Gelesen im Februar 2016

Neben den acht Kilo Büchern und ausgedruckten Aufsätzen zum Nationalstadion in Peking habe ich immerhin drei weitere Werke geschafft, yay! Ich glaube, das mache ich im März wieder. (Manchmal vermisse ich Monate wie diesen.)

Patricia Highsmith – The Price of Salt: Or Carol

Die Geschichte spielt in den 1950er Jahren in New York. Die 19jährige Therese hilft über Weihnachten in einem Kaufhaus aus, wo sie sich in ihre mondäne Kundin Carol verliebt, obwohl sie mit einem Mann liiert ist. Im Laufe des Romans lernen wir die Menschen in Thereses und Carols Leben kennen und wie sie und ihr Umfeld mit ihrer Zuneigung füreinander zurechtkommen. Das ganze findet in der klaren, unaufgeregten Sprache Highsmiths statt, die ich schon bei The Talented Mr. Ripley so mochte. Ich muss gestehen, dass sich das Buch für mich etwas gezogen hat, aber es hat mir sehr gefallen, dass die Liebe zwischen den beiden Frauen nie hinterfragt oder seziert wurde – sie ist halt da und fertig. Wie jede Liebe eben.

Emma Donoghue – Room

Auf das Buch bin ich über die Verfilmung aufmerksam geworden (wie auf Carol übrigens auch). Nachdem ich das Buch innerhalb eines Tages verschlungen habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich den Film dazu sehen möchte, obwohl Brie Larson mitspielt, in die ich seit United States of Tara sehr verliebt bin.

Ich versuche mal, nicht zu spoilern, obwohl das sehr schwer fällt: Room wird aus der Perspektive des fünfjährigen Jack erzählt, der in Gefangenschaft geboren wurde und daher nur den einen Raum kennt, in dem er lebt. Seine Mutter wurde von einem Mann entführt und wird seitdem von ihm festgehalten und immer wieder vergewaltigt. Jack ist ein Produkt dieser, ich will es gar nicht so nennen, aber mir fällt kein besseres Wort ein: Beziehung. Seine Mutter teilt seine Welt klar in echt und TV ein, also in das, was die beiden umgibt und alles, was es nur im Fernsehen gibt – zum Beispiel Wetter, andere Menschen, fremde Städte; das gibt es alles gar nicht, das ist alles TV. Warum sie ihm doch irgendwann erklärt, dass da draußen noch etwas anderes ist – unter anderem ein draußen –, kann ich nicht erzählen, weil es spoilert.

Was ich aber erzählen kann: Es hat seinen Grund, warum ich das Buch an einem Tag durchgelesen habe. Die Geschichte ist nicht so fürchterlich wie sie sich anhört, auch wenn es genügend Stellen gibt, die ich gerne mit geschlossenen Augen gelesen hätte, wenn das möglich wäre. Aber die Sprache von Jack macht alles erträglich, weil er gar nicht weiß, wie widerlich die Welt manchmal sein kann. Die ersten Seiten des Buchs sind etwas anstrengend zu lesen, weil man sich erst an Jack gewöhnen muss. Aber spätestens die Schlusskapitel, in denen er das draußen beschreibt, lohnen jede Mühe.

Gleich mal gucken, was Frau Donoghue noch so geschrieben hat.

Philip Ursprung – Die Kunst der Gegenwart: 1960 bis heute

Ja, kein Roman, aber nur Fiktion geht ja nicht, da weicht mein Gehirn auf, wissenschaftlich erwiesen, ne. Herrn Ursprung kenne ich aus diversen Aufsätzen über Architektur; in diesem schmalen und preiswerten Bändchen fasst er mal eben 50 Jahre westeuropäische und nordamerikanische Kunst zusammen. Für mich stand nicht viel Neues drin – anscheinend habe ich in den letzten drei Jahren doch besser zugehört als ich dachte –, aber als Einführung und wirklich blitzschnellen und sehr lesbar geschriebenen Überblick kann ich das Buch empfehlen.

Was schön war, Freitag, 26. Februar 2016

Verkuppelt werden.

Neulich fragte Frau Percanta auf Twitter: „Warum folgen sich eigentlich @ankegroener und (anonymisiert) nicht?“ Die anonymisierte Dame und ich guckten vermutlich ähnlich, so ungefähr: „Hm? Was? Ach, mal folgen.“ Was dazu führte, dass mir Madame X vor ein paar Tagen eine DM schrieb, sie sei in München, ob ich Lust auf einen Kaffee hätte. Hatte ich, und so saßen wir gestern beieinander, ich lernte, dass man sich als Architektin auch theoretisch mit seinem Fach auseinandersetzen kann, was aber im Gegensatz zur Kunstgeschichte eher mit neuen Bauwerken passiert, ich echauffierte mich darüber, dass die Kunstgeschichte den Stadionbau schmählich vernachlässigt habe (bei der Vogelnest-Hausarbeit konnte ich mir den Absatz zum Forschungsstand total ersparen, denn es gibt nicht wirklich einen nennenswerten), wir plauderten über verschiedene Architekten, Vorträge der üblichen weißen Männer, das Holocaust-Denkmal in Berlin und Richard Wagner. Das war ein inspirierender Nachmittag. Gut verkuppelt worden.

Alte Freunde.

Abends lungerten der ehemalige Mitbewohner und der Podcastkönig aus Karlsruhe auf meinen Sofas rum und wir brachten uns gegenseitig auf den neuesten Stand unserer Lebensplanung. Dazu wurde Sekt gereicht.

Was schön war, Donnerstag, 25. Februar 2016

Ein Vogelnest gebaut.

