (@ankegroener) am <time style=\" font-family:Arial,sans-serif; font-size:14px; line-height:17px;\" datetime=\"2018-05-20T12:46:42+00:00\">Mai 20, 2018 um 5:46 PDT<\/time><\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p> <script async defer src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n<p>Abends war ich eigentlich platt, aber ich sehe meine Schwester und ihren Mann recht selten, weswegen F. und ich den Restabend bei den beiden auf der Terrasse verbrachten. Es wurde Rotwein gereicht und Pastis (Haselnussgeist f\u00fcr die Anti-Anis-Fraktion wie mich), wir vernichteten ein Kilo N\u00fcsschen und ich stellte erstaunt fest, dass bestimmte R\u00e4ucherst\u00e4bchen wirklich gegen M\u00fccken halfen. Eigentlich stellte ich das erst einen Abends sp\u00e4ter bei meinen Eltern auf der Terrasse fest, wo ich ohne R\u00e4ucherst\u00e4bchen fies gestochen wurde.<\/p>\n<p>Sp\u00e4t und m\u00fcde ins Bett.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Montag: Hannover<\/strong><\/p>\n<p>Fr\u00fch und m\u00fcde wieder wach. Keine Ahnung warum, aber F. und ich waren beide gef\u00fchlt vor 6 wach (ich auf jeden Fall). Wir hatten das Sprengelmuseum in Hannover geplant, das um 10 \u00f6ffnete. Pfingstmontag war kein richtiger Montag, wo die meisten Museen geschlossen haben, aber der S-Bahn Hannover war das egal. Aus unserem kleinen D\u00f6rfchen fuhr nur jede Stunde eine Bahn, weswegen wir aber immerhin eine gute Ausrede hatten, um nicht noch stundenlang mit der Familie und der Verwandtschaft zu fr\u00fchst\u00fccken \u2013 \u201ewir m\u00fcssen los, die S-Bahn, Feiertag und so\u201c.<\/p>\n<p>Auf dem Weg zum Bahnhof zeigte ich F. noch meinen Lieblingsjesus, der in der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/St.-Michaelis-Kirche_(Bissendorf)\">Kirche<\/a> h\u00e4ngt, in der ich getauft und konfirmiert wurde und in der man mich meistens am Heiligen Abend antrifft, wo ich bei Weihnachtsliedern heule. <a href=\"https:\/\/www.kirche-bissendorf.de\/passion-und-ostern\/articles\/passion-und-ostern.html\">Hier<\/a> sieht man den Jesus im Header und auf dem Bild zum Abschnitt Gr\u00fcndonnerstag; ich selbst habe ernsthaft kein Foto von der Skulptur. (Memo to me: machen.) Ich mag an dieser Jesus-Darstellung die Gradlinigkeit, die Schlichtheit und dass die Figur nicht als Mensch an einem Kreuz h\u00e4ngt oder steht, sondern selbst das Kreuz bildet. Es sieht dabei aber nicht nach Leiden und Tod aus, sondern nach ausgebreiteten, empfangenden Armen. Er tr\u00e4gt keine Dornenkrone, und ich meine, selbst die Stigmata sind nicht zu sehen.<\/p>\n<p>Ich mag voreingenommen sein, weil ich auf diesen Jesus seit \u00fcber 40 Jahren gucke, aber ich kenne keine weitere Darstellung, die mir \u00e4hnlich gut gef\u00e4llt, und ich habe gerade in den letzten Jahren des Studiums wirklich bergeweise gesehen. Das <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gerokreuz\">Gerokreuz<\/a> im K\u00f6lner Dom kommt ihm in meiner Zuneigung recht nahe, wohl auch, weil es Jesus ebenfalls eher als Mensch denn als Gott zeigt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Ich kannte das <a href=\"http:\/\/www.sprengel-museum.de\/\">Sprengelmuseum<\/a> gr\u00f6\u00dftenteils, aber F. noch nicht, und so lie\u00df ich ihn bestimmen, wo er hinwollte. Okay, fast: Zuerst zerrte ich ihn in die Lichtr\u00e4ume von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/James_Turrell\">James Turrell<\/a>, die ich sehr liebe. Vor allem den, in dem man in absoluter Finsternis sitzt, bis sich nach sechs, sieben Minuten die Augen an das Fehlen von fast allem Licht gew\u00f6hnt haben und man ein Rechteck? einen schmalen Streifen? ein Kreissegment? aus Licht wahrnimmt, das vor einem in nicht bestimmbarer Entfernung auftaucht.