{"id":2573,"date":"2008-07-28T09:35:15","date_gmt":"2008-07-28T07:35:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2573"},"modified":"2008-08-02T08:29:17","modified_gmt":"2008-08-02T06:29:17","slug":"kein-kalauer-mit-%e2%80%9ebeckmessern%e2%80%9c-versprochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=2573","title":{"rendered":"Kein Kalauer mit \u201ebeckmessern\u201c, versprochen"},"content":{"rendered":"<p><img src='http:\/\/www.ankegroener.de\/Bilder\/meistersinger.jpg' alt='' \/><\/p>\n<p>Gestern gab es zum ersten Mal eine Oper aus <a href=\"http:\/\/www.bayreuther-festspiele.de\/deutsch\/deutsch_2.html\">Bayreuth<\/a> als Livestream zu sehen: <em><a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Die_Meistersinger_von_N\u00fcrnberg\">Die Meistersinger von N\u00fcrnberg<\/a><\/em>. Das ganze hat mich 49 Euro gekostet, was einige Leute, denen ich davon erz\u00e4hlt habe (you know who you are), zu der Frage bewegt hat, ob es das denn wert sei. Man konnte den Stream n\u00e4mlich nicht aufzeichnen, und ich kann ihn jetzt nur noch einmal bis zum 2. August angucken; dann verf\u00e4llt mein Zugangscode.<\/p>\n<p>Die Frage kann ich trotzdem locker mit \u201eAber hallo\u201c beantworten. Wenn ich ins Theater, ins Popkonzert oder ins Musical gehe, zahle ich \u00e4hnliche Preise, meistens sogar mehr, und kann davon auch nichts mitnehmen au\u00dfer ein paar wackelige Handyfotos. Daf\u00fcr hat man nat\u00fcrlich das Live-Erlebnis \u2013 was ein gutes Argument gegen den Stream aus Bayreuth gewesen w\u00e4re, wenn es denn so einfach w\u00e4re, an Karten daf\u00fcr ranzukommen, um es einmal live zu sehen. Soweit ich wei\u00df, liegt die Wartezeit momentan bei sieben bis zehn Jahren (Promibonus mal ausgeschlossen), und daher fand ich die Idee mit dem Stream sehr gut, um auch den Leuten, die noch nie da waren, einen kleinen Einblick in die besondere Atmosph\u00e4re des Festspielhauses zu geben.<\/p>\n<p>Nachdem ich gestern also von 16 bis kurz vor 23 Uhr vor dem Rechner gesessen habe, muss ich allerdings sagen, dass der Stream doch eher was f\u00fcr Leute ist, die schon mal da waren \u2013 alleine, weil ich mir die Akustik wenigstens vorstellen konnte, die meine Kopfh\u00f6rer nat\u00fcrlich nur absolut unzureichend wiedergeben konnten. Ich hatte schon mehrmals das Gl\u00fcck, vor Ort zu sein (danke, Mama) und konnte mich an diese magischen Augenblicke erinnern, wenn das Licht langsam gedimmt wird, es schlie\u00dflich stockfinster ist und dann aus dem geschlossenen Orchestergraben die ersten T\u00f6ne der Ouvert\u00fcre dringen, ganz zart oder m\u00e4chtig, je nach St\u00fcck, in die Dunkelheit hinein. Ich musste bis jetzt jedesmal heulen, sobald es losging, und ich muss gestehen: Gestern beim Stream habe ich schon angefangen zu flennen, als das erste Bild aus dem Festspielhaus zu sehen war. Man sah \u00fcber die Zuschauer hinweg auf die B\u00fchne, h\u00f6rte das \u00fcbliche Stimmengewirr und die sich einspielenden Musiker, und es hat sich mit ein bisschen Vorstellungskraft fast so angef\u00fchlt, als w\u00e4re ich da. Und auch wenn Bayreuth-Bashing immer beliebter wird \u2013 f\u00fcr mich war es jedesmal etwas Einmaliges, dabei sein zu d\u00fcrfen. Und so ging es mir gestern auch.