Eigentlich wollte ich gestern endlich das Stadion als Baukörper beschreiben, wie sich das für mich als Kunsthistorikerin gehört. Vorher bin ich natürlich zum xten Mal über das bisher Geschriebene gegangen, dann kochte ich eine Kanne Tee, zündete ein paar Kerzen auf dem Schreibtisch an, beschrieb das Stadion, beschrieb die Nachnutzung, beschrieb die Veränderungen in Peking und China nach den Olympischen Spielen in Bezug auf Image und Tourismus, schrieb die Zusammenfassung – und stellte am späten Nachmittag überrascht fest, dass die Hausarbeit fertig war.

Also der erste Draft. Über den gehe ich jetzt natürlich weiterhin drüber, lese noch ein bisschen, kürze, dengele an den Fußnoten rum, checke die Quellen … das Übliche halt. Aber in ein paar Tagen kann das Ding zur geschätzten Korrekturleserin und mein Plan, die Arbeit im Februar fertigzukriegen, ist aufgegangen. Abgabetermin wäre eigentlich der 15. März, aber den März will ich zum Selbststudium nutzen und mich weiter mit der Kunst des Nationalsozialismus auseinandersetzen, um festzustellen, ob das nur ein persönliches Interesse ist oder ein Thema, das ich für Masterarbeit und Weiteres verfolgen möchte. Oder ob es eben doch meine geliebte Architektur wird, bei der ich Schwierigkeiten habe, mich auch nur auf eine Epoche festzulegen, mit der ich mich eingehender befassen will, weil alles toll ist, was wir so gebaut haben. Alles!

Brot gebacken, mit dem besten Freund telefoniert (Hamburg scheint sich darauf eingeschossen zu haben, immer dann anzurufen, wenn der FC Augsburg spielt), Netflix geguckt, vergessen, Wäsche zu machen, das Candy-Crush-Level wieder nicht geschafft („Du brauchst nur noch ein Gelee!“), macht aber nix, ist ein schönes Level, früh schlafen gegangen, sehr zufrieden gewesen.

Was schön war, Mittwoch, 24. Februar 2016

Stabi.

In der Stabi einen guten Platz gekriegt, eifrig geschrieben, zwischendurch auf Twitter eine Frage gestellt – „Hey, Sporttimeline, kennst du ein Stadion, in das ein Hotel integriert ist?“ – und dutzende von Antworten gekriegt. In der BayArena in Leverkusen steht ein Hotel direkt in der Kurve. Ein weiteres Hotel ist das West Ham United Hotel, bei dem man quasi vom Bett aus aufs Spielfeld gucken kann. In Toronto kann man vom Stadion aus kopulierenden Pärchen im Hotelzimmer zuschauen, wenn das Spiel gerade langweilig ist, im ehemaligen Arsenal-Stadion kann man wohnen, und im St.-Jakobs-Park in Basel ist dem Stadion ein Altersheim angegliedert. Letztes wusste ich immerhin, denn das Stadion wurde von Herzog & de Meuron umgestaltet, die auch das Pekinger Vogelnest errichteten, daher war ich über Basel natürlich längst gestolpert. Alle anderen Hinweise kamen aus der Twitter-Timeline. Der Dienst rockt dann eben doch.

Schnee.

Zwischendurch tauchte ich kurz mit vor Begeisterung roten Öhrchen aus der Timeline auf und sah, dass es draußen schneite. Das war wie eine kleine innerliche Zäsur, die mir sehr gefallen hat. Eben noch hektisch Link nach Link in den Replys anklicken, sich bedanken, Notizen in die Stoffsammlung einfügen, die mal wieder Masterarbeitslänge erreicht hat – und dann den Kopf heben, über die vielen weiteren Köpfe in der Bibliothek durch die zehn Meter hohen Glasfenster nach draußen in die Bäume gucken, über denen in Zeitlupe dicke Schneeflocken fallen. Als ob jemand kurz die Vorspultaste losgelassen hätte und ich wieder im Hier und Jetzt bin, still und zufrieden.

Peking.

Nach einigen Stunden fuhr ich nach Hause, kochte mir eine Kanne Tee und wühlte mich durch die Pekinger Stadtgeschichte und den massiven Umbau unter Mao (stalinistische Monumentalarchitektur), Deng Xiaoping (kapitalistischer Glitzer) und kurz vor den Olympischen Spielen (CCTV-Headquarters, Nationaltheater, Flughafen, Olympiabauten wie Vogelnest und Water Cube).

Mein liebstes Detail ist immer noch, dass das eckige Schwimmstadion und das ovale Nationalstadion sich an der großen Nord-Süd-Achse durch Peking gegenüberliegen. Die Achse führt durch die Verbotene Stadt und den Tian’anmen-Platz. Alle Bewerber für die Gestaltung des Olympiageländes, die irgendwas auf diese Achse bauen wollten, sind im Wettbewerb sofort rausgeflogen; die Achse bleibt dem Kaiser und Mao vorbehalten. Das Quadrat steht in der chinesischen Mythologie für die Erde, der Kreis für den Himmel. Die beiden Bauten stehen sich quasi wie Yin und Yang als Antagonisten an einer der wichtigsten Straßen durch die Stadt gegenüber.

Ich mag sowas.

Tagebuch Dienstag, 23. Februar 2015

Im ZI

Natürlich bin ich nicht mit der Beschreibung des Stadions fertig geworden – ich habe noch nicht mal damit angefangen. Stattdessen dachte ich weiterhin über andere Olympiastadien nach und fand schöne Bilder, die den Unterschied zwischen den Berliner und den Münchner Spielen sehr deutlich zeigen. Dafür muss man sich nicht mal wochenlang mit dem Thema beschäftigt haben.


Quelle: March, Werner: Bauwerk Reichssportfeld, Berlin 1936, Tafel 1 (o. S.)


Quelle: Behnisch, Günter: Architekten Behnisch & Partner. Arbeiten aus den Jahren 1952–1987, Stuttgart 1987, S. 25.

