{"id":231,"date":"2004-01-31T14:59:32","date_gmt":"2004-01-31T13:59:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=231"},"modified":"2004-11-08T19:40:17","modified_gmt":"2004-11-08T18:40:17","slug":"blueprint","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=231","title":{"rendered":"Blueprint"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/imdb.com\/title\/tt0321473\/\">Blueprint<\/a> (2003)<\/p>\n<p>Darsteller: Franka Potente, Ulrich Thomsen, Hilmir Snaer Gudnason, Katja Studt, Wanja Mues, Justus von Dohn\u00e1nyi<br \/>\nMusik: Detlef Friedrich Petersen<br \/>\nKamera: Holly Fink<br \/>\nDrehbuch: Claus Cornelius Fischer &#038; Rolf Sch\u00fcbel, nach dem Roman von Charlotte Kerner<br \/>\nRegie: Rolf Sch\u00fcbel<\/em><\/p>\n<p>Die Geschichte von <em>Blueprint<\/em> birgt viele M\u00f6glichkeiten: Es geht um eine Mutter, eine begnadete Pianistin, die an Multipler Sklerose erkrankt. Sie will ihr Talent f\u00fcr die Nachwelt erhalten und l\u00e4sst sich klonen. Ihre Tochter ahnt nichts davon, der erste \u201eerfolgreiche\u201c Klon der Welt zu sein \u2013 erst, als ihr \u201eVater\u201c, der Arzt, der ihrer Mutter ihre Schwangerschaft erm\u00f6glichte, mit seinem Erfolg an die \u00d6ffentlichkeit geht, erf\u00e4hrt sie, dass sie nur eine Kopie eines berechnenden Originals ist. Hochemotionaler und spannender Stoff also f\u00fcr eine Mutter-Tochter-Geschichte. Oder eine altmodische Geschichte \u00fcber das Erwachsenwerden im Schatten \u00fcberm\u00e4chtiger Eltern. Oder nat\u00fcrlich \u00fcber die Konsequenzen des Klonens: die emotionalen Anforderungen an die Kopie, die ihr Original stets vor Augen hat. Die F\u00e4hrten zu all diesen Geschichten werden auch ausgelegt. Nur leider versanden sie in einer viel zu statischen Inszenierung und in ebenso statischen Dialogen.<\/p>\n<p>Vielleicht war es Absicht, die Welt der Pianistin so k\u00fchl und berechnend erscheinen zu lassen wie sie selbst; ihr Haus ist in Blau und Wei\u00df gehalten, sie selbst tr\u00e4gt streng geschnittene Kost\u00fcme, und sie wirkt in allem, was sie tut, beherrscht und zielstrebig. Leider bedeutet das auch, dass Franka Potente als Mutter so gar nichts von ihrer lebhaften Nat\u00fcrlichkeit verspr\u00fcht, die sie mir sonst so sympathisch macht. Sie wirkt in der kalten Umgebung fast wie eine Dekoration.<\/p>\n<p>Deswegen freut mich sich auch auf jede Szene, in der sie die Tochter spielen darf, denn da wacht sie pl\u00f6tzlich auf \u2013 und mit ihr der Film. Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrt man etwas von der Qual, die sie erleiden muss, von dem Gef\u00fchl, nur die zweite Version von etwas zu sein, was es schon l\u00e4ngst gibt. In den wenigen Momenten, in denen die Tochter ihrer Mutter sagt oder zeigt, wie es ihr geht, bekommt der Film Tempo und verliert seine Distanz.<\/p>\n<p>Leider dauert es viel zu lange, bis Potente ihre Doppelrolle spielen darf. Denn nat\u00fcrlich m\u00fcssen erstmal zwei Kinderdarsteller gro\u00df werden, der br\u00fcderliche Spielkamerad wird etabliert, der sp\u00e4ter zum ersten Mann wird, der je mit einem Klon Sex hatte, und die komplizierte Beziehung zwischen Mutter und Arzt, die durch die Tochter verbunden sind, wird lang und breit erl\u00e4utert. <\/p>\n<p>Ich hatte im Nachhinein das Gef\u00fchl, dass der Film zuviele Handlungsstr\u00e4nge erz\u00e4hlen will, die in der Romanvorlage von Charlotte Kerner vorkommen. Dem Tempo des Films h\u00e4tte es nicht geschadet, wenn ein paar davon gerafft oder komplett gestrichen worden w\u00e4ren. Denn das eigentliche Thema des Films \u2013 wie geht die Kopie mit dem Wissen um, eben nur eine Kopie zu sein \u2013 kommt fast ein wenig zu kurz.<\/p>\n<p>Was den Film davor rettet, ein gef\u00fchlloses Kammerspiel zu werden, ist Franka Potente. Nat\u00fcrlich wissen wir auch durch die Auswahl der Kost\u00fcme und die leicht ver\u00e4nderten Frisuren, ob wir gerade die Mutter oder die Tochter vor uns haben. Aber selbst, wenn beide v\u00f6llig identisch ausgestattet worden w\u00e4ren, w\u00fcrden wir wissen, wer gerade pr\u00e4sent ist. Potente schafft es, beiden Figuren ein Eigenleben zu geben, das sie ja eigentlich gar nicht haben d\u00fcrften \u2013 wenn ein Klon denn wirklich ein getreues Abbild w\u00e4re. Die Mutter wirkt stets gefasst, selbst in gef\u00fchlvollen Momenten, w\u00e4hrend die Tochter lebhafter ist, stets suchend, stets fragend, immer den Eindruck eines verlorenen Kindes vermittelnd. Selbst das L\u00e4cheln sieht auf dem Gesicht der Tochter anders aus, obwohl es doch genau das gleiche Gesicht ist, das auch die Mutter hat.<\/p>\n<p>Aber nur die eindrucksvolle Darbietung von Potente reicht eben nicht, um aus einem guten Stoff auch einen guten Film zu machen. Zu z\u00e4h kommt er daher, dauert zu lange und kommt zu sp\u00e4t auf den Punkt. Leider. Denn die Grundidee hinter dem Film ist sehr spannend; kein Wunder, dass man auch einen spannenden Film erwartet und dementsprechend entt\u00e4uscht ist, ihn nicht zu bekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blueprint (2003) Darsteller: Franka Potente, Ulrich Thomsen, Hilmir Snaer Gudnason, Katja Studt, Wanja Mues, Justus von Dohn\u00e1nyi Musik: Detlef Friedrich Petersen Kamera: Holly Fink Drehbuch: Claus Cornelius Fischer &#038; Rolf Sch\u00fcbel, nach dem Roman von Charlotte Kerner Regie: Rolf Sch\u00fcbel Die Geschichte von Blueprint birgt viele M\u00f6glichkeiten: Es geht um eine Mutter, eine begnadete Pianistin, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-231","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=231"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/231\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=231"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=231"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=231"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}