Was schön war, Donnerstag, 11. Februar 2016

Zuhause geblieben, gute Aufsätze bei der Literatursuche gefunden, eher im Kopf als am Rechner gearbeitet, mehrere Folgen Star Trek TNG geguckt und genossen (ich habe das so lange nicht geschaut, dass ich teilweise wirklich die Pointen der Folgen vergessen habe), abends Kuschelbesuch gehabt, der auch noch Pralinen mitbrachte. Was will man mehr.

Was schön war, Mittwoch, 10. Februar 2016

Lesen.

Die Fragestellung zu meiner Vogelnest-Hausarbeit hält einer Überprüfung stand; die Gliederung für die Arbeit ist fertig und will befüllt werden. Gestern verbrachte ich daher viel konzentrierte Zeit im Zentralinstitut für Kunstgeschichte und las über ikonische Bauwerke des 20. Jahrhunderts und geplante des 21., ich besah mir Museen und Stadien und las Positives und Kritisches zur Stadtentwicklung.

Ein Zitat, das ich schon für das Referat fand, stammt aus der Financial Times und ist online nicht mehr abrufbar. Wie gut, dass ich gleich ein pdf von der Seite gemacht habe:

„The same sophistication has been shown with the selection of the less theoretical but equally radical Swiss architects Herzog & de Meuron for the 100,000-seater Olympic Stadium. The outrageously complex structure is a shell built up from a spaghetti of steel members, among which no two are at the same angle. The stadium arose from a collaboration with Chinese artist Ai Weiwei, an important figure in Chinese culture. The structural web is said to have been partly inspired by the crackle-glaze of ancient ceramics. The artist recently disassociated himself from the project, apparently because he had become concerned that the stadium was being used as propaganda by the state. What had he thought? That they’d keep it quiet?

Despite his concerns, it is an astonishing object, sparkling above its dusty site like a tangle of beautiful jewellery, the gem of the arena itself visible in a shock of red through the structure. It is the most elegant and architecturally ambitious Olympic building since Frei Otto’s tensile stadium in Munich in 1972. Whereas most host cities, including London, settle for the dull competence of stadium specialists, Beijing has commissioned the world’s most enigmatic and unpredictable architects.“

Heathcote, Edwin: „Modernism minus Utopia“, in: Financial Times Weekend, 29.12.2007. S. 17.

Zur Sportstätte in der Stadt:

„In der fünften Generation, und damit im 21. Jahrhundert, definiert sich die Sportstätte als identitätsstiftende bauliche Ikone im urbanen Gefüge mit sehr starkem Wiedererkennungswert. Stadien entwickeln sich, wie vormals Kirchen, Museen, Opernhäuser, Bahnhöfe oder Flughäfen, zu kulturellen und marktwirtschaftlichen Erkennungsmerkmalen von Städten.“

Brensing, Christian: „Neuere Tendenzen im internationalen Sportstättenbau“, in: Architekturmuseum der TU München (Hrsg.): Architektur + Sport. Vom antiken Stadion zur modernen Arena, Wolfratshausen 2006, S. 201–213, hier S. 205)

Das Zitat geht weiter mit der ausgelassenen Chance zur Regeneration ganzer Stadtviertel zur Fußball-WM 1990 Italien und stellt ihr die Erfolgsgeschichte von städtischen Baseball-Parks in den USA gegenüber. Das habe ich mir aber nicht mehr Wort für Wort notiert.

Gestern ergänzte ich diese Jubelarien mit einer kritischen Betrachtung:

„Heute setzt Branding-Architektur nicht mehr auf die Erweiterung von Strategien der Stadtplanung. Sie zielt vielmehr darauf, Stadt und Planung tendenziell zu ersetzen. Der Umschwung ereignete sich irgendwann Ende der 1990er Jahre, als das neueste Instrument dieser Architekturpolitik entwickelt wurde: Es sind die faszinogenen Großbauten der Sportarenen von München bis Peking, die zu gewaltigen Kollektoren des Versammlungserlebens geworden sind und musealen, event-kulturellen und konsum-kommerziellen Zwecken dienen. [Das sehe ich nicht so, dass Sportstätten für Kultur genutzt werden – jedenfalls nicht in einem nennenswerten Rahmen, der zeitlich der sportlichen Nutzung entspricht.] Diese Branding-Architektur brennt nicht mehr heterotopische Löcher in die Textur der Stadt; sie schafft keine Gegen-Räume mehr, die Energie und Vitalität freisetzen. Vielmehr generiert sie Fremd-Orte, die mit ihrem exzessiven Objektcharakter zunehmend Stadtsurrogate sind und alle äußeren Impulse und Umwelteinflüsse in sich aufsaugen. Es ist kein Wunder, dass Wolf D. Prix von Coop Himmelb(l)au seine gargantuesken Entwürfe mit der Entwicklungsdynamik moderner Metropolen rechtfertigt, die sich seiner Meinung nach mit konvenitonellen Stadtplanungskonzepten nicht mehr steuern lassen.“

Mönninger, Michael: „Architektur, Kultur, Stadtpolitik: Über das Verhältnis von Brandstiftung und Branding, Terrorismus und Tourismus“, in: Wang, Wilfried (Hrsg.): Kultur:Stadt, Berlin 2013, S. 55–57, hier S. 56.

Ich lese dann mal weiter wild in der Gegend rum, bis in wenigen Tagen der Punkt kommt, an dem ich so viel Zeug im Kopf habe, dass es aufs Papier will.

Lernen.

