{"id":27943,"date":"2017-11-06T12:51:14","date_gmt":"2017-11-06T10:51:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=27943"},"modified":"2017-11-07T09:48:16","modified_gmt":"2017-11-07T07:48:16","slug":"gelesen-the-underground-railroad","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=27943","title":{"rendered":"Gelesen: \u201eThe Underground Railroad\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe den kompletten Sonntag auf meinem Sofa verbracht, um das Buch durchzulesen, das ich am Samstag begonnen hatte: <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0708898408\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0708898408&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=5dc347a1eb5224eee78c3ae24b74fb20\">The Underground Railroad<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=0708898408\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> von Colson Whitehead, <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3446256555\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3446256555&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=9bad98d019c847e0928966ac25cba971\">hier<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3446256555\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> der Link zur deutschen Fassung, \u00dcbersetzung von Nikolaus Stingl. Nach dem Reinlesen in die deutsche Leseprobe glaube ich, dass die \u00dcbersetzung gut gelungen ist, denn was mir am Roman fast am besten gefallen hat, war seine unromanhafte Sprache, er liest sich fast dokumentarisch. Das ist allerdings auch genau die fiese Falle, in die man als Leserin tappt \u2013 man meint, historische Fakten mit einer Romanhandlung ummantelt zu lesen, was gr\u00f6\u00dftenteils falsch ist. Aber das hat mir noch vor der Sprache am besten gefallen.<\/p>\n<p>Ich interessiere mich schon recht lange f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sezessionskrieg\">Amerikanischen B\u00fcrgerkrieg<\/a> bzw. seine Vorgeschichte sowie die Zeit danach (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reconstruction\">Reconstruction<\/a>). Neben Machwerken wie <em>Vom Winde verweht<\/em>, das ich mit 13 erstmals las und damit ein richtig sch\u00f6n falsches Bild der S\u00fcdstaaten vermittelt bekam, habe ich aber, soweit ich mich erinnere, keinen Roman \u00fcber diese Zeit gelesen, auch <em>Onkel Toms H\u00fctte<\/em> nicht. Stattdessen las ich <a href=\"http:\/\/www.pulitzer.org\/winners\/james-m-mcpherson\">ausgezeichnete<\/a> Werke wie James McPhersons <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/019516895X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=019516895X&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=8775e23f00af7d94aa8efc8ee555d4b3\">Battle Cry of Freedom: The Civil War Era<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=019516895X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> (<a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3866472676\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3866472676&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=39889cc62796505dbef837463782c47d\">hier<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=3866472676\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> auf deutsch), das ich schon hundertmal in diesem Blog empfohlen habe und ich h\u00f6re auch nicht auf damit, sowie Eric Foners <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/B003YUCE9I\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=B003YUCE9I&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=c77dd98e8d2d9d3de91e155532bc81ca\">Reconstruction: America&#8217;s Unfinished Revolution, 1863-1877<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=B003YUCE9I\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> oder <em><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/0385722702\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=0385722702&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=afb4e3b466d66e2aae1d4e116521082d\">Slavery By Another Name: The Re-Enslavement of Black Americans from the Civil War to World War II<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=0385722702\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/><\/em> von Douglas Blackmon, das sich mit den Langzeitfolgen des Krieges