{"id":13031,"date":"2011-05-25T07:57:44","date_gmt":"2011-05-25T05:57:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=13031"},"modified":"2011-05-28T11:17:06","modified_gmt":"2011-05-28T09:17:06","slug":"rom-tag-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=13031","title":{"rendered":"Rom, Tag 3"},"content":{"rendered":"<p><em>Mittwoch, 18. Mai<\/em><\/p>\n<p>Oder wie ich ihn nenne: Kirchentag. Auf den Programm stehen satte f\u00fcnf Kirchen, nachdem wir gestern nach den kapitolinischen Museen schon in der zweiten nach dem Petersdom waren, genauer gesagt, in <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Santa_Maria_in_Aracoeli\">Santa Maria in Aracoeli<\/a>. Dabei meinte der wunderbare Reiseleiter launig, wir seien mit der jetzigen Optik schon ziemlich sp\u00e4t dran, so um 1390. Sowas k\u00f6nnen auch nur Historiker_innen sagen. <\/p>\n<p>Die Kirche hat mir sehr gut gefallen, vor allem, weil mir hier zum ersten Mal klargeworden ist, dass so ziemlich jedes neue Bauwerk sich anscheinend bei einem alten bedient. Ich war jahrelang n\u00f6rgelig, weil ich wusste, dass viele Moscheen mit dem Marmor gebaut wurden, der mal die Pyramiden verkleidet hat \u2013\u00a0und nun stand ich in einer katholischen Kirche, in denen dutzende von r\u00f6mischen S\u00e4ulen die Decke hielten. Lustigerweise waren sie alle unterschiedlich in Durchmesser, Farbe oder Maserung, und in dem Moment verstand ich auch, was mit \u201eschon ziemlich sp\u00e4t dran\u201c gemeint war: Die meisten Tempel waren schon gepl\u00fcndert, die gleichm\u00e4\u00dfigen S\u00e4ulen waren schon verbaut, und deswegen sieht diese Kirche eben etwas wuselig aus. Wie gesagt, mir hat sie gefallen, vielleicht gerade wegen der Wuseligkeit. Hier habe ich auch zum ersten Mal einen sogenannten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kosmaten\">Kosmaten<\/a>fu\u00dfboden gesehen, eine Art grafisches Mosaik. Der Fu\u00dfboden hier sah eher nach Finger\u00fcbung als nach perfekten geometrischen Mustern aus, aber damit passte er sehr sch\u00f6n zu dem S\u00e4ulengewimmel.<\/p>\n<p>Aber damit nicht genug: In einer Seitenkapelle versteckte sich noch ein Bild, an dem man prima sehen konnte, wie die Malerei sich so langsam an die Zentralperspektive rangetastet hat: das <a href=\"http:\/\/www.kunstkopie.ch\/a\/pinturicchio\/pinturicchiobegrbnishlber-1.html\">Begr\u00e4bnis des Heiligen Bernhardin<\/a> von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pinturicchio\">Pinturicchio<\/a>. Die Linien auf dem Boden stimmen schon halbwegs und laufen fast gleichm\u00e4\u00dfig auf den Horizont zu, aber trotzdem hat jede Figur noch eine eigene Perspektive, was das ganze wieder sehr schr\u00e4g wirken l\u00e4sst. Ich vergesse manchmal, dass andere Zeiten andere Blickwinkel auf die Welt hatten, und deswegen mag ich solche Momente gerne, in denen die Welt mir das nochmal sagt. So nach dem Motto, vor dir war schon jemand hier, und es ist nicht alles mit dir zuende. (Hier bitte die Titelmelodie zu <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=ITPhlUJQ0wI\">Es war einmal &#8230; der Mensch<\/a><\/em> einspielen. Danke.)<\/p>\n<p>Also: Petersdom \u2013\u00a0check. Santa Maria in Aracoeli \u2013 check. Dritte Kirche: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Santa_Maria_Maggiore\">Santa Maria Maggiore<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_mariamaggiore.