<\/p>\n<p>Der Unterschied zur <a href=\"http:\/\/news.yahoo.com\/s\/ap\/20080701\/ap_en_ot\/digital_wagner_2\">DVD<\/a>, die angeblich im November auf den Markt kommen soll, war ganz einfach der, dass ich hier auch die Pausen von jeweils einer Stunde mitgemacht habe. Dass ich warten musste, bis es weiterging, anstatt vorskippen zu k\u00f6nnen. Dass ich mich auch mit den Teilen der <em>Meistersinger<\/em> auseinandersetzen musste, die ich nicht ganz so mag. Ich gestehe, dass ich in der letzten halben Stunde immer etwas n\u00f6lig werde, weil das St\u00fcck so gar nicht aufh\u00f6ren will. Die gestrige Auff\u00fchrung war die dritte, ich ich mitgemacht habe, und ich ahne, dass dieses n\u00f6lige Gef\u00fchl anscheinend immer so ist. <\/p>\n<p>In den Pausen haben die Macher ein kleines, aber schickes Rahmenprogramm angeboten. So haben die zwei Kerle, die durch den Abend gef\u00fchrt haben, sich die S\u00e4nger geschnappt, die gerade von der B\u00fchne kamen und sie zu ihrer Rolle befragt; sie haben sich in den hei\u00dfen Orchestergraben gesetzt und mit einem Hornisten gesprochen, der, wie alle Teilnehmer, f\u00fcr Bayreuth seinen Sommerurlaub geopfert hat, sie haben uns beim Umbau zugucken lassen, beim Schminken und hatten noch ein paar vorbereitete Filmchen \u00fcber die Besonderheiten des Opernhauses dabei. Davon kannte ich zwar schon einiges aus den F\u00fchrungen, die ich mitgemacht hatte, sehe es aber immer wieder gerne. Und was die S\u00e4nger und Musiker erz\u00e4hlt haben, war mir dann auch neu: wie man sich die Kr\u00e4fte f\u00fcr eine so lange Partie einteilt und wie sie ihre Rollen sehen und sie mit Leben f\u00fcllen.<\/p>\n<p>Die Inszenierung ist vom letzten Jahr und das Bayreuth-Deb\u00fct von Katharina Wagner, der Urenkelin Richard Wagners, die <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub4D7EDEFA6BB3438E85981C05ED63D788\/Doc~EB44C3C37CFE645A1AD7182C2752B560C~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">demn\u00e4chst<\/a> mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier die Leitung der Festspiele \u00fcbernehmen wird. Die ersten beiden Akte fand ich sehr gelungen, den dritten dann wieder unn\u00fctz auf Krawall geb\u00fcrstet (immerhin gab&#8217;s nicht nur nackte M\u00e4dels, sondern auch einen unbekleideten Herrn), und so gab es nach den ersten beiden Vorh\u00e4ngen auch eher Bravo-Rufe aus dem Publikum, w\u00e4hrend am Ende das \u00fcbliche Gebuhe anfing. <\/p>\n<p>Auch sch\u00f6n: der Stream ist wirklich bis zum Ende draufgeblieben, also bis der letzte Applaus verklungen war. Meine Mutter und ich bleiben auch immer zum Schluss, selbst wenn es uns nicht gefallen hat \u2013 man ist ja schlie\u00dflich nicht alle Tage da. So konnte ich dann auch die Jubelarien f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.bayreuther-festspiele.de\/mitwirkende\/80\/infos_155.htm\">Darsteller<\/a> des Sixtus Beckmesser ansehen, die von lautem F\u00fc\u00dfegetrampel begleitet wurden \u2013 und auch hier dachte ich mir, sch\u00f6n, dass ich schon mal da war, denn mein K\u00f6rper hat sich sofort an das Gef\u00fchl erinnert, wenn man auf den <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1052\">Folterst\u00fchlchen<\/a> sitzt und der Holzboden unter einem zu beben beginnt, wenn das ganze Publikum trampelt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Edit: SpOn <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/musik\/0,1518,568441,00.html\">\u00fcber<\/a> das Public Viewing der <em>Meistersinger<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern gab es zum ersten Mal eine Oper aus Bayreuth als Livestream zu sehen: Die Meistersinger von N\u00fcrnberg. 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