{"id":1718,"date":"2006-10-23T09:54:54","date_gmt":"2006-10-23T07:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=1718"},"modified":"2006-10-23T10:05:00","modified_gmt":"2006-10-23T08:05:00","slug":"wenn-deppen-einziehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=1718","title":{"rendered":"Wenn Deppen einziehen"},"content":{"rendered":"<p>Der Kerl l\u00e4sst ausrichten, dass dieses Wochenende ein gutes Wochenende f\u00fcr den Kampf \u201eM\u00e4nnlichkeit gegen Dekoschei\u00df\u201c war. <\/p>\n<p>Aber von vorn. Freitags kriegt der kleine Blumenladen in Agenturn\u00e4he neue Ware. Dieser kleine Blumenladen zeichnet sich dadurch aus, dass er kein \u00fcppiges Angebot an allen Blumen dieser Welt hat, nein, dieser kleine Blumenladen ist eher DDR-Metro f\u00fcr Pflanzen. Hei\u00dft: Es gibt einen Tag nur z.B. Lilien und Chrysanthemen und auch nur in vorgez\u00e4hlter St\u00fcckzahl. Daf\u00fcr sind die Stengel aber unglaublich g\u00fcnstig, weswegen sich wie in der Zone Schlangen von Menschen vor dem kleinen Blumenladen bilden, die wie ich zehn wundersch\u00f6ne wei\u00dfe Lilien f\u00fcr lausige 3,90 abholen wollen. Die Bedienung ist McDonald&#8217;s-m\u00e4\u00dfig effizient; kein Smalltalk, kein Nix, du sagst \u201eIch h\u00e4tte gerne die Lilien\u201c, und schon hast du ein vorher abgepacktes B\u00fcndel vor dir und reichst das Geld r\u00fcber. <\/p>\n<p>Ich mag den kleinen Blumenladen. Meine Vasen sind allerdings selten auf zehn Lilien auf einmal eingerichtet, weil ich doch eher der Einzel- oder P\u00e4rchenblumenk\u00e4ufer bin (eben Lilien oder Calla) oder mal richtig Geld f\u00fcr einen gebundenen Strau\u00df raushaue oder ein kleines B\u00fcndchen bunte Tulpen mitnehme, das keine gro\u00dfen Vasen braucht. Daher verteile ich die zehn Lilien denn auch gerne auf f\u00fcnf Vasen und stelle sie \u00fcberall auf. Diesmal habe ich aber nach ganzen hinten in das Vasenfach gegriffen und meine zwei \u00e4ltesten Ikeavasen erwischt; zwei schlichte, d\u00fcnnwandige Glaszylinder, die ich seit mindestens 15 Jahren von Wohnung zu Wohnung schleppe. Einer davon stand am Samstag auf der Wohnzimmerfensterbank, der zweite im Bad neben der Badewanne, beide mit jeweils f\u00fcnf ausladenden Lilien best\u00fcckt.<\/p>\n<p>Nun wohnen wir zwei H\u00fcbschen hier zwar schon ein paar Wochen, aber irgendein Kleinschei\u00df bleibt ja immer liegen, und daher war auch am Wochenende wieder \u201eWohnung wohnlich machen\u201c angesagt. Im Wohnzimmer mussten Gardinen aufgeh\u00e4ngt werden. Ich hatte mich f\u00fcr lange, dunkelbraune Vorh\u00e4nge entschieden, der Kerl hatte bereits vor Tagen brav L\u00f6cher gebohrt und Haken reinged\u00fcbelt, und nun stand ich auf der gef\u00fchlt f\u00fcnf Meter hohen Leiter, der Kerl reichte mir die Gardinenstange mit den gef\u00fchlt zehn Meter langen Gardinen an \u2013 und ich schwenkte den ganzen Batzen so dumpfbackig in der Gegend rum, dass ich die Lilienvase erwischte, die d\u00e4mlicherweise noch auf der Fensterbank stand. Ich bin der Meinung, dass der Kerl sie absichtlich hat stehenlassen, weil er um meine motorischen F\u00e4higkeiten wusste. Das war jetzt allerdings egal, denn ich wurde angewiesen, erstmal auf der Leiter zu bleiben, w\u00e4hrend der Kerl erstens die Scherben wegr\u00e4umte und zweitens den Holzfu\u00dfboden von zwei Litern Wasser befreite. Ich behaupte, er hat dabei gegrinst.<\/p>\n<p>Der gestrige Sonntag war dann mein Truckertag. Ich hatte mir einen kleinen LKW geliehen, um einen Schrank, einen Esstisch und vier St\u00fchle meiner Gro\u00dfeltern von meinen Eltern abzuholen. Die hatte ich bereits in meiner Hann\u00f6verschen Wohnung stehen (die zehnmal so gro\u00df war wie alles, was ich mir bisher in Hamburg geleistet habe, grrr) und wollte sie nun endlich in unserem Esszimmer aufstellen. Ich also sch\u00f6n den King of the Road gemacht, stilecht mit Countrymusik per CD (achy-breaky heart, baby) im Vito, wo man ungef\u00e4hr zwei Meter \u00fcber der Fahrbahn sitzt, in die N\u00e4he von Hannover gefahren, mit Papa den zerlegten Schrank, Tisch, St\u00fchle, noch ein bisschen Geschirr von Omi und noch ein paar wei\u00dfe Tischdecken eingepackt und wieder nach Hamburg gefahren, mit dem Kerl den Kram erstmal in den Hausflur geladen und dann auf Anweisung von meinem allerliebsten Liebling den Wagen zur\u00fcckgebracht, w\u00e4hrend er schon anfing, den schweren Schei\u00df in den zweiten Stock zu schleppen. Als ich zur\u00fcckkam, waren