<\/p>\n<p>Wir gingen recht schnell durch die Kunst nach 45, die \u00e4u\u00dferst luftig h\u00e4ngt, das hatte ich etwas enger in Erinnerung. Aber: Das Museum hat seit Kurzem einen neuen, gro\u00dfen Anbau, und in dem hing dann auch all das, an was ich mich erinnerte, vor allem die Neue Sachlichkeit, die ich besonders sehen wollte. (Mein Liebling: das <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Datei:Ernst_Thoms_-_M%C3%A4dchen_im_Cafe_(1927),_Sprengel_Museum_Hannover.jpg\">M\u00e4dchen im Caf\u00e9<\/a><\/em> von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ernst_Thoms\">Ernst Thoms<\/a>. Darauf freute ich mich genau wie auf die Lichtspiele Turrells.) Was mir auch auffiel: Allm\u00e4hlich scheint sich der Umgang mit systemkonformer Kunst zwischen 1933 und 1945 zu \u00e4ndern. Anstatt diese Zeit still zu \u00fcbergehen, h\u00e4ngen wenigstens ein paar Exponate, zum Beispiel von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Adolf_Wissel\">Adolf Wissel<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Georg_Schrimpf\">Georg Schrimpf<\/a>, an denen bzw. deren Begleittexten die gebrochenen oder konstanten Biografien ganz gut sichtbar werden.<\/p>\n<p>Was der Anbau \u00fcbrigens auch hat: ein gro\u00dfes Panoramafenster, von dem man auf den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maschsee\">Maschsee<\/a> gucken kann, bequem auf zwei Sofas. Man kann dabei auch einen Film \u00fcber <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Arno_Breker\">Arno Breker<\/a> gucken, aber wir sahen lieber dem Regattastart der Drachenboote zu. Aber sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/998536190369419264\">bei einem Eiskaffee im Museumscaf\u00e9<\/a> guckten wir dann brav auf ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Maschsee#Kunst_am_See\">NS-Kunstwerk<\/a> am See.<\/p>\n<p>Im Untergeschoss waren wir schon recht m\u00fcdegesehen, aber nat\u00fcrlich musste der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Merzbau\">Merzbau<\/a> sein. Ich konnte mich nicht daran erinnern, schon einmal im <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kabinett_der_Abstrakten\">El-Lissitzky-Kabinett<\/a> gewesen zu sein, aber das machte uns wirklich wieder wach, was der Sinn der ganzen Raumgestaltung war. Man konnte Schauk\u00e4sten kippen und Bilderleisten verschieben, und mit sowas kriegt man mich ja immer. Mal eben eine Wand vor einen Mondrian ziehen, warum nicht?<\/p>\n<p>Ganz zum Schluss huschten wir noch in eine kleine Ausstellung mit Werken von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hans_Uhlmann_(Bildhauer)\">Hans Uhlmann<\/a> und <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/G%C3%BCnter_Haese\">G\u00fcnter Haese<\/a>, von denen mich letzterer total begeisterte. Er stellte aus d\u00fcnnstem Draht, Uhrenfedern und \u00e4hnlich winzig-fragilen Metallgegenst\u00e4nden abstrakte Skulpturen her, die mich schlicht faszinierten. <a href=\"https:\/\/www.galeriereckermann.com\/k%C3%BCnstler\/haese\/\">Hier<\/a> sieht man ein paar von ihnen. Gerade die goldfarbenen Objekte erinnerten mich an die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Eldorado\">Eldorado<\/a>-Ausstellung, die ich als Kind gesehen hatte: ein \u00dcberfluss an Reichtum und Sch\u00e4tzen. Hier ist es deutlich billigeres Material, aber der Gesamteindruck war der gleiche: ein Geschenk an Farbe, Material und Raumgestaltung. Leider waren wir beide doch recht platt, weswegen wir diesen Ausstellungen nicht mehr gen\u00fcgend Zeit lie\u00dfen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3020.