Ich überarbeitete den Teil mit den historischen Stadien noch einmal und begann mit dem dritten Teil der Arbeit, der sich mit Peking beschäftigt. Gestern schrieb ich über den Wettbewerb fürs Stadion, die Entstehung des Namens Vogelnest (der von chinesischen Medien kam, nicht von Herzog & de Meuron) und darüber, dass der Bau schon vor der Eröffnungsfeier eine Ikone war. Aber eigentlich puschelte ich über drei Stunden am bestehenden Text rum. Der soll ja hübsch werden, deswegen muss man mehrfach an ihm rumpuscheln.

Franzbrötchen, Teil 2

Von meiner samstäglichen Backrunde war noch ein halber Würfel Hefe über, der zu einem zweiten Schwung Franzbrötchen verarbeitet wurde. Beim Teiganrühren nach meiner eigenen Rezeptnotation im Blog fiel mir auf, dass ich mich bei der Mehlmenge fies vertan hatte. Ich hoffe, es hat noch niemand versucht, das Rezept nachzubacken. Falls doch: Es sind 250 g Mehl, nicht 150. Ähem.

Außerdem habe ich gemerkt, dass man den Teig, bevor man ihn zu einer Rolle dreht, um daraus die Brötchen zu schneiden, wirklich dünn ausrollen sollte. Gestern war ich ein bisschen faul, rollte zu dick aus und hatte daher nicht so viele von den schönen Zimtzuckerknusperschichten, die ein Franzbrötchen so unwiderstehlich machen. Dafür habe ich die Teilchen nach dem Backen noch mit Zucker bestreut, das gefiel mir gut.

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Should dictionaries do more to confront sexism?

Meine kurze Antwort wäre, ja, macht mal, aber das scheint eine Grundsatzdiskussion zu sein. Ausgangspunkt der Debatte war ein Tweet eines Anthropologie-Doktoranden, der in Apples Oxford Dictionary nachschaute, was „rabid“ eigentlich bedeutete und zur Erklärung den Begriff „rabid feminist“ erhielt. Darüber twitterte er, woraufhin andere User*innen weitere Beispiele fanden:

„Apple’s example sentence for “shrill” referenced “women’s voices,” and the one for the word “psyche” read, “I will never really fathom the female psyche.” Oman-Reagan found that the pronouns in entries for “doctor” and “research” were male, while a “she” could be found doing “housework.” He kept up his barrage on Oxford, which finally issued a flippant response on Friday: “If only there were a word to describe how strongly you felt about feminism.” It added, in a subsequent tweet, “Our example sentences come from real-world use.” The online melee that ensued left no one unscathed. Oman-Reagan says that his detractors started at least two online forums devoted to harassing him, while the head of content creation at Oxford Dictionaries, Katherine Connor Martin, told me that watching men’s-rights activists defend the dictionary was, for her, “not a proud moment.” Oxford ultimately tweeted an apology, with a promise to review the “rabid” example sentence, but made no public mention of “shrill,” “psyche,” or the other problem entries.

Feminists and linguists have been talking about the sexism that lurks beneath the surface of dictionaries since at least the nineteen-sixties. The question of how to eradicate it is bound up in a broader debate about the role of lexicography: Should dictionaries be proscriptive, establishing a standard of usage, or should they be descriptive, reflecting usage as it exists in the world? In the eyes of editors, their mandate is the latter.“

Der Inspirational Tweet für den Rest meines Lebens.

Was schön war, Montag, 22. Februar 2016

Bereits vor 9 Uhr in der Stabi gewesen – und Königin geworden! (Mayor, Queen, alles das gleiche. Ich hab ne Krone.)

Danach konzentriert mehrere Stunden gelesen und getippt. Bis jetzt sehr zufrieden mit dem zweiten Punkt nach der Einleitung, in dem ich über das Stadion als Bauaufgabe spreche. Das habe ich noch in „Das Stadion als Träger nationaler Identität“ und „Das Stadion als urbane Ikone“ unterteilt. Mal sehen, ob das so bleibt.

Als dritter Punkt kommt jetzt endlich die kunsthistorische Beschreibung des Nationalstadions in Peking. Ich beginne mit einer kurzen Übersicht über die Stadtentwicklung in Peking, gehe dann auf die Lage des Stadions in der Stadt ein und beschreibe es dann so ausführlich wie nötig, um es von den ganzen Stadien abzugrenzen, die ich in Punkt 2 erwähnt habe. Mal sehen, ob ich das heute schaffe (vermutlich nicht).

Die neue Staffel Girls hat angefangen. Ich liebe diese Serie.

Abends ein überraschendes Geschenk in T-Shirt-Form erhalten und mich sehr gefreut.

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Als Abendessen Kartoffelpüree und Sahnekohlrabi.

Was schön war, Sonntag, 21. Februar 2016

Franzbrötchen zum Frühstück und zum Abendessen.

Ich hatte am Donnerstag einen neuen Roman begonnen – Room – und davon die ersten 20 Seiten auf dem iPad gelesen. Gestern las ich in einem Rutsch die restlichen 369 und habe das sehr genossen. Nicht nur das Buch, das mir ausnehmend gut gefallen hat, sondern auch die Tatsache, dass es anscheinend noch Belletristik gibt, die mich genauso fesseln kann wie meine geliebten Sachbücher. Ich hatte zwischendurch wirklich das Gefühl, dass mir das Studium das Lesen zum Vergnügen ausgetrieben hat. Nicht dass meine Fachbücher kein Vergnügen wären, ganz im Gegenteil, an denen hänge ich meist genauso atemlos wie früher an den Romanen, aber sie haben natürlich ein Ziel, sie wollen mich von etwas überzeugen. Das wollen Romane auch, aber bei denen weiß ich von vornherein, dass sie das nur zum Spaß machen, während Fachbücher breitbrüstig Tatsachen vor sich hertragen und sie mir bis in die kleinste Ecke auf einem Silbertablett zerpflücken. Ich fand es sehr schön, mich mal wieder aus der Welt der Kunst in eine ganz andere mitnehmen zu lassen.