Mikki Kendall schreibt in Hot Sauce in Her Bag: Southern Black identity, Beyoncé, Jim Crow, and the pleasure of well-seasoned food über Formation, in dem Beyoncé die scharfe Sauce erwähnt, die sie immer bei sich trägt:

„But there’s another, much uglier reason that carrying your own condiments became a major part of Black American culture. While Jim Crow laws, extensively documented in print and historical record, are fairly well known, less well known are the unspoken etiquette rules for Black people, largely forgotten by anyone who didn’t have to live under them.

During Jim Crow, Black people could pick up food at establishments that served white people, but they often could not eat in them. When custom demanded that Black people be served separately from whites, they were often required to have their own utensils, serving dishes, and condiments. So it was customary for Black families who were traveling to carry everything they might possibly need so that (with the help of the Green Book, the guide that helped Black travelers eat, sleep, and move as safely as possible) they could navigate America in relative comfort.“

Was schön war, Dienstag, 9. Februar 2016

Auf der Suche nach einer Frage.

Den ganzen Tag am Schreibtisch verbracht und Literatur gesucht – nicht, weil ich noch mehr zum Nationalstadion wissen will, danke, ich bin versorgt, sondern weil ich immer noch keine wissenschaftliche Fragestellung hatte. Beim Referat konnte ich mich an einem Zitat eines Kulturhistorikers abarbeiten, aber für die Hausarbeit war mir das zu wenig. Daher las ich wild in der Gegend rum und dachte zum Beispiel über chinesische Architektur nach 2008 nach, über die Funktionen von Stadien an sich, die über Sport hinausgehen, und über die Stadt als soziales Gefüge, zu der heute anscheinend eine oder mehrere große Sportstätten gehören. Dabei stieß ich auf diese Seite von 2005, die aber anscheinend danach noch aktualisiert wurde. Dort fand ich diese Präsentation zur Allianz-Arena, und seitdem weiß ich, dass die Treppen, über die ich jedesmal meckere, wenn ich sie in den Oberrang erklimmen muss, Kaskadentreppen heißen. Ich weiß jetzt außerdem, dass die Esplanade an eine Heidelandschaft erinnern soll (watt hamwa jelacht) und dass das FCB-Logo in Pantone- und das 1860-Logo in HKS-Farben angelegt ist. Und nachdem ich hier und dort und da und da drüben rumgelesen hatte, stand am Abend eine Frage in meiner Stoffsammlung, die ich heute auf ihre Tragfähigkeit überprüfen werde.

Festessen.

Ich verspeiste die Reste meines eindeutig zu groß dimensionierten Tunfischsteaks vom Montag, indem ich sie zu einem Pseudo-Salat-Nicoise verarbeitete (keine Bohnen und keine Oliven im Haus gehabt). Das verlinkte Rezept von der Kaltmamsell kann ich gnadenlos weiterempfehlen; das Dressing habe ich allerdings ein wenig verändert, das bestand bei mir neben den angegebenen Komponenten nur aus dem Saft einer halben Zitrone und Olivenöl aus dem Handgelenk aka „Abschmecken, bis es nicht mehr zu sauer ist“.

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Ja, ich nehme das neuerdings sehr ernst mit dem Goldrandgeschirr und dem Silberbesteck. Und wer hätte es gedacht: Es freut mich jedesmal, damit zu essen.

Transformation Tuesday.

Ein schöner Blogeintrag von Dances with Fat über ihre veränderte Körperwahrnehmung, nachdem sie allen Diäten abgeschworen hat. Den Eintrag hätte ich nach meinen Erfahrungen mit Körperakzeptanz Wort für Wort genau so verfassen können. Nur auf Deutsch.

„My life transformed when I realized that there’s no such thing as “before” and “after,” pictures, just “during” pictures. My life transformed when I realized that being thin probably isn’t possible for me and, even if it was, it was not a goal worthy of my time, energy, or money. My relationships with my body, food, and movement transformed when I realized that health isn’t an obligation, barometer of worthiness, or guaranteed under any circumstances, and that my best chance of supporting my health was healthy habits and not body size manipulation. Those relationships transformed again when I started appreciating all the things my body does for me rather than being mad that it didn’t look like a photoshopped picture of someone else. Those relationships transformed again when I realized that my beauty isn’t diminished because some people can’t see it. Those relationships keep getting better because they are now based on truth, and respect, and joy instead of on diet industry lies, self-loathing and desperation. By leaving behind a diet mentality and sizeist beliefs, I transformed my life not just on Tuesday, but every day.“

Tagebuch, Montag, 8. Februar 2016 – Falling into place

In den letzten Wochen hat sich bei mir innerlich einiges gefestigt, was 2015 in der Schwebe war: meine Beziehungen, mein Wohnort, meine Studiensituation. Gefühlt habe ich das vergangene Jahr damit verbracht, meinen Status quo wiederzufinden, von dem ich nicht genau wusste, wo er eigentlich sein soll. Aber so allmählich fallen alle Einzelteile dort hin, wo sie sich richtig anfühlen, und ich hoffe, das bleibt so.

Studiensituation

Das erwähnte ich in meinem traditionellen Semesterabschlusseintrag bereits: Die Entscheidung für den Master war richtig, der diffuse Wunsch nach einer anschließenden Promotion ist keiner mehr, sondern ein festes Vorhaben. Ich habe mir einen kleinen Plan gebastelt, wie meine nächsten Wochen und Monate aussehen könnten und versuche jetzt, ihn umzusetzen. Die Kiefer-Arbeit war ein grandioser Motivationsschub, der zu keinem besseren Zeitpunkt hätte kommen können.

