{"id":21219,"date":"2014-08-28T09:05:13","date_gmt":"2014-08-28T07:05:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21219"},"modified":"2014-12-31T11:01:16","modified_gmt":"2014-12-31T09:01:16","slug":"esa-european-space-awesomeness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=21219","title":{"rendered":"ESA: European Space Awesomeness"},"content":{"rendered":"<p>Am 6. August 2014 erreichte <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Rosetta_(Sonde)\">Rosetta<\/a> endlich den Kometen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Tschurjumow-Gerasimenko\">67P\/Tschurjumow-Gerassimenko<\/a>, nachdem die tapfere Sonde zehn Jahre lang unterwegs gewesen war. Die Ann\u00e4herung an den Kometen wurde live von der <a href=\"http:\/\/www.esa.int\/ESA\">ESA<\/a> gestreamt, ich lag im Bettchen, hatte Semesterferien, guckte gebannt auf mein Macbook, twitterte und lie\u00df hemmungslos das Space-Fangirl raush\u00e4ngen. Das bekam <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AndreasSchepers\">Andreas Schepers<\/a> mit, der die PR f\u00fcr die ESA macht \u2013 wir folgen uns schon l\u00e4nger auf Twitter \u2013, der daraufhin <a href=\"https:\/\/twitter.com\/fraudiener\">ein<\/a>, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/tinowa\">zwei<\/a> mir schon lange bekannte Damen und mich einlud, doch einfach mal in Darmstadt rumzukommen und sich den Laden anzugucken. Also ESA. Die europ\u00e4ische Weltraumorganisation. Angucken. Mal so. <\/p>\n<p>Nachdem ich aufgeh\u00f6rt hatte zu hyperventilieren, sagte ich kreischend zu (danke, Twitter, dass du ein schriftliches Medium bist), buchte Z\u00fcge und Hotel und freute mich wochenlang vor. Dienstag war es dann so weit.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/esa_ausweis.jpg\" alt=\"esa_ausweis\" width=\"500\" height=\"474\" class=\"alignnone size-full wp-image-21220\" \/><\/p>\n<p>Herr Schepers war noch im Meeting, aber daf\u00fcr holte uns Flugdynamik-Ingenieur <a href=\"https:\/\/twitter.com\/RainerKresken\">Rainer Kresken<\/a> von der Pforte ab, an der wir immer noch unsere Ausweise anhimmelten. Da es Mittagszeit war, ging&#8217;s erstmal in die Kantine. Ich erwartete mindestens sternf\u00f6rmige Fischst\u00e4bchen oder Ananasscheiben, die um Kiwis gewickelt waren (Saturn, you know), aber nix. (Erstmal <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/504210629134401536\">quengeln<\/a>.) Daf\u00fcr sah ein Drittel der Belegschaft aus wie Sheldon Cooper. Auf meine Frage, wie es mit dem Frauenanteil aussehe, der in der Kantine jetzt nicht so irre hoch war (zehn, f\u00fcnfzehn Prozent?), meinte Kresken, der sei leider recht gering, und die meisten Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen der ESA seien auch nicht aus Deutschland. Wir sinnierten dar\u00fcber, warum das so sei, dachten dar\u00fcber nach, dass Italien und Spanien, was die Emanzipation angeht, in den 70ern quasi einen Sprung aus dem Mittelalter in die Moderne gemacht hatten, w\u00e4hrend das bei uns eher schleichend voranging, und dass die s\u00fcdeurop\u00e4ischen Damen anscheinend eher vom Crashkurs \u201eEverything you can do, I can do better\u201c profitiert haben als wir im Norden. Hm.