Meine Nase an fremder und inzwischen doch sehr vertrauter Haut.

Franzbrötchen

Der lockige Herr aus Köln warf neulich dieses Rezept in die Twittertimeline, ich legte ein Lesezeichen an, und gestern war endlich mal Zeit, sich stundenlang mit einem Hefeteig zu beschäftigen. Das hat sich sehr gelohnt, auch wenn die Optik der Brötchen noch nicht so ist, wie ich sie gerne hätte. Aber der Geschmack ist perfekt. Bitte dringend nachbacken.

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Für sechs bis acht Franzbrötchen bzw. ein Blech

250 g Weizenmehl, Type 550, mit
25 g Butter,
20 g Zucker,
20 g Frischhefe (vulgo: ein halber Würfel),
4 g Salz,
1 Ei und
80 ml sehr kaltem Wasser vermischen und in zwei, drei Minuten zu einem geschmeidigen Teig kneten.

Ich habe dazu die Knethaken meines Mixers genommen, genau wie Jonny, der pensionierte Bäcker, von dessen Website ich das Rezept habe. Der gute Mann hat auch ein Video gedreht, in dem man alle Schritte prima angucken kann, viel besser als ich sie beschreiben könnte. Alleine für die lässige Handbewegung, mit der er Mehl unter den Teig schleudert, sollte man sich das Video angucken. Ich bin verliebt.

Den Teig nochmal ganz kurz mit der Hand durchkneten, abdecken und für 15 Minuten lang im Kühlschrank ruhen lassen.

In der Zeit
65 g Butter zu einem ca. 10 x 10 cm großen Viereck ausrollen. Man sieht im Video gut, wie das gehen könnte – bei mir hat es nicht geklappt, ich habe die Butter stümperhaft mit den Patschefingern irgendwie in ein flaches Rechteck verwandelt und sie dann ebenfalls im Kühlschrank geparkt.

Nach der Ruhezeit den Teig doppelt so groß wie das Butterstück ausrollen. Die Butter auf die eine Hälfte des Teigs legen (nicht bis ganz an den Rand), dann den Teig über der Butter zusammenschlagen, notfalls die Ränder ein wenig aufrollen, damit die Butter wirklich ganz vom Teig umgeben ist und dann den Teig wieder auf die vorherige Größe ausrollen.

Danach das rechte Drittel des Teigs in die Mitte einschlagen, das linke darüber und dieses kuvertähnliche Stück wieder für 15 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. (Diesen Vorgang nennt man „eine Tour geben“. Ich verweise noch mal auf das Video.)

Insgesamt dem Teig drei Touren geben. Nach der letzten Tour gleich weiterverarbeiten.

30 g Butter schmelzen.
75 g Zucker mit
2 EL Zimt (oder mehr oder weniger, je nachdem wie zimtig ihr eure Franzbrötchen mögt) mischen.

Den Teig circa einen halben Zentimeter dick zu einem möglichst gleichmäßigen Rechteck ausrollen, ihn mit der flüssigen Butter bestreichen und üppig mit der Zimtzuckermischung bestreuen. Dann den Teig halbwegs fest aufrollen; wenn er zu fest wird, gehen die Brötchen nicht ganz auf so wie bei mir (vermute ich wenigstens), wenn er zu locker wird, fällt alles auseinander.

Die Teigrolle in sechs bis acht Stücke schneiden; die Stücke sollten so vier bis fünf Zentimeter breit sein. Jedes einzelne Stück mit einem Kochlöffelstiel mittig tief eindrücken – also so, dass quasi ein Schmetterling entsteht. Das heißt, den Löffelstiel parallel zu den Schnittkanten einsetzen. (Wenn man mal kurz den Kopf ausmacht, sieht das dämlicherweise so aus.)

Die Brötchenschmetterlinge auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und nochmal 15 Minuten gehen lassen. In der Zeit den Backofen auf 230° C vorheizen und die Teiglinge dann für 12 bis 15 Minuten backen.

1 EL Aprikosenmarmelade mit
1 EL Wasser kurz aufkochen.

Sobald die Brötchen aus dem Ofen kommen, mit der Marmelade bestreichen; das schützt sie vor dem Austrocknen (und man schmeckt es überhaupt nicht raus). Ich werde sie beim nächsten Versuch zusätzlich noch mit Zimt und Zucker bestreuen, dann hat man das schöne sandige Knacksgefühl beim Reinbeißen. Mal sehen, ob sie dann auch nicht ganz so croissantartig aussehen, sondern flacher werden – ich werde sie nicht ganz so fest aufrollen und nach der letzten Ruhezeit ein winziges bisschen platt drücken. Aber einen weiteren Versuch wird es auf alle Fälle geben, denn wie ich oben schon sagte: Sie schmecken grandios.

Was schön war, Freitag, 19. Februar 2016

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Was schön war, Donnerstag, 18. Februar 2016

Blumen gekauft, Hausarbeits-Einleitung fertig geschrieben, ein-, zweimal gekocht und das Ergebnis sehr genossen, eine meiner liebsten Star-Trek-TNGFolgen gesehen, ein neues Buch angefangen, mit der besten Freundin telefoniert, sehr entspannt eingeschlafen.

Was schön war, Mittwoch, 17. Februar 2016

Der erste Satz steht, der erste Satz steht!

Okay, eigentlich steht seit gestern abend die Hälfte der Einleitung, aber wie ich bereits schrieb: Ohne einen guten ersten Satz geht bei mir nix.

