{"id":288,"date":"2002-11-30T23:13:37","date_gmt":"2002-11-30T22:13:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=288"},"modified":"2004-11-08T20:35:12","modified_gmt":"2004-11-08T19:35:12","slug":"solino","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=288","title":{"rendered":"Solino"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0292242\/\">Solino<\/a><br \/>\n(D, 2002)<\/p>\n<p>Darsteller: Moritz Bleibtreu, Barnaby Metschurat, Antonella Attili, Gigi Savoia<br \/>\nDrehbuch: Ruth Toma<br \/>\nKamera: Rainer Klausmann<br \/>\nMusik: J\u00e1nnos Eolou<br \/>\nRegie: Fatih Akin<\/em><\/p>\n<p>Es ist 1964. Solino ist ein kleines verschlafenes D\u00f6rfchen in Italien. Eines Tages zieht das Ehepaar Rosa und Romano Amato mit den beiden S\u00f6hnen Gigi und Giancarlo nach Deutschland. Dort will Vater Romano seine Arbeit in einer Duisburger Zeche beginnen. Aber er sieht schnell, dass harte Arbeit nicht ganz nach seinem Geschmack ist. Seine gesch\u00e4ftst\u00fcchtige Frau hat eine bessere Idee: Gemeinsam er\u00f6ffnen sie eine Pizzeria, und mit einem der ersten Fernseher im Viertel haben sie auch schnell eine ordentliche Stammkundschaft zusammen.<\/p>\n<p>Die beiden S\u00f6hne entwickeln sich recht unterschiedlich: W\u00e4hrend aus Giancarlo immer mehr ein kleiner Dieb und Taugenichts wird, versucht Gigi stets, es sowohl Vater als auch Mutter recht zu machen \u2013 dumm nur, dass er immer die ganzen Untaten seines Bruders angeh\u00e4ngt bekommt.<\/p>\n<p>Eines Tages f\u00e4llt ein Filmteam in die Pizzeria Solino ein, und f\u00fcr Gigi geht in der kleinen, grauen Ecke Duisburg in Deutschland die Sonne auf. Ein italienischer Regisseur, dem der kleine Gigi mit seiner Spielzeugeisenbahn einen guten Rat geben konnte, nimmt ihn mit aufs Set. Gigi ist begeistert und vertraut dem Regisseur an: Ich will auch Filme machen. Worauf dieser ihm nur l\u00e4chelnd erwidert: Das ist egal. Es ist egal, was du in deinem Leben machst. Worauf es ankommt, sind Feuer und Leidenschaft \u2013 fuoco e passione.<\/p>\n<p>In seinem dritten abendf\u00fcllenden Film nach <em>Kurz und schmerzlos<\/em> und <em>Im Juli<\/em> hat sich Regisseur Fatih Akin an eine Geschichte gemacht, die oberfl\u00e4chlich von der Familie Amato und ihrem Leben in Deutschland erz\u00e4hlt. Davon, wie Gigi seiner Filmleidenschaft weiter fr\u00f6nt, schlie\u00dflich sogar ein Kurzfilm von ihm auf einem Filmfestival l\u00e4uft und ausgezeichnet wird \u2013 wovon er aber leider nichts mitbekommt. Davon, dass sein Bruder Giancarlo ihn zwar abg\u00f6ttisch liebt, ihn aber gleichzeitig gl\u00fchend um alles beneidet, was Gigi \u201ebesitzt\u201c: seine Freundin, sein Talent, sein fuoco e passione. Und so sabotiert er Gigis Karriere, wo er kann, spannt ihm die Freundin aus und l\u00e4sst ihn weiterhin seine Missetaten ausb\u00fcgeln.<\/p>\n<p>Und Gigi? Der l\u00e4sst das alles mit sich geschehen \u2013 unwillig und w\u00fctend, aber auch hilflos in seiner Liebe zu Bruder und Familie.<\/p>\n<p>Drehbuchautorin Ruth Toma, wegen der ich eigentlich in <em>Solino<\/em> gegangen bin, schafft es auch hier wieder, wie in <em>Gloomy Sunday<\/em> \u2013 einen der besten deutschen Filme, die ich kenne \u2013 Charaktere zu entwerfen, die man sofort ins Herz schlie\u00dft. Mit all ihren Macken und Fehlern und Dummheiten, die sie begehen \u2013 man sieht in ihnen immer das gute Herz, die menschlichen Schw\u00e4chen, die niemandem fremd sind, ja, auch ein wenig sich selber: seine Tr\u00e4ume, seine W\u00fcnsche und all die Dinge, die man im Leben vorhatte und die man nicht geschafft hat.<\/p>\n<p>Und manchmal denkt man zur\u00fcck an die Zeit, in der man auf all diese Tr\u00e4ume hingearbeitet hat. Man hat schon fast wieder vergessen, wie viel Energie man auf sie verschwendet hat. Pl\u00f6tzlich f\u00e4llt einem auf, dass man l\u00e4ngst einen ganz anderen Weg eingeschlagen hat \u2013 sei es aus Zufall, sei es aus Bequemlichkeit, sei es, weil es eben nicht anders ging. Und damit man nicht weggesp\u00fclt wird von einem Leben, das man gar nicht leben will oder Tr\u00e4umen, denen man nachtrauert, arrangiert man sich eben mit dem Leben, das man jetzt f\u00fchrt. Mehr als das: Man beginnt es zu leben und zu lieben \u2013 mit demselbem Feuer und derselben Leidenschaft, mit denen man vor Jahren seine Tr\u00e4ume gepflegt hat. Und pl\u00f6tzlich ist das Leben, das man gar nicht haben wollte, etwas, das einen viel gl\u00fccklicher macht als die W\u00fcnsche, die einem irgendwann mal im Hinterkopf rumgespukt haben.<\/p>\n<p>Ich war ziemlich schlecht drauf, als ich in <em>Solino<\/em> gegangen bin. Eigentlich war das wieder einer dieser verzweifelten Abende, in denen ich mich ins Kino fl\u00fcchte, um mich nicht mit mir selber besch\u00e4ftigen zu m\u00fcssen. Ich sitze also im Abaton, schniefe ein wenig vor mich hin, und pl\u00f6tzlich sind Moritz Bleibtreu, Barnaby Metschurat, Antonella Attili und Gigi Savoia nur f\u00fcr mich da und erz\u00e4hlen mir mehr auf Italienisch als auf Deutsch eine wunderbare Geschichte von Tr\u00e4umen, der Liebe, dem Kino und dem Leben. Und auf einmal habe ich gel\u00e4chelt \u2013 \u00fcber meine Tr\u00e4ume, die Liebe, die ich empfinden durfte und darf, das Kino, das ich so liebe, und das Leben, dem ich einfach nicht entkommen kann.<\/p>\n<p>Grazie, Fatih, grazie, Ruth. Danke f\u00fcr euer Feuer und eure Leidenschaft. Ihr habt mich mal wieder gerettet.<\/p>\n<p>Niente, Anke, niente. Haben wir gerne gemacht. Aber jetzt geh nach Hause.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Solino (D, 2002) Darsteller: Moritz Bleibtreu, Barnaby Metschurat, Antonella Attili, Gigi Savoia Drehbuch: Ruth Toma Kamera: Rainer Klausmann Musik: J\u00e1nnos Eolou Regie: Fatih Akin Es ist 1964. 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