{"id":11921,"date":"2011-01-31T08:33:58","date_gmt":"2011-01-31T06:33:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=11921"},"modified":"2011-01-31T08:33:58","modified_gmt":"2011-01-31T06:33:58","slug":"bucher-januar-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.ankegroener.de\/blog\/?p=11921","title":{"rendered":"B\u00fccher Januar 2011"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/razza\/..\/Bilder\/buecher11_januar.jpg\" alt=\"\" title=\"buecher11_januar\" width=\"380\" height=\"394\" class=\"alignnone size-full wp-image-12052\" \/><\/p>\n<p>Wir nennen es Recherche. Gr\u00f6\u00dftenteils.<\/p>\n<p><strong>Susie Orbach \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Bodies-Big-Ideas-Susie-Orbach\/dp\/1846680190\/\">Bodies<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Orbach beschreibt in <em>Bodies<\/em>, wie sich die Wahrnehmung unseres K\u00f6rpers ver\u00e4ndert hat. Er ist nicht mehr etwas, das produziert, herstellt, uns \u00fcberleben l\u00e4sst, sondern er ist eine Projektionsfl\u00e4che geworden: f\u00fcr \u00c4ngste, Tr\u00e4ume, Erwartungen. Wo wir fr\u00fcher hingenommen haben, wie wir aussehen, wird heute von uns erwartet, dass wir daran arbeiten. Da sind Schminken und Haaref\u00e4rben noch die harmloseren Spielarten. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen wir schlank sein anstatt anzunehmen, dass wir es eben nicht sind. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen Frauen gro\u00dfe Br\u00fcste und M\u00e4nner einen Waschbrettbauch haben anstatt dass wir die Vielfalt anerkennen, in der wir vorkommen. Der K\u00f6rper ist ein formbares Etwas, und die Menschen, die sich nicht um ihren K\u00f6rper k\u00fcmmern, werden als schwach, disziplinlos oder ewig gestrig angesehen. <em>Bodies<\/em> vermittelt manchmal ein paar Ideen, denen ich nicht folgen konnte (Erfahrungen von Orbach in ihrer Arbeit als Therapeutin), aber im Gro\u00dfen und Ganzen ist es ein lesbarer und leider deprimierender Abriss \u00fcber unsere heutige K\u00f6rperwahrnehmung.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Bodies-Big-Ideas-Susie-Orbach\/dp\/1846680190\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Courtney Martin \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Perfect-Girls-Starving-Daughters-Frightening\/dp\/0749928131\/\">Perfect Girls, Starving Daughters. The Frightening New Normality of Hating Your Body<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Langer Titel, beeindruckendes Buch. Die junge Verfasserin (beim Erscheinungstermin des Buches 2007 war sie 25) beobachtete in ihrer Umgebung eine fatale Entwicklung: Junge Frauen, die emanzipiert und mit dem Motto aufgewachsen waren \u201eDu kannst alles werden, was du willst\u201c, deuteten diesen wunderbaren Satz in puren Stress um: \u201eDu musst alles werden, was geht.