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_mariamaggiore\" width=\"380\" height=\"488\" class=\"alignnone size-full wp-image-13037\" \/><\/p>\n<p>Santa Maria Maggiore ist eine der vier Kirchen, die eine sogenannte Heilige T\u00fcr haben. Das hei\u00dft, eine T\u00fcr, die nur im Heiligen Jahr, das alle 25 Jahre stattfindet, ge\u00f6ffnet wird. (Je l\u00e4nger die Woche dauerte, desto mehr seltsame Geschichten von und \u00fcber und mit Katholik_innen habe ich geh\u00f6rt und mir irgendwann gedacht, ach, ich hab&#8217;s doch ganz gut bei den Evangelen, so mit ohne Firlefanz.) Das letzte Heilige Jahr war 2000, und zur Feier des Jahres haben alle vier Kirchen eine neue Heilige T\u00fcr gekriegt. Dass die dicke Bronzet\u00fcr in dieser Kirche neu ist, erkennt man nicht nur an der Inschrift bzw. \u00dcberschrift, die auf lateinisch verk\u00fcndet, wer diese T\u00fcr schon ge\u00f6ffnet und geschlossen hat, sondern auch an der bildnerischen Darstellung des Jesus&#8217;. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_heiligetuer1.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_heiligetuer1\" width=\"380\" height=\"578\" class=\"alignnone size-full wp-image-13034\" \/><\/p>\n<p>Denn der gute Mann hat nicht, wie in alten Darstellungen \u00fcblich, die Wundmale in der Hand, sondern im Handgelenk, weil wir inzwischen glauben, dass bei Kreuzigungen die N\u00e4gel durch die Gelenke geschlagen wurden. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_heiligetuer3.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_heiligetuer3\" width=\"380\" height=\"342\" class=\"alignnone size-full wp-image-13036\" \/><\/p>\n<p>Und wer bisher bei meinen Rom-Erz\u00e4hlungen mitgelesen hat, wei\u00df auch, was das hier ist:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_heiligetuer2.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_heiligetuer2\" width=\"380\" height=\"519\" class=\"alignnone size-full wp-image-13035\" \/><\/p>\n<p>Genau: ein Papstwappen. Wir erinnern uns? Die gekreuzten Schl\u00fcssel und die Mitra? Richtig. In diesem Fall geh\u00f6rt dazu noch ein M, das steht f\u00fcr Maria, und damit wissen wir, dass dieses Wappen Papst Johannes Paul II. geh\u00f6rt. Der hat im Jahre 2000 die T\u00fcr auch noch ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Die Kirche besteht aus gef\u00fchlt 17 Baustilen; das ist auch das Besondere an ihr, denn anstatt den alten Kram abzurei\u00dfen, hat man einfach jahrhundertelang \u00fcbereinander und nebeneinander rumgebaut. Das hei\u00dft, wir haben einen Turm, der nicht so recht zum Portal passt, und zwei seitliche Anbauten, die aussehen wie B\u00fcrogeb\u00e4ude, und irgendwo dahinten ist noch eine Kuppel, die in Mode kam, als der Petersdom erbaut wurde, und dann schwebt \u00fcber unseren K\u00f6pfen eine Kassettendecke, die vom Pantheon inspiriert wurde. Innen ist alles goldig und an den Betst\u00fchlen stehen verschiedene Sprachen, damit man als Tourist_in wei\u00df, in welchen man gehen muss, wenn man auf deutsch, englisch oder spanisch beichten m\u00f6chte. Netter Service. Ebenso netter Service: Laut des Reiseleiters ist Santa Maria Maggiore die einzige Kirche, in der seit Jahrhunderten jeden Tag eine Messe gelesen wird. (Ich habe mir leider nicht notiert, wann die Jungs damit angefangen haben.)<\/p>\n<p>Mein pers\u00f6nliches Highlight war das Grab von Bernini, das auf H\u00f6he des Hochaltars liegt, also einen richtig guten Platz hat. Ach, Gianninoschnuffel. Vor zwei Tagen wusste ich nicht mal, dass es dich gibt, und jetzt bin ich ein Groupie und verwackele aufgeregt deine Grabplatte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_berninigrab.