{"id":286,"date":"2003-09-30T23:01:01","date_gmt":"2003-09-30T22:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=286"},"modified":"2004-11-08T19:54:36","modified_gmt":"2004-11-08T18:54:36","slug":"seabiscuit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=286","title":{"rendered":"Seabiscuit"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0329575\/\">Seabiscuit<\/a><br \/>\n(Seabiscuit \u2013 Mit dem Willen zum Erfolg, USA 2003)<\/p>\n<p>Darsteller: Tobey Maguire, Jeff Bridges, Chris Cooper, Elizabeth Banks, Gary Stevens, Kingston DuCoeur<br \/>\nMusik: Randy Newman<br \/>\nKamera: John Schwartzman<br \/>\nDrehbuch: Gary Ross, nach dem Buch von Laura Hillenbrand<br \/>\nRegie: Gary Ross<\/em><\/p>\n<p><em>Seabiscuit<\/em> ist ein altmodischer Film. Die Geschichte des viel zu klein gewachsenen Rennpferds Seabiscuit, das zur Zeit der Gro\u00dfen Depression in den USA quasi vor dem Schlachthof gerettet und von einem abgehalfterten Trainer in Form gebracht wird und auf dessen R\u00fccken ein viel zu gro\u00dfer, halbblinder Jockey von Sieg zu Sieg reitet, ist Stoff f\u00fcr gro\u00dfes, betuliches Hollywoodkino. Und genau das ist es auch geworden.<\/p>\n<p>Die Story ist wahr; und wenn sie das nicht w\u00e4re, w\u00fcrde ich den Film als ziemlich kitschige Parabel abtun, denn nat\u00fcrlich hat <em>Seabiscuit<\/em> eine Botschaft. Es geht nicht nur um ein Pferd, das Rennen gewinnt. Es geht um drei Menschen \u2013 den Trainer, den Jockey und den Besitzer des Pferdes \u2013, die alle Verluste hinnehmen mussten, die alle bereits am Boden lagen und die alle wieder aufgestanden sind. Und der Grund daf\u00fcr, dass sie sich selbst noch eine zweite Chance gegeben haben, ist Seabiscuit: ein Pferd, das von seinen Vorbesitzern v\u00f6llig zuschande geritten wurde und nun ebenfalls eine zweite Chance bekommt \u2013 und sie grandios nutzt. <\/p>\n<p>Die Moral ist also klar: Wir k\u00f6nnen zusammen mehr erreichen. Glaub an dich, auch wenn kein anderer es mehr tut. Gib niemals auf. Was den Film trotz des hehren Anspruchs davor rettet, eine predigende Schnulze zu werden, ist seine sehr einfache, ehrliche, fast zu simple Erz\u00e4hlweise. <\/p>\n<p><em>Seabiscuit<\/em> hat viele Momente, die nach Geigen im Hintergrund schreien, nach Zeitlupen, nach Tr\u00e4nen in Gro\u00dfaufnahme \u2013 zum Beispiel, wenn Tobey Maguire als Jockey Red Pollard dem Trainer nach einem verlorenen Rennen gestehen muss, dass er seinen Gegner einfach nicht gesehen hat, weil er auf einem Auge blind ist. Man wartet fast darauf, dass diese Szene \u00fcppig orchestriert wird, dass die Kamera auf dem aufgew\u00fchlten Gesicht von Maguire bleibt \u2013 aber das tut sie nicht. Sie \u00fcberl\u00e4sst die gro\u00dfen Gef\u00fchle dem Zuschauer, anstatt sie plakativ abzubilden, und wendet sich einfach wieder der Geschichte zu. Denn das Leben geht ebenso einfach weiter.<\/p>\n<p>Viele Begebenheiten im Leben der drei Protagonisten werden in kleinen Vignetten, fast beil\u00e4ufig, abgehandelt, obwohl sie wichtig sind, wie zum Beispiel den Tod von Frankie, dem einzigen Kind von Seabiscuits Besitzer Charles Howard. Oder die Tatsache, dass Red von seinen Eltern an einen Rennstallbesitzer \u201eabgegeben\u201c wurde, weil sie ihn einfach nicht mehr ern\u00e4hren konnten. Dinge geschehen, sie schmerzen, sie hallen sehr lange nach, wie wir in weiteren Szenen sehen, aber: Auch hier halten wir uns nicht zu lange auf. Der Film nimmt seine Figuren nicht \u00fcber die Ma\u00dfen wichtig. Anstatt sie allzu heroisch darzustellen und sie damit zu \u00fcberh\u00f6hen, dienen sie als glaubhafte Schablone f\u00fcr alle Menschen, die wieder aufstehen, nachdem sie tief gefallen sind.<\/p>\n<p>Die drei Hauptdarsteller sind das Beste, was dieser Geschichte passieren konnte. Sie wirken einfach zeitlos und damit absolut passend. Jeff Bridges als Pferdebesitzer bleibt zur\u00fcckhaltend und ernsthaft; ihn umgibt stets eine gewisse Traurigkeit, die nur dann verschwindet, wenn er Seabiscuit einer jubelnden Fanmenge vorstellt. In diesen Momenten blitzt die Fr\u00f6hlichkeit wieder durch, die er schon verloren geglaubt hatte. Chris Cooper ist der verschlossene Trainer, der dann aufbl\u00fcht, wenn es seinen Pferden gut geht, und der mit vielen kleinen Gesten seinen Charakter wunderbar abrundet. Tobey Maguire \u00fcberzeugt durch seine eigent\u00fcmliche gez\u00fcgelte Emotionalit\u00e4t, die pl\u00f6tzliche Ausbr\u00fcche von ihm immer so kraftvoll machen.<\/p>\n<p><em>Seabiscuit<\/em> ist Kino der alten Schule: eine gro\u00dfe Geschichte, gef\u00fchlvoll, aber nicht kitschig inszeniert, eine herzerw\u00e4rmende Botschaft und dazu wunderbare Bilder, die so gerade eben die Kurve kriegen, bevor sie zu einer Marlboro-Werbung werden. Ein Film, der zwischen den ganzen Megaprojekten dieses Sommers ganz leise daherkommt und doch viel mehr zu sagen hat. Und daher passt zu diesem altmodischen Film auch ein altmodisches Fazit: <em>Seabiscuit<\/em> ist ein erbaulicher Film. Im absolut besten Sinne.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seabiscuit (Seabiscuit \u2013 Mit dem Willen zum Erfolg, USA 2003) Darsteller: Tobey Maguire, Jeff Bridges, Chris Cooper, Elizabeth Banks, Gary Stevens, Kingston DuCoeur Musik: Randy Newman Kamera: John Schwartzman Drehbuch: Gary Ross, nach dem Buch von Laura Hillenbrand Regie: Gary Ross Seabiscuit ist ein altmodischer Film. 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