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"667\" class=\"alignnone size-full wp-image-29223\" \/><br \/>\n<em>Die von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Niki_de_Saint_Phalle\">Niki de Saint-Phalle<\/a> gestaltete Grotte in den Herrenh\u00e4user G\u00e4rten. K\u00fcnstlerische Darstellungen von dicken Frauen haben bei mir immer gewonnen.<\/em><\/p>\n<p>Nach einer St\u00e4rkung im Caf\u00e9 ging es in die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Herrenh%C3%A4user_G%C3%A4rten\">Herrenh\u00e4user G\u00e4rten<\/a>. Erstens, weil man in die halt reingeht, wenn man als Touri in Hannover ist, und zweitens, weil die Performance <a href=\"http:\/\/www.vlatkahorvat.com\/portfolios\/thtt-berlin\/\">This here and that there<\/a> von Vlatka Horvat angek\u00fcndigt war, die spannend klang. Die K\u00fcnstlerin und ihre drei Mitstreiterinnen bespielten die sogenannten Schwanenbecken, vier quadratische, flache Wasserbecken. Dort stellten sie St\u00fchle in gewisse Formationen, l\u00f6sten diese wieder auf und schufen neue Anordnungen. Das ganze lief an drei Tagen f\u00fcr jeweils acht Stunden, wof\u00fcr ich die Damen sehr bewundere. Wir erwarteten nicht viel, sa\u00dfen aber gebannt \u00fcber eine halbe Stunde zwischen zwei Becken, und wenn meine Eltern uns nicht zum Abendessen erwartet h\u00e4tten, w\u00e4ren wir bis zum Ende um 19 Uhr gelieben.<\/p>\n<p>Es h\u00f6rt sich so simpel an \u2013 da stellen halt Leute Muster aus St\u00fchlen ins Wasser \u2013, aber genau diese Muster, die entstanden und wieder zerst\u00f6rt wurden, entwickelten eine spannende Dynamik, auf die ich gar nicht vorbereitet war. Ich wollte da eigentlich nur sitzen und nicht mehr rumlaufen m\u00fcssen, es war schattig, ein leichter Wind ging, wir hatten eine bequeme Bank und Wasser, wir h\u00e4tten einfach rumlungern k\u00f6nnen. Ich konnte mich aber nur kurz entspannen, denn erstaunlicherweise guckte ich den entstehenden Mustern und Formationen doch atemloser zu als erwartet. Im Becken rechts von uns <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BjCrC0dDMiG\/\">entstanden<\/a> aus den St\u00fchlen gerade zwei Viertelkreise, und ich empfand es als unglaublich befriedigend, als aus den einzelnen, teilweise schr\u00e4g gestellten St\u00fchlen zwei herrlich symmetrische Kreisteile wurden. Genauso unbefriedigend bzw. aufw\u00fchlend empfand ich es aber, als dann nach einer kurzen Ruhezeit, in der das Bild einfach stand, St\u00fchle wieder entfernt wurden und die Symmetrie brutal zerst\u00f6rt wurde. Jedenfalls kam es mir brutal vor. So ging es mir auch mit dem Bild, das im linken Becken enstand. Wir kamen an, als verschiedene Stuhlgr\u00fcppchen so standen wie Wartezimmeranordnungen oder an Flugh\u00e4fen, mal hier ein Gr\u00fcppchen, dann eins da dr\u00fcben. Nach und nach entstanden vier Reihen, die aufeinander zuliefen, was die gleiche Befriedigung bei mir ausl\u00f6ste wie die Kreissegmente. Auf einmal war alles gut, alles passte, nichts anfassen bitte. Daran hielt sich die K\u00fcnstlerin nat\u00fcrlich nicht, sondern nahm mal hier, mal dort einen Stuhl weg oder drehte ihn seitw\u00e4rts, alles langsam, alles gem\u00e4chlich, das Wasser pl\u00e4tscherte vor sich hin, die Bl\u00e4tter der B\u00e4ume und Hecken um uns herum rauschten im leichten Wind, es h\u00e4tte alles so sch\u00f6n sein k\u00f6nnen, aber nein, es musste ja jemand aus einer perfekten Linie eine unperfekte machen!