besch\u00e4ftigt. Daher wusste ich, dass die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Underground_Railroad\">Underground Railroad<\/a> nicht wirklich eine Bahnstrecke ist, sondern ein Netzwerk aus Menschen und Wegen, die geflohene Sklaven in den vermeintlich sicheren Norden brachten. \u201eVermeintlich\u201c wegen der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fugitive_Slave_Law_of_1850\">Fugitive Slave Laws<\/a>, die Sklaven nicht automatisch zu freien Menschen werden lie\u00dfen, sobald sie die S\u00fcdstaaten hinter sich gelassen hatten. Der Roman tut nun aber so, als ob die Underground Railroad genau das ist, wonach es klingt: eine unterirdische Bahnstrecke, von Unbekannten in die Felsen und in den Grund geschlagen, auf der Z\u00fcge verkehren, die Sklaven und Sklavinnen schnell \u00fcber weite Strecken transportieren.<\/p>\n<p>Ich habe mich recht lange w\u00e4hrend des Lesens gefragt, warum Whitehead zu diesem Kniff gegriffen hat. Ohne jetzt gro\u00df Rezensionen gegoogelt zu haben, glaube ich, dass diese M\u00f6glichkeit des weiten Reisens (wenn man eine Flucht als Reise bezeichnen will) ihm schlicht die M\u00f6glichkeit gab, mehrere Staaten der USA und der sp\u00e4teren Konf\u00f6derierten zu beschreiben bzw. ihre jeweilige Auffassung von Recht und Gesetz, dem Umgang mit der schwarzen Bev\u00f6lkerung und der eigenen Geschichte. Teils fiktiv, teils immerhin historisch inspiriert. (Zum Beispiel das Kapitel zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Westfield_(Indiana)\">Indiana<\/a>.)<\/p>\n<p>Die Sklavin Cora ist die Figur, der wir haupts\u00e4chlich folgen, aber wir erfahren in kleinen Einzelkapiteln auch Hintergrund zu anderen, zum Beispiel zum <em>slave catcher<\/em> Ridgeway. Dessen Vater war Schmied und sein Gehilfe, ein amerikanischer Ureinwohner, erz\u00e4hlte gerne vom <em>great spirit<\/em>, in dessen Namen nun auch der Vater arbeitete. Der Sohn schlug eine andere Karriere ein. Das Buch klingt streckenweise so, oft einen historischen Fakt (die Ma\u00dflosigkeit der Menschenj\u00e4ger) mit einer deskriptiven und doch evokativen Sprache verbindend:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eRidgeway gathered renown with his facility for ensuring that property remained property. When a runaway took off down an alley, he knew where the man was headed. The direction and aim. His trick: Don&#8217;t speculate where the slave is headed next. Concentrate instead on the idea that he is running away from you. Not from a cruel master, or the vast agency of bondage, but you specifically. It worked again and again, his own iron fact, in alleys and pine barrens and swamps. He finally left his father behind, and the burden of that man&#8217;s philosophy. Ridgeway was not working the spirit. He was not the smith, rendering order. Not the hammer. Not the anvil. He was the heat.\u201c (S. 96)<\/p><\/blockquote>\n<p>Das n\u00e4chste Zitat hat mir besonders gefallen, was vermutlich am Gegenstand liegt, der hier beschrieben wird. Gleichzeitig schwingen zwei Dinge mit: dass Cora als Nicht-Mehr-Sklavin inzwischen lesen gelernt hat und dass ihr inzwischen Dinge geh\u00f6ren. Vieles, was sich \u00e4ndert, wird so fast nebenbei abgehandelt; das Buch macht kein gro\u00dfes moralisches Fass auf. Das muss es gar nicht, die Diskussion um Sklaverei verbietet schlicht mehr als eine Seite oder Meinung. Aber wieviel sich \u00e4ndert, nicht nur im Gro\u00dfen, sondern im Kleinen, vermittelt das Buch auf vielen Seiten in intimen Szenen wie dieser hier:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eThe almanac had a strange, soapy smell and made a cracking noise like fire as [Cora] turned the pages. She&#8217;d never been the first person to open a book.\u201c (S. 301)<\/p><\/blockquote>\n<p>Wir lesen auch die Biografien von anderen Geflohenen, von Helfern und Helferinnen und auch von einer Angeh\u00f6rigen von Cora. Darauf habe ich das ganze Buch gehofft \u2013 ich hatte br\u00e4sigerweise das Inhaltsverzeichnis \u00fcberbl\u00e4ttert, in dem ich schon h\u00e4tte sehen k\u00f6nnen, dass auch Coras Mutter ein paar Seiten gewidmet werden. (Daher ist das kein Spoiler. Hoffe ich.) Ein Hauptmotiv in <em>Railroad<\/em> ist das Entwurzeltsein, das Gef\u00fchl, nirgends hinzugeh\u00f6ren. Zu wissen, man stammt aus Afrika, aber nicht zu wissen, woher genau, keine Familie zu haben, als Eltern in Sklaverei nicht zu wissen, ob man seine Kinder wachsen sehen wird, weil die Chance gro\u00df ist, dass sie verkauft werden, all das schwingt immer mit, wenn Cora nach ihrem Platz sucht.