{"id":232,"date":"2003-01-31T15:04:29","date_gmt":"2003-01-31T14:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=232"},"modified":"2004-11-08T20:18:06","modified_gmt":"2004-11-08T19:18:06","slug":"bowling-for-columbine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=232","title":{"rendered":"Bowling for Columbine"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0310793\/\">Bowling For Columbine<\/a> (2002)<\/p>\n<p>Drehbuch: Michael Moore<br \/>\nKamera: Brian Danitz, Michael McDonough<br \/>\nRegie: Michael Moore<\/em><\/p>\n<p>Ich habe schon in vielen Weblogs gelesen, wie ber\u00fchrt die Leute waren, als sie aus <em>Bowling For Columbine<\/em> gekommen sind. <\/p>\n<p>Hm.<\/p>\n<p>Ich war, ehrlich gesagt, total angepisst, als ich aus dem Kino kam. Ich muss den Inhalt dieses Dokumentarfilms (ich wollte das offizielle Genre nur noch mal erw\u00e4hnen) wohl nicht mehr wiedergeben. Jeder wei\u00df inzwischen, dass Michael Moore, der Regisseur des Films, sich gegen den freien Verkauf von Schusswaffen und Munition einsetzt. Gute Sache, keine Frage. Und dass Michael Moore jeden, der meint, dass Waffen vielleicht doch nicht so bl\u00f6d sind, f\u00fcr einen weltfremden Trottel h\u00e4lt, wird auch ziemlich deutlich, vor allem zum Schluss, als er sich mit Charlton Heston, dem Vorsitzenden der National Rifle Association (NRA) unterh\u00e4lt. Beziehungsweise ihm st\u00e4ndig ins Wort f\u00e4llt, wie Moore das sowieso den ganzen Film lang mit seinen Interviewpartnern macht, weil er gar keine Lust auf eine Auseinandersetzung hat, sondern nur seinen Punkt machen will.<\/p>\n<p>Das, was mich so derma\u00dfen genervt hat, ist, dass das gute Anliegen des Films v\u00f6llig untergeht in entweder einer emotionalen So\u00dfe aus Zeitlupenbildern, pathetischen Gesten und <em>A Wonderful World<\/em> im Hintergrund oder einer generellen Abrechnung mit dem politischen System Amerikas, seiner Gesetzgebung, seiner Nachrichtensender, seiner Bewohner. <\/p>\n<p>Moore beginnt gleich mit den klischeem\u00e4\u00dfigen Rednecks, die im wahren Leben Immobilienmakler sind, aber trotzdem eine geladene .44er unter dem Kopfkissen haben. Genau, wie wir es sehen wollen. Dann kommen die ersch\u00fctternden Bilder aus der Columbine High School, die von der \u00dcberwachungskamera w\u00e4hrend des Massakers aufgenommen wurden. Gute Sache, h\u00e4tte Moore nicht noch einen dramatischen Score unter die Bilder gelegt, damit auch der Depp in der letzten Reihe im Kino kapiert, dass hier gerade etwas ganz Furchtbares abgeht. Im Folgenden sehen wir lustige Montagen, die die generelle Waffenverr\u00fccktheit der Amerikaner belegen sollen, viele unattraktive Menschen, denen praktisch \u201eHigh School Dropout\u201c auf der Stirn steht, und die uns erz\u00e4hlen, dass sie echt gerne Waffen tragen oder zuhause Napalm herstellen, und ein paar Jugendliche aus Kanada, die schuleschw\u00e4nzend bei Taco Bell rumlungern und uns, quasi in Vertretung f\u00fcr ganz Kanada, berichten, dass bei ihnen im hohen Norden alles ganz anders ist.