<\/p>\n<p>Falls ihr die Chance haben sollten, diese Performance noch einmal irgendwo zu sehen: macht das mal. Hypnotisch.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3022.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"477\" class=\"alignnone size-full wp-image-29224\" \/><\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Abends platt und m\u00fcde bei meinen Eltern Reste des sonnt\u00e4glichen Festessens verspeist, ein <a href=\"http:\/\/www.herrenhaeuser.de\/pils\/\">Herri<\/a> getrunken (auch schon sehr lange nicht mehr gemacht), um zehn ins Bett, weil wirklich fertig. Dass Kunstgucken immer so anstrengend ist!<\/p>\n<p>Wobei ich auch deswegen platt war, weil sich mein <a href=\"https:\/\/introvertdear.com\/news\/introvert-hangover-signs\/\">Introvert&#8217;s Hangover<\/a> meldete. Ich leide nur bedingt k\u00f6rperlich vor mich hin, mein \u00d6hrchen piept manchmal tinnitusm\u00e4\u00dfig, aber es geht immer wieder weg, sobald ich Ruhe habe, und ich bin verspannt, aber ich glaube, in bin immer verspannt. Ich merke aber, dass ich immer gnatziger und kurz angebundener werde, jede Smalltalk-Minute macht mich aggressiver und ich werde schlicht unleidlich, obwohl ich es gar nicht sein will. Der Sonntag hatte mich durch die vielen Menschen schon sehr gestresst, obwohl ich ihn genossen hatte, und Montag abend waren einfach alle Reserven verbraucht.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Dienstag: Halle<\/strong><\/p>\n<p>Auf der Zugfahrt nach Halle konnte ich die Reserven wieder auff\u00fcllen. Dazu reichten ein sch\u00f6ner Sitzplatz am Fenster und die Noise-Cancelling-Kopfh\u00f6rer und schon war ich eine Stunde in meiner eigenen kleinen Blase. Danach ging es mir deutlich besser.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Moritzburg_(Halle)\">Moritzburg<\/a> in Halle hatte Ende letzten Jahres ihre st\u00e4ndige Sammlung zur <a href=\"http:\/\/www.stiftung-moritzburg.de\/dauerausstellung\/kunst-von-1945-bis-1990\/\">Kunst der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts<\/a> neu geh\u00e4ngt; eine <a href=\"http:\/\/schreiberei.eu\/\">Leserin<\/a> machte mich freundlicherweise darauf aufmerksam. Ich zitiere von der Website \u2013 der Text findet sich auch im begleitenden <a href=\"http:\/\/www.hallomoderne.de\/\">Blog<\/a> zur Neuh\u00e4ngung:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEtwas Besonderes stellt die Inszenierung der Kunst entlang der drei politischen Systeme in der ersten Jahrhunderth\u00e4lfte dar und hierbei besonders die Thematisierung der Kunst im \u201eDritten Reich\u201c. In einer diskursiven Gegen\u00fcberstellung wird sowohl das Fortwirken der Moderne in den 1930er und 1940er Jahren vorgestellt als auch die von den Nationalsozialisten offiziell anerkannte Kunst. Damit beschreitet das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) unter den Kunstmuseen in Deutschland einen neuen Weg in der Auseinandersetzung mit der eigenen Institutionsgeschichte sowie mit der deutschen Kunstgeschichte und der daraus abgeleiteten Pr\u00e4sentation der Sammlungsbest\u00e4nde.