\u201c Karriere machen, eine gute Mutter werden, eine perfekte Beziehung f\u00fchren, nat\u00fcrlich schlank sein, und dann soll alles auch noch so aussehen, als mache es keinerlei M\u00fche. <\/p>\n<p>Martin schreibt \u00fcber Freundinnen, Bekannte und wildfremde Frauen, die sich ihr f\u00fcr das Buch anvertraut haben, und \u00fcber deren gest\u00f6rtes Verh\u00e4ltnis zu ihren K\u00f6rpern und Ern\u00e4hrungsgewohnheiten. Vieles hat sicher jede von uns schon mal beobachtet: dass sich M\u00e4dchen und Frauen beim Essen zur\u00fcckhalten, wenn was M\u00e4nnliches anwesend ist (dar\u00fcber gibt es nat\u00fcrlich auch Studien, und die sagen zus\u00e4tzlich, dass M\u00e4nner sich nicht einschr\u00e4nken, wenn ihnen eine Frau gegen\u00fcbersitzt. Warum auch?). Dass es quasi zum Erwachsenwerden eines M\u00e4dchens geh\u00f6rt, irgendwann \u00fcber Di\u00e4ten zu reden und sie durchzuf\u00fchren. Dass es ebenfalls dazugeh\u00f6rt, sich \u00fcber \u00c4u\u00dferlichkeiten zu definieren oder sie zumindest mit den Freundinnen ewig durchzuquatschen. Dass es kaum eine Frau gibt, die sagt: \u201eJa, ich find mich okay so, wie ich bin\u201c, sondern dass es immer, immer, immer irgendwas gibt, das sie nicht an sich okay findet und dass das gerne etwas ist, das wirklich allen egal ist au\u00dfer dem eigenen, gest\u00f6rten Kopf. <\/p>\n<p><em>Perfect Girls<\/em> hat einen sch\u00f6nen, pers\u00f6nlichen Stil, der mir sehr gut gefallen hat, weil er die vielen Studien und E-Mail-Befragungen in nachvollziehbare Erlebnisse verpackt. Trotzdem macht die Lekt\u00fcre nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt keinen Spa\u00df, weil man sich die ganze Zeit fragt, was wir alles mit unserer Zeit, unserer Kraft und unseren Talenten anfangen k\u00f6nnten, wenn wir uns nicht den ganzen Tag damit besch\u00e4ftigen w\u00fcrden, wie dick oder d\u00fcnn unser Hintern gerade ist.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Perfect-Girls-Starving-Daughters-Frightening\/dp\/0749928131\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Gunther Hirschfelder \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Europ\u00e4ische-Esskultur-Geschichte-Ern\u00e4hrung-Steinzeit\/dp\/3593379376\/\">Europ\u00e4ische Esskultur. Eine Geschichte der Ern\u00e4hrung von der Steinzeit bis heute<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Kurzweiliger Abriss \u00fcber die Entwicklung unserer Ern\u00e4hrung. Die Jetztzeit kommt leider viel zu kurz, aber daf\u00fcr wei\u00df ich jetzt, was die alten R\u00f6mer so zu ihren Gelagen auftischten (Otternasen! Lerchenzungen! Ich scherze) und dass Frauen und T\u00f6chtern (nat\u00fcrlich, grmpf) in so gut wie jeder Zeit weniger Essen zugestanden wurde als M\u00e4nnern und S\u00f6hnen. Ich fand die Entwicklungen sehr gut dargestellt, auch wenn es mir manchmal etwas zu aufz\u00e4hlend war; das ist ja sch\u00f6n, dass wir irgendwann mehr Weizen als Hirse gegessen haben, aber dass mir in jedem Kapitel erz\u00e4hlt wird, was genau wir jetzt mehr zu futtern hatten als noch vor 100 Jahren, las sich irgendwann ein bisschen nervig. <\/p>\n<p>Mit hat allerdings die Beschreibung aus der Zeit der Industrialisierung sehr gut gefallen, weil dort sehr klar wurde, wo unsere seltsamen Essgewohnheiten von heute herkommen. Mit der Entfremdung von den Produktionsmitteln \u2013 wir sind eben nicht mehr alle Bauern und B\u00e4uerinnen, sondern haben eine Entwicklung von den Fabriken in die B\u00fcros von heute durchgemacht \u2013, sind wir darauf angewiesen, dass sich jemand anders um unsere Ern\u00e4hrung k\u00fcmmert. Ziemlich bl\u00f6d, dass wir das heute multinationalen Konzernen \u00fcberlassen, denen wir als gesunde, zufriedene Menschen sehr egal sind. Ziemlich gut, dass es heute wieder mehr M\u00e4rkte und Biol\u00e4dchen gibt, mit denen wir das trotzdem hinkriegen.