Links vom 22. September 2013

How to recognize the artists of paintings

Ihr könnt jetzt wirklich aufhören, mir diesen Link zu schicken, ich kenne ihn und ich habe ihn auch selbst schon vor einer Woche vertwittert, aber ich freue mich natürlich, dass ihr an mich denkt. Ich habe allerdings kurz beim Zwitschern gezögert, denn natürlich ist er Blödsinn. Mir sind schon beim ersten Durchlesen für jeden Maler Gegenbeispiele eingefallen, wie ich erstaunt und erfreut feststellen durfte. Über einige Beschreibungen habe ich mich auch geärgert: So sehe ich bei Rubens im Beispielbild keine „enormous asses“, obwohl er durchaus in anderen Bildern welche gemalt hat. Da war er aber nicht der einzige. Wobei ich natürlich auch zugeben muss: Wenn mehrere nackte, fülligere (nein, nicht dicke) Menschen im Bild zu sehen sind, könnte das durchaus Rubens sein.

Auch die Beschreibung für Caravaggio fand ich eher meh, weil die Beschreibung „If all the men look like cow-eyed curly-haired women“ etwas grenzwertig klingt. So als ob es eine Schande für Männer sei, wie eine Frau auszusehen. Aber das mag eine Überinterpretation sein. Überhaupt Frauen: Der Satz bei Michelangelo „If everyone is beautiful, naked, and stacked, it’s Michelangelo“ trifft eher auf seine Kerle zu und auch längst nicht auf alle. In meinen Augen sehen die Frauen bei Michelangelo vom Körperbau sehr oft wie Männer aus, die haben genauso breite Schultern wie sie und selten eine Taille. Man könnte ihnen fast einen enormous ass unterstellen. Der Satz bei van Eyck ist natürlich ebenfalls Quatsch, obwohl ich zugeben muss, dass Herr Arnolfini schon sehr wie Putin aussieht. Seine Gattin allerdings nicht, und auch sonst kenne ich (noch) kein Bild von ihm, auf das diese Beschreibung zutrifft.

Ich fand die Gegenüberstellung von Bruegel und Bosch aber ziemlich clever und habe sehr über Boucher gelacht. An Boucher haben wir in der Vorlesung die Malerei vor und nach der französischen Revolution gelernt. Als Gedankenstütze – die natürlich ähnlich verallgemeinernd ist wie die oben verlinkte Liste – sahen wir Bouchers Madame Pompadour von 1756 sowie Jacques Louis Davids Comtesse de Sorcy von 1790 (hängen praktischerweise beide in der Alten Pinakothek). An den beiden Bildern kann man wunderbar die Unterschiede zwischen den letzten Werken der adligen Dekadenz und der neu gewonnenen Schlichtheit sehen, von Kleidung über Haartracht bis zum Hintergrund. Von David kennt ihr übrigens garantiert ein anderes Bild, nämlich den Tod des Marat. (Und wenn nicht, solltet ihr es kennen. Tut ihr ja jetzt, ha. Bildungsauftrag für heute erfüllt.)

PS: Was die Wikipedia zur Arnolfini-Hochzeit schreibt – und sie folgt, wenn ich das richtig überfliege, der Deutung von Erwin Panofsky (1934) –, wird in der heutigen Kunstgeschichte übrigens immer noch diskutiert. Ein Blogeintrag zum Thema verweist auf dieses Paper und die kurze Interpretation der National Gallery, in der das Bild hängt.

How Chris McCandless died

Das Buch Into the Wild hat mich lange beschäftigt, daher fand ich diesen Artikel von Jon Krakauer, der auch das Buch geschrieben hat, sehr spannend. Es handelt sich um eine weitere Theorie zum Tod von McCandless.

„The debate over why McCandless perished, and the related question of whether he is worthy of admiration, has been smoldering, and occasionally flaring, for more than two decades now. But last December, a writer named Ronald Hamilton posted a paper on the Internet that brings fascinating new facts to the discussion. Hamilton, it turns out, has discovered hitherto unknown evidence that appears to close the book on the cause of McCandless’s death.“

Ein Mann mit Vergangenheit

Aus dem SZ-Magazin. Ein Enkel entdeckt, dass hinter der angeblich lieblosen Ehe und seinem übellaunigen Großvater mehr steckt als er dachte:

„Der Anwalt Görings hatte unserem Opa im Februar 1946 geschrieben, um bei ihm zu erfragen, ob Auschwitz denn wirklich so schlimm gewesen sei, er sei doch Häftling gewesen, und ob das gesamte deutsche Volk mitschuldig sei. Er wollte das wissen, um Görings Verteidigung vorbereiten zu können. Opa habe Otto Stahmer ausführlich geantwortet, erzählt der Enkel, und zwar dass Auschwitz noch viel schlimmer gewesen sei, als man sich vorstellen könne. Am Ende des Briefes an den Verteidiger berichtet er auch von einer Frau, die aus Liebe sogar ihr Leben für ihn riskiert habe: meine Oma.

Opa ein Held und Oma die große Liebe seines Lebens? Sprechen wir von den gleichen Personen?“

Allison Janney: What I’ve Learned

Ein etwas älteres Interview mit einer meiner liebsten Schauspielerinnen, über das ich gestern gestolpert bin.

Brad Whitford said the funniest thing about being directed. When somebody gives him direction, the first thing he thinks is Fuck you! The second thing is I suck! And the third is How can I do it better? What can I do to please you?

I do the best I can. Everything else is everybody else’s problem.“

Wiesn-Wirtschaft – Das Oktoberfest als Wirtschaftsfaktor

Gestern wurde das Oktoberfest eröffnet und ich war den ganzen Tag sehr wehmütig, was mich selbst in seiner Heftigkeit überrascht hat. Ich frühstückte dementsprechend und lungerte in meinem eigenen Flickr-Stream länger rum, als mir gut tat (eins, zwei, drei), aber immerhin konnte ich auf Twitter eins der Vorurteile widerlegen, das zum Fest gehört: dass es nur noch eine Veranstaltung für ausländische Gäste sei:

„Das Oktoberfest ist nach wie vor ein „bayerisches“ Fest: Die überwiegende Mehrheit der Oktoberfestbesucher kommt mit 72 Prozent aus Bayern, davon 60 Prozentpunkte aus München direkt und 12 Prozentpunkte aus dem übrigen Bayern. Neun Prozent der Wiesn-Gäste reisen aus den übrigen deutschen Bundesländern an. Die restlichen 19 Prozent der Festgäste kommen aus dem Ausland.“

Was mir in meinem Flickr-Stream auch aufgefallen ist: Meine Immatrikulation ist jetzt fast genau ein Jahr her. What a difference a year makes.