{"id":27757,"date":"2017-10-02T09:01:23","date_gmt":"2017-10-02T07:01:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=27757"},"modified":"2017-10-02T09:39:32","modified_gmt":"2017-10-02T07:39:32","slug":"tagebuch-samstagsonntag-30-september1-oktober-2017-altona-tranen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=27757","title":{"rendered":"Tagebuch, Samstag\/Sonntag, 30. September\/1. Oktober 2017 \u2013 Altona-Tr\u00e4nen"},"content":{"rendered":"<p>Am Samstag stand wieder ein Augsburg-Spiel auf dem Plan. Ich war schon den ganzen Vormittag latent traurig, wusste aber nicht, warum, denn ich freute mich auf das Spiel und den <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Surfin_Bird\">@Surfin_Bird<\/a>, der F. und mich begleiten w\u00fcrde. Wenn ich dieses Spiel mit meiner halben Dauerkarte bestritten h\u00e4tte, w\u00e4re ich vermutlich auf dem Sofa unter der Decke geblieben, aber bei dieser Begegnung war der eigentliche Karteninhaber wieder im Stadion, weswegen ich 40 Euro f\u00fcr eine Karte ausgegeben hatte. Ich wei\u00df nicht, ob das der Grund war, mich doch aufzuraffen oder schlicht die Vorfreude aufs Spiel \u2013 auf jeden Fall ging ich aus dem Haus, wenn auch ohne Trikot und Schal, sondern in meinen normalen Klamotten. Als ich am Hauptbahnhof auf den Bahnsteig gehen wollte, auf dem wir uns immer treffen, um nach Augsburg zu zuckeln, fiel mein eh schon wackeliger Blick auf das Nachbargleis, auf dem gerade ein ICE darauf wartete, nach Hamburg-Altona zu fahren. Und ehe ich begriff, was passierte, kullerten die ersten Tr\u00e4nchen und ich drehte mich um und hoffte, die Jungs hatten mich noch nicht gesehen. (Hatten sie, wie ich sp\u00e4ter erfuhr.) Ich ging ein paar Meter zur\u00fcck zum Infostand zur neuen <a href=\"https:\/\/www.2.stammstrecke-muenchen.de\/\">Stammstrecke<\/a> und dem geplanten Umbau des Hauptbahnhofs, der wie ein kleines H\u00e4uschen mitten im Bahnhof steht. Dort versteckte ich mich, heulte minutenlang vor mich hin und las mir, um mich abzulenken, die ganzen Infotafeln durch. Ich kenne jetzt auch das Architekturmodell f\u00fcr den neuen Hauptbahnhof auswendig, und soweit ich das durch den Tr\u00e4nenschleier beurteilen kann, wird das Ding echt okay.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Das Spiel war dann recht nervig, auch weil sehr viele Dortmunder Fans im Stadion waren und die Kulisse sich deswegen nicht ganz so heimspielig anf\u00fchlte. In der ersten Halbzeit war Dortmund klar besser und f\u00fchrte zur Pause mit 2:1, auch weil beim zweiten Tor die Augsburger Verteidigung reiner Slapstick war. In der zweiten Halbzeit machte der FCA aber das, was er am besten kann: den Gegner auf sein Niveau runterziehen. Auch der BVB bekam kaum noch P\u00e4sse zustande und schoss zeitweilig nur noch hoch und weit in den Strafraum. Das Spiel wurde hakeliger, und zu allem \u00dcberfluss st\u00f6rte der neue, beknackte <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/sport\/fussball\/collinas_erben\/Warum-der-Videobeweis-immer-besser-wird-article20062122.html\">Videobeweis<\/a> die Spieldynamik zus\u00e4tzlich. (Womit die Spieler <a href=\"http:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/sport\/fc-augsburg\/Wie-die-FCA-Profis-mit-dem-Videobeweis-umgehen-id42834206.html\">anscheinend besser umgehen k\u00f6nnen<\/a> als wir als Publikum.) Das war alles grottig anzusehen, aber ich pers\u00f6nlich fand es beruhigend, dass Augsburg gegen Dortmund nicht untergegangen ist. Wenn die Mannschaft die restliche Saison \u00e4hnlich agiert, d\u00fcrfte der Klassenerhalt kein Problem sein. (Und dann kaufe ich mir eine eigene Dauerkarte.)