{"id":16176,"date":"2012-05-04T02:02:23","date_gmt":"2012-05-04T00:02:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=16176"},"modified":"2012-05-06T09:14:59","modified_gmt":"2012-05-06T07:14:59","slug":"republica-2012-tag-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=16176","title":{"rendered":"re:publica 2012 \u2013 Tag 2"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem ich am ersten Tag mit Gucken und Staunen und Hallosagen besch\u00e4ftigt war, war der zweite Tag leider der, an dem meine sozialen F\u00e4higkeiten gen Null tendierten. Ich schaffte es zwar noch, <a href=\"http:\/\/www.journelle.de\/\">Journelle<\/a> und <a href=\"http:\/\/dasnuf.de\/\">Nuf<\/a> viel Spa\u00df bei ihrem Panel zu w\u00fcnschen (um mich selbst in ein anderes zu setzen), aber alle anderen Menschen, die mich danach trafen, haben leider die recht ungespr\u00e4chige Anke abgekriegt, die einfach nur ihre Ruhe haben wollte, sofern das inmitten von 4.000 Menschen m\u00f6glich ist. Entschuldigung. It&#8217;s not you, it&#8217;s me.<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches re:publica-Programm geht in zwei Richtungen: Ich setze mich entweder in Panels, bei denen mich das Thema interessiert, ich vielleicht schon Vorwissen habe oder mich die Sprecher_innen neugierig gemacht haben. Oder ich setze mich in Panels, bei denen mir das Thema sonst ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht, ich aber hier auf einmal eine M\u00f6glichkeit habe, etwas dar\u00fcber zu erfahren. So ein Panel war mein Start in den Tag: <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/panel\/euroblogger-und-europaische-offentlichkeit-im-netz\/#day03\">Euroblogger und europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit im Netz<\/a>. Europa ist f\u00fcr mich ein h\u00fcbsches Konstrukt, aber ich interessiere mich kaum daf\u00fcr. Ich mag es, dass ich auf dem Weg nach Paris oder Rom keinen Reisepass mehr brauche, und ich empfinde mich eher als Teil der europ\u00e4ischen Geschichte als der deutschen, aber wenn zum Beispiel Fu\u00dfball-EM ist, ist dieses Gef\u00fchl ratzfatz wieder weg. Europapolitik verursacht in meinem Kopf Desinteresse bis Fragezeichen, und daher dachte ich mir: Alle Themen, die dich interessieren, finden ihre Vertiefung in Blogs bzw. Blogs schaffen es, dich f\u00fcr Themen zu begeistern, von denen du gar nicht wusstest, dass sie dich begeistern k\u00f6nnen \u2013 warum nicht auch Europa? Das Panel von Ronny Patz war dann auch sehr kurzweilig, und in seinem <a href=\"http:\/\/polscieu.ideasoneurope.eu\/\">Blog<\/a> finden sich viele Links zu spannenden Blogs, die ich jetzt brav absurfen werde.<\/p>\n<p>Das zweite Panel war mein bisher liebstes auf der ganzen Veranstaltung, auch wenn es mich sehr deprimiert hat: <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/panel\/theater-und-digitale-medien-ein-trauerspiel\/#day03\">Theater und digitale Medien \u2013\u00a0ein Trauerspiel<\/a> von <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/person\/tina-lorenz\/\">Tina Lorenz<\/a>. Sie sprach \u00fcber den Unwillen der etablierten H\u00e4user, sich digital zu engagieren, wobei nicht ganz klar wurde, ob sie jetzt mehr Partizipation w\u00e4hrend oder vor\/nach der Vorstellung forderte. Auch im Publikum gingen die Meinungen auseinander. Der \u201eMacher\u201c vom <a href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/ThaliaTheater\">Twitteraccount<\/a> des Hamburger Thalia-Theaters meinte, er w\u00e4re nicht so wild darauf, Menschen zu haben, die aus der Vorstellung heraus twitterten (was ich beklatschte), aber Lorenz meinte, man k\u00f6nne es doch mal auf einen Versuch ankommen lassen \u2013 wer von vornherein die neuen Medien ausschlie\u00dft, d\u00fcrfe sich nicht wundern, wenn kein echter Dialog aufk\u00e4me (was ich auch beklatschen musste). <\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich kann f\u00fcr eine Oper mein iPhone auch mal zwei Stunden abschalten, wobei ich mir eingestehen muss, es SOFORT in der Pause wieder