<\/p>\n<p>Dann schlenderten wir ein bisschen durch die kleine ESA-Stadt, die zwar wie ein Gewerbegebiet aussieht, aber nat\u00fcrlich tausendmal cooler ist, und kamen an diesem Ding vorbei:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/esa_ers2.jpg\" alt=\"esa_ers2\" width=\"500\" height=\"334\" class=\"alignnone size-full wp-image-21224\" \/><br \/>\n<em>(Foto: Andrea Diener \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/andreaffm\/sets\/72157646932512405\/\">hier<\/a> ihr ganzes Flickr-Set vom ESA-Besuch.)<\/em><\/p>\n<p>Das ist ein Modell von <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/European_Remote-Sensing_Satellite\">ERS-2<\/a>, dem Nachfolger von ERS-1 (ach was), die beide Erdbeobachtungen betrieben haben. Das hei\u00dft, sie beobachteten zum Beispiel Wellenbewegungen oder Eisvorkommen. Ich zitiere die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/ERS-1\">Wikipedia<\/a> for more amazing stuff:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eNach dem Start von ERS-2 konnten die SAR-Sensoren von ERS-1 und ERS-2 in sehr kurzen Zeitabst\u00e4nden (in der Regel einem Tag) dieselbe Erdoberfl\u00e4che erfassen und diese Daten f\u00fcr Interferometrie benutzt werden. Dabei f\u00fchren die leicht verschiedenen Orbits der zwei Satelliten (in der Regel wenige 100 Meter) zu leicht unterschiedlichen \u201eBlickwinkeln\u201c desselben Gebietes der Erdoberfl\u00e4che. Durch rechnerische Kombination der zwei Aufnahmen konnten somit entweder digitale H\u00f6henmodelle der Erdoberfl\u00e4che erstellt werden oder auch kleine Bewegungen der Erdoberfl\u00e4che zwischen den zwei Aufnahmen auf etwa einen Zentimeter genau erfasst und sichtbar gemacht werden (differentielle Radar-Interferometrie, DInSAR).<\/p>\n<p>So lieferten die Satelliten Daten \u00fcber Ver\u00e4nderungen der Erdoberfl\u00e4che vor oder nach einem Vulkanausbruch oder \u00fcber Verschiebungen der Erdoberfl\u00e4che durch Erdbeben. Die Expansion einer Lavakammer des \u00c4tna oder die Vorhersage der Schlammlawine eines Vulkans in Island waren weitere Beispiele.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Die beiden ERSis sind nicht mehr aktiv. Ihr Arbeitsplatz war in circa 800 bis 900 Kilometer H\u00f6he \u00fcber der Erde, wo sich die meisten Satelliten rumtreiben. Also auch die mit milit\u00e4rischen Zielen, von denen keiner wissen soll, wo sie sind, aber es gibt inzwischen nicht nur Train- und Planespotter, sondern auch Menschen, die Raketentarts genauer angucken und aus den offiziellen Daten und dem, was sie beobachten, schlie\u00dfen k\u00f6nnen, was da oben so rumfliegt. <\/p>\n<p>ERS-1 und ERS\u20132 sind nur noch Weltraumschrott \u2013\u00a0oder im offiziellen Slang \u201eRaumfahrtr\u00fcckst\u00e4nde\u201c (ich bin sehr in dieses Wort verliebt). Wenn man lange genug wartet, n\u00e4hern sie sich irgendwann der Erdatmosph\u00e4re und vergl\u00fchen. Die chinesische Weltraumagentur <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/China_National_Space_Administration\">CNSA<\/a> hat vor kurzem einfach mal einen ihrer Satelliten mit einer Rakete beschossen, um zu gucken, was so passiert, wenn man keine Lust mehr hat zu warten. Den Satelliten hat es zerlegt und wir haben jetzt noch mehr Raumfahrtr\u00fcckst\u00e4nde da oben. Aber eben auch die Gewissheit, dass man feindliche Satelliten, wenn&#8217;s n\u00f6tig ist, au\u00dfer Gefecht setzen kann. Ich wei\u00df immer noch nicht, wie ich das finde.