Ich radelte – ach ja, das war auch schön, endlich mein Fahrrad aufgepumpt – morgens in Zentralinstitut für Kunstgeschichte, schleppte meinen Handapparat an meinen Platz, suchte im hauseigenen OPAC nach weiterer Literatur und fuhr dann von Stockwerk zu Stockwerk, um die Bücher aus den Regalen zu ziehen. Beim letzten stand ich am Regal und sah neben meinem gesuchten Titel noch drei weitere, die mir interessant schienen. Es ging um das Bild einer Stadt, das Gefühl einer Stadt … in einem Vorwort stand der schöne Vergleich, dass man Städte manchmal personalisiert, sie vermenschlicht, was man mit Ländern eher weniger tut. Wir sagen gerne: „Ich liebe Amsterdam/Paris/Dubai …“, aber verknallen uns selten in das ganze Land um die Stadt. Vielleicht weil eine Stadt schlicht leichter zu erfassen ist; wir können sie abgehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden und das in wenigen Tagen. Bei einem Land wird das schwieriger. (Okay, Andorra, Liechtenstein und San Marino. Wobei ich auch in Israel das Gefühl hatte, in einem winzigen Ländchen unterwegs zu sein.)

Jedenfalls versank ich für drei Stunden etwas ungeplant in Stadtsoziologie und ignorierte kurz mein kleines Stadion. Wobei ich auch die Stadterkenntnisse in die Hausarbeit einfließen lassen könnte, denn ich frage ja auch nach den baulichen Veränderungen in Peking vor und nach den Olympischen Spielen und da gehört so was wie neue U-Bahnen, neue Plätze für die Öffentlichkeit etc. auch durchaus rein. Wir werden sehen.

Schließlich blätterte ich noch mal meine Stoffsammlung durch, die inzwischen auf 28 Seiten angewachsen war, öffnete das Hausarbeitsdokument und schrieb. Und dann konnte ich twittern.

(Das sah übrigens so aus. Ich musste selbst grinsen, als ich den Blogeintrag bzw. die Bilder wiedersah – genauso schreibe ich heute meine Hausarbeiten, immer mit Blumen und Tee neben mir.)

Ein Gespräch begann (das muss ich screenshotten):

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Endlich Architektin!

Und der erste Satz gefällt mir auch am Morgen danach. Ich lass den mal so:

„Pierre de Coubertin (1863–1937), einer der Initiatoren der Olympischen Spiele der Neuzeit, maß der Gestaltung des Stadions keine große Bedeutung zu. Für ihn war es lediglich der Austragungsort der sportlichen Wettkämpfe, der durch keinerlei erhabene Architektur künstlich erhöht werden sollte.“

Hier lachen wir alle herzlich und lesen gespannt weiter.

Telefonieren

Abends aus Gründen(TM) den Kerl angerufen. Das erste Telefonat mit ihm seit einem Jahr, nach dem ich nicht geheult habe. Es wird.

Tagebuch, Dienstag, 16. Februar 2016

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Das war gestern eher „Mühsam nährt sich die Studentin“. Die Richtung meiner Arbeit ist klar, die Gliederung steht, aber irgendwie will mir der Einstieg nicht gelingen. Ich schreibe ganz klassisch: Wenn der erste Satz steht, dann geht’s auch weiter, aber genau der will seit Tagen nicht aufs Papier. In meinen Notizen fand ich einen Satz aus der Vogelnest-DVD, der mir sehr passend schien, sowohl für das Nationalstadion als auch für ikonische Architektur im Allgemeinen: „It has a magic that you cannot always explain.“ Ich hatte mir aber damals beim Transkribieren blöderweise nicht gemerkt, wer ihn sagte. Also legte ich die DVD ein, fand den Satz dank der Minutenangaben in meinen Notizen auch schnell wieder, stellte befriedigt fest, dass Jaques Herzog ihn gesagt hatte – musste aber feststellen, dass er im Kontext von Schönheit verwendet wurde. Also was macht Schönheit mit den Menschen, die sie betrachten. Das bezieht sich natürlich auch auf Gebäude, aber das war mir dann doch zu ungenau als Reinkommer.

Weitersuchen.

Was schön war/Was nicht schön war/
Was schön war, Montag, 15. Februar 2016

Schön: noch mehr Bibliotheksausweise fürs Portemonnaie.

Morgens holte ich zunächst ein Buch aus der UB ab (endlich The Iconic Building von Charles Jencks aus der UB Regensburg in der Hand – vor meinem geistigen Auge schrieben sich schon die ersten Fußnoten von selbst), um dann zur TUM zu fahren, wo ich mir den dritten Bibliotheksausweis für München ausstellen ließ nach UB/Stabi (ist für Studis einer) und ZI.

Ich hatte mir zwar vorher selbstverständlich im Internet den Lageplan der TUM und der Bibliothek angeguckt, aber als ich im Gebäude stand, war ich verwirrt ob der komplett fehlenden Ausschilderung. Also fragte ich einen freundlich schauenden Studi: „Kannst du mir sagen, wo ich die Bibliothek finde?“, worauf er weiterhin freundlich meinte: „Da müssen Sie hier nur die Treppe hochgehen.“

Ich sollte mir endlich das Siezen von fremden Leuten wieder angewöhnen, was mir in der Werbung gründlich ausgetrieben wurde. Was ich mir eventuell auch abgewöhnen sollte, ist das innere Lästern über die Eingangshalle der TUM. An der Uni werden Architektur, Ingenieurswissenschaften und Ähnliches gelehrt, aber die Bodenplatten im Eingangsbereich sind so schlampig verlegt, dass viele von ihnen wackeln und kippeln und nervige Geräusche machen.

Beim Verlassen des Geländes sah ich meine Zukunft vor mir – und war darob gut gelaunt.

Im Sitzen Putzen und die eigene Stadt sauber halten. Ein Traum.

Nicht schön: Umzug planen.

