{"id":19232,"date":"2013-06-19T08:58:09","date_gmt":"2013-06-19T06:58:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=19232"},"modified":"2013-06-19T08:58:09","modified_gmt":"2013-06-19T06:58:09","slug":"quote-22","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=19232","title":{"rendered":"< quote >"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u201eSeit dem 15. Jahrhundert lassen F\u00fcrsten, einen antiken Brauch wieder aufgreifend, ihre Bildnisse in Medaillen pr\u00e4gen. Diese Bildnismedaillen tragen auf der Vorderseite, auf dem Avers, das Portr\u00e4t des Herrschers, meistens im Profil, und auf der R\u00fcckseite, dem Revers, ein Sinnbild, eine Devise, mit einem kurzen Sinnspruch. Diese Ehrenmedaillen wurden auf mannigfache Weise verwendet: Sie wurden bei Neubauten in den Grundstein gelegt; zu besonderen Anl\u00e4ssen, etwa bei f\u00fcrstlichen Hochzeiten oder Einz\u00fcgen, unter das Volk geworfen, und man hat sie verdienten Untertanen oder hohen Besuchern als Auszeichnung \u00fcbergeben. Bald wurden sie in Silber oder Gold gepr\u00e4gt und man verlieh sie an goldenen Ketten, so da\u00df der Geehrte das Bildnis des F\u00fcrsten auf der Brust tragen konnte; wir sehen sie h\u00e4ufig an solchen Ehrenketten auf gemalten Bildnissen seit dem 16. Jahrhundert. Neben dem materiellen Wert, den solche Medaillen haben konnten, hatten sie einen hohen ideellen Wert, da ihr Tr\u00e4ger sich als jemand ausweisen konnte, der vom F\u00fcrsten pers\u00f6nlich ausgezeichnet wurde. Indem der F\u00fcrst seine Medaille an Untertaten, Gesandte oder befreundete F\u00fcrsten \u00fcberreichte, stiftete er eine pers\u00f6nliche Beziehung zu dem Geehrten und sicherte er sich auch emotional dessen Loyalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert gewinnt neben der Medaille auch die Bildnisminiatur an Bedeutung, die man in Aquarellmalerei auf d\u00fcnne Elfenbeinplatten \u00fcbertrug. Auch sie wird vom F\u00fcrsten wie eine Ordensauszeichnung verliehen und an B\u00e4ndern \u00fcber der Brust getragen.<\/p>\n<p>Diese Praxis der Loyalit\u00e4tsstiftung \u00fcber ein pers\u00f6nlich \u00fcberreichtes Bildnis ist bis heute nicht aus dem Gebrauch gekommen, wenn auch die Medaillen\u00fcbergabe in dem geschilderten Rahmen selten geworden ist. Aber schon Kaiser Wilhelm II. hat die Praxis auf eine Massenbasis zu stellen gewu\u00dft, indem er Postkarten mit einer fotografischen Aufnahme von sich und seiner Unterschrift massenhaft herstellen und verbreiten lie\u00df. Staatsm\u00e4nner und Diplomaten verweisen heute auch noch stolz auf Bildnisfotos mit pers\u00f6nlicher Widmung, die ihnen von M\u00e4chtigen dieser Welt \u00fcberreicht worden sind. Auf einer anderen Ebene haben in den siebziger Jahren Aufkleber, Plakate und Anstecknadeln mit dem Bildnis Che Guevaras Solidarit\u00e4tsempfindungen zum Ausdruck gebracht. Im nichtpolitischen Bereich aber ist das Verfahren gerade zu einem eigenen Industriezweig ausgewachsen: Im Auftrag von Firmen liefern Stars aus Film, Unterhaltungsmusik und Sport unterschriebene Bildnisse, Covers oder Poster; sie stellen sich auch zu Autogrammstunden zur Verf\u00fcgung. Noch immer hat diese Praxis der Bild\u00fcbermittlung die Funktion einer Loyalit\u00e4tsstiftung, hier zwischen einem Fan und seinem Idol. Die Funktion des gewidmeten Bildes ist geblieben und ausgebaut, obwohl keine K\u00fcnstlerspezialisten mehr von Hof zu Hof ziehen, um Medaillen und Miniaturen herzustellen: der Medienwechsel hat der alten Funktion neuen Auftrieb gegeben.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Warnke, Martin: <em>Das Bild als Best\u00e4tigung<\/em>, in: Busch, Werner (Hrsg.): <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Funkkolleg-Kunst-Geschichte-Wandel-Funktionen\/dp\/3492107362\/\">Funkkolleg Kunst II. Eine Geschichte der Kunst im Wandel ihrer Funktionen<\/a><\/em>, M\u00fcnchen 1991, 2. Aufl., S. 502\u2013503.<\/p>\n<p>Womit ich mal wieder geschickt einen Buchtipp angebracht h\u00e4tte. Der <em>Funkkolleg<\/em> ist nur noch gebraucht zu kriegen, kostet daf\u00fcr aber so gut wie nix mehr und ist f\u00fcr mich als kleines Zweitsemester eine gro\u00dfartige Fundgrube. In den zwei B\u00e4nden wird so ziemlich alles Wichtige angerissen, womit die Kunstgeschichte sich besch\u00e4ftigt, und es wird gerne an den klassischen Beispielen erkl\u00e4rt, denen ich auch in der Uni begegne. Zus\u00e4tzlich lernt man ein paar Namen von Kunsthistorikern kennen, die einem auch immer wieder \u00fcber den Weg laufen, denn die B\u00fccher wurden von vielen verschiedenen Autoren geschrieben (29 Kerle, eine Frau. Grrr). Wer also mal kurz in mein Fach reingucken will \u2013 das hier w\u00e4re eine prima Gelegenheit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSeit dem 15. Jahrhundert lassen F\u00fcrsten, einen antiken Brauch wieder aufgreifend, ihre Bildnisse in Medaillen pr\u00e4gen. Diese Bildnismedaillen tragen auf der Vorderseite, auf dem Avers, das Portr\u00e4t des Herrschers, meistens im Profil, und auf der R\u00fcckseite, dem Revers, ein Sinnbild, eine Devise, mit einem kurzen Sinnspruch. 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