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Das w\u00fcrde ich heftig abnicken. Ich bin bl\u00f6derweise davon ausgegangen, dass es zur Neupr\u00e4sentation einen Katalog geben w\u00fcrde, daher habe ich nicht fotografiert, weder Werke noch Beschriftungen, und als uns nach drei Stunden unten im Museumsshop klar wurde, dass es keinen gibt, war ich zu faul, nochmal hochzugehen. Daher kann ich euch jetzt keine Namen nennen, aber ich lege euch den Besuch dringend ans Herz, falls euch das Thema nicht schon zu den Ohren rauskommt, seit ich hier davon dauernd schreibe. Hier werden aktuelle Forschungsst\u00e4nde abgebildet bzw. als gut lesbarer Wandtext verf\u00fcgbar gemacht (looking at you, Wandtexte in der Pinakothek der Moderne). Es wird klar, dass die Kunst eben nicht 1933 aufgeh\u00f6rt und 1945, huch, wieder angefangen hat. Dass viele Maler und Malerinnen gewisse Spielr\u00e4ume hatten, die sie ausnutzten und eben nicht alles schwarz oder wei\u00df war. Dass die NS-konforme Kunst noch l\u00e4ngst nicht aufgearbeitet und dass jede Biografie anders ist und anders gelesen werden kann. (Genau das mache ich ja gerade mit Protzen.) Die wenigen Werke waren meiner Meinung nach sehr gut gew\u00e4hlt, weil sie eine gewisse Bandbreite abbildeten \u2013 das Grau zwischen dem Schwarz und dem Wei\u00df halt, zwischen den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gottbegnadeten-Liste\">Gottbegnadeten<\/a> und der \u201eentarteten Kunst\u201c. Die Pinakothek der Moderne hat mit ihrem Saal 13 2015 (?) damit angefangen, NS-konforme Kunst in der Sammlung auszustellen, war aber einen Hauch zu z\u00f6gerlich. Die Moritzburg hat das jetzt sehenswert und konsequent gemacht. Wie F., der sich seit drei Jahren meinen, Zitat, \u201eNazischei\u00df\u201c aufmerksam anh\u00f6rt und anguckt, sagte: \u201eSaal 13, aber <em>richtig<\/em>.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3024.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-29222\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3024.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_3024-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/p>\n<p>Das ganze Stockwerk war toll, nicht nur die kleine Ecke mit der Regimekunst. In der Neuen Sachlichkeit freute ich mich \u00fcber zwei Bilder, die F. und ich gerade in Frankfurt bei der <a href=\"http:\/\/www.schirn.de\/ausstellungen\/2017\/glanz_und_elend_in_der_weimarer_republik\/\">Weimar-Ausstellung<\/a> gesehen hatten. Au\u00dferdem bewunderte ich fr\u00fche Werke von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Franz_Marc\">Franz Marc<\/a>, die aber schon den sp\u00e4teren erkennen lassen, den ich ja eigentlich nicht so mag, diese Arbeiten dann aber doch. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Beckmann\">Beckmann<\/a> geht ja eh immer, genau wie <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Lehmbruck\">Lehmbruck<\/a>, und ein paar Bilder halfen mir auch bei der Einordnung von Protzen weiter, zum Beispiel von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_V%C3%B6lker_(K%C3%BCnstler)\">Karl V\u00f6lker<\/a>.<\/p>\n<p>Direkt nebenan ging es weiter \u2013\u00a0mit Kunst nach 1945 aus der DDR. Davon verstehe ich quasi nichts, aber den Raum fand ich bis auf seine wirre Wegef\u00fchrung genauso begeisternd. Auch hier, aber ich muss nochmal betonen, davon keine Ahnung zu haben, hatte ich das Gef\u00fchl, einen aktuellen Forschungsstand pr\u00e4sentiert zu bekommen. F. war im letzten Jahr bereits schon einmal in der Moritzburg gewesen, und da wurde die DDR-Kunst noch versch\u00e4mt als abstrakt pr\u00e4sentiert, so nach dem Motto, hatten wir auch. Der sozialistische Realismus wurde genauso verschwiegen wie heute eben die NS-konforme Kunst verschwiegen wird (womit ich beide keinesfalls gleichsetzen will). Nun kann man auch den Realismus anschauen, aber eben auch die Abstraktion, die Pop Art (noch nie davon in der DDR geh\u00f6rt) und die stetigen Auseinandersetzungen mit der vom System