Anfang April werde ich ein letztes Mal in Hamburg sein, um Kisten zu packen. Ein paar Möbel sollen zu meinen Eltern, den Rest kauft mir der Kerl netterweise ab, einiges wird verschenkt, weggeschmissen oder in Kisten verpackt, von denen die meisten auch zu meinen Eltern kommen; das dürften nur noch so um die 15 sein, wenn ich richtig schätze, und eventuell noch drei oder so für mich, die ich irgendwie nach München kriegen muss.

Um endlich die Umzugsjungs zu ordern, musste ich im Geist die ganze Wohnung in Hamburg abgehen, um zu überlegen, was noch wo hängt und steht, damit ich ihnen sagen kann, auf wieviele Kisten sie sich einstellen können. Also besah ich mir aus der Erinnerung noch mal jedes einzelne Zimmer und jeden einzelnen Schrank plus Inhalt, was mich trauriger machte als ich erwartet hatte.

In den letzten gut vier Monaten habe ich längst Abschied von der Wohnung genommen. Ich werde es allerdings noch sehr lange betrauern, nicht mehr dort zu wohnen. Ich vermisse weder Hamburg noch den Kerl (endlich!), aber ich muss zugeben, dass ich 120 qm Platz vermisse, Altbauwände, an denen Luise zur Geltung kommt, hohe Decken, an denen meine ollen Designerlampen hängen und große Fenster, an die man drei Meter lange Gardinen dengeln kann. Ich liebe meine Münchner Wohnung, hauptsächlich weil sie in München ist und sie ganz alleine mir gehört und mir mein Leben hier ausnehmend gut gefällt, aber in jedem Zimmer (also in dem einen, das ich habe plus Küche, Flur und Bad) stolpere ich über Kompromisse, die ich logischerweise auf 120 qm nicht machen musste.

Ja, First World Problems, ich weiß. Aber auch die können traurig machen.

Schön: Geistesblitz.

Um mich aus meinem Trauerloch zu befreien, las ich weitere Aufsätze über Stadtbranding und Imagebildung, zeichenhafte Gebäude und den Einfluss von Sportstadien auf ihre urbane Umgebung. Und als ich wieder mal im Academic Search nach Tourismuszahlen aus Peking nach den Olympischen Spielen suchte, hatte ich eine Idee: Tripadvisor! Ich möchte in meiner Hausarbeit unter anderem untersuchen, ob sich das Verhältnis von Touristen und Einheimischen zur Stadt durch das Stadion verändert hat, und da war Tripadvisor ein erster kleiner (und vor allem zitierbarer) Fingerzeig. Von über 1.400 Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die die Website in Peking aufzählt, landete das Stadion auf 29 und ist damit zusammen mit der Mauer, den vielen, vielen Tempeln und der Verbotenen Stadt ein legitimes und gern besuchtes Reiseziel. Internet <3

Schön: kochen.

Ich hatte morgens Fisch zum Auftauen rausgelegt und suchte spontan im Supermarkt nach einer gemüsigen Beilage, als mir Kohlrabi entgegenlachte. Eigentlich wollte ich den nur hobeln, salzen und roh verspeisen als schönen, kühlen Kontrast zum warmen, buttrigen Fisch, aber dann kochte ich ihn doch kurz in Butter und goß noch einen Schwupps Sahne dazu. Das tat gut nach dem blöden Nachmittag.

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Was schön war plus Links,
Samstag, 13. Februar 2016

Die Kunstgeschichte Kunstgeschichte sein lassen und hemmungslos genetflixt. Nachmittags wie immer beim Fußball eingeschlafen (Sky-Abo ist bereits gekündigt) und danach erstmals Churros gemacht. Dabei entdeckt, dass die Sterntülle für meinen Spritzbeutel anscheinend noch in Hamburg liegt. Das war kurzfristig nicht so schön, aber das Durchsuchen meiner vier Körbe voller Back- und Kochutensilien, die als Ablageort der Tülle hätten in Frage kommen können, führte zu einer Neuorganisation dieser Körbe, wobei ich alles in drei quetschen konnte (und sogar thematisch halbwegs sinnvoll, was meinen inneren Monk sehr befriedigt hat). Das heißt, ich habe wieder Platz gewonnen – wenn ich im April die restlichen, ich schätze vier, fünf Umzugskartons aus Hamburg in München haben werde, wartet schon ein leerer Korb auf Zeug.

Nein, Moment, es warten sogar zwei Körbe, denn vor einigen Tagen habe ich einen Korb im Flur leergemacht, der voller Kabel und Zeug war, das sich in 20 Jahren PC- und Elektrospielzeugbesitz ansammelt, über das ich vor dem Umzug einfach nicht nachdenken wollte, weswegen ich es schlicht komplett in eine Kiste warf und hier beim Einräumen ungeordnet in einen Korb. Jetzt wurde geordnet und radikal weggeschmissen – wenn ich nicht weiß, was dieses Kabel macht, kommt es weg, fertig. Vom ersten iPhone und dem ersten iPod konnte ich mich allerdings nicht trennen, die liegen beide weiterhin als nutzloser, aber wunderschöner und epochaler Elektroschrott bei mir rum.

Abends entspannt gelesen und gemeinsam mit F. eingeschlafen.

For a Democratic Art History

Lev Manovich schrieb gestern einen Facebook-Post, mit dem er bei mir offene Türen einrannte. Die Kurzfassung: Erst Social Media macht Kunstgeschichte wirklich möglich – vor 2005 (dem ungefähren Beginn von Social Media) war sie nur die Geschichte einer kleinen Auswahl von Kunst, die von einer Elite gesammelt und kuratiert wurde.