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Europ\u00e4ische-Esskultur-Geschichte-Ern\u00e4hrung-Steinzeit\/dp\/3593379376\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Udo Pollmer \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/E\u00dft-endlich-normal-Udo-Pollmer\/dp\/3492047912\/\">Esst endlich normal!<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich mag ja die polemische Art von Herrn Pollmer. Das liest sich immer alles so herrlich entr\u00fcstet, wie er sich dar\u00fcber aufdotzt, auf was f\u00fcr einen populistischen Quatsch wir reinfallen und wie sehr wir jeder bl\u00f6den Zeitungsmeldung glauben, die uns sagt: ORANGEN HEILEN KREBS! ROTWEIN HEILT ASTHMA! FETT IST B\u00d6SE! NEE, DOCH NICHT, FETT IST IRGENDWIE OKAY! WARTE, ICH MACH LIEBER NOCH NE STUDIE, HOLD ON &#8230; <\/p>\n<p>Der Untertitel sagt eigentlich alles, was das Buch dann 200 Seiten lang schl\u00fcssig und gut lesbar belegt: Warum die Schlankheitsdiktatur die D\u00fcnnen dick und die Dicken krank macht. Pollmer schreibt \u00fcber den Irrsinn von BMI; die Zahlen, die uns vorgaukeln, wir w\u00fcrden alle morgen sterben, wenn wir nicht abnehmen und die Zahlen, die belegen, dass gerade \u201eDickenkrankheiten\u201c seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig sind; warum Di\u00e4ten nicht funktionieren und \u00fcber die Fetthysterie, die Schlanke zu besserwissenden Moralaposteln und Dicke zu menschgewordenen Schuldgef\u00fchlen macht.<\/p>\n<p>Und wie immer bei dieser Art B\u00fccher freue ich mich \u00fcber die Amazon-Rezensionen von entr\u00fcsteten D\u00fcnnen: \u201eHe, die Dicken wollen ja nur B\u00fccher haben, in denen drin steht, dass sie dick bleiben k\u00f6nnen.\u201c <\/p>\n<p>Exakt. Und wo ist jetzt dein Problem?<\/p>\n<p><strong>Bill Willingham\/Mark Buckingham\/Steve Leialoha &#8211; <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Fables-Animal-Farm-VOL-02\/dp\/140120077X\/\">Fables 2: Animal Farm<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Etwas brutaler als der <a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=6660\">erste Teil<\/a>, aber bei dem Titel ahnt man ja schon, dass das kein Kuschelcomic ist. <em>Fables<\/em> spielt weiterhin gekonnt mit der Idee, dass M\u00e4rchenfiguren unerkannt unter uns leben und zeitgleich ihre eigene Kultur pflegen (he, ich ahne, woher die Idee zu <em>True Blood<\/em> stammen k\u00f6nnte!). Diesmal schauen sich Schneewei\u00dfchen und Rosenrot eine verzauberte Farm vor der gro\u00dfen Stadt an, auf der die M\u00e4rchenfiguren leben, die aus optischen Gr\u00fcnden nicht unter Menschen sein k\u00f6nnen: die drei Schweinchen aus ihrem Pusteh\u00e4uschen, Riesen, Zwerge usw. Dass eben diese Wesen es ziemlich doof finden, so ausgegrenzt zu werden, und wie sie damit umgehen &#8230; nun ja. Titel eben. Sch\u00f6ne Fortsetzung; gleich mal den dritten Teil vorgemerkt.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Fables-Animal-Farm-VOL-02\/dp\/140120077X\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Simon Schwartz \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dr\u00fcben-Simon-Schwartz\/dp\/3939080373\/\">dr\u00fcben!