<\/p>\n<p>Das erinnerte uns sofort an <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=20010\">Gravity<\/a><\/em>, wo dieser bl\u00f6de Schrott daf\u00fcr sorgt, dass George Clooney sterben muss, und Kresken meinte, den Film f\u00e4nden hier alle super. Klar m\u00fcsse man bei vielen Dingen alle Augen zudr\u00fccken (\u201e&#8230; was bei einem 3D-Film ganz sch\u00f6n doof ist\u201c), aber das sei tolles Kino. Das hat mich etwas \u00fcberrascht; ich dachte, wenn man wirklich wei\u00df, was da oben abgeht, k\u00f6nnte man sich das nicht angucken, aber nein, ganz im Gegenteil.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/esa_rosetta.jpg\" alt=\"esa_rosetta\" width=\"500\" height=\"334\" class=\"alignnone size-full wp-image-21223\" \/><br \/>\n<em>(Foto: Andrea Diener)<\/em><\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Stopp war vor einem Geb\u00e4ude, durch dessen Fenster wir gucken konnten, wo ein weiteres Modell auf uns wartete \u2013\u00a0und zwar eins von Rosetta. Das ist komplett baugleich bis auf die rechts und links angebrachten Solarsegel, die jeweils 16 Meter lang sind, und daf\u00fcr ist der Raum zu klein. Rosetta ist ordentlich gro\u00df, wenn sie ein W\u00fcrfel statt einer Tonne w\u00e4re, h\u00e4tte sie eine Kantenl\u00e4nge von ungef\u00e4hr zwei Metern. Das Modell wird dazu genutzt, Befehle auszuprobieren, bevor sie an die echte Rosetta geschickt werden, oder Gegenma\u00dfnahmen zu testen, falls wirklich mal etwas schiefl\u00e4uft. Quasi wie bei <em>Apollo 13<\/em>, wo die Jungs auf der Erde Sauerstofffilter nachbauen mussten aus Zeug, das die Jungs oben in der Raumkapsel zur Verf\u00fcgung haben. <\/p>\n<p>Nebenbei: Ich hoffe, ich habe mir alles richtig gemerkt, ich hatte nichts zum Mitschreiben dabei, weil ich nur gucken und staunen wollte, aber im Nachhinein \u00e4rgert mich das doch etwas, dass ich nur aus der Erinnerung zitieren kann \u2013 und das vor allem wahrscheinlich so unwissenschaftlich wie nix Gutes. Hey, ich studiere KUNSTGESCHICHTE! Wenn&#8217;s um eine Bildanalyse von 67P geht \u2013 ruft mich an! Wenn&#8217;s um physikalischen Kram geht \u2013 Bahnhof mit sieben Siegeln. Rainer, wenn hier kompletter Quatsch steht, melde dich bitte.<\/p>\n<p>Nach dem Rosetta-Modell ging&#8217;s in ein Geb\u00e4ude, wo wir ehrf\u00fcrchtig vor einem Kontrollraum rumlungerten und den Ingenieuren durch die Glasscheibe bei der Arbeit zuguckten. In diesem Fall arbeiteten sie an der Rosetta-Mission, aber ich muss gestehen, ich habe vergessen, woran genau. Der Komet 67P, dem sich Rosetta gerade n\u00e4hert, ist \u00fcbrigens nicht grau, wie wir ihn aus den ganzen Aufnahmen kennen, sondern pechschwarz. Aber so ein schwarzer Komet im schwarzen All s\u00e4he halt doof aus in den Pressebildern.<\/p>\n<p>Kresken erkl\u00e4rte uns, warum der Komet so wichtig f\u00fcr die Forschung ist. Kometen sind generell \u201eBauschutt\u201c des <strike>Universums<\/strike> Sonnensystems (Edit-Tweet <a href=\"https:\/\/twitter.com\/_nd_\/status\/504920099221147648\">1<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/_nd_\/status\/504920377429352448\">2<\/a>). Beim Big Bang flog viel Zeug rum, und Kometen tragen quasi den Bauplan des Universums in sich: Ihre stoffliche Zusammensetzung kann uns viel \u00fcber die Entstehung des Weltalls verraten \u2013 vor allem, wenn sie noch Wasser enthalten. Das Problem bei Kometen: Es gibt periodische und aperiodische. Die periodischen haben eine feste Umlaufbahn um die Sonne, wir wissen, wo sie wann sind \u2013\u00a0aber durch ihre N\u00e4he zur Sonne geht gerne mal das ganze sch\u00f6ne Wasser verloren, das uns so interessiert. Die aperiodischen Kometen