Klanghölzchen

Der Heliumkiffer hat mich erwischt:

1. Nenne einen Song, dessen Text dich ganz besonders berührt und begründe.

Das dürfte Billy Joels Got to begin again sein, das ich gerne vor mich hersinge, wenn der Tag scheiße ist und ich mir selber einreden will, nein, muss, dass der morgige besser wird. Ich hab noch ein paar andere Lieder, die ich alleine auf dem Klo vor mich hinsumme, um nicht heulen zu müssen, aber diesen Song singe ich am häufigsten.

„Well, it’s been quite a while since I lifted my head
And I’m sure the light will hurt my eyes
I see the way that I’ve been spendin’ my days
And reality has caught my by surprise

I was dreamin’ of tomorrow, so I sacrificed today,
And it sure was a grand waste of time
And despite all the truth that’s been thrown in my face
I just can’t get you out of my mind

But I’ve got to begin again
Though I don’t know how to start
Yes, I’ve got to begin again, and it’s hard“

2. Nenne einen Song, dessen Musik dich ganz besonders berührt und begründe.

Das ist jeder, der gerade bei mir auf Heavy Rotation läuft. Also jeden Tag ein anderer. Allerdings gibt es Lieder, die ich seit 20 Jahren mit mir rumschleppe, weil sie eben die ersten waren, die mir wichtig waren. Das sind natürlich fiese 80er-Jahre-Heuler von Duran Duran und Nik Kershaw, von denen ich heute noch jede Zeile mitsingen kann. Rio von Duran Duran z.B. kann ich heute noch komplett durchhören, ohne sie doof zu finden. Und ich muss auch leider sagen, dass meine grafischen Vorlieben sich bis heute an diesem Cover orientieren.

3. Welchen Song hättest du gerne geschrieben und warum?

Yesterday. Oder White Christmas. Oder Happy Birthday. Tantiemen einsacken und sich zur Ruhe setzen.

4. Nenne fünf Songs für dein Lebens-Best-of.

Se a vida é von den Pet Shop Boys. Lief in der Lufthansa-Musikberieselung auf Dauerloop, als ich das erste Mal aus den USA zurückkam. (Prä-iPod-Ära, kein Walkman dabei.) Seitdem verbinde ich dieses Lied mit Karl.

Losing my religion von REM. Haben wir eine Zeitlang jeden Abend im Kino gehört, wenn wir während der letzten Vorstellung die Abrechnung gemacht haben. Draußen war es längst dunkel, wir waren nur noch zu zweit, alles war ruhig, alles lief … Zigarette, Füße aufs Geländer der Treppe, die nach unten in den größten Saal führte, Bierchen und den Radiorecorder an.

Feierabend von Peter Alexander. War der Rausschmeißer in der Kneipe, in der ich so um die drei Jahre gekellnert habe. Wir hatten als einer der wenigen Läden in Hannover jeden Tag bis fünf Uhr morgens auf, und spätestens ab 4.30 Uhr musste man etwas rabiater werden, um die letzten Leute vor die Tür zu kehren. Ab zehn vor 5 lief Feierabend in voller Lautstärke.

Siegfried von Richard Wagner. Meine erste Oper. Hab ich mit zehn Jahren in Hannover gesehen, zusammen mit meiner Mutter. Mein Vater hatte sich wohlweislich zurückgehalten, und meine Schwester wollte auch nicht mit. Ich fand’s dagegen toll und hab mich sehr wichtig gefühlt mit meinem schwarzen Samtrock und der weißen Rüschenbluse. Meine Mutter hat mir einen Opernführer geschenkt und das Reclamheft mit dem Libretto. Und nach der Oper sind wir noch ins Mövenpick gegangen, um ein Rieseneis zu essen. Das ist dann auch unsere Operntradition geworden: erst zu Wagner, dann was auf die Hüften.

Weißt du, wieviel Sternlein stehen von Wilhelm Hey (wusste ich bis gestern auch noch nicht, von wem dieses Lied eigentlich ist). Meine Mutter hat meiner Schwester und mir immer ein Gute-Nacht-Lied vorgesungen. Ich hatte die Sternlein, und meine Schwester Der Mond ist aufgegangen.

5. Und zum Schluss: Welche Platte beschützt du wie deinen Augapfel?

Ehrlich gesagt habe ich zu meinen Platten und CDs ein eher pragmatisches Verhältnis. Damals, als ich sie gekauft habe, waren sie wahnsinnig wichtig, aber inzwischen schleppe ich sie nur noch von Wohnung zu Wohnung und stelle sie ungeordnet (ja, wirklich! Ich! UNGEORDNET! … Na gut, Soundtracks und Klassik stehen etwas abseits) ins Regal, weil ich sie kaum noch höre. Die Schallplatten überhaupt nicht mehr, obwohl ich auch meinen Plattenspieler noch von Wohnung zu Wohnung schleppe. Die einzige Scheibe, auf die ich etwas mehr aufpasse, ist Those lazy hazy crazy days of summer von Nat King Cole, weil die meinem Vater gehört hat. Und weil das Cover so schön altmodisch ist, dass ich die Platte eine Zeitlang an der Wand hängen gehabt habe, zusammen mit der Cupid & Psyche von Scritti Politti, weil’s farblich so gut passte.