Wohnort

Anfang April werde ich noch ein paar Kisten in Hamburg packen, um meine restliche Habe zu meinen Eltern fahren zu lassen. Dann gebe ich dem Kerl die Schlüssel, die ich noch habe, und mache dort ein letztes Mal die Tür hinter mir zu. Mein Abschied vom Lebensgefährten, der Stadt, in der ich 15 Jahre gewohnt habe und dem Leben, das dort stattfand, hat ein Jahr gedauert, aber jetzt fühlt es sich bereits wie Vergangenheit an. Es sind nur noch die wenigen Kartons, die zum endgültigen Good-bye fehlen, und ich habe keine Angst mehr davor, sondern bin im Gegenteil froh darüber, wenn das Thema durch ist.

Vor einigen Tagen trat ich aus meiner Münchner Wohnung auf die Straße, merkte, wie warm es plötzlich geworden war – und musste unwillkürlich vorfreudig lächeln. Sommer war für mich jahrzehntelang eine sehr überflüssige Jahreszeit, aber seit zwei Jahren habe ich mich mit ihr arrangiert. Frühling und Sommer in München sind wunderschön; die angeblich nördlichste Stadt Italiens fühlt sich dann wirklich so an. Ich freue mich schon auf das Radeln in der lauwarmen Luft, wenn ich nachts von Freunden komme, ich freue mich auf F.s Balkon, auf dem Wein besser schmeckt als irgendwo anders, den Balkon des ehemaligen Mitbewohners, von dem ich so gerne in den Altbau gegenüber gucke, ich freue mich auf die lange Dämmerung und das Licht unter den Kastanien im Biergarten. Ich freue mich darüber, eine Stadt gefunden zu haben, in der ich freiwillig draußen sein will. Also „draußen“ innerhalb meiner Maßstäbe – ich werde nie jemand werden, die gerne 15 Stunden in der Sonne rumlungert, aber ich habe festgestellt, dass ich in den letzten beiden Jahren, seit ich wieder Fahrrad fahre, gerade im Sommer öfter einen Umweg fahre, einfach weil es so schön ist, durchs sommerliche München zu radeln.

Auch meine Wohnung fühlt sich inzwischen richtig an. Ich habe monatelang hin- und hergeräumt, Dinge ausprobiert und viel weggeschmissen, aber jetzt ist es keine Verlegenheitslösung mehr, nach der es sich direkt nach dem Umzug angefühlt hat, sondern mein Zuhause. Die Lieblingsmesser liegen griffbereit, das schöne Geschirr steht neuerdings offen im Regal und nicht mehr im Umzugskarton in der Abstellkammer, ich habe Tischwäsche, Blumenvasen und Kerzenhalter. Ich wohne hier, und jetzt sieht man das auch.

Beziehungen

F. und ich hatten uns Ende letzten Jahres getrennt, weil ich nicht mit uns klargekommen bin. Ich war im Kopf noch mit dem Kerl, dem Umzug und dem Studium beschäftigt und da war alles andere schlicht zu viel für mich. Die Zeit der Trennung war richtig und wichtig und sie hat dafür gesorgt, dass wir uns wieder näherkommen konnten, dieses Mal unter anderen Vorzeichen.

Wenn man über ein Jahrzehnt in einer Beziehung lebt, hinterfragt man ihre Mechanismen irgendwann gar nicht mehr. Ich jedenfalls nicht. Ich hatte mich irgendwann in irgendwas eingerichtet und das war halt so. Die letzten Veränderungsversuche endeten damit, dass der Kerl sich und ich mich weiterentwickelte, aber nicht wir gemeinsam, und schlussendlich führten sie zur Trennung.

Als ich mit F. zusammenkam, nutzte ich die gleichen Mechanismen, die ich aus meiner alten Beziehung kannte, ohne darüber nachzudenken, dass ich einen anderen Mann vor mir habe, der ganz eventuell einen anderen Umgang erwartet und anbietet. Im Prinzip war das der Trennungsgrund: Ich habe versucht, eine neue Beziehung so aussehen zu lassen wie die alte, was natürlich Quatsch ist, weil die alte ja nicht mehr funktioniert hat. Das ist mir aber erst während der Trennung klar geworden und F. auch. Seitdem tänzelten wir ein bisschen umeinander rum, waren erst wieder gute Freunde, dann welche mit Benefits und jetzt gerade haben wir einen zweiten Versuch als Paar gestartet. Wir wissen beide noch nicht genau, wie das laufen wird, aber wir wissen jetzt, dass wir am Zusammensein rumdengeln können, Dinge ausprobieren können, nicht alles nach Plan machen müssen. (Bitte stellen Sie sich hier vor, wie ich in eine Papiertüte atme.)

Kurz gesagt: Im Moment sind alle meine Spielfiguren da, wo ich sie haben will. Game on, baby.

Was schön war, Samstag/Sonntag,
6./7. Februar 2016

Spontan Fruchtaufstrich produzieren.

Es gibt nichts Besseres als Lemon Curd, fertig.

Beim Fußball einschlafen.

Das Nachmittagsschläfchen ist selten entspannender als bei der Sky-Konferenz.

Beim Fußball begeistert sein.

0:0, scheiß drauf, war ein spannenderes Spiel als die ganzen ollen 6:0-Siege. #levfcb

Frühstück vorbeigebracht bekommen.