<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Eltern von Simon Schwartz sind per Ausreiseantrag 1984 aus der DDR in die Bundesrepublik gekommen, als Schwartz gerade ein Jahr alt war. Sein Comic beschreibt den Alltag von seinen Eltern und Gro\u00dfeltern in der DDR. Spannend dabei: die verschiedenen Arten, mit dem System umzuhen oder dem Wunsch, es zu verlassen. Die Zeichnungen sind recht plakativ, emotional und einfach zug\u00e4nglich. Und das Thema sowieso immer interessant. Sch\u00f6nes Ding.<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.avant-verlag.de\/index.php?b=avant&#038;kat=i&#038;ID=95\">Leseprobe<\/a> beim avant-verlag)<\/p>\n<p><strong>Harvey Levenstein \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Paradox-Plenty-History-America-California\/dp\/0520234405\/\">Paradox of Plenty: A Social History of Eating in Modern America<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sehr ausf\u00fchrliches und sehr lesbares Buch \u00fcber die Essgewohnheiten unser amerikanischen Freund_innen von ca. 1900 bis 2000. Es geht nicht nur um die Entwicklung von Fertigfra\u00df versus die guten Kartoffeln aus Idaho, sondern auch um Hunger in vor allem schwarzen Gebieten, als der Rest der Nation immer satter wurde; die Einf\u00fchrung von Lebensmittelmarken, w\u00e4hrend die USA der weltgr\u00f6\u00dfte Lebensmittelproduzent der Welt waren (in den 50er Jahren); das ver\u00e4nderte Bewusstsein f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Industrie, das in Amerika Ende der 60er Jahre einsetzte, Vegetarismus, Feminismus, Jane-Fonda-Fitnessvideos, die zu einer Zeit entstanden, in der sie noch nicht zugab, an Bulimie zu leiden und es geht um noch viele Aspekte mehr, die sich um die soziale Funktion von Essen drehen. <\/p>\n<p>Mich hat besonders die Rolle der Frau interessiert, die sich ja immer noch eher mit Essen, Kochen, Einkaufen, dem Versorgen der Familie befasst als der m\u00e4nnliche Teil der Sch\u00f6pfung. Gerade beim Salonf\u00e4higwerden von <em>convenience food<\/em> wurde ihre Rolle so richtig sch\u00f6n krank. Den Frauen, die zu Kriegszeiten teilweise gearbeitet hatten und nun wieder am Herd stehen \u201edurften\u201c, wurde von den Medien eingeredet, wie kreativ und entspannend es doch sei, einen Haushalt zu f\u00fchren. Gleichzeitig warb die Lebensmittelindustrie f\u00fcr ihre Konserven und Fertiggerichte damit, wie sehr sie den gelangweilten und gestressten Hausfrauen die Arbeit erleichtern und ihnen die dr\u00f6ge Kocharbeit schon abn\u00e4hmen.<\/p>\n<p>Gerade das Verh\u00e4ltnis von Frauen zu Essen klingt immer wieder an und hat meine andere Januarlekt\u00fcre, <em>Perfect Girls<\/em>, sehr sch\u00f6n um Zahlen und Daten erg\u00e4nzt. <\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Paradox-Plenty-History-America-California\/dp\/0520234405\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Hans-Ulrich Grimm \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Die-Suppe-l\u00fcgt-sch\u00f6ne-Essens\/dp\/3426780763\/\">Die Suppe l\u00fcgt: Die sch\u00f6ne neue Welt des Essens<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Fakten, die Grimm \u00fcber Industrienahrung und wie sie unseren K\u00f6rper \u00fcberlistet, pr\u00e4sentiert, sind sicher alle richtig und spannend und supi, aber meine G\u00fcte! geht mir der Spiegel-Stil nach 50 