<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den Sonntagmorgen verbrachte ich bei F. Wir lungerten ewig im Bett rum und beschlossen zur Mittagszeit, dass man ja mal fr\u00fchst\u00fccken k\u00f6nne, was wir dann im <a href=\"http:\/\/www.goerreshof.de\/\">G\u00f6rreshof<\/a> taten, wo ich statt Croissants und Kaffee Schnitzel in Breznpanade und Apfelschorle genoss. Das machen wir selten, so lange an freien Tagen morgens zusammen zu sein; meist will derjenige, in dessen Wohnung man sich gerade nicht befindet, sich irgendwann frischmachen und den Tag starten, w\u00e4hrend der andere noch rumliegen will. Das sind die Momente, wo ich Zusammenleben vermisse. Wir wohnen keinen Kilometer auseinander, es ist also kein Akt, mal eben zum anderen r\u00fcberzugehen oder zu radeln oder den Bus zu nehmen, der uns ernsthaft von Haust\u00fcr zu Haust\u00fcr schaukelt. (Wir haben quasi Chauffeurservice.) Trotzdem mag ich es, dass jeder seinen Tag im eigenen Tempo starten kann und man trotzdem zusammen ist. Ich mochte das in anderen Beziehungen gern, dass der eine schon aufsteht, w\u00e4hrend der andere halt noch liest oder schl\u00e4ft; irgendwer k\u00fcmmert sich um Fr\u00fchst\u00fcck oder halt nicht, man kann nochmal zum anderen unter die Decke schl\u00fcpfen, wenn derjenige partout noch nicht rauswill oder \u00e4hnliches. Es kostet weniger Planungsenergie oder \u00fcberhaupt irgendeine Anstrengung, miteinander Zeit zu verbringen, wenn man unter einem Dach wohnt. So gerne ich unsere getrennten Wohnungen mag, so sehr vermisse ich eine gemeinsame an Sonntagmorgenden.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Den Rest des Tages las ich das <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/386854299X\/ref=as_li_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=386854299X&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21&#038;linkId=1a74d8a46609114d149b16d99475c41b\">Terrorismusbuch<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=am2&#038;o=3&#038;a=386854299X\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/> weiter. Vermutlich werde ich es nicht komplett durchlesen k\u00f6nnen, weil ich es diese Woche in die Stabi zur\u00fccktragen muss; da hat ein Schlingel doch tats\u00e4chlich eine Vormerkung get\u00e4tigt, bevor ich es verl\u00e4ngern konnte. Auch okay, sch\u00f6n, dass das Buch mehr Leser*innen kriegt.<\/p>\n<p>Neben der schon ger\u00fchmten Schreibweise und des wirklich spannenden Inhalts konnte ich mir noch ein paar wissenschaftliche Konventionen abgucken. Bis zur Masterarbeit habe ich gef\u00fchlt jeden Satz mit einer Fu\u00dfnote belegt, in dem eine Idee drinsteckte, die vielleicht nicht ganz allein meine war. Hier sah ich eine etwas entspanntere Herangehensweise: Man schreibt einen ganzen Absatz zu einem Thema und belegt dann in einer langen Fu\u00dfnote die einzelnen Teile.<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt merkte ich mal wieder, wie gut es der eigenen Arbeit tut, andere zu lesen. Den Rat kriegt vermutlich jede Journalistin, jede Texterin, jede andere Wortarbeiterin irgendwann: \u201eWer schreiben will, muss lesen.\u201c Den halte ich auch immer noch f\u00fcr essentiell. Klar gibt es Genies, die aus dem Nichts einen Stil erfinden, aber ich pers\u00f6nlich habe gerne von anderen gelernt: Wieso funktioniert diese Headline jetzt? Wieso will ich diesen Film weitergucken und diesen hier nicht? Wie ist die Erz\u00e4hlstruktur aufgebaut? Wieso finde ich diesen wissenschaftlichen Aufsatz lesbar und strukturiert und diesen hier nicht? Wo ist der Unterschied? Neuerdings lese ich das FAZ-Feuilleton nicht nur wegen des Inhalts, sondern gucke mir besonders an, wie die Autor*innen in den Text reinkommen: Wo holt man die Leserin ab, und wie entl\u00e4sst man sie nach 40 Zeilen wieder? Das ist gerade bei Ausstellungsbesprechungen ein ganz anderer Aufbau als der, den ich hier lustig im Blog anbiete, denn hier wei\u00df ich um eine geneigte Leserschaft. Ich ahne, dass Zeitungsartikel \u2013 genau wie Werbetexte \u2013 nur ein, zwei Zeilen haben, um die Leserin zu \u00fcberzeugen, ihre Zeit f\u00fcr die Lekt\u00fcre herzugeben.<\/p>\n<p>Auch deswegen freue ich mich sehr dar\u00fcber, wenn ich wissenschaftliche Texte finde, die ich nicht nur lese, weil ich wei\u00df, dass ich Informationen von ihnen brauchte, sondern schlicht, weil es ein Vergn\u00fcgen ist, sie zu lesen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Samstag stand wieder ein Augsburg-Spiel auf dem Plan. Ich war schon den ganzen Vormittag latent traurig, wusste aber nicht, warum, denn ich freute mich auf das Spiel und den @Surfin_Bird, der F. und mich begleiten w\u00fcrde. 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