Croissants schmecken am besten, wenn man dafür nicht aus dem Haus gehen muss. (Und wenn man frischen Lemon Curd da hat.)

Insidersätze bloggen.

„7.2. The day things fell into place.“

„Und, Anke, wie war so dein siebtes Semester?“

(Erstes, zweites, drittes, viertes, fünftes, sechstes Semester.)

Eigentlich ist das hier nicht mein siebtes, sondern mein erstes Semester. Auf meinen MA-Studiausweis steht die 1, nicht die 7. Aber gut.

Ich habe gelernt, dass MA-Kurse ein anderes Diskussionsniveau haben als BA-Kurse. Das mag in meinen beiden Seminaren Zufall gewesen sein, aber ich hatte schon das Gefühl – gerade im Ost-West-Dialoge-Seminar –, dass man sich hier eher traute, was zu sagen. Man hat eben schon sechs Semester hinter sich, irgendwas bleibt da bei jeder hängen und dann sagt man das halt. Viele meiner Kommilitoninnen argumentierten auf hohem Niveau, weswegen es mich teilweise wahnsinnig gemacht hat, dass einige Referate wie von Klippschülerinnen klangen – oder so hochgestochen ausformuliert, um dann zuhörerinnenunfreundlich vorgelesen zu werden, dass ich genauso wenig davon habe wie von der ersten Variante. Das wunderte mich, dass man im MA immer noch miese Referate zu hören bekommt – wobei ich im BA in KuGi auch nur wenige Dozent*innen gehabt habe, die einem sagen, wie es besser gehen könnte. Wenn ich mal ein wenig an der heiligen LMU rumquengeln darf: Das wäre für die Pflichtpropädeutika in den ersten beiden Semestern eine schnafte Sache, wenn man da mal beigebracht bekäme, worauf es bei einem Referat ankommt und wie die Folien aussehen sollten (ich habe das in meinem Nebenfach Geschichte gelernt). Schwarze Schrift auf dunkelgrauem Untergrund und Bilder, die ein Viertel des Platzes einnehmen und damit Dreiviertel verschwenden, braucht in einem visuellen Fach wie Kunstgeschichte niemand.

Aber was weiß ich, vielleicht sind meine Referate genauso doof und es sagt mir nur niemand.

Ich habe gelernt, dass ich zu den besten zehn Prozent meines Prüfungstermins im BA gehört habe. Selbst wenn meine Referate doof sind – meine Hausarbeiten und meine BA-Arbeit waren es anscheinend nicht.

Da es bei uns keine Notenspiegel von Hausarbeiten gibt und ich mich nicht mit Kommilitoninnen austausche, was sie denn so haben, wusste ich nie, wo ich stehe. Eine Geschichtsdozentin sagte mir mal: „Sie scheinen ein Talent für die wissenschaftliche Arbeit zu haben“, woraufhin ich verlegen rumstammelte, „Ach Gottchen, freut mich, wusste ich nicht, ich hab ja keinen Vergleich“, und sie meinte: „Aber ich.“ Das vergaß ich aber schnell wieder und die Misserfolge bei den Bewerbungen um Hiwi-Stellen taten ihr Übriges, weswegen mich das offizielle Schreiben mit den zehn Prozent sehr beflügelt hat und mich immer noch freut.

Ich habe gelernt, dass ich es wirklich richtig und abgrundtief hasse, mit jemandem zusammen ein Referat vorbereiten zu müssen. Ich will meinen Kram alleine machen, weil es mein Kram ist.

Ich habe gelernt, wie wundervoll es ist, wenn man mal Zeit für die Wissenschaft hat. Das klang immer albern, wenn man im Bachelor sagte, man hat 15 Wochenstunden und viel zu tun, aber man hatte echt viel zu tun, weil man die Stunden natürlich vor- und nachbereiten sowie Referate und Hausarbeiten schreiben und für Klausuren lernen musste. Im Master hatte ich in diesem Semester gerade mal acht Wochenstunden, woraus dann sogar nur sechs wurden, weil ich eine Vorlesung aus Mangel an Begeisterung knickte. Den Rest der Zeit konnte ich genüsslich in Bibliotheken verbringen und so richtig tief in ein Thema eintauchen, wofür ich im BA nicht ganz so viel Zeit hatte.

Dass auch diese Tiefe noch tiefer geht, merkte ich bei der Anselm-Kiefer-Hausarbeit, wo ich feststellte, dass ich aus meinem Thema locker eine MA-Arbeit hätte schnitzen können; da ging es eher darum, mein ganzes Wissen in eine bestimmte Zeichenzahl zu quetschen anstatt alles rauszuhauen, was ich erkannt hatte. Das war auch neu: das Wissen, eine wirkliche Forschungsleistung erbracht zu haben, mit der jemand außer mir und meiner Dozentin was anfangen könnte. Daher ahne ich, dass ihr meine wunderschöne Hausarbeit nicht zu lesen bekommt, weil ich mir das Thema für die Abschlussarbeit aufsparen möchte. Ich ahne allerdings auch, dass ich in zwei Semestern für etwas ganz anderes genauso glühe. Wie immer halt.

Ich habe gelernt, dass ich allmählich Routine darin entwickele, mit meiner Zeit klarzukommen. Bei Referaten denke ich zwar seit sieben Semestern in der ersten Rumlesewoche: Ich finde keinen roten Faden, da wird nie was draus. In der zweiten: Jetzt haste zu viel Stoff, da wird nie was draus. Aber in der dritten Woche ordnen sich meine Gedanken und ich kann langsam die Präsentation basteln. Ich kann mich inzwischen darauf verlassen, dass nach meiner üblichen Anfangshysterie irgendwann eine Glühbirne über meinem Kopf leuchtet.

