{"id":28585,"date":"2018-02-12T11:52:53","date_gmt":"2018-02-12T10:52:53","guid":{"rendered":"http:\/\/ankegroener.de\/blog\/?p=28585"},"modified":"2018-02-12T11:52:53","modified_gmt":"2018-02-12T10:52:53","slug":"was-schon-war-samstag-sonntag-10-11-februar-2018-zeit-fur-mich-und-weltuntergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=28585","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Samstag\/Sonntag, 10.\/11. Februar 2018 \u2013 Zeit f\u00fcr mich und Weltuntergang"},"content":{"rendered":"<p>Seit ich wieder 40 Stunden die Woche werbe, merke ich erst, wie anders mein Leben w\u00e4hrend des Studiums war. Dort hatte ich zwar auch Deadlines \u2013 Referatstermine, Klausuren, Hausarbeiten, die bis zu einem bestimmten Tag fertig sein mussten \u2013, aber wie genau ich meine Zeit verbringe, war komplett mir \u00fcberlassen. Wenn ich morgens um 8 in der Stabi sitzen und dort sechs Stunden arbeiten wollte \u2013 kein Problem. Wenn ich das lieber abends und in kleineren Einheiten erledigen wollte \u2013 auch kein Problem. Ich war bis auf Pflichttermine wie Seminare oder Vorlesungen die totale Herrin meiner Zeit, und ich merke erst jetzt, wie gro\u00dfartig das war.<\/p>\n<p>Denn jetzt habe ich wieder Kunden bzw. Agenturen, die mich mit Briefings bewerfen und das zurzeit auch gerne im Stundentakt. Meistens habe ich nicht mal Zeit, Dinge einen Tag liegen zu lassen, um am n\u00e4chsten Morgen noch mal frisch dr\u00fcberzulesen. Ich reagiere nur noch, ich kann kaum selbstgestalten, was vermutlich auch der Grund war, warum ich mich Freitag so ewig aufgeregt habe. Diese Hektik liegt nicht an der Agentur, sondern an einem v\u00f6llig irrwitzigen Zeitplan des Kunden, den ich ihm gerne um die Ohren hauen w\u00fcrde mit der Bemerkung \u201eHEKTISCHE WERBUNG IST MIESE WERBUNG!\u201c, aber dazu wird es vermutlich nicht kommen. Dazu kommt mein Status als Freelancer, der nicht in der Agentur sitzt. Das ist zwar einerseits nett \u2013 ich kann auf Socken arbeiten und muss mich nicht schminken \u2013, mir entgeht aber der wichtige Flurfunk, den man hat, wenn man mitten zwischen den Kolleginnen sitzt und Denk- und Abstimmungsprozesse mitbekommt und sie im besten Fall sogar mitgestalten kann. Das ist im Moment ein eher unbefriedigendes Arbeiten f\u00fcr mich, und ich wusste gar nicht mehr, wie sich das anf\u00fchlt. Denn in den vergangen f\u00fcnf Jahren war auch jede Schleife, die ich vielleicht sinnloserweise in der Bibliothek gedreht habe, weil sich meine Fragestellung ver\u00e4nderte oder sogar das ganze Thema, im Endeffekt dann doch sinnvoll, denn ich habe immer, immer, immer etwas gelernt. Das habe ich oft nicht gebraucht im Sinne von \u201edas stand irgendwann in meiner Arbeit\u201c\u00a0oder \u201edas kam in der Klausur dran\u201c, aber mir ist schon sehr oft aufgefallen, dass pl\u00f6tzlich irgendein Puzzleteil der Kunstgeschichte pr\u00e4sent war, mit dem ich gar nicht gerechnet hatte, weil ich es nie irgendwo \u201egebaucht\u201c habe. Aber dann stehe ich vor irgendeinem Bild oder lese irgendeinen Text und schon ist es da. Daf\u00fcr bekomme ich keine ECTS-Punkte mehr, aber es f\u00fchlt sich jedesmal toll an, wenn ich merke, dass ich nicht nur doof auf die Pr\u00fcfungsziele hingelernt habe, sondern meinen eigenen Horizont sch\u00f6n weit aufschrauben konnte.<\/p>\n<p>Das mache ich gerade nicht, ich texte stattdessen hysterisch auf einem Projekt, das meiner Meinung nach von vornherein schlecht wird, weil wir eben alle so hysterisch sind, aber da muss ich jetzt durch. Immerhin sind die Kolleginnen nett, aber das sind sie ja immer. Sonst w\u00fcrde ich den Job nicht mehr machen.<\/p>\n<p>Samstag war daher der erste Tag der Woche, an dem ich wieder das Gef\u00fchl hatte, eigenbestimmt denken zu k\u00f6nnen. Das habe ich total ausgenutzt, indem ich uralte <em>Masterchef-Australia<\/em>-Folgen weggeguckt und viel geschlafen habe.