{"id":22739,"date":"2015-10-11T12:23:56","date_gmt":"2015-10-11T10:23:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=22739"},"modified":"2015-10-11T16:54:47","modified_gmt":"2015-10-11T14:54:47","slug":"tagebuch-10-oktober-2015-guess-whos-coming-to-dinner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=22739","title":{"rendered":"Tagebuch 10. Oktober 2015 \u2013 Guess who&#8217;s coming to dinner"},"content":{"rendered":"<p>Gestern lud ich den ehemaligen Mitbewohner zum spontanen Dinner ein. Diese grandiose Idee hatte ich allerdings erst Mittags, daher hatte ich nicht viel Zeit, um \u00fcber ein Men\u00fc nachzudenken und einzukaufen, geschweige denn irgendwas gro\u00df vorzubereiten. Also musste etwas schnell Kochbares her und etwas, das keine 8000 Zutaten erforderte, f\u00fcr die ich durch die halbe Stadt musste.<\/p>\n<p>Geworden sind es ein Feldsalat mit Radieschen und meinem geliebten <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20156\">Kartoffeldressing<\/a> als Vorspeise, <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9721\">Rinderrouladen mit Pesto und Sellerie-Tomaten-Gem\u00fcse<\/a> als Hauptgang sowie eine schlichte Mokkacreme auf Basis der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bayerische_Creme\">Bayerischen Creme<\/a> zum Dessert. Das Kochen war eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung als ich dachte, und ich habe mal wieder gemerkt, dass dieser Umzug immer mehr einer Entwurzelung gleicht, an der ich l\u00e4nger zu knabbern habe.<\/p>\n<p>Ich habe in unserer Hamburger K\u00fcche Kochen gelernt. Dort nahm mich Lu <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=8448\">vor gerade mal sechs Jahren<\/a> unter ihre Fittiche, um mir die basicsten Basics beizubringen, meine Faszination f\u00fcr Wein zu wecken und \u00fcberhaupt in mir die kleine K\u00f6chin wachzur\u00fctteln, die anscheinend schon l\u00e4nger da war, aber jemanden brauchte, der sie in die richtige Richtung schubste. Vieles von dem, was mir Lu beibrachte, ist mir in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen, vieles habe ich ver\u00e4ndert, anderes wieder sein gelassen. Aber meine ganze Entdeckungsreise zu genussvollem Essen und als unerwartete Folge zu einem neuen, positiven K\u00f6rpergef\u00fchl hat in unserer Hamburger K\u00fcche begonnen. Ich konnte irgendwann alle Handgriffe im Schlaf, wie man das eben so in der eigenen Wohnung kann; genau wie man nachts den Weg aufs Klo findet, ohne Licht anmachen zu m\u00fcssen \u2013 man ist da halt zuhause und alles ist da, wo es hingeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Mir ist schon klar, dass alle Handgriffe in einer anderen Wohnung neu erlernt werden m\u00fcssen. Genau das habe ich die letzten drei Jahre hier in M\u00fcnchen gemacht \u2013 aber eben mit meiner rudiment\u00e4ren M\u00fcnchner K\u00fccheneinrichtung, die nie f\u00fcr das gro\u00dfe Galadinner vorgesehen war. Jetzt ist mein Bratentopf hier, mein geliebter Zerkleinerer, mein M\u00f6rser, die richtig guten Messer, das Goldrandgeschirr und mein Silber. Ich fasste gestern also vieles an, das mir seit Jahren vertraut ist, aber nun auf einmal an einem ganz anderen Ort liegt. F\u00fcr das Geschirr ging ich nicht zum Esszimmerschrank, sondern zog eine Umzugskiste aus der Abstellkammer, in der Silber und Geschirr liegt, weil es schlicht keinen Schrank mehr gibt, in das es passt. F\u00fcr den Zerkleinerer musste ich auf meine Leiter steigen, weil er oben auf dem K\u00fcchenschrank liegt anstatt in Griffh\u00f6he in der Speisekammer. Die guten Messer liegen nicht griffbereit rechts neben, sondern hinter mir auf der metallenen Anrichte, die ich mir vor drei Jahren kaufte, um \u00fcberhaupt irgendeine Arbeitsfl\u00e4che in der K\u00fcche zu haben, die aber eher Abstellfl\u00e4che geworden ist. Als ich den Bratentopf mit den Rouladen aus dem Backofen zog, merkte ich, dass ich ihn nicht plan auf den vier Herdplatten abstellen konnte, w\u00e4hrend das in Hamburg auf dem flachen Induktionsherd ging. Ich stie\u00df beim Kochen und Servieren dauernd an irgendein Hindernis, was mich innerlich doch mehr Kraft kostete als ich dachte. <\/p>\n<p>Ob mein Duschvorhang jetzt nach rechts (Hamburg) oder links (M\u00fcnchen) aufgeht, ob ich Treppen steige (Hamburg) oder den Fahrstuhl nehme (M\u00fcnchen), um in meine Wohnung zu kommen \u2013\u00a0alles egal. Aber Kochen bedeutet mir sehr viel; ich wei\u00df, wie gut es mir getan hat, es zu lernen, ich wei\u00df, wie gut es mir immer noch tut, genussvoll zu essen und es nicht mehr als notwendiges \u00dcbel, eine S\u00fcnde, eine Herausforderung anzusehen. Es ist mir gestern erst aufgefallen, dass Dinge, die mir am Herzen liegen, nicht ganz so einfach verpflanzt werden k\u00f6nnen wie andere.<\/p>\n<p>Ich verbrachte den kompletten Nachmittag mit Vorbereitungen, Kochen und Tischdecken, was normalerweise viel schneller gegangen w\u00e4re, hier aber gef\u00fchlt ewig dauerte, weil die Wege neu und anders waren und sich doch alles in meinen H\u00e4nden so vertraut anf\u00fchlte. \u00dcber allem lag die anscheinend derzeit dauerpr\u00e4sente Traurigkeit und ich habe mich in meiner eigenen K\u00fcche, mit meinen eigenen, geliebten Ger\u00e4tschaften gef\u00fchlt, als w\u00fcrde ich bei jemand anders kochen, obwohl ich hier seit drei Jahren wohne.<\/p>\n<p>Wenigstens hat&#8217;s geschmeckt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/IMG_8061.jpg\" alt=\"IMG_8061\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-22741\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8061.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8061-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/IMG_8063.jpg\" alt=\"IMG_8063\" width=\"500\" height=\"500\" class=\"alignnone size-full wp-image-22742\" srcset=\"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8063.jpg 500w, https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/..\/Bilder\/IMG_8063-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/IMG_8064.jpg\" alt=\"IMG_8064\" width=\"500\" height=\"480\" class=\"alignnone size-full wp-image-22743\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/IMG_8067.jpg\" alt=\"IMG_8067\" width=\"500\" height=\"452\" class=\"alignnone size-full wp-image-22744\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/IMG_8068.jpg\" alt=\"IMG_8068\" width=\"500\" height=\"370\" class=\"alignnone size-full wp-image-22740\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern lud ich den ehemaligen Mitbewohner zum spontanen Dinner ein. 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