Ich habe erneut gelernt, was ich schon im sechsten Semester gelernt habe: Die Bibliothek ist mein Happy Place. Egal in was für unruhigen Gewässern sich mein Hirn oder mein Herz sonst so befinden – sobald ich in der Bibliothek vor den Büchern sitze, ist alles gut. Ich habe allerdings auch gelernt, dass kein Mann gegen diesen Ort anstinken kann; meine Arbeit ist seit Ende des fünften Semesters wichtiger als die Jungs. Für zukünftige Bewerber vielleicht nicht ganz uninteressant zu wissen. (Für mich auch.)

Ich habe gelernt, dass Architektur immer spannend ist, ganz gleich aus welcher Epoche, und ich alles, was einem Gebäude ähnlich sieht, sehr gerne anschaue. Ich habe blöderweise selten eine wissenschaftliche Frage an ein Gebäude, während ich bei bildender Kunst viel eher meine Stirn runzele und innerlich anfange, Überlegungen anzustellen. Bei Architektur freue ich mich stets unwissenschaftlich darüber, dass sie da ist und ich sie angucken kann. Das reicht vermutlich nicht für eine Karriere als Architekturhistorikerin, was ich sehr schade finde.

Ich habe gelernt, wie anders sich Ausstellungen anfühlen, wenn man richtig gut vorbereitet in sie reingeht.

Ich habe gelernt, Vertrauen in meine eigene Arbeit zu haben. Ich kann inzwischen kunsthistorische Urteile fällen, ich kann auf viel Wissen zurückgreifen, auch wenn es sich in allen Epochen noch halbgar anfühlt, ich kann eigene wissenschaftliche Schlüsse ziehen und sie sauber verargumentieren. Das fühlt sich ziemlich großartig an.

Ich habe gelernt, dass meine Entscheidung weiterzustudieren, absolut richtig war. Das Gefühl, mit dem ich zur Uni gehe, ist ein anderes als im Bachelor, als ich hibbelig und neugierig in die Seminare und Vorlesungen rannte, weil alles neu und aufregend und anders war. Neu ist es nicht mehr, aufregend ist es immer noch, aber momentan gehe ich zen-artig in die Uni. Ich weiß, warum ich hier bin, ich weiß, was ich noch lernen will, ich weiß, wo die Reise hingeht. Das hat mich einen gut bezahlten Job und eine langjährige Beziehung gekostet, aber jetzt gerade fühlt sich das trotzdem genau richtig an. Ich bin da, wo ich sein soll. Der Master ist für mich nur noch ein Zwischenschritt zur Promotion, die ich gar nicht mehr hinterfrage und die ich schon irgendwie finanziert bekomme.

Vielleicht sollte ich mit dem Kauf der Belohnungs-Absolvente, die ich mir eigentlich für den BA-Abschluss versprochen hatte, noch ein paar Jahre warten.

Was schön war, Donnerstag, 4. Februar 2016

Getting things done.

Ich habe mich zu diversem Kleinkram aufgerafft: endlich mal wieder einen Arzttermin gemacht für den üblichen Dings-Werte-Check-up, der eigentlich schon im Januar dran gewesen wäre. Leergut weggebracht. Haushaltszeug gekauft wie Druckerpatronen, Sprühflasche zum Bügeln und Stopfgarn für die Lieblingssocken, die jetzt mal nicht weggeschmissen und neu gekauft, sondern geflickt werden. Wäsche gewaschen. Neue Bücher für die Stadion-Arbeit aus der Stabi geliehen und die letzten Kiefer-Bücher, die noch im Lesesaal lagen, zurückgegeben. Kram aus dem Keller geholt. Nicht gemacht, weil keine Lust mehr: Fahrrad aufgepumpt. Kommt heute dran.

Dann gesellte sich noch eine ungeplante Kleinigkeit-Erledigung dazu: Das Finanzamt München schickte mir eine Erinnerung, doch bitte meine Umsatzsteuervoranmeldungen von 2014 und 2015 endlich einzureichen. Ich so: WTF? Denn die sind natürlich brav und termingerecht ans Finanzamt Hamburg gegangen. Mein Steuerberater ist Donnerstags nicht zu erreichen, weswegen ich todesmutig selbst beim Finanzamt anrief. Eine freundliche Dame entschuldigte sich und meinte, das wäre bei Neuankömmlingen in München gerne so, dass die Daten nicht schnell genug nachgetragen würden. Deswegen wären Mahnungen rausgegangen, die auch nicht zu stoppen seien. Ich sah an dieser Stelle vor meinem inneren Auge kleine, garstige Roboter ohne Zeitgefühl in dunklen Räumen, die unbeeindruckt Mahnungen an alle Zuzügler*innen schicken, während von draußen menschliche Finanzbeamt*innen an die verbarrikadierten Türen hämmerten, doch bitte mit diesem sinnlosen Treiben aufzuhören – vergebens. Ein Roboter muss tun, was ein Roboter tun muss. Jedenfalls beruhigte mich die Dame, meinte, ich solle einfach alles ignorieren und so weitermachen wie vorher. Hm. Na gut. Ich bereite mich seelisch auf weitere Telefonate vor. Da kommt doch garantiert noch was.

Kochen und backen.