<\/p>\n<p>(Kleiner Einschub: Die eigene Familie zu finden, besch\u00e4ftigte ehemalige Sklaven und Sklavinnen noch lange Zeit. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts fanden sich in Zeitungen Anzeigen, in denen nach Familienmitgliedern gesucht wurden. (Foner 1988, 84.) Gleichzeitig gab es Lithografien wie <a href=\"https:\/\/www.loc.gov\/resource\/pga.01821\/\">diese hier<\/a>, mit denen man einen eigenen Stammbaum begr\u00fcnden konnte.)<\/p>\n<p>Cora macht sich au\u00dferdem Gedanken \u00fcber die Wei\u00dfen und ihren Umgang mit dem Land und den Menschen, die andere Hautfarben haben. Es wird oft angedeutet, dass die Vereinigten Staaten ein Land sind, das auf Verbrechen gegr\u00fcndet wurde: der Mord an den amerikanischen Ureinwohnern, die unrechtm\u00e4\u00dfige Landnahme und nat\u00fcrlich die Sklaverei, ohne die vor allem die S\u00fcdstaaten nicht so einen gro\u00dfen wirtschaftlichen Aufschwung erlebten. Der allerdings immer noch geringer war als der der Nordstaaten: 1850 besa\u00dfen die S\u00fcdstaaten gerade 18 Prozent der Produktionskapazit\u00e4ten, obwohl sie 42 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung stellten. 70 Prozent der Baumwolle wurden in den Norden exportiert, wo die Webereien aus dem Rohstoff Kleidung herstellten, die zu h\u00f6heren Preisen exportiert werden konnte. Nur f\u00fcnf Prozent der Ernte wurde in den S\u00fcdstaaten verarbeitet. (McPherson 1988, 91.)<\/p>\n<p>Auch die Tatsache, dass in vielen Landkreisen der S\u00fcdstaaten mehr schwarze als wei\u00dfe Menschen lebten, wird angesprochen; einerseits hoffnungsvoll aus der Sicht von Cora, andererseits \u00e4ngstlich aus der Sicht der Plantagenbesitzer und <em>slave catcher<\/em>, denen durchaus bewusst ist, dass sie im Falle einer Revolte zahlenm\u00e4\u00dfig weit unterlegen w\u00e4ren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/mcpherson1.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"504\" class=\"alignnone size-full wp-image-27947\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/mcpherson1.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/mcpherson1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n(Quelle: James McPherson, <em>Battle Cry of Freedom. The Civil War Era<\/em>, New York 1988, S. 101. Man sieht sehr gut, dass gerade die Gebiete, in denen die arbeitsintensive Baumwolle angebaut wurde, eine gro\u00dfe schwarze Bev\u00f6lkerung haben.)<\/p>\n<p>In <em><a href=\"http:\/\/www.pulitzer.org\/winners\/alan-taylor-0\">The Internal Enemy<\/a><\/em> von Alan Taylor las ich, dass gerade die zahlenm\u00e4\u00dfige \u00dcberlegenheit das bescheuerte Denkgeb\u00e4ude der Sklavenhalter noch wackeliger machte. Ihre Begr\u00fcndung f\u00fcr die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von Sklaverei war, dass Schwarze minderbemittelt seien und die guten Wei\u00dfen sich quasi um sie bem\u00fchten, indem sie ihnen ein Dach \u00fcber dem Kopf und Nahrung zur Verf\u00fcgung stellten \u2013 im \u201eTausch\u201c gegen Arbeitskraft. Ohne die Wei\u00dfen w\u00e4ren die Schwarzen quasi hilflos. (Ich kann dieses paraphrasierte Zitat leider gerade nicht belegen, weil ich das Buch nur aus der Bibliothek geliehen hatte.) Dass diese Auffassung kompletter Bl\u00f6dsinn war, war den meisten sp\u00e4testens nach den <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nat_Turner\">ersten Revolten<\/a> klar, als sehr deutlich wurde, wie gro\u00df die Sehnsucht nach Freiheit war. Als der Anteil der schwarzen Bev\u00f6lkerung immer gr\u00f6\u00dfer wurde, nahm auch die Angst vor weiteren gewaltsamen Auseinandersetzungen zu. Auch deswegen neigten viele Sklavenhalter zu gro\u00dfer Brutalit\u00e4t \u2013 grausame Strafen sollten zur Abschreckung vor Flucht oder Ungehorsam dienen. Gleichzeitig durften diese Strafen aber nicht so schwer sein, dass Sklaven und Slavinnen arbeitsunf\u00e4hig wurden, denn sie waren schlicht wertvolles Gut, f\u00fcr das man durchaus hohe Preise gezahlt hatte. (Der <em>slave catcher<\/em> im Buch spricht nie von <em>he<\/em> oder <em>she<\/em>, wenn er \u00fcber die Menschen redet, denen er nachstellt, sondern stets von <em>it<\/em>, dem Besitz, dem Ding.)