{"id":27975,"date":"2017-11-09T11:13:33","date_gmt":"2017-11-09T09:13:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=27975"},"modified":"2017-11-09T12:12:12","modified_gmt":"2017-11-09T10:12:12","slug":"was-schon-war-mittwoch-8-november-2017-stabi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=27975","title":{"rendered":"Was sch\u00f6n war, Mittwoch, 8. November 2017 \u2013\u00a0Stabi"},"content":{"rendered":"<p>Am Vormittag lie\u00df ich mich mit dem Bus in die Stabi chauffieren. Dort ging ich zun\u00e4chst in den Lesesaal f\u00fcr Alte Handschriften, den ich nicht so gern mag, weil ich in ihm nie eine Steckdose finde. Das macht mich bei l\u00e4ngeren Sitzungen immer nerv\u00f6s, dass mein Macbook sich irgendwann verabschiedet, weil der Akku nicht mehr so irre lang h\u00e4lt. Aber manches kriegt man eben nur in diesen Lesesaal, so wie ich gestern diverse Ausgaben von <em><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Westermanns_Monatshefte\">Westermanns Monatsheften<\/a><\/em>, in denen ich mir Abbildungen von einem Maler anschauen wollte, der zur NS-Zeit dort ver\u00f6ffentlichte. Ich bl\u00e4tterte durch die Jahrg\u00e4nge 1935 bis 1939, fand spannende Bilder und noch spannendere Texte, die so gar nicht in die Zeit passen wollten. Ich lasse die Details hier mal sein, aber ich tippte recht viel in mein Stoffsammlungsdokument.<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden gab ich die Zeitschriften zur\u00fcck und ging in den Allgemeinen Lesesaal. Dort stellte ich fest, dass man seine B\u00fccher nicht mehr vom Regal zur Ausleihe tragen musste, damit sie dort verbucht werden, sondern sie liegen schon verbucht \u2013 mit rotem Stempel und R\u00fcckgabedatum \u2013 im Regal; man kann sie gleich an seinen Arbeitsplatz tragen. Wieder ein menschlicher Kontakt weniger, aber eigentlich sehr sinnvoll.<\/p>\n<p>Ich hatte mir drei Kataloge zur\u00fccklegen lassen, von denen ich zwei nicht im ZI gefunden hatte. Die las ich genauso interessiert durch wie eben die Quelltexte \u2013\u00a0und stellte bei einer Autorin eine \u00e4u\u00dferst auff\u00e4llige Textgleichheit fest. Schatz, wenn du schon Textinhalte \u00fcbernimmst, die dir offensichtlich peinlich sind, weil sie 1935 entstanden sind, dann stell die S\u00e4tze doch wenigstens so um, dass man es nicht sofort merkt. Ich rollte mit den Augen und wollte ernsthaft das entsprechende Emoji in mein Dokument einf\u00fcgen, bis mir einfiel, das Word keine Emojis verarbeiten kann.<\/p>\n<p>Nach weiteren zwei Stunden legte ich die Kataloge zufrieden wieder in mein Regalfach und holte mir im Erdgeschoss noch ein letztes Buch von der Ausleihe, das ich mit nach Hause nehmen darf. (Immerhin eins.)<\/p>\n<p>Das war eine sehr ertragreiche Sitzung. Ich befinde mich noch komplett am Anfang meines Rumlesens \u2013 ich habe eine Ahnung, wohin ich will, aber momentan sammele ich erstmal alles, was mir auff\u00e4llt. Einer meiner <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Fischblog\/status\/714957814007988224\">Lieblingstweets<\/a> stammt von @fischblog, ich zitiere: \u201eIch hab mal geschrieben, wenn man beim Recherchieren nicht ein, zwei mal seine Ansicht \u00e4ndert, recherchiert man m\u00f6glicherweise schlecht.\u201c Das geht in die gleiche Richtung wie die Aussage einer der Dozenten von F.: \u201eIf you know what you\u2019re doing more than half of the time, it\u2019s not research.\u201c (Dazu schrieb ich mal etwas <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=26172\">ausf\u00fchrlicher<\/a>.)