kommen nur einmal bei uns im Sonnensystem vorbei, wir beobachten sie, wenn wir Gl\u00fcck haben, und schon sind sie wieder weg. Aber daf\u00fcr haben sie all das gute Zeug an Bord, das wir erforschen wollen. Das Tolle an 67P: Er vereint quasi das Beste aus beiden Welten in sich. Laut <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Komet\">Wikipedia<\/a> war er ein langperiodischer Komet \u2013 hatte also eigentlich eine feste, wenn auch eeeewig lange Umlaufbahn um die Sonne \u2013, wurde aber von einem Gravitationsfeld gest\u00f6rt und so zu einem kurzperiodischen, den wir verfolgen k\u00f6nnen. Und: Wir gehen davon aus, dass er noch Wasser bzw. Eis mit sich f\u00fchrt. Deswegen ist Rosetta so wichtig \u2013\u00a0und ihr Gep\u00e4ck <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philae_(Sonde)\">Philae<\/a> noch mehr: Wenn Philae im November wie geplant \u00fcber dem Kometen (der \u00fcbrigens 800 Millionen Kilometer von uns weg ist, so von wegen \u201ekurz\u201c) abgeworfen wird, soll der Lander erstmals auf einem Kometen Messungen vornehmen. <\/p>\n<p>Hier bitte mal kurz anerkennend in Richtung Darmstadt nicken.<\/p>\n<p>Beim Thema Big Bang kam das Stichwort Kreationismus auf und um was f\u00fcr irrwitzige wissenschaftliche Erkenntnisse sich die Menschen bringen, die daran glauben. Trotzdem fragte ich nach: Besteht nicht doch irgendwo eine winzige M\u00f6glichkeit, dass das Universum geschaffen wurde anstatt einfach so zu beginnen? Kresken meinte, es sei durchaus m\u00f6glich, Gottesglauben und die Wissenschaft miteinander zu vereinbaren \u2013 bei der ESA g\u00e4be es auch gen\u00fcgend gl\u00e4ubige Menschen \u2013, aber man k\u00f6nnte schlicht erkl\u00e4ren, wie das Universum entstanden sei und m\u00fcsse nicht mehr an irgendwas glauben. Interessanterweise besitzt ausgerechnet der Vatikan die gr\u00f6\u00dfte Meteoritensammlung der Welt und beteiligt (?) sich an einem der gro\u00dfen Teleskope. Vielleicht sucht der Vatikan nach etwas anderem als die ESA, aber das ist nur meine Theorie.<\/p>\n<p>Kresken und Schepers, der inzwischen zu uns gesto\u00dfen war, erz\u00e4hlten quer durch die Bank von ESA-Projekten, \u00fcber die Zusammenarbeit mit der NASA, f\u00fchrten uns von einem Raum mit Glasscheiben, an denen coole Titel dranstanden (\u201e<a href=\"http:\/\/www.esa.int\/esatv\/Keywords\/Location\/Germany\/ESOC_Flight_Dynamics_Room\">flight dynamics room<\/a>\u201c, \u201e<a href=\"http:\/\/www.esa.int\/Our_Activities\/Operations\/Estrack_Control_Centre\">estrack control centre<\/a>\u201c, zum n\u00e4chsten, wir guckten und staunten und fragten und kriegten alles beantwortet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/esa_xmm.jpg\" alt=\"esa_xmm\" width=\"500\" height=\"333\" class=\"alignnone size-full wp-image-21226\" \/><br \/>\n<em>(Foto: Andrea Diener. Das niedliche Pappmodell an der Wand ist XMM.)<\/em><\/p>\n<p>Dann durften wir endlich mal in einem Raum rein: in den Kontrollraum f\u00fcr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/XMM-Newton\">XMM<\/a> und <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/INTEGRAL\">INTEGRAL<\/a>, zwei Satelliten, die Gamma- und R\u00f6ntgenstrahlung im Weltall erforschen. XMM war eigentlich nur f\u00fcr f\u00fcnf Jahre ausgelegt und kreist inzwischen seit 15 um uns rum, INTEGRAL immerhin seit zw\u00f6lf. Eine Ingenieurin erkl\u00e4rte uns mit leuchtenden Augen, was genau sie da oben machen \u2013\u00a0und