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_berninigrab\" width=\"380\" height=\"468\" class=\"alignnone size-full wp-image-13033\" \/><\/p>\n<p>Circa zehn Fu\u00dfminuten entfernt liegt unser n\u00e4chstes Ziel: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Santa_Prassede\">Santa Prassede<\/a>. Bei der Wikipedia finden sich sehr h\u00fcbsche Fotos, die meine mal wieder locker \u00fcbertreffen, und da k\u00f6nnt ihr auch alles nachlesen, was wir m\u00fcndlich zu h\u00f6ren bekommen haben. Wobei ich geistig nur noch an Wurst gedacht habe, als der Reiseleiter meinte, die beiden Damen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Praxedis\">Praxedis<\/a> und Schwesterlein, denen die Kirche geweiht ist, h\u00e4tten in gro\u00dfen Kesseln das Blut christlicher M\u00e4rtyrer gesammelt.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich bitte mal die Wikibilder angucken m\u00f6chten? Da sieht man n\u00e4mlich prima die Kassettendecke und den Kosmatenfu\u00dfboden. Und vor allem ein Mosaik, das ich auch fotografiert habe \u2013<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_prassede.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_prassede\" width=\"380\" height=\"417\" class=\"alignnone size-full wp-image-13038\" \/><\/p>\n<p>\u2013,\u00a0weil mich daran <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Zenonkapelle_links_-_Episcopa_Teodora_-_Paschalis_I._Mutter.jpg&#038;filetimestamp=20050816182345\">dieses Detail <\/a>so fasziniert hat. Es zeigt statt des gewohnten runden Heiligenscheins einen eckigen, was bedeutet, dass die betreffende Person noch lebt.<\/p>\n<p>Nochmal zehn Fu\u00dfminuten weg und laut Reiseleiter eine total h\u00e4ssliche Kirche: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/San_Pietro_in_Vincoli\">San Pietro in Vincoli<\/a>. Sooo h\u00e4sslich fand ich sie nicht, aber nach den sch\u00f6nen Decken und Fu\u00dfb\u00f6den, die wir schon gesehen hatten, war sie relativ schlicht. Der Grund, weswegen wir sie trotzdem dringend angucken mussten, ist das Grabmal von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Julius_II.\">Papst Julius II<\/a>. Das ist der Kerl, der den Petersdom in Auftrag gegeben hat, also nicht unbedingt eine kleine Nummer. Und deswegen fragte er auch einen Bildhauer von gewissem Ruf, ihm ein Grabmal zu mei\u00dfeln, n\u00e4mlich den Herrn Michelangelo. Es ist bis heute nicht klar, wie genau das Grabmal h\u00e4tte aussehen sollen, aber man geht von haufenweise gro\u00dfen Statuen und Zeug aus. Bl\u00f6derweise starb der Papst, als Michel gerade eine einzige Figur komplett fertiggestellt hatte. Die Nachfolger wollten nicht so recht mit der Bezahlung rausr\u00fccken, weswegen Michel einen Gang runterschaltete und nicht mehr ganz so eifrig am Marmor rumkl\u00f6ppelte, was dazu f\u00fchrte, dass er 50 Jahre sp\u00e4ter starb und es weiterhin nur eine <a href=\"http:\/\/it.wikipedia.org\/wiki\/File:Michelangelo_Moses.jpg\">Figur<\/a> gab. Und die steht in der h\u00e4sslichen Kirche \u2013 inmitten eines noch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Datei:Rome-Basilique_San_Pietro_in_Vincoli-Moise_MichelAnge.jpg&#038;filetimestamp=20070811205417\">h\u00e4sslicheren Grabmals<\/a>.