Seiten auf die Nerven. Die einzelnen Kapitel wiederholen sich inhaltlich manchmal ein wenig, was ich ihm ja noch verzeihen w\u00fcrde, aber dass er selbst seine Lieblingsformulierungen st\u00e4ndig wiederholt, fand ich dann doch ein bisschen faul. Trotzdem nat\u00fcrlich lesenswert, zum Beispiel die lustige Sache, dass \u201enat\u00fcrliche Aromen\u201c so hei\u00dfen d\u00fcrfen, selbst wenn das Erdbeer-Aroma in einem Erdbeerjogurt von Bakterien stammt, die auf S\u00e4gesp\u00e4nen vorkommen, denn sowohl Bakterien als auch S\u00e4gesp\u00e4ne sind Naturprodukte \u2013 also darf das Aroma \u201enat\u00fcrlich\u201c hei\u00dfen. Oder dass in Deutschland satte 75% aller verzehrten Lebensmittel aus Industrieproduktion stammen. Oder dass es sogar k\u00fcnstliche Aromen f\u00fcr Tiere gibt: Damit wird das Futter unter anderem f\u00fcr die Massentierhaltung, das gr\u00f6\u00dftenteils aus billigem Schrott besteht, f\u00fcr die Schweine schmackhaft gemacht, damit sie eben billigen Schrott fressen. Und der landet dann irgendwann als Schnitzel bei uns auf dem Teller.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eBell Flavor &#038; Fragrances hat f\u00fcrs Pferd beispielsweise die Geschmacksrichtung \u201eHeu &#038; Kraut\u201c im Angebot, f\u00fcr Schweine sogar \u201eTr\u00fcffel\u201c. Die Katze kriegt, ganz ohne Jagd und M\u00fche, ein Aroma Marke \u201eMaus\u201c, und f\u00fcr H\u00fchner haben die Chemiker eine Komposition vom Typ \u201eRegenwurm\u201c zusammengestellt \u2013 eine besonders bewundernswerte Leistung der Labor-Mannschaft, vor allem hinsichtlich der sicher schwierigen Untersuchung, wie denn wohl das Original schmeckt. (&#8230;)<\/p>\n<p>Es ist indessen nicht nur das Mitgef\u00fchl zur Kreatur, das die Futterproduzenten zum Geschmackstopf greifen l\u00e4sst. Oft m\u00fcssen die Kunstaromen nur kaschieren, dass der Fabriklandwirt am Futter gespart hat. Ein Schwein, das Rindvieh, k\u00f6nnte die Nahrungsaufnahme verweigern. Doch Aromen im Futter k\u00f6nnen den \u201eanr\u00fcchigen Geschmack von billigsten Futterrationen effektiv maskieren\u201c, verk\u00fcndet der US-Produzent Agrimerica im Prospekt f\u00fcr seine Futteraromen. Auch Danisco wirbt mit diesem Effekt bei seinen FLAVODAN-Aromen: \u201eMaskiert unangenehme Zutaten\u201c und  erm\u00f6glicht so \u201emehr Flexibilit\u00e4t und verringerte Kosten bei Futter-Rezepturen\u201c. Das gilt selbstverst\u00e4ndlich, jedenfalls in der Werbung, nur f\u00fcrs Tierfutter.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Karen Duve \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Anst\u00e4ndig-essen-Selbstversuch-Karen-Duve\/dp\/3869710284\/\">Anst\u00e4ndig essen: ein Selbstversuch<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Duve \u00e4ndert \u00fcber ein Jahr hinweg ihre Lebensgewohnheiten: von der Fertigh\u00e4hnchenpfanne f\u00fcr wenig Geld aus der Supermarkt-Tiefk\u00fchltruhe \u00fcber  biologische Ern\u00e4hrung, vegetarische und vegane bis hin zur frutarischen Ern\u00e4hrungsweise. Das Buch l\u00e4sst uns quasi neben ihr hergehen und ihre Gedanken nachvollziehen. Liest sich alles wie ein langer Blogeintrag, was ich ja sehr gerne habe; sie m\u00e4andert halt manchmal rum, springt von einem Thema zum anderen, kehrt aber immer wieder zum roten Faden zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Bl\u00f6derweise ertappt man sich des \u00d6fteren, wie man ihr zuraunen m\u00f6chte, jetzt p\u00f6bel doch nicht so rum, um deine Umwelt davon zu \u00fcberzeugen, wie doof das ist, \u201eQualfleisch\u201c zu essen. (Das Wort \u00fcbernehme ich in meinen Wortschatz.) Denn Duve nimmt das ganze sehr ernst: Es liest sich nicht wie ein Buchprojekt, das sie nach einem Jahr beendet, um wieder zur H\u00e4hnchenpfanne zu greifen. Es setzt ein nachvollziehbares Umdenken ein, und im Laufe der Zeit versucht sie auch ihrer Umgebung ihre Lebensweise zu begr\u00fcnden, zumindest die vegetarische bzw. vegane (die frutarische l\u00f6st bei mir auch eher Kopfsch\u00fctteln aus). Dabei klingt sie aber leider wie PETA, denen ich ja auch dauern sagen m\u00f6chte, macht&#8217;s wie Foer und <em><a href=\"http:\/\/www.ankegroener.de\/?p=9854\">Eating Animals<\/a><\/em>, wedelt nicht so mit der \u201eFleischesser sind alles Arschl\u00f6cher\u201c-Keule rum, sondern \u00fcberzeugt mich. Redet mit mir nicht wie mit einem KZ-Aufseher. Den Tonfall hat Duve leider auch irgendwann unterschwellig drauf, und obwohl ich seit Monaten so gut wie kein Fleisch mehr esse, war ich zum Schluss des Buchs ein bisschen angenervt. <\/p>\n<p>Aber den inneren Kampf f\u00fchre ich seit Foer ja auch dauernd mit mir selbst: Wie sehr gehe ich anderen damit auf die Nerven, wenn ich beim gem\u00fctlichen Abendessen mal kurz \u00fcber Massentierhaltung rede? Oder mach ich das mit mir aus: Ich esse kein Fleisch mehr und ignoriere, dass der Rest der Welt es macht? Keine Ahnung.<\/p>\n<p><strong>John Irving \u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Cider-House-Rules-Black-Swan\/dp\/0552992046\/\">The Cider House Rules<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich habe erfreut festgestellt, dass ich Herrn Irving wieder lesen kann. Vor mindestens 20 Jahren habe ich in meiner zarten, beeinflussbaren Jugend in schneller Abfolge <em>Das Hotel New Hampshire<\/em>, <em>Garp<\/em> und <em>Eine Mittelgewichtsehe<\/em> gelesen und war danach vorerst bedient. An die <em>Mittelgewichtsehe<\/em> kann ich mich \u00fcberhaupt nicht erinnern; die anderen beiden mochte ich sehr, hatte aber relativ schnell genug von Wien und B\u00e4ren und seltsamen Familien. <em>The Cider House Rules<\/em> habe ich als Film schon sehr gut gefunden (Tobey! Michael!), und das Buch hat mir ebenfalls gefallen, auch wenn ich manchmal dachte, wieviele Storylines will der gute Mann denn noch anfangen. Theoretisch h\u00e4tte man aus dem W\u00e4lzer auch vier bis f\u00fcnf Taschenb\u00fccher stricken k\u00f6nnen. Der alte Arzt im Waisenhaus, der sowohl Geburten als auch Abtreibungen als Gottes Werk ansieht; sein Kronprinz Homer Wells, der lieber \u00c4pfel anbauen will als Uteri auszuschaben; das junge Paar, das f\u00fcr eine Abtreibung kommt und mit einem Freund und Liebhaber geht; Melony, die erste Liebe Homers, deren Lebensgeschichte alleine einen Film wert w\u00e4re. Und noch ein paar Menschen mehr, die einem so fies ans Herz wachsen, dass man unger\u00fchrt im Bus von der Arbeit rumheult, als einer von ihnen stirbt. Sch\u00f6nes Buch. Vielleicht sollte ich doch mal <em>Son of the Circus<\/em> und <em>A Widow for One Year<\/em> anfangen, die mir vor Ewigkeiten geschenkt wurden und unber\u00fchrt im Regal stehen?