gew\u00fcnschten Kunst. Auch hier: Spielr\u00e4ume. Alleine f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Mattheuer\">Wolfgang Mattheuers<\/a> <em><a href=\"http:\/\/www.kunsthallerostock.de\/de\/ausstellungen\/ausstellung\/2017\/wolfgang-mattheuer\">Kain<\/a><\/em> lohnt sich der Eintritt; das Bild kannte ich aus einem Uni-Seminar, wusste aber nicht, dass es hier h\u00e4ngt. Neu entdeckt habe ich f\u00fcr mich <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hermann_Bachmann_(Maler)\">Hermann Bachmann<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Auch in diesem Museum blieben wir l\u00e4nger als geplant, daher war der Rest des Stadtaufenthalts kurz und schmerzlos. Ein Blick in den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hallescher_Dom\">Dom<\/a> (och jo), einen etwas l\u00e4ngeren in die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marktkirche_Unser_Lieben_Frauen\">Marktkirche<\/a> (die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marktkirche_Unser_Lieben_Frauen#\/media\/File:MarienkircheHalle_Innenraum_2.jpg\">Decke<\/a>!), und dann sa\u00dfen wir noch knapp zwei Stunden im Schatten in einer gutb\u00fcrgerlichen <a href=\"http:\/\/grober-gottlieb.de\/de\/\">Kneipe<\/a>, ich trank Schwarzbier, F. Pils, wir a\u00dfen Salzkrustenbraten bzw. eine Bauernpfanne und schleppten uns dann wieder in Richtung Tramhaltestelle. In den Trams war ich vorher schon von der Ansagestimme \u00fcberrascht worden, denn das war die gleiche Dame, die mich in Hamburg in den Bussen der Linien 20 und 25 jahrelang genervt hatte mit ihrer Pause mitten im Namen meiner Endhaltestelle: \u201eKottwitz &#8230; stra\u00dfe.\u201c DAS IST EIN WORT, DU TRULLA VOM BAND!<\/p>\n<p>Gegen 22 Uhr wieder in M\u00fcnchen. Endlich, seufzte ich in der U2, endlich wieder zuhause, endlich wieder allein sein.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Mittwoch: M\u00fcnchen<\/strong><\/p>\n<p>Urlaub vom Urlaub. Vormittags arbeitete ich kurz und erledigte beruflichen Kleinkram, dann ging ich einkaufen, um vor allem meine Brotvorr\u00e4te wieder aufzuf\u00fcllen \u2013 ich war ja ewig weg! \u2013, aber dann lag ich nur noch auf dem Sofa, guckte unter anderem vier Folgen <em>Masterchef Australia<\/em>, zu denen ich am Wochenende nicht gekommen war, las, ruhte mich aus und schrieb \u00fcber zwei Stunden an einem Blogeintrag *hust*. Ich muss mir meinen innerlichen Bildungsauftrag abgew\u00f6hnen. Wenn ich nur \u00fcber mein Essen bloggen w\u00fcrde, w\u00e4re ich viel schneller fertig!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sonntag: Wennebostel Am Sonntag feierte mein Papa seinen 80. Geburtstag. Er hatte dazu die \u00fcbliche Rotte an Verwandtschaft und Bekanntschaft eingeladen; der Landgasthof, in dem meine Familie quasi alles feiert von Hochzeiten bis zu Goldenen Hochzeiten, tischte wie immer bergeweise rustikale K\u00f6stlichkeiten auf, und wir lie\u00dfen es uns von 11 Uhr morgens bis kurz vor [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-29217","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29217","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=29217"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29217\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29231,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/29217\/revisions\/29231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=29217"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=29217"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=29217"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}