„What did hundreds of thousands of artists around the world painted in 1950? Or in 1850? What are the local differences around the world in personal photography in 1970? What were the contents and styles of all illustrations published in every magazine in 1930? Go ahead and ask a similar question about any form of visual culture, any medium, and any period until 2005. The answer will be the same: we have no idea. That is, we know (sometimes a lot) about the “leading” and “most important,” the “avant-garde” cases – which by definition are statistical outliers. (If they were forward looking avant-garde artists, this means that everybody else around them was different, so these artists do not represent general visual trends of the time.) Vincent van Gogh, Pablo Picasso, Berthe Morisot, Lyubov Popova, Diana Arbus, Ilya Kabakov, Ai Weiwei are all such outliers.

The disciplines that study visual culture are the “sciences of outliers.” But what about everybody else?“

Genau deswegen sind für mich Blogs immer noch so wichtig, genau deswegen finde ich jedes Mommyblog spannender als Technoblubber, der überall gleich ist. Jede persönliche Ansicht, jeder noch so banal scheinende Tagesablauf enthüllt mehr über unsere Kultur als das tausendste iPhone-Blog. So ähnlich formulierte es schon Arnold Esch, der einen meiner liebsten Texte zu Geschichte und ihrer Entstehung schrieb:

„Selbstzeugnisse aus dem sogenannten „niederen Volk“ gibt es fast nicht, sie fallen in die Kategorie der nie geschriebenen Quellen. (…) Wenn Bertolt Brechts Lesender Arbeiter fragt: „Der junge Alexander eroberte Indien. Er allein? Caesar schlug die Gallier. Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich? Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte untergegangen war. Weinte sonst niemand?“ – wenn er so fragt, dann meint er, daß nach Caesars Koch oder nach Philipps Soldaten nicht gefragt werde (und damit hat er, oder hatte er, sicherlich auch recht). Aber daß Brechts lesender Arbeiter auf seine treffenden Fragen nicht so leicht eine Antwort findet, liegt nicht allein an der Bosheit der herrschenden Klasse, die diese Fragen nicht stelle, die diese historische Fragestellung nicht zulasse, sondern ist wiederum zugleich ein Problem der Überlieferung (und das heißt allerdings wieder: daß nie einer da nach gefragt hat). Caesars Koch hat keine sehr große Chance, in eine historische Quelle zu kommen – es sei denn, er täte das Unerhörte und vergifte Caesar.“

Hear Disney princesses sing in their original languages

Genau das, was die Überschrift sagt: Schneewittchen auf Deutsch, die kleine Meerjungfrau auf Dänisch und Mulan auf Chinesisch. Klingt alles hervorragend.

Ich muss dringend noch mal Hercules gucken.

#12von12 im Februar 2016

Wie immer am 12. des Monats: Zwölf Bilder machen, instagrammen und sie dann zu einem Blogeintrag zusammenfassen. Das Kännchen sammelt alle Beiträge. Ich hatte gestern sehr fotolustige Finger und habe gefühlt 20 Bilder instagramt; hier eine Auswahl.

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Ich sollte mir abgewöhnen, im Dämmerlicht zu fotografieren. Auf dem iPhone in der App sieht’s okay aus, so groß im Blog natürlich fürchterlich, aber das müssen wir jetzt durch. Das ist mein momentaner Blick aus dem Bett. Nach fünf Monaten in der Münchner Wohnung mit den Hamburger Möbeln habe ich jetzt, glaube ich, den Platz gefunden, an dem ich schlafen möchte.

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Seit ein paar Tagen esse ich mit Goldrand und Silberbesteck, und das war eine der besten Ideen, die ich hatte bzw. zu der mich ein Blog inspiriert hat (zweiter Absatz). Jede Mahlzeit fühlt sich seitdem wie ein Festessen an, und das schöne Geschirr steht jetzt zum Teil offen im Regal und nicht mehr in einer Umzugskiste in der Abstellkammer. Der Anblick der Teller erfreut mich genauso wie das Essen von ihnen. Win-win!

Nach dem Frühstück fuhr ich zu meiner Ärztin für die vierteljährliche Blutabnahme. Ich hatte im Kopf den #wazifubo (für alle Uneingeweihten: Wartezimmerfußboden) schon als Bild eingeplant, aber: Ich musste nicht warten, sondern kam gleich dran. Deswegen instagramte ich den Treppenaufgang zu meiner Ärztin, als ich gut gelaunt (Ärztinhelferin traf beim ersten Versuch die Vene, wie immer; ich weiß schon, warum ich mit meinen unsichtbaren Adern dorthin gehe) und verpflastert die Treppe herunterkam. Das Bild ist aber unspektakulär, deswegen steht es hier nicht.

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Blick durchs Sendlinger Tor auf St. Matthäus, eine meiner Lieblingskirchen in München. Alles in Laufweite meiner Ärztin. Ich stapfe selten direkt zum U-Bahn-Eingang, sondern gehe fast immer durchs Tor, weil ich gerne durch mittelalterliche Stadttore gehe.

Das sofortige Drankommen bei der Ärztin ruinierte total meinen Tagesplan:

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Ich lungerte also noch 20 Minuten in der warmen U-Bahn-Station Universität rum und las Carol auf dem iPhone, bevor ich zur Stabi schlenderte, um weitere Bücher für die Stadion-Hausarbeit auszuleihen. Vorbereitet war ich auf ein Buch, im Regal lagen aber noch zwei weitere, mit denen ich noch gar nicht gerechnet hatte. Damit war mein Rucksack voll und schwer, denn in ihm lag bereits mein Rechner, das Netzteil, mein Wasserfläschchen und der übliche Kram, den man halt so mit sich rumschleppt. Damit knickte ich einen Termin, den ich mir eigentlich vorgenommen hatte: Ich wollte zur TU fahren, um mir dort eine Bibliothekskarte ausstellen zu lassen. Denn in der TU stehen deutlich mehr Bücher über Architektur als bei den KuGis oder dem Zentralinstitut und auch, wer hätte es gedacht, der allwissenden Stabi. Für die TU gilt aber mein LMU-Bibliotheksausweis nicht und daher muss ich da wohl mal vorbeifahren. Allerdings nicht mit einem kiloschweren Rucksack. Termin auf Montag verschoben.