Zum Mittag gab’s einen Rotkohlsalat und abends buk ich Käsekuchen ohne Boden. Eigentlich wollte ich mit dem Quark was Herzhaftes machen, aber ich hatte schon wieder vergessen was und Käsekuchen geht ja immer. Dachte ich. Bis mir nach dem Backen auffiel, dass der Boden eigentlich das Tollste am Käsekuchen ist. Wieder was gelernt.

Lesen und netflixen.

Nach jeder Etappe im Studium kommt ein winziges Loch, in dem mein Kopf auf Stand-by schaltet. Das kenne ich inzwischen und halte es aus; in den ersten Semestern hat es mich allerdings wahnsinnig gemacht. Das fühlt sich ungefähr so an: Ich lerne besinnungslos auf ein bis sechs Klausur/en hin – und hänge nach der letzten erstmal drei Tage stumpf vor irgendwelchen Serien, allerdings immer voll schlechtem Gewissen, weil ich ja noch eine bis drei Hausarbeit/en schreiben muss oder mich selbst weiterbilden will. Seit drei Semestern ist das schlechte Gewissen weg. Ich weiß, dass ich immer hochkonzentriert bis zur Deadline, egal ob die der Uni oder selbstgewählt, arbeite, und ich weiß inzwischen auch, dass ich danach anscheinend eine Pause brauche. Oder will. Und die nehme ich mir jetzt auch. Die erste von zwei Hausarbeiten ist abgegeben, die Klausur ist durch, und bevor ich mit der nächsten Arbeit anfange, gönne ich mir entspannt ein paar Tage Rumhängen. Meine eigene Hibbeligkeit ist sowieso spätestens Montag wieder da. Vermutlich fange ich schon am Wochenende mit Bibliografieren an oder meinem üblichen, ach, guckste doch mal in die Academic Search nach Aufsätzen, nur so, nix Ernstes und zack! lese ich wieder stundenlang in der Gegend rum.

Und weil ich das inzwischen weiß, genoss ich gestern quasi einen Tag Urlaub. Das war schön.

Was schön war, Mittwoch, 3. Februar 2016

Letzte Stunde im Ost-West-Dialoge-Seminar

Wir hörten ein sehr gutes Referat über Willi Sitte und diskutierten danach zum Abschluss noch mal über den Unterschied im Umgang mit NS-Kunst im Gegensatz zur DDR-Kunst. Mir ist im Laufe des Semester aufgefallen, dass der DDR-Kunst interessanterweise nicht die dämonische Verführungskraft der NS-Kunst zugeschrieben wird, obwohl beide Diktaturen eine Staatskunst förderten. Während den NS-Werken gerne unterstellt wird, man würde quasi durch den Anblick eines Zieglers zum Nazi werden, wird DDR-Kunst nachlässig in die Depots gestellt mit der Begründung, das sei halt nicht gut, weg damit. Dass wir als Kunsthistoriker*innen das anders sehen, ist mir auch erst im Laufe der letzten Monate aufgefallen. Vor allem habe ich gelernt, wie vielfältig auch diese angebliche Staatskunst sein konnte und dass mir viele Werke davon wirklich gefallen – oder mich zumindest interessieren.

Einen Unterschied zwischen den beiden Kunstrichtungen arbeiteten wir heraus: Die NS-Kunst war rückwärts gewandter Massengeschmack und gefiel daher vielen Menschen. Was dummerweise noch heute teilweise so ist – die Dozentin erwähnte eine Äußerung eines Besuchers zur Ausstellung GegenKunst, in der die Vier Elemente (vor 1937) von Ziegler und Josef Thoraks Zwei Menschen (1941) zu sehen waren: „Endlich mal was Anständiges in der Pinakothek der Moderne.“

Die Kunst der DDR hingegen war eine Kunst, die erziehen sollte, den Menschen den Sozialismus schmackhaft machen sollte. Diese Kunst fand nicht immer Rückhalt in der Bevölkerung. Trotzdem kein Grund, sie nur noch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR auszustellen. In den ehemals Alten Bundesländern gab es meines Wissens nach bis heute keine Ausstellung von DDR-Kunst. Dauerhaft ausgestellt ist sie hauptsächlich in Dresden, Leipzig und Berlin.

Edit, danke für den Hinweis aus der Leserschaft: Doch, es gab Ausstellungen.

Abschließend trug uns die Dozentin noch die Entwicklung der Staatlichen Akademie der Künste in München nach 1945 vor, die, total überraschend für die Hauptstadt der Bewegung, mit viel Personal weiterlehrte, das bereits im NS-Staat gelehrt hatte. Über die Studentenunruhen von 1968 gibt es hier einen interessanten Buchbeitrag von Birgit Jooss.

Bücher und Busse

Amazon-Paket aus der Packstation geholt. Wegen Dauerregens war ich nicht mit Rad unterwegs, sondern mit Öffis. Dabei sah ich zum ersten Mal einen Bus mit Anhänger, in den ich natürlich sofort einsteigen musste.

Einladung

Zuhause eine grandiose Mail vorgefunden: Die Albertina lädt mich zur Eröffnung der Anselm-Kiefer-Ausstellung im März nach Wien ein! KIEFER! WIEN! Endlich lohnt sich dieses Studium mal!

Auch wenn ich auf der Website blöderweise ein Bild mit Wagner-Bezug gefunden habe, das ich in der Hausarbeit nicht aufgezählt habe (Die Rheintöchter, 1982–2013). Verdammt! Noch ein Grund mehr, das Ding zu meinem Master-Thema zu machen. Ich werde Wege der Weltweisheit sehen! Und Brünhilde/Grane! (Immerhin das habe ich aufgeführt.) Ich kann seit dem Lesen der Mail nur noch Ausrufezeichen machen, weil ich mich so freue!

