{"id":2002,"date":"2007-05-08T07:53:56","date_gmt":"2007-05-08T05:53:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=2002"},"modified":"2007-05-08T07:56:56","modified_gmt":"2007-05-08T05:56:56","slug":"re-ubers-bloggen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=2002","title":{"rendered":"Re: \u00dcbers Bloggen"},"content":{"rendered":"<p>Stefan Niggemeier schreibt in der <em>FAS<\/em> und \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 in seinem <a href=\"http:\/\/www.stefan-niggemeier.de\/blog\/uebers-bloggen\/\">Blog<\/a>, warum er gerne bloggt. Einiges davon unterschreibe ich sofort, anderes hat mich zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel dieser Abschnitt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eAu\u00dferdem geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis vieler Blogger das Postulat, nicht f\u00fcr die Leser zu schreiben, sondern f\u00fcr sich selbst. Wer scheinbar auf m\u00f6glichst gro\u00dfe Quote bloggt, gilt als zutiefst verd\u00e4chtig. Das machen die Massenmedien ja schon zur Gen\u00fcge: alles der Pflicht unterordnen, m\u00f6glichst viele Menschen zu erreichen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich habe eine Zeitlang durchaus eher f\u00fcr die Leser als f\u00fcr mich gebloggt*. Oder anders: zu wissen, dass jeden Tag ne Menge Leute darauf warten, dass was Neues auf meiner Site steht, hat mich des \u00d6fteren abends noch nach Links oder Geschichten w\u00fchlen lassen, die ich irgendwie verwursten konnte. Ich habe von Anfang an, seit Juli 2002, jeden Tag etwas geschrieben, und irgendwann hatte sich dieses Jeden-Tag-posten verselbst\u00e4ndigt. Pl\u00f6tzlich <em>musste<\/em> ich jeden Tag schreiben. Und es hat ziemlich lange gedauert, bis ich mich a) davon befreit hatte und b) kein schlechtes Gewissen mehr hatte, weil ich einen oder zwei oder zehn Tage nichts geschrieben habe.<\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt damit zusammen, dass das Faszinosum Weblog f\u00fcr mich keins mehr ist. Ich will mit meiner Seite niemand mehr erreichen, ich will damit nicht reich, ber\u00fchmt und Superstar werden. Ich wei\u00df nicht, ob ich das mal wollte (bestimmt); ich wei\u00df ja nicht mal nicht mehr, warum ich mit dem Kram \u00fcberhaupt angefangen habe. Wahrscheinlich, weil es ging. Hunde \u2013 Eier, Rockstars \u2013 Supermodels, ihr wisst schon.<\/p>\n<p>Bloggen ist f\u00fcr mich inzwischen wieder zum simplen Schreiben geworden. Nat\u00fcrlich ist es am Anfang klasse, wenn die Leserzahlen nach oben gehen und wenn auf einmal Leute mit dir \u201ereden\u201c, weil du Dinge nicht mehr in dein Tagebuch schreibst, sondern ins Internet. Stefan hat es folgenderma\u00dfen ausgedr\u00fcckt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eLinks sind eine W\u00e4hrung in der Welt der Blogs, aber der eigentliche Lohn ist Aufmerksamkeit. Die l\u00e4sst sich messen, anhand von Leserzahlen, Seitenabrufen und Verlinkungen. Aber so fixiert viele auf diese Hitparaden sind (ich auch) \u2013 das zutiefst befriedigende am Bloggen ist nicht eine wachsende Zahl, sondern die Kommunikation an sich. Der eine Kommentar von jemandem, der genau verstanden hat, was ich sagen wollte, und meine S\u00e4tze durch eine Pointe kr\u00f6nt. Der Fremde, der zum Stammgast wird, zum Dauer-Kommentierer, zum Freund. Auch der Gegner, an dem ich mich immer wieder reiben kann.<\/p>\n<p>Mein Blog kann ein st\u00e4ndiger Abgleich meiner Realit\u00e4tswahrnehmung mit der anderer sein: Wer bin ich? Wie sehen die anderen mich? Wor\u00fcber lachen sie? Was l\u00e4sst sie kalt, was verstehen sie falsch? Die Konversationen, die entstehen, sind immer wieder Experimente in sozialer Interaktion: Welcher Kommentar l\u00e4sst eine Debatte entgleiten? Wo formieren sich viele Blogs mit gemeinsamem Ziel? Wann macht die Gr\u00f6\u00dfe einer solchen Welle aus der Masse einen Mob? Und wann eine schlaue, m\u00e4chtige Bewegung?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich hatte durchaus das Vergn\u00fcgen, Kommentatoren zu haben, die mich verstanden haben, die bessere Pointen als ich hatten und an denen ich meine Realit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcfen konnte. Ich hatte aber auch den Mob bzw. den M\u00f6chtegernmob, an dem ich mich reiben konnte und der mich nervigerweise dazu gezwungen hat, dauernd \u00fcber ihn nachzudenken: \u201eIgnorieren? Gegenkommentieren? L\u00f6schen? Erstmal nen Kaffee trinken gehen?\u201c Und irgendwann ist mir dieses Zwiegespr\u00e4ch mehr und mehr auf die Nerven gegangen anstatt dass es mich befruchtet h\u00e4tte. Irgendwann hatte ich das Gef\u00fchl, dass die Konversation wichtiger geworden war als der eigentliche Blogeintrag \u2013 und genau an dem Punkt ist mir die Freude am Bloggen vergangen. Das mag pers\u00f6nliche Eitelkeit sein, aber wenn ich mit Leuten reden will, dann chatte ich. Wenn ich schreiben will, dann schreibe ich. <\/p>\n<p>Auch aus diesem Grund sind die Kommentare immer noch aus: weil ich lieber schreibe als zu kommunizieren. Auch aus diesem Grund kommentiere ich deutlich weniger als fr\u00fcher, und ich lese l\u00e4ngst nicht mehr so viele Blogs. Weil ich nur noch von wenigen wissen m\u00f6chte, was sie denken, w\u00e4hrend ich es von den vielen, vielen anderen da drau\u00dfen nicht mehr wissen will. Deswegen geht mir auch die Kommentarm\u00f6glichkeit in den \u201ealten Medien\u201c auf den Keks wie bei der Onlineausgabe der <em>FAZ<\/em> oder der <em>SZ<\/em>. Ich bin ganz zufrieden damit, einfach nur mal EINE Stimme zu h\u00f6ren. Ich muss nicht f\u00fcr jeden Sachverhalt 50 haben.<\/p>\n<p>Aber das ist nur meine Meinung. Ihr d\u00fcrft gerne eine andere haben. Mein derzeitiges Blogcredo lautet dementsprechend: Macht doch, was ihr wollt \u2013 ich mach ja auch, was ich will. Denn einem Satz von Stefan kann ich absolut zustimmen:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDas trifft nat\u00fcrlich nicht auf alle Blogger zu, so wie ungef\u00e4hr nichts auf alle Blogger zutrifft.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>* Aus diesen \u00dcberlegungen heraus habe ich endlich mal meine <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/index.php?p=23\">FAQ<\/a> ge\u00e4ndert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Niggemeier schreibt in der FAS und \u2013 nat\u00fcrlich \u2013 in seinem Blog, warum er gerne bloggt. Einiges davon unterschreibe ich sofort, anderes hat mich zum Nachdenken gebracht. Zum Beispiel dieser Abschnitt: \u201eAu\u00dferdem geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis vieler Blogger das Postulat, nicht f\u00fcr die Leser zu schreiben, sondern f\u00fcr sich selbst. 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