{"id":2156,"date":"2007-08-31T10:03:18","date_gmt":"2007-08-31T08:03:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2156"},"modified":"2007-08-31T10:04:02","modified_gmt":"2007-08-31T08:04:02","slug":"2156","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=2156","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>Wieder viel zu lesen im neuen <em>SZ-Magazin<\/em>. Einmal ein halbwegs kritischer Blick auf die Art des Online-Journalismus, wie sie Spiegel Online betreibt (h\u00e4tte ruhig noch etwas kritischer ausfallen k\u00f6nnen): <em><a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/index.php?id=110&#038;tx_ttnews[tt_news]=3416\">Spiegelverkehrt<\/a><\/em>.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDie herausragenden Kennzeichen des Spiegel-Online-Journalismus sind ein Tonfall, der in Schlagzeilen wie \u201eBrown startet das Blair-Switch-Projekt\u201c oder \u201ePannen-Beck verpokert sich\u201c gipfelt, und eine Themenmischung, bei der eine US-Wahlanalyse direkt neben einer neckischen Reportage \u00fcber russische Multimillion\u00e4re und einer Reflexion \u00fcber sinnlose PC-Tasten stehen kann. M\u00fcller von Blumencron hat dieses Prinzip einmal als \u201eSchwingen\u201c der Website beschrieben \u2013 als durchkomponierte Mischung aus nachrichtlichem, analytischem und unterhaltendem Journalismus. Im Milieu des traditionsbewussten Tagesjournalismus spielt Spiegel Online die Rolle des geachteten Flegels.  <\/p>\n<p>Bei professionellen Beobachtern l\u00f6st die Manier des Portals leichtes Naser\u00fcmpfen aus: \u201eh\u00e4ufig zu l\u00e4rmend\u201c oder \u201emanchmal zu \u00fcberdreht\u201c sind typische Bemerkungen. Spiegel Online hat die Grenzen zwischen Nachrichten, Boulevard, Feuilleton, Reportage und Kommentar niedergerissen. Die Trennung von Qualit\u00e4ts- und Boulevardjournalismus ist por\u00f6s geworden. Als Mario Vargas Llosa k\u00fcrzlich schrieb, der Journalismus des Spektakels kontaminiere zunehmend die seri\u00f6se Presse, h\u00e4tte er dies \u00fcber Spiegel Online gesagt haben k\u00f6nnen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Und danach eine nette Geschichte \u00fcber die fast religi\u00f6se Hingabe der Apple-J\u00fcnger (!) zu den Produkten ihrer Lieblingsfirma. Auch ich kann meine H\u00e4nde hier nicht in Unschuld waschen. <em><a href=\"http:\/\/sz-magazin.sueddeutsche.de\/index.php?id=110&#038;tx_ttnews[tt_news]=3425\">Angebissen<\/a><\/em>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eSo wurde das Apple-Universum zum immerw\u00e4hrenden Heilsversprechen: stets neue Ger\u00e4te, die noch intuitiver zu bedienen sind. Und was hei\u00dft da \u201ebedienen\u201c? Ist es nicht mehr ein Streicheln, ein Ber\u00fchren, was den Umgang mit dem iPod ausmacht? Das sanfte, kreisf\u00f6rmige Streichen \u00fcber das Auswahlrad des MP3-Spielers oder die auseinanderziehende Bewegung von Daumen und Zeigefinger auf dem Touchscreen des iPhone, mit der man den Bildschirminhalt vergr\u00f6\u00dfert: Im Grunde sind es eher rituelle, neuartige Gesten, die mehr mit vertrautem Kontakt zu tun haben als mit Funktionalit\u00e4t. <\/p>\n<p>Solche Bewegungen lassen sich leicht aus religi\u00f6sen Handlungen herleiten (Handauflegen, Segenspenden). Auch andere Verhaltensweisen der Apple-Anh\u00e4nger, wie sie nicht ohne Grund genannt werden, sind in theologischem Licht deutbar: Sie stecken sich Kopfh\u00f6rer ins Ohr, die wie ein Kreuz den Oberk\u00f6rper hinabfallen (in der Farbe der Unschuld: Wei\u00df). Sie kampieren wie Wallfahrer tagelang vor Gesch\u00e4ften, nur weil es dort ein Apple-Handy anzubeten gibt. Schlie\u00dflich werden sie eingelassen in eine Kathedrale wie den Apple Store an der 5th Avenue in New York, ein unterirdisches Bauwerk, in das das Tageslicht nur durch einen riesigen Glasw\u00fcrfel von oben f\u00e4llt, als w\u00e4re es ein Sakralbau. Oben schwebt, wo in einer Kirche das Kreuz w\u00e4re, ein riesiger Apfel.  <\/p>\n<p>Damit sind die Analogien in der Apple-Religion noch lange nicht ersch\u00f6pft. Denn auch der gro\u00dfe Meister, Firmenmitgr\u00fcnder Steve Jobs, inszeniert seine umjubelten Auftritte vor der Apple-Gemeinde \u00e4hnlich einer Predigt. Im kargen Outfit (Jeans und dunkler Pullover) pr\u00e4sentiert er wie ein moderner Bettelm\u00f6nch, was er und die Seinen an neuen Segnungen f\u00fcr unsere Welt haben. Diese Veranstaltungen sind Messen eigener Art, auf denen Jobs seine charismatischen Qualit\u00e4ten ausspielt \u2013 bis hin zum Schluss-Segen, der sich bei ihm in die Worte \u201eOne more thing\u201c kleidet. Eine Sache habe er noch. Danach schw\u00e4rmen die J\u00fcnger wieder in die Welt aus und verk\u00fcnden die Frohe Botschaft \u2013 vor allem unter den Ungl\u00e4ubigen. Aus Sicht der Apfel-Missionare sind dies die bedauernswerten Kreaturen, die ihr Leben im freudlosen, m\u00fchebeladenen Reiche der Windows-Computer fristen \u2013 geknechtet von Bill Gates, der f\u00fcr jeden echten Apple-J\u00fcnger der Leibhaftige pers\u00f6nlich ist.  <\/p>\n<p>Jobs\u2019 messianische Z\u00fcge wurden selten so brillant auf den Punkt gebracht wie vor wenigen Wochen vom New York Magazine. Das bildete Jobs anl\u00e4sslich des iPhone-Verkaufsstarts auf dem Hefttitel ab und setzte als \u00dcberschrift nur ein Wort dazu: <em>iGod<\/em>.\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder viel zu lesen im neuen SZ-Magazin. 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