<\/p>\n<p>Der Moses von Michelangelo ist wieder eine der Figuren, vor der man stundenlang rumstehen k\u00f6nnte, so lebendig sieht sie aus. Und so f\u00fcchterlich w\u00fctend! Kein Wunder: Sie zeigt Moses direkt nach dem Abstieg vom Berg Sinai, wo er die zehn Gebote empfing, nur um nach den ganzen M\u00fchen am Fu\u00dfe des Berges zu sehen, wie wenig sich irgendwer f\u00fcr Regeln und Gebote interessierte. (Hat sich ja nicht gro\u00dfartig was ge\u00e4ndert.) Deswegen verzieht er seine Stirn, deswegen puckern seine Adern unter der Haut, und deswegen sieht er aus, als w\u00fcrde er sich gleich erheben und die ganze Menschheit mal so richtig zusammenfalten. <\/p>\n<p>Und \u00fcber diesem gleich explodierenden Moses liegt \u2013\u00a0liegt! \u2013 ein Papst wie eine Bikininixe beim <em>Sports-Illustrated<\/em>-Shooting und guckt gelangweilt in der Gegend rum. Neben und unter ihm warten noch vier weitere Marmormenschen auf den Bus, aber eigentlich ist alles egal. Das ganze Grabmal sieht so schr\u00e4g aus, als ob sich jemand einen riesigen Witz mit dem ollen Julius h\u00e4tte erlauben wollen.<\/p>\n<p>Nebenbei lief in der Kirche die ganze Zeit \u201eKuschelklassik f\u00fcr Kirchen\u201c \u00fcber Lautsprecher, H\u00e4ndel, Bach, you know. Schnell zum Mittagessen in Richtung Kolosseum gehen und den Frust \u00fcber das vergeigte Grabmahl mit dem <a href=\"http:\/\/www.flickr.com\/photos\/ankegroener\/5743701216\/\">belanglosesten Tomatensalat<\/a> aller Zeiten bek\u00e4mpfen. <\/p>\n<p>Ein kleiner Verdauungsspaziergang f\u00fchrte uns zur meiner Meinung nach spannendsten Kirche des Tages: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/San_Clemente_(Kirche_in_Rom)\">San Clemente<\/a>, denn sie ist quasi drei Geb\u00e4ude auf einmal. \u00dcber den Resten einer r\u00f6mischen M\u00fcnzpr\u00e4gestelle wurde im 4. Jahrhundert eine kleine Kirche gebaut, die irgendwann einst\u00fcrzte, worauf man auf ihren Resten um 1100 die n\u00e4chste Kirche baute \u2013\u00a0und die kann man heute noch sehen. Aber daf\u00fcr muss man erstmal einen guten Meter vom heutigen Stra\u00dfenniveau runtersteigen, um dann wieder drei Stufen hochzuklettern, denn eine Kirche liegt immer h\u00f6her als der Boden. <\/p>\n<p>In der Kirche findet sich noch das sogenannte Schola Cantorum, ein abgetrennter Bereich, zu dem nur die Kurie Zutritt hatte, und der sich mitten in der Kirche vor dem Altar befindet. In sp\u00e4terer Zeit wurde der Unterschied von Kirchenmenschen zum Rest der Welt dadurch symbolisiert, indem man den Altarraum h\u00f6her legte als die \u00fcbrige Kirche. <\/p>\n<p>Wir gehen jetzt allerdings nicht nach oben, sondern nach unten. Denn freundlicherweise sind durch Ausgrabungen sowohl die Kirche aus dem 4. Jahrhundert als auch die r\u00f6mische M\u00fcnzpr\u00e4gestelle zu besichtigen. Eine Treppe f\u00fchrt uns ungef\u00e4hr f\u00fcnf Meter unter die Oberfl\u00e4che, wo es riecht wie bei meiner Oma im Keller. Wir sehen die \u00fcblichen zusammengeklauten antiken S\u00e4ulen, sogar ein paar Wandmalereien sind noch zu erkennen, und vor allem eine Gedenktafel zu Ehren des <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kyrill_von_Saloniki\">Kyrill von Saloniki<\/a>, dem wir die kyrillische Schrift verdanken. Die Wandmalereien erz\u00e4hlen die Geschichte von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Clemens_I.\">Clemens I.<\/a>, dem die Kirche geweiht ist. Der Legende nach wurde er zum Tode verurteilt und mit einem Anker am K\u00f6rper im Schwarzen Meer versenkt. Deswegen ist neben dem Fisch und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christusmonogramm\">Christusmonogramm<\/a> auch der Anker ein Hinweis auf den christlichen Glauben.