{"id":279,"date":"2002-04-30T22:25:26","date_gmt":"2002-04-30T21:25:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=279"},"modified":"2004-11-08T21:01:22","modified_gmt":"2004-11-08T20:01:22","slug":"one-two-three","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=279","title":{"rendered":"One, Two, Three"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0055256\/\">One, Two, Three<\/a><br \/>\n(Eins, zwei, drei, USA 1961)<\/p>\n<p>Darsteller: James Cagney, Horst Buchholz, Lilo Pulver, Pamela Tiffin, Hanns Lothar<br \/>\nDrehbuch: Billy Wilder &#038; I.A.L. Diamond<br \/>\nKamera: Daniel L. Fapp<br \/>\nMusik: Andr\u00e9 Previn<br \/>\nRegie: Billy Wilder<\/em><\/p>\n<p>Mein Papa ist kein Fan von modernen Kinos. Ihm ist das alles zu laut, es sind zu viele Leute da, und er mag kein Popcorn. Aber immer, wenn <em>One, Two, Three<\/em> im Programmkino lief, schnappte er sich die ganze Familie und spendierte die Kinokarten. Als Kind hatte ich nicht wirklich den Durchblick \u00fcber deutsche Geschichte und den kalten Krieg, aber anscheinend klappen Filme mit au\u00dfergew\u00f6hnlich guten Drehb\u00fcchern auch ohne profunde Hintergrundbildung. <\/p>\n<p>Es geht um einen Coca-Cola-Vertreter in West-Berlin (James Cagney, der vor jeder seiner Szenen gesteppt hat, um atemlos durch die Dialoge zu hetzen), der versuchen will, Coca-Cola auch in die Sowjetunion zu importieren. Nebenbei muss er noch auf die verw\u00f6hnte G\u00f6re seines Chefs aus Atlanta aufpassen, die mal kurz f\u00fcr vier Wochen vorbeischneit und keine Ahnung von Weltpolitk hat. Sie verliebt sich in einen Kommunisten aus Ost-Berlin (Horst Buchholz, als er noch gut aussah), heiratet ihn sogar, Cagney versucht, alles wieder r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, weil er um seine Bef\u00f6rderung f\u00fcrchtet, scheitert aber, ersinnt Plan B, muss daf\u00fcr Buchholz einer Gehirnw\u00e4sche unterziehen, um aus ihm einen passablen kapitalistischen Schwiegersohn zu machen, nebenbei f\u00fchrt er Verhandlungen mit fiesen Russkis (einer davon ist Ralf Wolter, der gute Sam Hawkins aus den Winnetou-Filmen), hat Stress mit seiner Frau, die ihn immer mit \u201eMein F\u00fchrer\u201c anredet, muss seine au\u00dfereheliche Aff\u00e4re mit Fraulein Ingeborg (Lilo Pulver, knackig) managen, die ihm Unterricht in deutschen Umlauten gibt und versucht vergeblich, seinem deutschen Assistenten Schlemmer das milit\u00e4rische Hacken-Zusammenschlagen abzugew\u00f6hnen. Das alles passiert in unglaublich kurzweiligen 90 Minuten und beinhaltet Dialogperlen wie: \u201eIhr Russen k\u00f6nnt gar keine Cola herstellen. Ihr habt&#8217;s mal versucht, aber nicht mal die Albaner wollten es trinken. Sie haben ihre Schafwolle damit gef\u00e4rbt.