<\/p>\n<p>Ich erinnere mich, wie es mir am Anfang mit L\u00fcpertz und Kiefer und den mir so unendlich lang scheinenden 20 Wochen Bearbeitungszeit f\u00fcr die Masterarbeit ging: Ich fing gef\u00fchlt in Trippelschritten an, las hier ein St\u00fcndchen und dort ein anderes, bl\u00e4tterte gef\u00fchlt sinnlos alles durch, was vor mir im Regal stand, guckte mir irgendwelche Quellen an, weil sie halt da waren und wusste wochenlang nicht, wo ich eigentlich hinwollte. Ich hatte schlicht noch zu wenig gelesen und gesehen, um eine konkrete Frage zu entwickeln. So geht es mir jetzt auch gerade, und nat\u00fcrlich sch\u00fcchtert mich die nicht vorhandene Deadline f\u00fcr die Abgabe der Dissertation sehr ein. Ich brauche ein Ziel, auf das ich hinlese bzw. einen Termin, an dem ich wei\u00df, ich muss irgendwas abliefern. Das muss ich mir jetzt selbst setzen bzw. den muss ich mir jetzt selbst machen. Momentan ist mein Kopf eher in der Werbung und der Akquise, aber seit gestern blubbern die ersten Fragen im Hinterkopf herum, was mich sehr freut. Ich wei\u00df, dass ich diese noch achtzigmal umformulieren werde und vermutlich wird am Ende etwas ganz anderes auf dem Deckblatt stehen als das, was ich gerade im Kopf habe, aber es hat sich sehr gut angef\u00fchlt, wieder dieses Kribbeln im Nacken zu haben, wenn man etwas liest oder entdeckt, das nicht so ganz mit dem bisherigen Forschungsstand \u00fcbereinstimmt und wo man entsprechend elegant ansetzen kann.<\/p>\n<p>Ich habe auch immer meinen Doktorvater im Kopf mit seinen <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=26213\">Abschiedsworten<\/a> im Rosenheim-Seminar: \u201eWenn Sie aus diesem Seminar gehen und das Gef\u00fchl haben, alles anzweifeln zu m\u00fcssen, dann ist das richtig.\u201c Auch dazu gab es gestern einen passenden <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AdamMGrant\/status\/928366997179715584\">Tweet<\/a>: \u201eGreat mentors don\u2019t tell you what to think. They teach you how to think.\u201c<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Mein Fahrrad vom Schrauber geholt, der mir zum wiederholten Mal sagte, dass ich wirklich ein sch\u00f6nes Fahrrad bes\u00e4\u00dfe. Danke \u2013 ich wei\u00df. Ich fahre das sehr gern. (<a href=\"http:\/\/www.stevensbikes.de\/2018\/index.php?bik_id=69&#038;cou=DE&#038;lang=de_DE\">Das hier<\/a> ist ein recht \u00e4hnliches Modell.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Zuhause spontane Suppenlust versp\u00fcrt und deswegen Lauch, Zwiebeln und Kartoffeln mit Br\u00fche, Wein und Sahne \u2013\u00a0und einem Sieb \u2013 in <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/BbPMRsoH4CU\/\">eine feine Creme<\/a> verwandelt. Ich werfe ja gerne noch Zeug zur Deko auf Suppen drauf, und gestern fiel mir ein halbes D\u00f6schen Mais im K\u00fchlschrank ein, das gerne wegwollte. (\u00dcberbleibsel von extrem ungelungenen Maispfannkuchen.) Nur Mais war mir aber zu langweilig, aber ich hatte ja noch den sch\u00f6nen Koriander von vorgestern, also bastelte ich mit viel Chili und ein bisschen \u00d6l eine kleine Salsa. Das war eine recht ungewohnte Kombi von s\u00fc\u00dflicher Sch\u00e4rfe mit bodenst\u00e4ndiger Klassik, aber es schmeckte unerwartet gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Vormittag lie\u00df ich mich mit dem Bus in die Stabi chauffieren. Dort ging ich zun\u00e4chst in den Lesesaal f\u00fcr Alte Handschriften, den ich nicht so gern mag, weil ich in ihm nie eine Steckdose finde. 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