<\/p>\n<p>Ja, mag ja alles sein. Aber wieso, verdammt nochmal, greift Moore auf so v\u00f6llig nutzlose Aussagen, die niemals repr\u00e4sentativ sein k\u00f6nnen, und auf billige Taschenspielertricks zur\u00fcck, wenn sein Anliegen doch ein gutes und wahres ist? Wieso muss er eben <em>A Wonderful World<\/em> unter die Auflistung der amerikanischen S\u00fcnden der Vergangenheit packen, um uns ein fassungloses Tr\u00e4nchen abzuringen? Wieso muss er \u2013 Gipfel der Peinlichkeit \u2013 das Bild eines get\u00f6teten M\u00e4dchens theatralisch bei Charlton Heston liegen lassen, damit der alte Mann sich vielleicht doch noch besinnt? Wieso verdammt er zuerst alle amerikanischen Medien in Grund und Boden, um sie dann ganz selbstlos f\u00fcr seine Mission \u201eKeine Munition bei K-Mart\u201c einzuspannen? Wieso hat er das n\u00f6tig, wo er seinen Punkt doch bereits nach wenigen Filmminuten klar gemacht hat? Waffen t\u00f6ten unschuldige Menschen, nirgendwo mehr als in Amerika, was als Konsequenz bedeutet: Schaffen wir das 2. Amendment ab, und wir haben eine Menge weniger Probleme. Darum geht&#8217;s, und das hab ich auch kapiert. Daf\u00fcr muss ich nicht noch den Rundumschlag \u00fcber den unterschwelligen Rassismus haben, die verfehlte Sozialpolitik, den Zeigefinger auf die R\u00fcstungsindustrie und die Heiligsprechung von Marilyn Manson. Meine G\u00fcte.<\/p>\n<p>Von einem Dokumentarfilm erwarte ich, dass er mir die Chance gibt, mir selber eine Meinung zu bilden. Nat\u00fcrlich wird jeder Regisseur mich in die Richtung kriegen, in die er mich haben will \u2013 daf\u00fcr sorgt schon seine Bildauswahl und welche Fakten er mir pr\u00e4sentiert. Aber selbst wenn ich vorher wei\u00df, aha, dieser Film ist gegen freie Waffenverk\u00e4ufe, dieser Film ist gegen Rechsradikalit\u00e4t, dieser Film ist gegen den Gr\u00fcnen Punkt, m\u00f6chte ich wenigstens das Gef\u00fchl haben, dass mir ein paar Widerworte pr\u00e4sentiert werden. Und das abschlie\u00dfende Urteil w\u00fcrde ich gerne selber f\u00e4llen.<\/p>\n<p>Ich habe vor einiger Zeit mal einen Dokumentarfilm, der seinen Namen auch verdient und nicht in billige Polemik abrutscht, gegen die Todesstrafe gesehen. Er hei\u00dft <em>A Hanging<\/em> und besteht nur aus Interviews. Mit den Eltern der zwei jugendlichen Opfer, mit dem Bruder des M\u00f6rders, mit den Gef\u00e4ngnisw\u00e4rtern, die den T\u00e4ter schlie\u00dflich hinrichten. Nur Interviews. Keine wackelige Kamara, keine Musik, nur die eindringlichen Worte aller Beteiligten. Bei diesem Film habe ich Rotz und Wasser geheult, weil er ehrlich war, weil er mich sehr ber\u00fchrt hat und weil er mich nicht manipuliert hat, wie <em>Bowling For Columbine<\/em> das meiner Meinung nach ganz widerlich gemacht hat. Es geht also. Ich brauche den ganzen buntbildrigen Overkill nicht, den Michael Moore mir anbietet. Ich brauche nur die Fakten, und die hatte ich bereits nach ein paar Minuten. <\/p>\n<p>Und was ich nebenbei auch nicht brauche, ist das abf\u00e4llige deutsche Gutmenschengel\u00e4chter in den Reihen hinter mit \u00fcber die ach so doofen Amis. Ihr wollt auch keine Schwarzen neben euch in der Wohnung haben, ihr wollt auch nur ganz banal euer kleines Leben leben, und wenn ihr k\u00f6nntet, w\u00fcrdet ihr euch auch eine Knarre unters Bett legen, damit euch niemand den Fernseher klaut. Jede Wette. Also haltet die Klappe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bowling For Columbine (2002) Drehbuch: Michael Moore Kamera: Brian Danitz, Michael McDonough Regie: Michael Moore Ich habe schon in vielen Weblogs gelesen, wie ber\u00fchrt die Leute waren, als sie aus Bowling For Columbine gekommen sind. Hm. Ich war, ehrlich gesagt, total angepisst, als ich aus dem Kino kam. 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