vor allem, was hier unten im Kontrollraum passiert. Die Satelliten senden pausenlos Telemetrie nach unten, und im Kontrollraum werden alle ankommenden Daten \u00fcberwacht. Falls mal etwas unplanm\u00e4\u00dfiges passiert \u2013 das hei\u00dft, auf einem der gef\u00fchlt 20 Monitore leuchtet irgendwas nicht mehr gr\u00fcn, sondern rot und au\u00dferdem gibt&#8217;s ein akustisches Signal \u2013, gibt es Handb\u00fccher (ja, genau wie in <em>Gravity<\/em>), in denen steht, welcher Befehl nach oben gesendet werden muss, um den Fehler zu beheben. Die Systeme laufen \u00fcbrigens auf einem ESA-eigenen Betriebssystem, die Anwendungen sind Linux. \u201eAber f\u00fcr Twitter darf man auch Windows benutzen.\u201c (Edit: genau andersrum, siehe die Tweets <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hessi\/status\/504911217925062656\">1<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hessi\/status\/504911386271813632\">2<\/a> von <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hessi\">@hessi<\/a>.)<\/p>\n<p>Kresken erz\u00e4hlte, dass sie XMM das Spritsparen beigebracht h\u00e4tten: Jetzt verbraucht er nur noch ein Schnapsglas <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hydrazin\">Hydrazin<\/a> alle zwei Tage. Hydrazin wird auf der Erde f\u00fcr so gut wie nichts genutzt, was ich wieder irrwitzig fand: Da entwickelt man ein Ger\u00e4t, das nur im Weltall funktioniert und betankt es mit etwas, das ebenfalls (fast) nur im Weltall Anwendung findet. (Edit: Das mit dem \u201eso gut wie nichts\u201c scheine ich mir <a href=\"https:\/\/twitter.com\/FrauBruellen\/status\/504895731577401346\">falsch<\/a> gemerkt zu haben.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/esa_integral.jpg\" alt=\"esa_integral\" width=\"500\" height=\"520\" class=\"alignnone size-full wp-image-21227\" \/><\/p>\n<p>Zum Abschluss gingen wir in ein weiteres Geb\u00e4ude (\u201emit dem langsamsten Fahrstuhl Westeuropas\u201c), um ohne Vorwarnung vor dem Rosetta-Kontrollraum zu stehen. Kresken meinte launig, er suche mal Andrea, was Schepers relativ fassungslos zur\u00fccklie\u00df. Er hatte aber kaum Zeit, sich zu wundern, als pl\u00f6tzlich Rosettas Flight Director Andrea Accomazzo vor uns stand, der uns zwischen T\u00fcr und Angel mit lebhaften Gesten die n\u00e4chsten Flugman\u00f6ver von Rosetta erkl\u00e4rte, die bis November bis auf weniger als 20 Kilometer (!) an den Kometen herangef\u00fchrt werden soll, um den kleinen Philae abzuwerfen. Accomazzo beschrieb, wie Rosetta sich in Dreiecksbewegungen 67P n\u00e4here, der die Sonne umkreise und sich dazu noch unregelm\u00e4\u00dfig um sich selbst drehe und das bei einer irrwitzigen Geschwindigkeit (was ich bei den ganzen sch\u00f6nen Moodfilmchen gerne vergesse). Ich hatte sehr gro\u00dfe Augen und konnte es kaum glauben, dass der Leiter der zurzeit wichtigsten ESA-Mission mit uns drei Noobs spricht. Wir bedankten uns euphorisch und kletterten wieder in den Fahrstuhl, wo Schepers immer noch fassungslos war: \u201eDer wissenschaftliche Redakteur von [total wichtiges Printprodukt] wartet seit zehn Tagen auf ein Interview &#8230; wie hast du Andrea zu fassen gekriegt?\u201c \u201eIch hab ihn heute morgen angerufen, ob er nachher ne Viertelstunde Zeit hat.\u201c Ich war noch mehr verliebt und h\u00e4tte mir vielleicht doch K\u00f6rperteile signieren lassen sollen. Robbie Williams ist ja nix gegen die ganzen Jungs und M\u00e4dels da in Darmstadt.