Ich ging zur Bushaltestelle Von-der-Tann-Straße, wo gerade ein Bus der Museumslinie 100 anfuhr, in den ich sprang, denn ich wollte zum Zentralinstitut. Ich hatte blöderweise nicht richtig auf die Busbeschriftung geachtet: Ziel Nordbahnhof fährt zum Königsplatz, wo ich hinwollte, Ziel Ostbahnhof logischerweise in die andere Richtung. Das vergesse ich aber gerne, weil ich diesen Bus nicht oft benutze – ich bin normalerweise auf dem Fahrrad unterwegs, aber gestern war ich frostköttelig und wollte Öffis fahren. Ich dachte mir aber, fifty-fifty, notfalls steigste halt wieder aus.

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Der Bus fuhr natürlich in die falsche Richtung und ich stieg am Haus der Kunst um.

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Der richtige Bus spuckte mich am Königsplatz aus, wo das wunderschöne Lenbachhaus steht.

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Und ich ging – erstmalig in über drei Jahren München – durch die Propyläen anstatt um sie herum. Dabei ist das ja eigentlich das Tolle an ihnen: dass sie begehbar sind. Vorbild waren die Athener Propyläen.

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Über den Königsplatz ging ich zum Zentralinstitut für Kunstgeschichte. So sieht mein derzeitiger Handapparat aus. Wir dürfen uns für eine Woche bis zu sieben Bücher zurücklegen, was einerseits toll ist, weil man wichtige Werke quasi reserviert, aber andererseits doof, weil wichtige Werke gerne auch in anderen Handapparaten liegen und man nicht an sie drankommt, obwohl man vielleicht nur mal zwei Minuten was nachgucken will. Ich suche gerade von Charles Jencks The Iconic Building, das quasi die Grundlage des Kurses war. Davon gibt es in ganz München allerdings nur ein einziges Exemplar, nämlich das im ZI, wo es aber nie im Regal ist, wenn ich da bin. Das wird in einem Handapparat festsitzen. Deswegen habe ich es per Fernleihe kommen lassen und hoffe, dass es am Montag in der UB liegt.

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Nach drei konzentrierten und ertragreichen Stunden, was meine Stoffsammlung angeht, fuhr ich nach Hause und guckte Grey’s Anatomy, die nach acht Wochen aus der Winterpause zurück sind.

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Abends fuhr ich zum Werkraum der Kammerspiele, wo ich mit F. Reichstheaterkammer schaute, ein Projekt des dritten Studienjahrgangs der Otto-Falckenberg-Schule. Ich copypaste mal für alle, die zu faul sind, den Link zum Stück zu klicken:

„1943 feierte München, die „Hauptstadt der Bewegung“, den 70. Geburtstag des Kammerspiele-Intendanten Otto Falckenberg. 2016 wird die nach ihm benannte Schauspielschule ebenso alt. Die Studierenden des dritten Jahrgangs begeben sich auf eine spielerische Recherchereise in die Ära Falckenberg: Widerstand das Theater in der Nazizeit als Ort des Humanismus oder wurde es zum Erfüllungsgehilfen einer „nationalen Pflicht“? In welcher Verantwortung sahen sich KünstlerInnen damals und sehen wir uns heute?“

Unter der Beschreibung konnte ich mir erstmal nichts vorstellen und war daher gespannt. Das Stück hatte mich dann auch gleich mit dem ersten Satz, der sinngemäß lautete: „Am 9. November 1938 wurde in den Münchner Kammerspielen Schillers Kabale und Liebe gegeben.“ Alles drin: worum geht’s, wo sind wir, das Datum weist auf den nationalsozialistischen Terror hin, der Stücktitel auf das deutsche Kulturgut, Dicher und Henker in einem Satz. Sehr gut.

Im Stück selbst wurden unter anderem Briefe wiedergegeben, die sich mit Schauspieler*innen befassten, die an den Kammerspielen agierten oder eben nicht mehr durfen, wie eine jüdische Darstellerin, deren Namen ich leider nicht kannte. Zwischendurch gab es Videos oder Szenen, in denen sich die jungen Schauspieler*innen mit dem Ort befassen, an dem sie ihr Handwerk lernen. Zum Schluss wurde gefragt, wer würde den Namen der Schule ändern (Mehrheit, wenn ich richtig gezählt habe), wer nicht, wer enthält sich. Ich fand das Stück spannend, weil es viele Ebenen miteinander verschachtelt und nicht in der Vergangenheit verharrt, sondern sich auch kurz mit der heutigen Situation befasst: Menschenverachtung und Ausgrenzung sind ja gerade wieder aktuelle Themen. Insgesamt war mir das Stück aber zu einseitig, auch wenn ich mich mit dieser Meinung auf einen schmalen Grat begebe. Ich ahne, dass nicht alle Menschen damals absolut pro NS oder total dagegen waren, sondern dass man sich eben einrichtete, mitmachte, sich wegduckte, was auch immer. Ich maße es mir nicht mehr an, den Stab über allen zu brechen, die damals gelebt haben. Mit Mitte 20 habe ich aber genau das getan, und so klang das Stück gestern auch: Es gibt ein einziges Richtig und ein einziges Falsch. Das hatte manchmal ein bisschen sehr die Arroganz der Spätgeborenen. Trotzdem eine klare Anguckempfehlung.

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Das übliche Nach-Theater-Futter im Blauen Haus.

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Vom Theater gingen wir zu Fuß zum Marienplatz, wobei wir am Hofbräuhaus und einem weiteren beliebten Tourimotiv vorbeikamen. Ich fotografiere das besinnungslos alles immer noch. Mein München. (Läuft.)