nur noch die Tischplatte und eine Schrankt\u00fcr unten, der Kerl total durchgeschwitzt und zu keiner vern\u00fcnftigen verbalen Aussage mehr f\u00e4hig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der schatzigste Schatz von allen sich ausruhte bzw. versuchte, wieder ohne Ger\u00e4usche Luft zu kriegen, machte ich mich daran, den Schrank zusammenzubauen. Das braune Ding hat zwei Weltkriege \u00fcberlebt, ist dementsprechend ein bisschen verzogen und kommt ohne eine einzige Schraube aus. Alles steckt nur ineinander. Beim Aufbau musste der liebste Kerl von allen daher ein bisschen helfen, denn der Schrank besteht nur aus Fu\u00dfteil, Kopfteil (beide sch\u00f6n schwer und unhandlich, zwei Seitenteilen (die ich tragen kann, ho-hee) und diversen wackeligen R\u00fcckwandteilen. Aber das wirklich Spannende ist das Innenleben. Sowohl mein Gro\u00dfvater als auch mein Papa haben irgendwelche wilden Gestelle fabriziert, mit denen der Schrank ausgekleidet wird, bevor die Querbretter reingelegt (oder eher reingew\u00fcrgt) werden. Mein Papa hat alle Bretter brav nummeriert und mir einen tollen Zettel mitgegeben, auf dem seiner Meinung nach exakt stand, wie man die Bretter in der richtigen Reihenfolge reinlegt \u2013 denn wenn die Reihenfolge nicht stimmt, kriegt man gar kein Brett rein. Ich ahnte schon sowas und hatte Papa deswegen vor dem Abholen gebeten, den Schrank blo\u00df nicht auseinanderzunehmen, sondern das mit mir zusammen zu machen, damit ich sein irres System verstehe. Papa war aber der Meinung, sein System w\u00e4re idiotensicher (I beg to differ) und hatte daher schon alles auseinandergenommen, als ich ankam. Nun stand ich in unserem Esszimmer, balancierte ein Brett mit der Aufschrift \u201e2 rechts hinten\u201c und eins mit der Aufschrift \u201e5 links vorne\u201c und las auf einem Zettel Anweisungen wie \u201e1 links hinten hochkant, dann 2 vorne rechts\u201c &#8230; woraufhin ich beschloss, alles zu ignorieren und die Gr\u00f6ner&#8217;sche Methode des verzweifelten <em>trial and error<\/em> anzuwenden. <\/p>\n<p>Ich habe knapp zwei Stunden mit den alten Holzbrettern zugebracht, war danach entsprechend durchgeschwitzt, musste mir die \u00fcblichen (und leider berechtigten) Kommentare meines doofen Mitbewohners \u00fcber meine mangelnde r\u00e4umliche Vorstellungskraft anh\u00f6ren und beschloss daher nach Fertigstellung des nervigsten, aber sch\u00f6nsten Schranks der Welt, ein ausgiebiges Schaumbad zu nehmen. Daf\u00fcr muss man nat\u00fcrlich Vorbereitungen treffen: Wasser einlassen, den passenden Lush-Brocken finden (gestern habe ich mich f\u00fcr <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/t69b9\">Sunny Side<\/a> entschieden, das nach Zitrone duftet), Wei\u00dfwein neben der Wanne positionieren, den richtigen Radiosender finden, Kerzen anschleppen und entz\u00fcnden, die Badprodukte, die sonst im Regal stehen und nun dringend gebraucht werden, in Wannenn\u00e4he packen (Peeling und Maske) \u2013 und dann kann&#8217;s theoretisch losgehen. <\/p>\n<p>Theoretisch steige ich auch weniger schwungvoll in die Wanne, aber gestern waren meine damenhaften Bewegungen nach stundenlangem Autofahren, Schleppen, Basteln und Pflegeprodukte-Koordinieren anscheinend auf Quasimodo-Niveau gesunken; jedenfalls habe ich es problemlos geschafft, auch die zweite Lilienvase \u2013 die neben der Wanne, wir erinnern uns \u2013 umzuwerfen, und zwar so geschickt, dass sich die Scherben und die Blumen gar malerisch mit meinem herrlich duftenden Schaumberg vermischten. Woraufhin ich also fluchend unter Wasser nach Scherben gesucht, dann das Wasser abgelassen und dann die Lilien in der Sp\u00fcle zwischengelagert habe.<\/p>\n<p>Der Kerl hat vorgeschlagen, die Lilien nun auf dem K\u00fcchenfensterbrett zu lagern, am besten in nur einer Vase, denn der Weg von der K\u00fcche in die Speisekammer f\u00fchrt sehr nahe an diesem Fensterbrett vorbei. Vielleicht k\u00f6nne ich noch eine Vase kaputtspacken, dann w\u00e4re das Dekoaufkommen in dieser Wohnung allm\u00e4hlich auf Jungsniveau.<\/p>\n<p>Ich bin manchmal so m\u00fcde. ICH WOLLTE DOCH NUR BILLIGE BLUMEN.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Kerl l\u00e4sst ausrichten, dass dieses Wochenende ein gutes Wochenende f\u00fcr den Kampf \u201eM\u00e4nnlichkeit gegen Dekoschei\u00df\u201c war. Aber von vorn. Freitags kriegt der kleine Blumenladen in Agenturn\u00e4he neue Ware. 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