{"id":21180,"date":"2014-08-09T10:00:08","date_gmt":"2014-08-09T08:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=21180"},"modified":"2014-08-09T10:00:08","modified_gmt":"2014-08-09T08:00:08","slug":"weltkriegstagebucher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=21180","title":{"rendered":"Weltkriegstageb\u00fccher"},"content":{"rendered":"<p>Das erste Tagebuch eines Urgro\u00dfvaters, das jetzt genau 100 Jahre sp\u00e4ter als Blog ver\u00f6ffentlich wird, war auf meinem Radar <a href=\"http:\/\/www.vierzehnachtzehn.de\/\">Vierzehnachtzehn<\/a>, \u00fcber dessen <a href=\"\"https:\/\/twitter.com\/vierzehn18\">Twitteraccount<\/a> ich stolperte und auf dem das steht:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eKriegstagebuch eines Fu\u00dfartilleristen 1914-1918. Geschrieben von Ernst Pauleit, betrieben von seinem Urenkel <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hdsjulian\">@hdsjulian<\/a>\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Hier der Eintrag vom 2. August 1914:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eLeisnig, 2.August 1914<\/p>\n<p>Mein guter Ernst!<\/p>\n<p>Wohl wissen wir nicht, ob Dich unsere Zeilen noch erreichen. Trotzdem kann ich es nicht unterlassen, Dir noch einmal zu schreiben. Schneller, als wir gedacht, haben sich unsere Bef\u00fcrchtungen erf\u00fcllt und nun ist ja auch wohl kein Zur\u00fcck mehr.<\/p>\n<p>Dass es uns wehe tut, von dir nicht pers\u00f6nlich Abschied nehmen zu k\u00f6nnen, kannst Du Dir denken. Doch will ich Dir das Herz nicht schwer machen. Mutig wollen wir der Zukunft entgegensehen. Gott beh\u00fcte Dich, mein lieber Junge, auf allen Wegen.<\/p>\n<p>Um uns sorge Dich nicht \u2013 und was das Geschick auch bringen mag, denke stets, dass Du uns nur Freude gemacht hast in Deinem jungen Leben und dass unsere hei\u00dfen W\u00fcnsche f\u00fcr Dein Wohlergehen Dich \u00fcberall hin begleiten.<\/p>\n<p>Wenn irgend m\u00f6glich, so schreibe uns einige Zeilen, damit wir wenigstens wissen, wo Du bist und wie es Dir geht. Nochmals meine innigsten Segensw\u00fcnsche. Bleibe brav und halte dich tapfer.<\/p>\n<p>Deine Mutter.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/tagebuch.hypotheses.org\/\">Weblog von Fridolin Mayer<\/a> aus Tannheim bei Villingen ist kein reines Tagebuch, sondern wird von Artikeln \u00fcber das Projekt unterst\u00fctzt. Au\u00dferdem gibt&#8217;s Fotos, Karten und Fu\u00dfnoten, was ich sehr gerne mag. Mayer war freiwilliger Feldgeistlicher im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1917. Auch hier gibt es einen <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Feldgeistlicher\">Twitteraccount<\/a>.<\/p>\n<p>Hier ein Ausschnitt des <a href=\"http:\/\/tagebuch.hypotheses.org\/47\">Eintrags vom 3. August 1914<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn Markelfingen h\u00e4lt der Fuhrmann und ich gebe ihm und den Soldaten Geld zu einem guten Schoppen und eile nach Radolfzell. Zum Telegraphieren an Jauch[1] keine M\u00f6glichkeit, erreiche gerade noch den Schnellzug nach Donaueschingen. Darin auch ein Amerikaner, der heim will \u00fcber Holland via K\u00f6ln. In Donaueschingen treffe ich Ernst Hottinger \u2013 unseligen Andenkens von Brombach her. Er ist Ersatzreservist beim Train. Die Z\u00fcge fahren so regelm\u00e4\u00dfig und p\u00fcnktlich wie schon lange nicht mehr. Kurz vor Abfahrt steigt Domkapitular Schenk[2] ein, und aus seinen Reden und Benehmen merke ich gleich, da\u00df er wirklich ernst krank ist im Kopf. In den Ortschaften steigen die einr\u00fcckenden Landwehrm\u00e4nner ein.