{"id":2549,"date":"2008-07-02T09:12:55","date_gmt":"2008-07-02T07:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2549"},"modified":"2008-07-02T09:14:08","modified_gmt":"2008-07-02T07:14:08","slug":"fur-mein-weblog-zum-sechsten-geburtstag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=2549","title":{"rendered":"F\u00fcr mein Weblog zum sechsten Geburtstag"},"content":{"rendered":"<p>Liebes Weblog,<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/anke1\/pasdeblog\/blogarchiv\/juli2002.html\">gestern<\/a> bist du sechs Jahre alt geworden. Das ist schon ziemlich alt, auch wenn es noch viel \u00e4ltere deutsche Weblogs gibt, die im Gegensatz zu dir schon in finnischen Clubs gespielt haben. Aber da du ja eh lieber zuhause bleibst und Filme guckst, ist das v\u00f6llig okay. <\/p>\n<p>Am Anfang warst du sehr aufgeregt, als dich pl\u00f6tzlich mehr als ein Mensch (deine Autorin) gelesen hat. Nach wenigen Wochen hat sie dir eine Kommentarfunktion von Haloscan geschenkt und einen kleinen Counter, der lustig vor sich hintickerte. Als du das erste Mal \u00fcber 100 Besucher am Tag gehabt hast, war deine Autorin kurz davor, eine Party zu schmei\u00dfen und sich als K\u00f6nigin des Internets auszurufen. Das hat sie gl\u00fccklicherweise nicht gemacht \u2013 auch weil sie gemerkt hat, dass du pl\u00f6tzlich neben vielen, vielen tollen Lesern auch ein paar Irre mit zuviel Zeit angezogen hast.<\/p>\n<p>Als du das erste Mal \u00fcber 1000 Besucher am Tag gehabt hast, war deine Autorin kurz davon, dich auf Festplatte zu bannen und offline zu gehen, weil sich das auf einmal komisch angef\u00fchlt hat, dass so viele Leute auf dir rumlatschen. Aber irgendwie war die Dame schon so daran gew\u00f6hnt, (damals noch) jeden Tag in dich reinzuschreiben, dass das trotz aller Nervereien, dusseliger Kommentare, Psychomails und Kleinkriege in der Blogosph\u00e4re gar keine Option war. Und weil der ganze Negativkram locker von all dem Positiven aufgewogen wird, den du ihr bieten kannst.<\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre hat sich deine Autorin dann ein bisschen von dir emanzipiert. Du l\u00e4ufst inzwischen auf WordPress, von dem deine Autorin \u00fcberhaupt keine Ahnung hat, weswegen sie alle zwei Monate dar\u00fcber nachdenkt, wieder zum selbstgebastelten GoLive zur\u00fcckzukehren \u2013 aber dann w\u00fcrden ja wieder alle (zu Recht) jammern, dass du keine Permalinks h\u00e4ttest. Du hast keine Kommentare mehr, damit du deiner Autorin wieder den gleichen Spa\u00df machst, den du ihr zu Beginn gemacht hast, als dich noch keine 1000 Leute besucht haben. Auch wenn du nicht mehr t\u00e4glich einen neuen Eintrag bekommst, was nicht nur die Schuld der Autorin, sondern auch der von Twitter ist, deinem kleinen schmuddeligen Cousin, der hemmungslos und erfolgreich ganz viele Blogger anbaggert.<\/p>\n<p>Den Kleinkriegen in der Blogosph\u00e4re weichst du inzwischen weitr\u00e4umig aus, z.B. indem deine Autorin nicht mehr nach ihrem Namen googelt und keine Blogs mehr liest, \u00fcber die sie sich eh blo\u00df aufregt. \u00dcberhaupt hat sich der Blogkonsum deiner Autorin gewandelt: Sie liest nicht mehr alles und jeden, sondern eher die Blogs, die sie seit Jahren liest und sch\u00e4tzt. Daher verlinkt sie auch immer auf die gleichen zehn Blogs, aber das ist okay, denn du warst noch nie die Riesenlinkschleuder, sondern immer mehr ein Tagebuch, und das ist auch die Art von Blogs, die deine Autorin gerne liest.<\/p>\n<p>Sie bedauert ein bisschen, dass es inzwischen gef\u00fchlte zwei Millionen Business-, Marketing- und \u201eSchnell reich werden durch Nichtstun\u201c-Blogs gibt und nur noch gef\u00fchlte zwei, die ihr Geschichten erz\u00e4hlen. Aber immer, wenn sie sowas denkt, f\u00fchlt sie sich sehr alt und m\u00fcde und erinnert sich daran, dass sie doch gar nicht mehr so viel \u00fcbers Bloggen und das Medium an sich nachdenken, sondern einfach weiter schreiben wollte. Dann legt sich die kleine Depression wieder und sie denkt an die vielen sch\u00f6nen Storys, die sie schon gelesen oder selber geschrieben hat. An die vielen Tellerr\u00e4nder, \u00fcber die sie gucken und die vielen Beichten, die sie lesen durfte. \u00dcber die vielen, vielen Begebenheiten von v\u00f6llig fremden Menschen, die ihr inzwischen so viel bedeuten wie ihre B\u00fccher oder Filme, weil sie eine kleine, neue Welt aufmachen, in der sie kurz rumspazieren darf. Und sie denkt an die Menschen, die sie schon durch dich kennengelernt hat. Einige sind gute Bekannte geworden, einige Freunde und einer wohnt inzwischen mit ihr zusammen (und bedauert vielleicht in den Momenten, in denen er mit ihr \u00fcber die korrekte Ausrichtung der Gl\u00e4ser im K\u00fcchenschrank diskutieren muss, dass er dich gelesen hat).<\/p>\n<p>Liebes Weblog, ich w\u00fcnsche dir von Herzen weiter so viele Leser wie jetzt, die nur in sehr wenigen Ausnahmef\u00e4llen doofe Mails schreiben und sonst lieber Ausgehtipps in Berlin oder Ideen f\u00fcr den perfekten Golfschwung parat haben, Hinweise auf gute franz\u00f6sische Musik geben oder generell ein paar freundliche Worte f\u00fcr dich \u00fcbrig haben. Diese Mails hebe ich auf und werde sie dir zu deinem 18. Geburtstag in Schweinsleder binden lassen. Ich w\u00fcnsche dir weiterhin eine gelassene Autorin. Und ich w\u00fcnsche dir vor allem immer so viele nette, spannende, aufregende, traurige, mutige, bewegende Schwestern und Br\u00fcder, die aus deinem Medium eben doch mehr machen als ein paar Datens\u00e4tze im Netz, sondern eine ganze Bibliothek an gro\u00dfartigen Geschichten und eine riesige Menge an Menschen, die sie aufschreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebes Weblog, gestern bist du sechs Jahre alt geworden. Das ist schon ziemlich alt, auch wenn es noch viel \u00e4ltere deutsche Weblogs gibt, die im Gegensatz zu dir schon in finnischen Clubs gespielt haben. Aber da du ja eh lieber zuhause bleibst und Filme guckst, ist das v\u00f6llig okay. Am Anfang warst du sehr aufgeregt, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2549","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2549","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2549"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2549\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2549"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2549"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2549"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}