\u201c<\/p>\n<p>Der Film war 1961 ein Flop, denn dummerweise fiel der Bau der Berliner Mauer mitten in die Dreharbeiten. Regisseur Billy Wilder musste den Film in den M\u00fcnchener Bavaria-Studios mit einem Brandenburger Tor aus Pappe fertig stellen. Und seltsamerweise wollte Ende 1961 niemand in Deutschland einen Film sehen, der Witze \u00fcber die DDR macht. <\/p>\n<p>In den 80er Jahren wurde der Film wiederaufgef\u00fchrt und wurde ein sp\u00e4ter Erfolg. Immerhin. Wer ihn wider Erwarten noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. Ich pers\u00f6nlich kenne keinen Film, der so viele Pointen in so hohem Tempo verbr\u00e4t und sogar in der allerletzten Sekunde des Films noch einen Witz unterbringt. <\/p>\n<p>Wer den Film allerdings schon kennt und vielleicht lieber was anderes als Abschiedsvorstellung f\u00fcr Billy Wilder sehen m\u00f6chte \u2013 hier eine kleine Auswahl seiner besten Filme:<\/p>\n<p> \u2013 <em>Double Indemnity (Frau ohne Gewissen<\/em>, 1944): Barbara Stanwyck als eiskalte M\u00f6rderin \u2013 ein Novum in Hollywood: Frauen als T\u00e4ter <\/p>\n<p> \u2013 <em>The Lost Weekend (Das verlorene Wochenende<\/em>, 1945): Einer der ersten Hollywood-Filme, die Alkoholsucht zum Thema hatten und sie drastisch darstellt <\/p>\n<p> \u2013 <em>Sunset Boulevard (Boulevard der D\u00e4mmerung<\/em>, 1950): Grandioser Abgesang auf das alte Hollywood, erz\u00e4hlt von einem Drehbuchautor, der tot im Swimming Pool einer Diva schwimmt <\/p>\n<p> \u2013 <em>Sabrina (Sabrina<\/em>, 1954): Zuckers\u00fc\u00dfer M\u00e4dchenfilm, in dem alle am Ende die richtigen kriegen (Obwohl: die wundersch\u00f6ne Audrey Hepburn den Nussknacker Humphrey Bogart? Naja &#8230;) <\/p>\n<p> \u2013 <em>Witness for the Prosecution (Zeugin der Anklage<\/em>, 1957): Paraderolle f\u00fcr Marlene Dietrich als eiskalte Femme Fatale in diesem spannenden Gerichtsthriller. Oder ist sie etwa nicht die, f\u00fcr die man sie h\u00e4lt &#8230;? <\/p>\n<p> \u2013 <em>The Seven Year Itch (Das verflixte siebte Jahr<\/em>, 1957): Ich sag nur Marilyn im wei\u00dfen Kleid \u00fcber dem U-Bahn-Schacht <\/p>\n<p> \u2013 <em>The Apartment (Das Appartement<\/em>, 1960): Bitters\u00fc\u00dfe Love Story mit Jack Lemmon und Shirley MacLaine <\/p>\n<p> \u2013 <em>Irma La Douce (Das M\u00e4dchen Irma La Douce<\/em>, 1963): Traumpaar Lemmon\/MacLaine wiedervereint, diesmal als Hure und Polizist in kitschiger Paris-Kulisse <\/p>\n<p> \u2013 <em>The Fortune Cookie (Der Gl\u00fcckspilz<\/em>, 1966): Walter Matthau und Jack Lemmon als Versicherungsbetr\u00fcger <\/p>\n<p>Und wer sich jetzt fragt, wie so ein gro\u00dfer Regisseur, der in seinen Filmen immer alles m\u00f6glich gemacht hat,  seinen eigenen Abspann nicht hat verhindern k\u00f6nnen, dem hilft vielleicht die unsterbliche letzte Zeile seines besten Films <em>Some Like It Hot (Manche m\u00f6gen&#8217;s hei\u00df<\/em>, 1959): Nobody is perfect. <\/p>\n<p>Goodbye, Mr Wilder. Mein Papa und ich schauen uns nochmal <em>One, Two, Three<\/em> an. Vielleicht gucken Sie ja zu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>One, Two, Three (Eins, zwei, drei, USA 1961) Darsteller: James Cagney, Horst Buchholz, Lilo Pulver, Pamela Tiffin, Hanns Lothar Drehbuch: Billy Wilder &#038; I.A.L. Diamond Kamera: Daniel L. Fapp Musik: Andr\u00e9 Previn Regie: Billy Wilder Mein Papa ist kein Fan von modernen Kinos. 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