<\/p>\n<p>Und das war&#8217;s dann schon. Eigentlich hatten wir uns f\u00fcr knapp zwei St\u00fcndchen verabredet, im Endeffekt waren es \u00fcber drei, wenn ich richtig auf die Uhr geguckt habe, und ich war platt und gleichzeitig sehr begeistert. Auf Twitter quietschte ich den ganzen Abend lang rum, summte <em><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=poZCINzxzrQ\">Space Oddity<\/a><\/em> vor mich hin (\u201e&#8230; and the stars look very different today\u201c) und fand es im Nachhinein doch sehr schade, damals in Physik so komplett desinteressiert gewesen zu sein. <\/p>\n<p>Aber daf\u00fcr interessierten und interessieren mich andere Dinge, und so guckte ich mir einen Tag sp\u00e4ter im <a href=\"http:\/\/www.staedelmuseum.de\/sm\/\">St\u00e4delmuseum<\/a> die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Meister_von_Fl%C3%A9malle\">Fl\u00e9maller Tafeln<\/a> an (<a href=\"https:\/\/www.google.com\/culturalinstitute\/asset-viewer\/the-fl%C3%A9malle-panels\/cwF5YRuJkBMAXQ?hl=de&#038;projectId=art-project\">1<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/culturalinstitute\/asset-viewer\/the-fl%C3%A9malle-panels\/cwHxNBsQLo7KXA?hl=de&#038;projectId=art-project\">2<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.google.com\/culturalinstitute\/asset-viewer\/the-fl%C3%A9malle-panels\/qwGT0MdyMEWNCQ?hl=de&#038;projectId=art-project\">3<\/a>) und empfand so ziemlich das gleiche, was ich 24 Stunden vorher in Darmstadt empfunden hatte: gro\u00dfe <a href=\"https:\/\/twitter.com\/ankegroener\/status\/504563447154343936\">Begeisterung<\/a> und tiefe Bewunderung f\u00fcr eine Leistung, die mir gerade pr\u00e4sentiert wird und die ich niemals auch nur in Ans\u00e4tzen erbringen k\u00f6nnte. Aber: Die mittelalterliche Malerei mit ihrer christlichen Ikonografie hat mir ganz pers\u00f6nlich dann doch noch etwas mitgeben k\u00f6nnen, was selbst die ESA nicht hinkriegt: das Gef\u00fchl von Aufgehobensein. Der Weltraum ist f\u00fcr mich irrwitzig spannend, aber gleichzeitig zutiefst unheimlich in seiner Unermesslichkeit, die ich in meinem Kopf schlicht nicht erfassen kann. Ich wei\u00df, dass Einrichtungen wie ESA und NASA und wie sie alle hei\u00dfen, genau diese Unsicherheit abbauen mit ihren Forschungsmissionen und -ergebnissen, mit Zahlenreihen, Berichten und Beweisen. Jede Art von Wissenschaft soll Best\u00e4tigung bringen, wo wir herkommen, wohin wir gehen und wie wir uns auf dem Weg verhalten. Aber ich ganz pers\u00f6nlich kann mir immer noch eher einen g\u00f6ttlichen Funken vorstellen als Materie, die aus Nichts entsteht.<\/p>\n<p>Wobei: Vielleicht sind die beiden Theorien gar nicht so weit auseinander.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>(Ich bin jetzt selbst ein bisschen \u00fcberrascht \u00fcber das Ende. Wenn ich \u00fcber Dinge schreibe, die ich erlebt habe oder dar\u00fcber, wie&#8217;s mir gerade mit etwas geht \u2013 also Eintr\u00e4ge, die kein Argument machen wollen, denn bei denen wei\u00df ich nat\u00fcrlich von Anfang an, wie das Ende aussehen soll \u2013, lasse ich meine Finger einfach lostippen, denn die wissen meist am besten, wo sie hinwollen. Ich hatte nicht geplant, einen Eintrag \u00fcber eine wissenschaftliche Einrichtung mit einer theologischen Frage zu beenden, aber jetzt, wo sie da steht, lasse ich das so. Passt schon.) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. 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