anzumachen. Entweder um zu checken, was in den vergangenen zwei Stunden passiert ist, die ich ja fieserweise abgeschnitten von der Au\u00dfenwelt verbrachte oder um meinen unvermeidlichen Pausentweet abzusetzen. Der dient nat\u00fcrlich so gut wie immer als v\u00f6llig unverhohlene Werbung f\u00fcr die Vorstellung. Und das war dann auch das, was ich aus dem Panel mitgenommen habe. Wir als Publikum (oder wir als Macher_innen) sind Multiplikatoren. Wenn wir niemandem erz\u00e4hlen, wie toll das alles ist, was wir gerade sehen\/machen, dann wei\u00df es auch keiner. Wenn wir es erz\u00e4hlen, bringen wir vielleicht etwas in Bewegung. Dumm nur, dass das Theater- bzw. Opernpublikum so klein ist. Oder gibt es neue Schichten, die entdeckt werden k\u00f6nnten? Ein Zuh\u00f6rer meinte unter gro\u00dfem Applaus: \u201eAn die Theaterschaffenden \u2013 geht doch mal auf die gr\u00f6\u00dfte Theatermesse der Welt: die <a href=\"http:\/\/www.gamescom.de\/de\/gamescom\/home\/index.php\">gamescom<\/a>. Da sitzen lauter Menschen, die sich gerne in fremde Welten entf\u00fchren lassen.\u201c<\/p>\n<p>Lorenz erw\u00e4hnte auch die wenigen Versuche, mehr als Social Media zu machen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. So lie\u00df das Thalia-Theater per Facebook (?) \u00fcber den Spielplan der kommenden Saison abstimmen, was nicht ganz das gew\u00fcnschte Ergebnis brachte: <em>Peer Gynt<\/em> als Heavy-Metal-Musical war dann doch nicht ganz das, was das hohe Haus haben wollte. Der Thaliatwitterer widersprach und meinte, man h\u00e4tte sich nicht mit den K\u00fcnstlern einigen k\u00f6nnen, und nur deswegen werde das St\u00fcck nicht gegeben, auch wenn es bei der Publikumsabstimmung den 3. Platz erreicht hatte. <\/p>\n<p>Eine weitere Idee, die Lorenz eher doof, ich aber ganz clever fand, war \u201e<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/effi-briest-2-0-am-gorki-gefaellt-mir-fontane-als-facebook-theater\/6052758.html\">Effi Briest 2.0<\/a>\u201c vom Gorki-Theater Berlin in Zusammenarbeit mit Jung von Matt. Lorenz w\u00fcnschte sich weniger Marketingmenschen und mehr K\u00fcnstler_innen bzw. Dramaturg_innen, die dem Rest der Welt das Theater digital n\u00e4her br\u00e4chten. Meiner Meinung nach ein guter Ansatz, aber vielleicht k\u00f6nnten sich diese beiden Fraktionen einfach zusammentun? Das mag ja sein, dass Werber_innen wenig Ahnung vom Theater haben, aber daf\u00fcr haben Dramaturg_innen auch wenig Ahnung von Werbung.<\/p>\n<p>Ebenfalls erw\u00e4hnt wurde \u201e<a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=14425\">Eyjafjallaj\u00f6kull-Tam-Tam<\/a>\u201c aus dem M\u00fcnchener Residenztheater, \u00fcber das ich auch gebloggt habe (siehe Link). Dort wurde zus\u00e4tzlich zur analogen Auff\u00fchrung ein digitaler Film erstellt, den man sich im Internet anschauen konnte. F\u00fcr mich eine gute Idee, aber nat\u00fcrlich auch frei von jeder Publikumsbeteiligung. Die fand dagegen bei \u201e<a href=\"http:\/\/www.antjeschupp.de\/index.php?\/inszenierungen\/public-republic\/\">Public Republic<\/a>\u201c in den M\u00fcnchener Pathos-Ateliers statt: Das Publikum gab seine Facebook-Daten frei, und die Akteur_innen machten aus diesem Material Theater (wenn ich das richtig verstanden habe). Spannende Idee und ein simpler Ansatz, aus den neuen Medien auch neues Theater zu schaffen.<\/p>\n<p>Generell war aber die Kluft zwischen der angeblich so hohen Kunst und dem angeblich so nerdigen Internet zu sp\u00fcren. Die Angst der Machenden vor dem Ungewissen, was durch Publikumsbeteiligung oder offenen Kommentarstr\u00e4ngen auf Facebook so alles passieren k\u00f6nnte. Der Kontrollverlust eben, der, laut Lorenz, bei den K\u00fcnstler_innen noch st\u00e4rker sei als bei den Leuten, die die Kunst vermarkten.<\/p>\n<p>Mich hat das Panel sehr fasziniert und gleichzeitig recht traurig gemacht. Zum einen, weil mir wieder klar wurde, wie sehr ich es nach jahrelanger Pause genie\u00dfe, in die Oper zu gehen und wie gut es mir tut. Und zum anderen, weil ich wei\u00df, dass ich zwar einige wenige Blogleser_innen oder Twitterfollower dazu animieren kann, dieser Kunstform eine Chance zu geben, es mir aber verwehrt bleiben wird, diese Begeisterung im gro\u00dfen Stil (das hei\u00dft, im Auftrag einer Staatsoper) weiterzugeben. (Your loss, bitches.)