{"id":19485,"date":"2013-07-31T10:09:04","date_gmt":"2013-07-31T08:09:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=19485"},"modified":"2013-07-31T10:09:04","modified_gmt":"2013-07-31T08:09:04","slug":"very-long-quote-because-hach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=19485","title":{"rendered":"< very long quote because HACH>"},"content":{"rendered":"<p>This:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eM\u00fcnchen leuchtete. \u00dcber den festlichen Pl\u00e4tzen und wei\u00dfen S\u00e4ulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Pal\u00e4sten und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgr\u00fcnten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, sch\u00f6nen Junitages. Vogelgeschw\u00e4tz und heimlicher Jubel \u00fcber allen Gassen. \u2026 Und auf Pl\u00e4tzen und Zeilen rollt, wallt und summt das un\u00fcberst\u00fcrzte und am\u00fcsante Treiben der sch\u00f6nen und gem\u00e4chlichen Stadt.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>This is why I like M\u00fcnchen so much.<\/p>\n<p>Das ist der Anfang von Thomas Manns <em>Gladius Dei<\/em>, Volltext <a href=\"http:\/\/www.gutenberg.org\/cache\/epub\/12053\/pg12053.html\">hier<\/a>, auf gedruckten Seiten zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/gp\/product\/3596904056\/ref=as_li_qf_sp_asin_tl?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=6742&#038;creativeASIN=3596904056&#038;linkCode=as2&#038;tag=httpwwwankegr-21\">hier<\/a><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/ir-de.amazon-adsystem.com\/e\/ir?t=httpwwwankegr-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=3596904056\" width=\"1\" height=\"1\" border=\"0\" alt=\"\" style=\"border:none !important; margin:0px !important;\" \/>. Und so geht&#8217;s (der besseren Lesbarkeit zuliebe ohne blockquotes) weiter:<\/p>\n<p>\u201eReisende aller Nationen kutschieren in den kleinen, langsamen Droschken umher, indem sie rechts und links in wahlloser Neugier an den W\u00e4nden der H\u00e4user hinaufschauen, und steigen die Freitreppen der Museen hinan\u2026<\/p>\n<p>Viele Fenster stehen ge\u00f6ffnet, und aus vielen klingt Musik auf die Stra\u00dfen hinaus, \u00dcbungen auf dem Klavier, der Geige oder dem Violoncell, redliche und wohlgemeinte dilettantische Bem\u00fchungen. Im &#8216;Odeon&#8217; aber wird, wie man vernimmt, an mehreren Fl\u00fcgeln ernstlich studiert.<\/p>\n<p>Junge Leute, die das Nothung-Motiv pfeifen und abends die Hintergr\u00fcnde des modernen Schauspielhauses f\u00fcllen, wandern, literarische Zeitschriften in den Seitentaschen ihrer Jacketts, in der Universit\u00e4t und der Staatsbibliothek aus und ein. Vor der Akademie der bildenden K\u00fcnste, die ihre wei\u00dfen Arme zwischen der T\u00fcrkenstra\u00dfe und dem Siegestor ausbreitet, h\u00e4lt eine Hofkarosse. Und auf der H\u00f6he der Rampe stehen, sitzen und lagern in farbigen Gruppen die Modelle, pittoreske Greise, Kinder und Frauen in der Tracht der Albaner Berge.<\/p>\n<p>L\u00e4ssigkeit und hastloses Schlendern in all den langen Stra\u00dfenz\u00fcgen des Nordens\u2026 Man ist von Erwerbsgier nicht gerade gehetzt und verzehrt dortselbst, sondern lebt angenehmen Zwecken. Junge K\u00fcnstler, runde H\u00fctchen auf den Hinterk\u00f6pfen, mit lockeren Krawatten und ohne Stock, unbesorgte Gesellen, die ihren Mietzins mit Farbenskizzen bezahlen, gehen spazieren, um diesen hellblauen Vormittag auf ihre Stimmung wirken zu lassen, und sehen den kleinen M\u00e4dchen nach, diesem h\u00fcbschen, untersetzten Typus mit den br\u00fcnetten Haarbandeaux, den etwas zu gro\u00dfen F\u00fc\u00dfen und den unbedenklichen Sitten. \u2026Jedes f\u00fcnfte Haus l\u00e4\u00dft Atelierfensterscheiben in der Sonne blinken. Manchmal tritt ein Kunstbau aus der Reihe der b\u00fcrgerlichen hervor, das Werk eines phantasievollen jungen Architekten, breit und flachbogig, mit bizarrer Ornamentik, voll Witz und Stil. Und pl\u00f6tzlich ist irgendwo die T\u00fcr an einer allzu langweiligen Fassade von einer kecken Improvisation umrahmt, von flie\u00dfenden Linien und sonnigen Farben, Bacchanten, Nixen, rosigen Nacktheiten\u2026<\/p>\n<p>Es ist stets aufs neue erg\u00f6tzlich, vor den Auslagen der Kunstschreinereien und der Basare f\u00fcr moderne Luxusartikel zu verweilen. Wieviel phantasievoller Komfort, wieviel linearer Humor in der Gestalt aller Dinge! \u00dcberall sind die kleinen Skulptur-, Rahmen- und Antiquit\u00e4tenhandlungen verstreut, aus deren Schaufenstern dir die B\u00fcsten der florentinischen Quattrocento-Frauen voll