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Sonntag wartete dann die letzte Oper des <em>Rings<\/em> auf F. und mich, die <em>G\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/em>. Diese Auff\u00fchrung hatte ich bereits im Fernsehen oder im Livestream gesehen (ich vermute letzteres) und fand sie so okay irgendwie. Ich bin sehr froh, sie nochmal live gesehen zu haben, denn wenn man nicht st\u00e4ndig sinnlose Close-ups von den Akteur*innen hat, sondern immer die ganze B\u00fchne sehen kann, war sie gro\u00dfartig und ein sehr w\u00fcrdiger Abschluss der Tetralogie.<\/p>\n<p>Mein Husten hatte sich eigentlich in den letzten Tagen verabschiedet, ich nahm aber trotzdem die \u00fcblichen Lutschbonbons mit und dazu eine Flasche Wasser; endlich zahlen sich die gro\u00dfen Damenhandtaschen mal aus. Leider musste ich im zweiten Aufzug dann auch m\u00f6glichst leise die Wasserflasche aufschrauben, nachdem ich zuvor gef\u00fchlt 30 Sekunden lang mit 80 Dezibel gehustet hatte. Logischerweise an einer Piano-Stelle, sonst bringt das ja nix. Danach hielt ich die Flasche in den H\u00e4nden und das hat mich anscheinend beruhigt, kein weiterer Hustenanfall bis zum Schluss. Immerhin wei\u00df ich jetzt, dass die Entscheidung, auf den <em>Siegfried<\/em> zu verzichten, die richtige gewesen war; ich w\u00e4re vermutlich schon Mitte des ersten Aufzugs mit Mistgabeln aus dem Saal vertrieben worden, ich Hustinettchen.<\/p>\n<p>In der Pause orderte ich erstmals einen Schnittchenteller zum \u00fcblichen Glas Sekt, denn ich hatte nur gefr\u00fchst\u00fcckt und danach noch keinen Hunger, aber sechseinhalb Stunden ganz ohne Futter wollte ich dann auch nicht haben \u2013 wom\u00f6glich h\u00e4tte ich mein Husten noch mit Magenknurren vervollst\u00e4ndigt. Das ist meist mein Signal in Bibliotheken, nach Hause zu gehen: Wenn der Rest des Saals deinen Magen h\u00f6rt, ist Schluss. An unseren Stehtisch gesellten sich noch andere Menschen und die zogen entspannt eine T\u00fcte mit Gem\u00fcsesticks sowie ein Butterbrot aus der Tasche. Das mache ich n\u00e4chstes Mal auch. Sch\u00f6n mit dem Mettbr\u00f6tchen zu <em>Madame Butterfly<\/em>.<\/p>\n<p>Das Publikum schaffte es \u00fcbrigens erstmals, nicht sofort in den Schlussakkord reinzujubeln. Es war wirklich ein winziger Augenblick Ruhe, bevor der Beifall losging. Daf\u00fcr war ich sehr dankbar, denn obwohl ich den Kram schon so oft gesehen habe, hat es mich gestern kurz vor Schluss doch erwischt. Ich empfand das Schlussbild als \u00fcberaus hoffnungsvoll, was nicht einfach ist bei einer Oper, in der gerade die Welt untergegangen ist. Und so weinte ich hemmungslos im Dunkel vor mich hin und freute mich gleichzeitig dar\u00fcber, dass mich auch bekannte Musik noch so kriegen kann.<\/p>\n<p>Dirigent <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kirill_Garrijewitsch_Petrenko\">Kirill Petrenko<\/a> musste \u00fcbrigens an seinem Geburtstag arbeiten. So ein St\u00e4ndchen h\u00e4tte ich auch gerne mal.<\/p>\n<blockquote class=\"twitter-tweet\" data-lang=\"de\">\n<p lang=\"de\" dir=\"ltr\">K\u00f6nnte ich das bitte jeden Monat einmal haben? <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hashtag\/BSOG%C3%B6tterd%C3%A4mmerung?src=hash&amp;ref_src=twsrc%5Etfw\">#BSOG\u00f6tterd\u00e4mmerung<\/a> mit der fantastischen Nina Stemme. Und zu Petrenko fehlen mir freilich die Worte, aber: happy Birthday, Maestro! <a href=\"https:\/\/twitter.com\/bay_staatsoper?ref_src=twsrc%5Etfw\">@bay_staatsoper<\/a> <a href=\"https:\/\/t.co\/rGVTtGv5rP\">pic.twitter.com\/rGVTtGv5rP<\/a><\/p>\n<p>&mdash; Simone Theilacker (@dauertrotzer) <a href=\"https:\/\/twitter.com\/dauertrotzer\/status\/962794227519442951?ref_src=twsrc%5Etfw\">11. Februar 2018<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><script async src=\"https:\/\/platform.twitter.com\/widgets.js\" charset=\"utf-8\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich wieder 40 Stunden die Woche werbe, merke ich erst, wie anders mein Leben w\u00e4hrend des Studiums war. Dort hatte ich zwar auch Deadlines \u2013 Referatstermine, Klausuren, Hausarbeiten, die bis zu einem bestimmten Tag fertig sein mussten \u2013, aber wie genau ich meine Zeit verbringe, war komplett mir \u00fcberlassen. 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