Sauerkrautrösti

Von meinem vorgestrigen Mittagessen war etwas Sauerkraut übrig geblieben. Daraus zauberte ich pfiffigerweise mein gestriges Mahl, ich patente Hausfrau. Meine Omi, ihres Zeichens Hauswirtschafterin, wäre stolz gewesen.

(Nachdem ich „Hauswirtschaft“ gegoogelt hatte, um zu gucken, was eigentlich alles darunter fällt, bin ich sehr lange auf dieser Seite hängengeblieben.)

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150 g Sauerkraut gut ausdrücken.
150 g Kartoffeln (das war bei mir eine große) grob reiben.
1 Zwiebel grob reiben.
Alles mit
1 Ei,
1 EL Mehl,
Salz und Pfeffer vermischen. In
Butterschmalz bei mittlerer Hitze zwei Rösti ausbacken.

Ich mag dazu einen Klecks saure Sahne oder Kräuterquark.

Was schön war, Montag, 1. Februar 2016

Barock- und Klassizismusklausur.

Ja, das war eine schöne Klausur. Die war vom freundlichen Dozenten aber auch auf „Ihr besteht das alle, außer ihr seid totale Trottel oder wart kein einziges Mal anwesend“ hin konzipiert. Die ersten gaben bereits nach drei von 45 möglichen Minuten ab. Normalerweise wäre das mein Job gewesen – deswegen sitze ich in Klausuren auch immer am Rand –, aber bei einem Kirchlein musste ich so lange überlegen wie ich für den gesamten Rest der circa 20 Fragen brauchte. Wir bekamen einen Grundriss vorgelegt –

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– und mussten nun antworten, welche Kirche das ist, wer sie gebaut hat und wie man diesen Bautypus bezeichnet. Beim Typ war ich schon leicht verwirrt und entschied mich dämlicherweise für einen Zentralbau, was natürlich falsch ist, denn bei einem Zentralbau sind alle Achsen gleich lang. Das war mir Blödfrau aber entfallen. Stattdessen hätte ich natürlich Saalkirche hinschreiben müssen, was sogar mein erster Impuls war, aber ach ich weiß auch nicht. Knurr. Den Baumeister wusste ich immerhin sofort, das ist der gute alte Bernini. Und auch beim Namen setzte ich schwungvoll an und schrieb „S. Andrea …“, dank meiner Eselsbrücke „Bernini hat drei Silben und diese kleine ovale Kirche mit dem Frauennamen hat im ersten Teil auch drei Silben, im Gegensatz zu S. Agnes in Piazza Navona, die von Borromini gebaut wurde“, aber dann wusste ich schlagartig nicht weiter. Ich wusste, hinter S. Andrea kommt noch was, aber mein Kopf hatte sich kurzfristig verabschiedet. (Vermutlich war er vom Nachdenken über den falschen Zentralbau schockiert.) Den Rest der Klausur hatte ich schon ausgefüllt, ich konnte mich nicht mehr mit anderen Fragen ablenken, starrte daher minutenlang aus dem Fenster und ging alle anderen Kirchen in Rom durch, die wir hatten: alla Sapienza? Nee. Alle Quattro Fontane? Nee. In Piazza Navona? Nee. Della Pace? Nee. Ich bohrte in meinen Hirnwindungen nach Buchstaben, nach Eselsbrücken, die ich noch nicht abgerufen hatte – und da war eine: Es gibt eine Kirche, deren Präposition ich mir nie merken konnte, bis mir auffiel, dass sie im Kirchennamen zweimal vorkam: Sant’Andrea al Quirinale. Fuck YEAH!

Okay, dafür ist mir der Architekt des Panthéon nicht mehr eingefallen, scheiß drauf, und ich habe das Theatermotiv mit der Ädikula verwechselt, was mich noch in 20 Jahren ärgern wird, weil das Begriffe sind, die ich seit dem ersten Semester drauf habe. Aber: Klausur ist unbenotet, bestanden ist bestanden. Die ersten ECTS-Punkte im Master sind seit gestern abend auf dem Konto. Schnellste Korrektur ever. Respekt.

Für gut.

Arthurs Tochter schrieb am Wochenende etwas zu Dingen, die man für später, für besondere Gelegenheiten, „für gut“ aufhebt. (Einschub: Die Kaltmamsell beschrieb ein besonders bizarres Beispiel dafür, vorletzter Absatz.)

„Als meine Patchwork-Oma starb, hinterließ sie ein Haus vom Keller bis zum Dachboden voll mit aufbewahrten Dingen. Bettdecken, Tischdecken, Laken, Tafeltücher, alle originalverpackt. Für gut. Als P.s Patentante starb, hinterließ sie eine Wohnung voll vom Keller bis unter die Wohnzimmerdecke mit aufbewahrten Dingen. Bücher, Tischdecken, Servietten, Laken, Bettwäsche, Tafeltücher und ja, ganz besonders Servietten, originalverpackt. Berge von Silberbesteck, dick und mehrfach in Alufolie gewickelt um ein Anlaufen zu verhindern, was nichts nützte über so viele Jahre, in denen das Besteck unbenutzt herumlag. Für gut.