einer edlen Pikanterie entgegenschauen. Und der Besitzer des kleinsten und billigsten dieser L\u00e4den spricht dir von Donatello und Mino da Fiesole, als habe er das Vervielf\u00e4ltigungsrecht von ihnen pers\u00f6nlich empfangen\u2026<\/p>\n<p>Aber dort oben am Odeonsplatz, angesichts der gewaltigen Loggia, vor der sich die ger\u00e4umige Mosaikfl\u00e4che ausbreitet, und schr\u00e4g gegen\u00fcber dem Palast des Regenten dr\u00e4ngen sich die Leute um die breiten Fenster und Schauk\u00e4sten des gro\u00dfen Kunstmagazins, des weitl\u00e4ufigen Sch\u00f6nheitsgesch\u00e4ftes von M. Bl\u00fcthenzweig. Welche freudige Pracht der Auslage! Reproduktionen von Meisterwerken aus allen Galerien der Erde, eingefa\u00dft in kostbare, raffiniert get\u00f6nte und ornamentierte Rahmen in einem Geschmack von prezi\u00f6ser Einfachheit; Abbildungen moderner Gem\u00e4lde, sinnenfroher Phantasieen, in denen die Antike auf eine humorvolle und realistische Weise wiedergeboren zu sein scheint; die Plastik der Renaissance in vollendeten Abg\u00fcssen; nackte Bronzeleiber und zerbrechliche Ziergl\u00e4ser; irdene Vasen von steilem Stil, die aus B\u00e4dern von Metalld\u00e4mpfen in einem schillernden Farbenmantel hervorgegangen sind; Prachtb\u00e4nde, Triumphe der neuen Ausstattungskunst, Werke modischer Lyriker, geh\u00fcllt in einen dekorativen und vornehmen Prunk; dazwischen die Portr\u00e4ts von K\u00fcnstlern, Musikern, Philosophen, Schauspielern, Dichtern, der Volksneugier nach Pers\u00f6nlichem ausgeh\u00e4ngt\u2026 In dem ersten Fenster, der ansto\u00dfenden Buchhandlung zun\u00e4chst, steht auf einer Staffelei ein gro\u00dfes Bild, vor dem die Menge sich staut: eine wertvolle, in rotbraunem Tone ausgef\u00fchrte Photographie in breitem, altgoldenem Rahmen, ein aufsehenerregendes St\u00fcck, eine Nachbildung des Clous der gro\u00dfen internationalen Ausstellung des Jahres, zu deren Besuch an den Litfa\u00dfs\u00e4ulen, zwischen Konzertprospekten und k\u00fcnstlerisch ausgestatteten Empfehlungen von Toilettenmitteln, archaisierende und wirksame Plakate einladen.<\/p>\n<p>Blick um dich, sich in die Fenster der Buchl\u00e4den. Deinen Augen begegnen Titel wie &#8216;Die Wohnungskunst seit der Renaissance&#8217;, &#8216;Die Erziehung des Farbensinnes&#8217;, &#8216;Die Renaissance im modernen Kunstgewerbe&#8217;, &#8216;Das Buch als Kunstwerk&#8217;, &#8216;Die dekorative Kunst&#8217;, &#8216;Der Hunger nach Kunst&#8217;\u2014und du mu\u00dft wissen, da\u00df diese Weckschriften tausendfach gekauft und gelesen werden, und da\u00df abends \u00fcber ebendieselben Gegenst\u00e4nde vor vollen S\u00e4len geredet wird\u2026<\/p>\n<p>Hast du Gl\u00fcck, so begegnet dir eine der ber\u00fchmten Frauen in Person, die man durch das Medium der Kunst zu schauen gewohnt ist, eine jener reichen und sch\u00f6nen Damen von k\u00fcnstlich hergestelltem tizianischen Blond und im Brillantenschmuck, deren bet\u00f6renden Z\u00fcgen durch die Hand eines genialen Portr\u00e4tisten die Ewigkeit zuteil geworden ist, und von deren Liebesleben die Stadt spricht\u2014K\u00f6niginnen der K\u00fcnstlerfeste im Karneval, ein wenig geschminkt, ein wenig gemalt, voll einer edlen Pikanterie, gefalls\u00fcchtig und anbetungsw\u00fcrdig. Und sieh, dort f\u00e4hrt ein gro\u00dfer Maler mit seiner Geliebten in einem Wagen die Ludwigstra\u00dfe hinauf. Man zeigt sich das Gef\u00e4hrt, man bleibt stehen und blickt den beiden nach. Viele Leute gr\u00fc\u00dfen. Und es fehlt nicht viel, da\u00df die Schutzleute Front machen.<\/p>\n<p>Die Kunst bl\u00fcht, die Kunst ist an der Herrschaft, die Kunst streckt ihr rosenumwundenes Zepter \u00fcber die Stadt hin und l\u00e4chelt. Eine allseitige respektvolle Anteilnahme an ihrem Gedeihen, eine allseitige, flei\u00dfige und hingebungsvolle \u00dcbung und Propaganda in ihrem Dienste, ein treuherziger Kultus der Linie, des Schmuckes, der Form, der Sinne, der Sch\u00f6nheit obwaltet\u2026 M\u00fcnchen leuchtete.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>This: \u201eM\u00fcnchen leuchtete. \u00dcber den festlichen Pl\u00e4tzen und wei\u00dfen S\u00e4ulentempeln, den antikisierenden Monumenten und Barockkirchen, den springenden Brunnen, Pal\u00e4sten und Gartenanlagen der Residenz spannte sich strahlend ein Himmel von blauer Seide, und ihre breiten und lichten, umgr\u00fcnten und wohlberechneten Perspektiven lagen in dem Sonnendunst eines ersten, sch\u00f6nen Junitages. Vogelgeschw\u00e4tz und heimlicher Jubel \u00fcber allen Gassen. 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