<\/p>\n<p>Direkt neben der Gedenktafel geht es nochmal ein paar Jahrhunderte runter. Diesmal wird es nicht nur noch etwas muffiger, sondern: Man h\u00f6rt Wasser. Wir k\u00f6nnen durch mehrere R\u00e4ume gehen, deren B\u00f6den teilweise mit einfachem St\u00e4bchenmuster verziert sind. Riesige Steinquader zeigen, welche W\u00e4nde Au\u00dfenmauern waren. Ein sehr schmaler Gang, ich sch\u00e4tze 50 Zentimeter breit, trennt zwei H\u00e4user voneinander, was ich mal wieder sehr anschaulich finde. So haben sich also Menschen vor 2000 Jahren gef\u00fchlt, wenn sie ihre Nachbarn besucht haben. Und immer noch h\u00f6rt man Wasser. In einem Raum k\u00f6nnen wir es schlie\u00dflich sehen: Durch ein kleines Fenster guckt man in eine Rinne, durch die schnell kristallklares Wasser flie\u00dft (leider zu weit weg, um die Hand reinzuhalten und zu kosten). Man wei\u00df nicht genau, woher die Leitung kommt und wo sie hinf\u00fchrt, aber sie k\u00f6nnte eine der Leitungen gewesen sein, die Nero anlegen lie\u00df. Ich finde mal wieder alles ganz gro\u00dfartig: Die Zeit, die hier sichtbar wird, die Antike, die ich anfassen kann.<\/p>\n<p>Wir klettern zwei Jahrtausende nach oben und werden in der Kirche von einer Pilgergruppe empfangen, die gerade singt. Die Zeit reicht leider nicht, um lange stehenzubleiben, denn wir haben ja NOCH EINE KIRCHE vor uns. In Rom stehen gesch\u00e4tzt 700 von den Dingern rum, und unser Reiseleiter meint, gerade in der Altstadt gibt es kaum eine Stelle, von der man keine Kirche sieht, ganz egal, wo man geht oder steht. Wir gehen. Unser Ziel: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lateranbasilika\">San Giovanni in Laterano<\/a>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_laterano.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_laterano\" width=\"380\" height=\"507\" class=\"alignnone size-full wp-image-13041\" \/><\/p>\n<p>Heilige T\u00fcr, Bischofskirche von Rom, riesengro\u00df, von innen viel Gold und der \u00fcblich h\u00fcbsche Fu\u00dfboden und: Die Kirche ist f\u00fcnfschiffig. Das kannte ich noch nicht. Au\u00dferdem habe ich noch einen weiteren Architekten bzw. Bildhauer kennengelernt: <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Borromini\">Francesco Borromini<\/a>. Weitaus mehr als die Kirche hat mich der Kreuzgang beeindruckt, der einfach wundersch\u00f6n und sommerlich-lauschig wie ein gemalter Italienurlaub aussah, vor allem, wenn man gerade aus der \u00fcblichen Marmorgoldmasse rauskam. Nichts gegen Marmor und Gold, aber allm\u00e4hlich hat&#8217;s gereicht. Wahrscheinlich gefiel mir San Clemente deswegen auch so gut, weil wir da das Marmorgold relativ schnell abhandelten und dann in die Antike kletterten. Nach der Lateransbasilika haben wir daf\u00fcr anderen beim Klettern zugesehen: Die katholische Kirche lie\u00df sich anscheinend ne Menge einfallen, um Leuten den Weg in den Himmel zu verk\u00fcrzen. Einer davon war: Steig die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Lateranbasilika#Die_Scala_Santa\">Heilige Treppe<\/a> auf Knien hinauf, und der Weg ist frei. Das machen viele Gl\u00e4ubige noch heute, und wir Touris gucken uns das an und achten auf die Taschendieb_innen im Gew\u00fchl rund um die Treppe.