<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Cider-House-Rules-Black-Swan\/dp\/0552992046\/\">Leseprobe<\/a> bei amazon.de)<\/p>\n<p><strong>Daniel Hope\/Wolfgang Knauer\u2013 <em><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Wann-darf-ich-klatschen-Konzertg\u00e4nger\/dp\/3498006657\/\">Wann darf ich klatschen? Ein Wegweiser f\u00fcr Konzertg\u00e4nger<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Violinist Daniel Hope beschreibt in Zusammenarbeit mit Wolfgang Knauer den Ablauf eines klassischen Konzerts: Was passiert auf und hinter der B\u00fchne, was sollte dort besser nicht passieren, wie arbeitet man als Solist_in mit einem Orchester zusammen und wie erlebt man ein Konzert als Zuschauer_in. Das Buch ist gleichzeitig eine sehr knappe Einf\u00fchrung in die klassische Musik und ihre Stilrichtungen und beschreibt ein paar Dirigenten und ihre Marotten. Das ganze ist sehr kurzweilig geschrieben, und man merkt jeder Seite an, wie die Autoren gegen die unn\u00f6tige Schwellenangst von Klassik anschreiben, die nicht einsch\u00fcchtern soll, sondern eine Bereicherung f\u00fcr jede und jeden sein kann, ganz gleich wieviel Vorbildung man hat. Ein bisschen Vorbildung an musikalischen Begriffen braucht man f\u00fcr die folgende Anekdote, die ich sehr charmant finde:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eErfahrene Dirigenten sind die Spannungsmomente unmittelbar vor Beginn (des Konzerts) gew\u00f6hnt und lassen sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Abgesehen nat\u00fcrlich von extremen Ausnahmef\u00e4llen. Es ist schon vorgekommen, dass ein betagter Maestro von seinem Hotel abgeholt wurde und der Chauffeur den K\u00fcnstlereingang des Konzerthauses nicht gefunden hat. Dann bricht selbst bei dem abgebr\u00fchtesten Profi Panik aus. Denkbar auch, dass der Fahrstuhl zwischen Garderobe und B\u00fchnent\u00fcr pl\u00f6tzlich steckenbleibt. <\/p>\n<p>Aber zum Gl\u00fcck sind solche unvorhersehbaren Probleme selten. Wie es sein soll, hat der Dirigent seine Garderobe verlassen, streicht sich noch einmal \u00fcber die Haare, zupft an seiner Frackschleife und macht den obligatorischen Rei\u00dfverschluss-Check an der Hosenfront, unter Musikern \u201eGlissando\u201c genannt. Er ist so weit.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Wait, let me <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Glissando\">google this<\/a> for you. Und nat\u00fcrlich musste ich bei der Episode auch an meinen Gesangsunterricht denken, der in dem Theater stattgefunden hat, in dem <em>Der K\u00f6nig der L\u00f6wen<\/em> aufgef\u00fchrt wird. Ich bin immer mit dem Fahrstuhl in den 3. Stock gefahren, und dort hing ein Schild auf Deutsch und Englisch, dass bei Auff\u00fchrungen bittesch\u00f6n die Treppe zu benutzen sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir nennen es Recherche. Gr\u00f6\u00dftenteils. Susie Orbach \u2013 Bodies Orbach beschreibt in Bodies, wie sich die Wahrnehmung unseres K\u00f6rpers ver\u00e4ndert hat. Er ist nicht mehr etwas, das produziert, herstellt, uns \u00fcberleben l\u00e4sst, sondern er ist eine Projektionsfl\u00e4che geworden: f\u00fcr \u00c4ngste, Tr\u00e4ume, Erwartungen. 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