<\/p>\n<p>In <em>Railroad Unterground<\/em> gibt es also diverse Themen, die angerissen und aus der Sicht von Cora geschildert werden. Whitehead beschreibt die verschiedenen Staaten, in denen Cora sich aufh\u00e4lt, unterschiedlich, und auch hier vermischt er wieder Fakten mit Fiktion oder deutet Dinge an, die noch nicht passiert sind. Der Roman scheint vor dem B\u00fcrgerkrieg zu spielen, aber als Cora sich in Tennessee bewegt, wird verbrannte Erde beschrieben, verkohlte H\u00e4user, schwarze, kahle B\u00e4ume, was ich als Vorausahnung auf den B\u00fcrgerkrieg interpretieren w\u00fcrde. In einer anderen Situation erinnerte mich Cora an Anne Frank, was ich f\u00fcr keinen ganz schiefen Vergleich halte, in einer anderen an <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/V%C3%B6lkerschau\">ausgestellte Menschen in Tierparks<\/a>, auch hier in Deutschland. Ich wei\u00df bei beidem nicht, ob es diese Vorbilder auch in den USA gab, aber ich hatte das Gef\u00fchl, dass Whitehead hier bewusst die Geschichte auf weitere Verfolgte weltweit ausdehnt. Auch daher halte ich seinen Kniff, die Underground zu einem echten Zug zu machen, f\u00fcr einen genialen Trick, um der Leserin eine viel gr\u00f6\u00dfere Welt zu er\u00f6ffnen \u2013 und damit eine Welt an Problemfeldern, die eben nicht auf eine kurze Zeit in den S\u00fcdstaaten begrenzt und damit erledigte Geschichte sind, sondern bis heute vorherrschen oder einen Einfluss auf heutige Politik haben.<\/p>\n<p>(Noch ein Einschub: Mit der uns\u00e4glichen <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/news\/made-by-history\/wp\/2017\/11\/01\/john-kelly-is-wrong-slavery-not-compromise-caused-the-civil-war\/?utm_term=.50fe765eb812\">Aussage<\/a> John Kellys, der B\u00fcrgerkrieg w\u00e4re deshalb ausgebrochen, weil man keinen vern\u00fcnftigen Kompromiss hatte finden k\u00f6nnen, hat sich unter anderem Ta-Nehisi Coates auf Twitter <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tanehisicoates\/status\/925297480828407808\">besch\u00e4ftigt<\/a>. Der Thread hat leider zu viele Antworten, um vern\u00fcnftig angezeigt zu werden, aber ich fand den verlinkten Tweet mit dem Link zu einer Quelle sehr wichtig; in ihr wird ganz klar auf Sklaverei als Wirtschaftsfaktor hingewiesen, was die Entwicklung der Argumentation von Wei\u00dfen beschreibt: vom angeblich guten F\u00f6rderer der schwarzen Rasse zu ihrem Ausbeuter. Ich halte Coates f\u00fcr einen derzeit sehr wichtigen Autoren, der eine sehr herausfordernde und unbequeme Sichtweise auf die amerikanische Geschichte der Schwarzen hat, und verweise einmal mehr auf sein neues <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2017\/11\/03\/books\/review\/we-were-eight-years-in-power-ta-nehisi-coates-essays-memoir.html?_r=0\">Buch<\/a> mit Essays aus den vergangenen Jahren, darunter auch das meiner Meinung nach bahnbrechende und sehr informative <em><a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/magazine\/archive\/2014\/06\/the-case-for-reparations\/361631\/\">The Case for Reparations<\/a><\/em>.)<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu <em>Underground Railroad<\/em>: W\u00e4hrend des Lesens erinnerte ich mich an viele der Dinge, die ich eben erw\u00e4hnte, w\u00e4hrend ich andere nachschlagen musste, weil ich selbst nicht sicher war, was jetzt Fakt und was Erfindung war. Ich mochte dieses Leseerlebnis sehr gerne. Vielleicht inspiriert es Menschen, die noch nicht so viel zu diesem Teil der amerikanischen Geschichte gelesen habe, auch dazu, wenigstens mal in der Wikipedia rumzuklicken. Und neben dem Lerneffekt ist das Buch sehr unwiderstehlich geschrieben. Ich habe es, wie erw\u00e4hnt, an knapp zwei Tagen durchgelesen und lege es euch hiermit sehr ans Herz. Auch wenn euch der B\u00fcrgerkrieg nicht die Bohne interessiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe den kompletten Sonntag auf meinem Sofa verbracht, um das Buch durchzulesen, das ich am Samstag begonnen hatte: The Underground Railroad von Colson Whitehead, hier der Link zur deutschen Fassung, \u00dcbersetzung von Nikolaus Stingl. 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