<\/p>\n<p>Abends stand ein Essen in einem kleinen <a href=\"http:\/\/www.santegidio.org\/index.php?pageID=1002&#038;idLng=1062\">Restaurant<\/a> auf dem Plan, das sich in Trastevere befindet, dem ehemaligen Arbeiterviertel von Rom. Heute sieht es aus, als w\u00fcrde an jeder Ecke ein Reiseprospekt geshootet \u2013 ich habe selten so viele rotkarierte Tischdecken, flackernde Kerzen und funkelnde Weingl\u00e4ser gesehen wie hier. Zudem steht an jeder Ecke eine kleine Kapelle, und die meisten machen sogar nette Musik. Mitten in Trastevere steht \u2013 wie kann es anders sein \u2013 noch eine Kirche, und obwohl unser Reiseleiter launig meinte, wir spazieren nur ein bisschen durchs Viertel und gehen dann essen, konnte er es nat\u00fcrlich nicht lassen, uns auch noch durch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Santa_Maria_in_Trastevere\">Santa Maria in Trastevere<\/a> zu scheuchen. Ich habe mir zu dieser Kirche nichts notiert, ich war hungrig und m\u00fcde und wollte irgendwo viel Wein trinken. Das taten wir im Restaurant dann auch: Zu meinen ersten \u2013\u00a0und garantiert nicht letzten \u2013 Spaghetti cacio e pepe und einem Saltimbocca (Gruppenbestellung, ich konnte es mir nicht aussuchen) genossen wir einen Rotwein und h\u00f6rten einem weiblichen Gemeindemitglied von <a href=\"http:\/\/www.santegidio.org\/\">Sant&#8217;Egidio<\/a> zu, das uns etwas \u00fcber die Gemeinschaft und das Restaurant erz\u00e4hlte. Darin arbeiten behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen. Au\u00dferdem erw\u00e4hnte sie, dass gleich ein Abendgebet stattfinden w\u00fcrde \u2013\u00a0in Santa Maria in Trastevere, ob wir die Kirche kennen w\u00fcrden? <\/p>\n<p>Nach einer kleinen Abstimmung zogen wir also geschlossen wieder dahin, wo wir vor einer Stunde hergekommen waren und, tolle Idee, holten uns Kopfh\u00f6rer und Funkis ab, denn der Gottesdienst wurde simultan \u00fcbersetzt. Ich wei\u00df nicht, in wieviele Sprachen, aber ich sch\u00e4tze, gut die H\u00e4lfte der Besucher_innen der recht gut gef\u00fcllten Kirche hatte Kopfh\u00f6rer auf. Als die ersten Ges\u00e4nge anfingen, schnappte ich mir ein Gesangsb\u00fcchlein und bl\u00e4tterte suchend umher \u2013 ich kann weder Italienisch noch kenne ich die katholische Liturgie, aber netterweise tippte mich jemand von hinten an, zeigte mir die richtige Stelle, und so konnte ich mitsingen. Gro\u00dfartig andere Texte als wir haben \u201edie anderen\u201c auch nicht; ich glaube jedenfalls, dass das da unten alles Heilige waren, die sich unser erbarmen sollen. Oder uns vergeben sollen, ich bin zu faul zum Googeln.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/rom3_gesangbuch.jpg\" alt=\"\" title=\"rom3_gesangbuch\" width=\"380\" height=\"509\" class=\"alignnone size-full wp-image-13042\" \/><\/p>\n<p>Die Lesung aus der Bibel war, ehrlich gesagt, ziemlich f\u00fcrchterlich in der \u00dcbersetzung, weil mir der getragene \u2013\u00a0oder zumindest bewusste \u2013\u00a0Tonfall des Priesters fehlte. Es klang recht hektisch und abgelesen, weswegen ich schnell den Kopfh\u00f6rer abnahm und einfach so zuh\u00f6rte, ohne irgendetwas zu verstehen. Die Predigt danach habe ich mir wieder \u00fcbersetzen lassen, aber mir haben die vielen gesungenen Einlagen am meisten bedeutet. Das war wieder einer der besonderen Momente; Einkehr, Dankbarkeit, Freude, Gemeinschaft \u2013 und ein halber Liter Rotwein im Kopf und drau\u00dfen das fr\u00fchlingshafte Rom. Ich meine: Rom! Wie soll man da nicht aus vollem Halse <a href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/ankegroener\/status\/70928805807669248\">singen<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittwoch, 18. Mai Oder wie ich ihn nenne: Kirchentag. Auf den Programm stehen satte f\u00fcnf Kirchen, nachdem wir gestern nach den kapitolinischen Museen schon in der zweiten nach dem Petersdom waren, genauer gesagt, in Santa Maria in Aracoeli. 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