{"id":223,"date":"2003-02-28T12:13:18","date_gmt":"2003-02-28T11:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=223"},"modified":"2004-11-08T20:16:07","modified_gmt":"2004-11-08T19:16:07","slug":"about-schmidt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=223","title":{"rendered":"About Schmidt"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0257360\/\">About Schmidt<\/a> (2002)<\/p>\n<p>Darsteller: Jack Nicholson, Hope Davis, Kathy Bates, Dermot Mulroney<br \/>\nDrehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor nach einem Roman von Louis Begley<br \/>\nKamera: James Glennon<br \/>\nMusik: Rolfe Kent<br \/>\nRegie: Alexander Payne<\/em><\/p>\n<p>Das Sch\u00f6ne an <em>About Schmidt<\/em>: Seine Charaktere sind absolut durchschnittliche Amerikaner, mit lauter kleinen Macken und Verschrobenheiten, die uns aber ziemlich bekannt vorkommen von Eltern oder Freunden. Sie sind nicht besonders reich, nicht besonders sch\u00f6n und nicht besonders klug. Sie sind ganz f\u00fcrchterlich normal.<\/p>\n<p>Das Faszinierende an <em>About Schmidt<\/em>: Man kann diese Normalit\u00e4t hinnehmen und einen sehr leisen, behutsamen Film erleben, der zwei Stunden lang auf einen einzigen wunderbaren, erl\u00f6senden Augenblick zusteuert.<\/p>\n<p>Das Schlimme an <em>About Schmidt<\/em>: Man kann stattdessen die Klippe erwischen, die auch Regisseur und Drehbuchautor nicht haben umschiffen k\u00f6nnen: Man lacht sich \u00fcber diese armselige Normalit\u00e4t kaputt, gibt die Charaktere und ihre Eigenarten der L\u00e4cherlichkeit preis und macht sie damit zu Witzfiguren in einem Film, der zwei lange Stunden auf eine r\u00fchrselige Szene hinausl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Das Publikum, mit dem ich den Film gesehen habe, hat sich f\u00fcr die zweite Variante entschieden und hatte anscheinend eine Menge Spa\u00df. Und ich h\u00e4tte sie allesamt st\u00e4ndig erschie\u00dfen k\u00f6nnen, wenn sie sich \u00fcber die geschmacklose Einrichtung eines \u00fcberdimensionierten Wohnmobils kaputtlachen, sich \u00fcber die h\u00e4ngenden Br\u00fcste einer 60j\u00e4hrigen am\u00fcsieren oder generell die kleinen Versuche der Hauptfiguren, mit ihrem Leben fertigzuwerden, das manchmal einfach zu gro\u00df und zu leer ist, mit br\u00fcllendem Gel\u00e4chter quittieren.<\/p>\n<p>Vielleicht habe ich die Geschichte auch zu ernst genommen. Vielleicht hat es mich zu sehr ber\u00fchrt, wie Warren Schmidt (Jack Nicholson) auf einmal merkt, dass es niemanden auf dieser Welt k\u00fcmmern w\u00fcrde, wenn er nicht mehr da ist. <\/p>\n<p>Er ist gerade in Rente gegangen, seine Frau stirbt pl\u00f6tzlich, seine Tochter ist damit besch\u00e4ftigt, ihre Hochzeit zu planen, anstatt f\u00fcr ihn zu kochen und zu putzen, sein bester Freund hatte eine Aff\u00e4re mit seiner Frau, und im B\u00fcro wirft man alle seine Akten einfach in den M\u00fcll anstatt sie seinem Nachfolger zu \u00fcbergeben. Schmidt versucht, mit all diesen Dingen klarzukommen, und je mehr er es versucht, je mehr er irgendetwas \u00e4ndern will, je mehr er versucht, anderen Menschen zu begegnen und an ihrem Leben teilzuhaben, desto mehr merkt er, dass er alleine ist und sich niemand daf\u00fcr interessiert, was er sagt.<\/p>\n<p>Fast niemand.<\/p>\n<p>Denn ganz zu Anfang des Films sehen wir ihn, wie er \u2013 eher aus Langeweile als aus irgendeinem anderen Grund \u2013 eine Patenschaft f\u00fcr ein Kind in Tansania \u00fcbernimmt. In der Brosch\u00fcre, die die Organisation ihm zuschickt, wird er aufgefordert, seinem Patenkind Ndugu einige Zeilen \u00fcber sich zu schreiben. Und das tut er. Er beginnt mit dem \u00dcblichen: Name, Familie, Beruf &#8230; und gleitet ganz pl\u00f6tzlich ab in eine eher verwunderte Tirade dar\u00fcber, dass er keinen Job mehr hat, dass sein Arbeitsplatz jetzt von einem bl\u00f6den Empork\u00f6mmling besetzt ist, dass seine Frau alt ist und ihn nicht versteht und dass er manchmal einfach nicht wei\u00df, wof\u00fcr er morgens aufsteht.<\/p>\n<p>Im Laufe des Films schreibt er Ndugu viele Briefe, in denen er erz\u00e4hlt, wie es ihm geht. Und pl\u00f6tzlich f\u00e4llt dem Zuschauer auf, dass dieser sechsj\u00e4hrige Junge in Tansania, den er nie gesehen hat und der ihn nie gesehen hat, Schmidt besser kennt als all die Menschen, die um ihn herumleben. Er ist der einzige, zu dem er ehrlich ist, und genau deshalb erwartet ihn eine ebenso ehrliche, ganz einfache Geste am Schluss des Films, die ihm sagt, dass alles doch anders ist als er glaubt.<\/p>\n<p>Oder es erwartet ihn eben eine total verkitschte Szene, bei der die Deppen hinter mir in der Reihe laut aufgest\u00f6hnt haben. Aber das waren die Typen, die schon beim Vorspann Vergleiche zwischen der Er\u00f6ffnungsszene von <em>Schmidt<\/em> und <em>2001<\/em> angestellt haben. <\/p>\n<p><em>About Schmidt<\/em> erinnert mich von der Stimmung her ein wenig an <em>American Beauty<\/em>. Auch da konnte man sich entscheiden, ob man die Figuren total albern oder sehr ber\u00fchrend finden wollte. Ich fand sie ber\u00fchrend. Aber ich wette, die Nasen hinter mir fanden <em>American Beauty<\/em> voll lustig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>About Schmidt (2002) Darsteller: Jack Nicholson, Hope Davis, Kathy Bates, Dermot Mulroney Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor nach einem Roman von Louis Begley Kamera: James Glennon Musik: Rolfe Kent Regie: Alexander Payne Das Sch\u00f6ne an About Schmidt: Seine Charaktere sind absolut durchschnittliche Amerikaner, mit lauter kleinen Macken und Verschrobenheiten, die uns aber ziemlich bekannt vorkommen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-223","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=223"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/223\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=223"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=223"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=223"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}