Ich arbeite einige Stunden im Monat für die Zwiesel Kristallglas AG. Dort kaufen Menschen Gläser, mundgeblasen, keines unter € 20,00 das Stück. Diese Gläser stehen 364 Tage im Jahr im Schrank. Für gut.“

Ihr ahnt, wo der schöne Blogeintrag (unter anderem) hingeht: Benutzt das gute Zeug, denn es macht Freude, das gute Zeug zu benutzen.

Als ich aus meiner 3-Zimmer-Wohnung in Hannover in meine 1-Zimmer-Wohnung nach Hamburg zog, die ich mir als Textpraktikantin von meinen Eltern finanzieren lassen musste, kaufte ich ein Schlafsofa und nahm – natürlich – alle Bücher mit, alle Klamotten, meinen Schreibtisch, meinen Rechner und: das Goldrandgeschirr meiner Großeltern plus mein Silberbesteck. Ich habe es, wenn’s hochkommt, einmal benutzt, vermutlich, als ich den Kerl das erste Mal bekochte. Ansonsten stand es unbenutzt im Schrank, aber es musste in meiner Nähe sein, weil ich es schön fand, es bei mir zu haben.

Danach zog es von Wohnung zu Wohnung; als der Kerl und ich standesgemäß in vier Zimmer zusammenzogen, hatte ich auch endlich wieder Platz für den alten Schrank meiner Großeltern und darin Abstellfläche für das Teeservice meiner Omi.

Vor ein paar Monaten musste ich aus 120 Quadratmetern 44 machen – und überlegte beim Einpacken keine Sekunde: Das Goldrandgeschirr und das Teeservice kamen für sechs Personen mit (mehr haben an meinem Tisch geschweige denn in meiner Wohnung eh nicht Platz) und meine Silberkästen natürlich auch. Und dann passierte etwas: Ich benutzte Omis Teeservice. Ich gehe zwar mit der Teekanne in Zeitlupe vom Wasserkocher zum Tisch oder zum Sofa, damit sie mir bloß nicht runterfällt, und ich halte die winzigen, zarten Tässchen gerne mal mit beiden Händen fest, aber: Ich benutze sie. Weil ich mich jedesmal über das Geschirr freue, weil sich die Tasse im Mund besser anfühlt als die Ikea-Tasse, weil ich mir einbilde, der Tee bliebe länger darin warm, was auch immer. Weil ich an Omi denke, ist sicher auch ein Grund.

Aber das Goldrandgeschirr und das Silberbesteck stehen in der Abstellkammer. Das wurde bisher nur rausgeholt, wenn Besuch bekocht wurde oder wenn ich der Meinung war, ich müsste für Instagram mal einen hübscheren Teller ablichten als den weißen Alltags-Ikea-Teller.

Nach dem Eintrag bei Arthurs Tochter fragte ich mich dann aber: Was mache ich hier eigentlich für einen Quatsch? Ich habe doch gerade erst gesehen, dass nichts für ewig ist, auch wenn man sehr lange daran geglaubt hat. Ich habe keine Kinder, für die ich Geschirr und Besteck schonen müsste, damit sie es erben können. Und: Ich liebe es, mit meinem Silberbesteck zu essen. Die Messergriffe haben genau die kühle Schwere, die ich als angenehm empfinde, sie liegen richtig gut in der Hand. Ich mag auch das Gefühl, mit Silber zu essen, ich behaupte, es ist weicher im Mundgefühl als Stahl oder Chromargan. Und auch hier: Ich denke an die Menschen, die es vor mir besessen haben.

Und so habe ich gestern alltägliche Rostbratwürstchen mit Hausmannskost-Kartoffelpüree und Dosensauerkraut auf meinen Goldrandteller geschichtet und das Silberbesteck benutzt.

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Ich glaube, das mache ich heute wieder.

PS: Mein Studium fällt natürlich auch in die Kategorie „Für jetzt und nicht für gut“. Ich wollte keine 20 Jahre mehr unter Schmerzen Werbung machen, bevor ich als Seniorin bei den KuGis sitze. Ich wollte das *jetzt* machen. Weil jetzt gut ist.

Was schön war, Samstag/Sonntag, 30./31. Januar 2016

Lernen.

Ich habe in diesem Semester sehr spät damit angefangen, meine Lernkärtchen zu basteln. Normalerweise sind im Wintersemester die Weihnachtsferien dafür prädestiniert, aber in diesem Semester wartet gerade mal eine kleine schnuffelige Klausur auf mich (genauer gesagt, wartet sie heute ab 12.15 Uhr auf mich), und deswegen bin ich etwas leichtsinnig geworden. Donnerstag abend waren die Kärtchen aber fertig und seitdem blättere ich sie durch, murmele römische Kirchen- und französische Schlössernamen vor mich hin und freue mich über eine ganz wunderbare Eselsbrücke.

(Über der ganzen Freude habe ich das Schönschreiben verlernt: Da steht nicht „Huchbarock“.)

Lesen.

Ich habe das Trümmerfrauenbuch durch (große Empfehlung, gibt’s ab März auch als Taschenbuch) und bin kurz davor, Carol zu beenden. Mag ich auch sehr gerne. Danach versinke ich wieder in Fachliteratur, denn die zweite Hausarbeit in diesem Semester will geschrieben werden. Außerdem habe ich mich über eine Mailantwort am Sonntag gefreut, vor der ich ein bisschen Angst hatte. (Es geht um den letzten Teil meines Auszugs; in Hamburg steht immer noch Zeug von mir, das nach Semesterende da endlich weg muss.)

Reden.

Wieviel man im Kopf und im Herz aufräumen kann, wenn man gemeinsam im Bett liegt und rumquatscht, ist schon toll.