\u2013 es ist schon der zweite Mobilmachungstag. Tr\u00e4nen von Frauen, viel Lebewohl sagen und Begeisterung, da\u00df es eine helle Freude ist. In Bachheim ist das ganze Dorf mit der Milit\u00e4rvereinsfahne hinter der Perronsperre versammelt. Auch in Neustadt gro\u00dfer Betrieb. In Freiburg kommt gerade ein 113er aus der Konviktskirche. Ich merke ihm an, da\u00df er reden will; wollen Sie beichten? Ja, und schon sitze ich mit meinem nassen Hemd \u2013 es ist hei\u00df \u2013 im Beichtstuhl. Nach diesem kommt einer in Zivil, dann Abl\u00f6sung durch den Konviktsdirektor. Am Abend gro\u00dfes Aufgebot von Schwarzen  in der Artilleriekaserne zum Beichth\u00f6ren, aber der Sturm mi\u00dflingt, da nichts vorbereitet, war nichts zu machen. Kein Platz. Unverrichteter Sache heim ins Bett mit schweren Gedanken.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Und dann l\u00e4sst noch die gesch\u00e4tzte Frau <a href=\"http:\/\/percanta.de\/\">Percanta<\/a> ihren Urgro\u00dfvater Curt, Hauptmann im K\u00f6niglich-S\u00e4chsischen Leibgrenadierregiment Nr. 100 in Dresden, zu Wort kommen, wie sie <a href=\"http:\/\/percanta.de\/2014\/08\/04\/tagebuch-100-jahre-spaeter\/\">hier<\/a> in einem Blogeintrag beschreibt. Sein Tagebuch findet man unter <a href=\"http:\/\/fuerchtenlernen.de\/\">F\u00fcrchten lernen<\/a>. Hier der <a href=\"http:\/\/fuerchtenlernen.de\/2014\/08\/08\/8-viii\/\">Eintrag<\/a> vom 8. August:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMarburg 8. VIII.<br \/>\n7\u00b0\u00b0 Vorm. Reizendes Lahntal. Stimmung der Mannschaft ausgezeichnet.<br \/>\nAnschrift an den Wagen:<br \/>\n<em>Die Russen sind alle Verbrecher,<br \/>\nIhr Herz ist ein schwarzes Loch,<br \/>\nDie Franzosen sind auch nicht besser,<br \/>\nAber Dresche kriegen sie doch!<\/em><br \/>\n\u2014<br \/>\nWetzlar, Weilburg, Selters, Fachingen, Nassau. Hier Nachricht, dass in Coblenz die ersten gefangenen Franzosen sind. Fahrt im Tale immer sch\u00f6ner. Verteilung von Pastillen. Grosser Jubel.<br \/>\n4\u00b0 Nachm. Rhein\u00fcbergang. Ein herrlicher erhebender Eindruck. Br\u00fccke besetzt M.G. 4\u00b2\u00b0 Abfahrt Richtung Trier. Halt, m\u00fcssen warten bis I.\/181 weg ist. Fahrt an der Mosel, hohe Felsenh\u00e4nge mit Wein bepflanzt. Cochem, Tunnel 9 Minuten Fahrt. Sturm auf L\u00fcttich soll 5000 Mann gekostet haben. Feind 10000?\u201c<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Tagebuch eines Urgro\u00dfvaters, das jetzt genau 100 Jahre sp\u00e4ter als Blog ver\u00f6ffentlich wird, war auf meinem Radar Vierzehnachtzehn, \u00fcber dessen<\/p>\n","protected":false},"author":10,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-21180","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-weblog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/10"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=21180"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":21182,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/21180\/revisions\/21182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=21180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=21180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=21180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}