<\/p>\n<p>(Pause.)<\/p>\n<p>Der Kontrast zum n\u00e4chsten Panel h\u00e4tte kaum gr\u00f6\u00dfer sein k\u00f6nnen, denn nun schlenderte ich von Stage 8 zu Stage 7 und h\u00f6rte mir an, wie <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/panel\/was-machen-kliniken-in-social-media-facebook-was-sonst\/#day03\">deutsche Krankenh\u00e4user sich so auf Facebook pr\u00e4sentieren<\/a>. Mir war gar nicht klar, dass \u00fcberhaupt ein deutsches Krankenhaus auf diese irre Idee gekommen war, aber doch, es gibt sie. Laut des Vortragenden sind ungef\u00e4hr zehn Prozent der Kliniken auf Facebook, und er erz\u00e4hlte uns, was da thematisch so abginge \u2013 im Vergleich zu den Themen, nach denen die Menschen suchten. Die w\u00fcrden n\u00e4mlich gerne was \u00fcber gesunde Ern\u00e4hrung lesen, bekommen aber stattdessen Jobangebote oder einen Twitterticker, der st\u00fcndlich \u00fcber Neugeborene in einer Klinik informierte. Facebook l\u00e4sst manche Menschen auch komplett vergessen, wer alles mitliest; so wurde ein Beispiel eines Vaters zitiert, der mit einer Behandlung seiner Tochter nicht einverstanden war. Das postete er zun\u00e4chst nur auf seiner eigenen Pinnwand, dann aber auch an der des Krankenhauses, womit dieses nun das Problem hatte, den Mann beschwichtigen zu m\u00fcssen, ohne dabei zu sehr ins Detail gehen zu k\u00f6nnen \u2013 Stichwort Schweigepflicht. Ich kam mir 30 Minuten lang wie in einer Parallelwelt vor, fand aber alles \u00e4u\u00dferst faszinierend.<\/p>\n<p>Das Panel von Herrn Sixtus hat mich dann leider ziemlich gelangweilt: <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/panel\/uebermorgen-tv\/#day03\">\u00dcbermorgen.tv<\/a> h\u00e4tte so viel Potenzial gehabt bei dem Thema und den Sprecher_innen, aber ich habe nichts aus dieser Veranstaltung mitgenommen. Au\u00dfer der Begeisterung \u00fcber die schmeichelnde Stimme des Gastgebers. Rrrr. K\u00f6nnte aber auch am Raum gelegen haben; zum ersten Mal habe ich einen \u00fcberf\u00fcllten Saal erwischt und sa\u00df in der letzten Reihe, wo ich kaum die Leinwand erkennen konnte.<\/p>\n<p>Als Abschluss g\u00f6nnte ich mir das <a href=\"http:\/\/re-publica.de\/12\/panel\/foodblogs-verfall-oder-rettung-der-esskultur\/#day03\">Foodblogger-Panel<\/a>, auf das ich mich seit Wochen gefreut habe. Von den f\u00fcnf Vortragenden waren mir vier pers\u00f6nlich bekannt, und deswegen habe ich es der Veranstaltung locker verziehen, nicht so wahnsinnig viel Neues \u00fcber Kochblogs erfahren zu haben. Ich werde jetzt allerdings Herrn <a href=\"http:\/\/nutriculinary.com\/\">Paulsen<\/a> immer mit \u201eKochen Sie&#8217;s gut\u201c verabschieden (seine eigene Verabschiedung ans Publikum seiner RTL-Kochshow, von der es noch einige Folgen auf YouTube gibt, laut Selbstauskunft zum \u201eeigenen Leidwesen\u201c). Und Vijay Sapre, Herausgeber der <a href=\"http:\/\/www.effilee.de\/\">effilee<\/a>, meinte, auf das nicht-existente Urheberrecht f\u00fcr Rezepte angesprochen: \u201eDas w\u00e4r ja noch sch\u00f6ner, wenn man f\u00fcr jede Bechamel was abdr\u00fccken m\u00fcsste.\u201c<\/p>\n<p>Schon vor dem Kochblogger-Panel waren meine Batterien ziemlich leer, weswegen ich danach schnellstm\u00f6glich verschwand. Denn ich hatte noch was vor: einen Besuch im <a href=\"http:\/\/www.reinstoff.eu\/willkommen.html\">reinstoff<\/a>. Aber dazu kommt noch ein eigener Blogeintrag (wenn die Fotos was geworden sind, was ich mir bei der neuerdings gelblichen Beleuchtung kaum vorstellen kann).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem ich am ersten Tag mit Gucken und Staunen und Hallosagen besch\u00e4ftigt war, war der zweite Tag leider der, an dem meine sozialen F\u00e4higkeiten gen Null tendierten. 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