Bakublog

Hurra, Stefan und Lukas sind wieder im Auftrag des guten Geschmacks unterwegs. Hier ihr erster und zweiter Eindruck aus Baku.

Einstimmen

Auch ein Schlemmerbistro im Norden diskutiert über das CL-Finale. Herr Gomez vergnügt sich mit Herrn Kaymer (danke an Kiki für den Hinweis, und ja, es ist Werbung). München putzt sich raus. Ein Liedchen gibt’s auch. (Natürlich.) Und wenn ich Glück habe, bringt mir DHL mein Shirt auch noch rechtzeitig. Daumen drücken!

Bagels

Neulich bat ich per Twitter Frau coolcat um ihr Bagelrezept, weil ich die Dinger dauernd sehe, wenn ich mich mal wieder in ihrem Flickr-Stream hungrig sabbere. Freundlicherweise bekam ich es, und jetzt reiche ich es weiter. Drüben steht das Rezept für zehn bis 14 Kringel mit Frischhefe und sogar, wenn man möchte, als vegane Variante. Hier steht die faule unvegane für sechs Bagel.

1 Ei trennen, gut die Hälfte vom Eigelb zum Eiweiß geben und verquirlen. Das restliche Eigelb beiseite stellen.

250 g Mehl, Type 550, mit
1/2 Tütchen Trockenhefe,
2 TL Zucker und
1 TL Salz mischen.

In einem kleinen Topf
25 g Butter in
125 ml Milch schmelzen.

Das verquirlte Ei zur Buttermilch geben und mit den trockenen Zutaten zu einem Teig mischen. Den Teig circa zehn Minuten kneten, notfalls noch Mehl dazugeben. Sagt schon der gesunde Menschenverstand, aber ich schreib’s trotzdem noch mal auf: Wenn nix mehr an den Fingern klebt beim Kneten, ist die Mehlmenge richtig. Den Teig in eine Schüssel geben und abgedeckt eine Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.

Danach noch mal kurz durchkneten und aus dem Teig sechs Bagel herstellen. Ich habe dazu sechs Kugeln geformt, sie ein bisschen plattgekuschelt und sehr unfeierlich mit dem Zeigefinger ein Loch in die Mitte gebohrt. Die Bagel abgedeckt für weitere 15 Minuten gehen lassen.

In der Zeit in einem Topf
3 l Wasser,
2 TL Zucker und
1 TL Salz zum Kochen bringen. Die Temperatur verringern, bis das Wasser nur noch simmert. Die Bagels nun mit einer Schaumkelle für eine knappe Minute ins Wasser geben. Ebenso wieder rausfischen, abtropfen lassen, auf ein Backblech umsiedeln, mit dem übriggebliebenen Eigelb bestreichen – wer mag, streut noch Zeug seiner Wahl oben drauf, zum Beispiel Sesam oder Mohn – und im auf 200° C vorgeheizten Ofen für 20 bis 25 Minuten knusprig-gold backen.

Ich bin gerade wieder auf dem Pastrami-mit-Kaffeemayonnaise-Trip, die mir gestern allerdings etwas zu dünnflüssig geraten ist.

reinstoff, das zweite Mal

Der erste Besuch liegt ein Jahr zurück; inzwischen hat das reinstoff einen zweiten Stern bekommen, und ich behaupte von mir, ich hätte einen Hauch mehr Ahnung von gutem Essen und gutem Wein. Beste Voraussetzungen also, um einen tollen Abend zu haben. Ich nehme die Pointe vorweg: hatten wir. Ich nehme allerdings noch was vorweg: Das schöne, klare, weiße Licht, das wir im letzten Jahr hatten, ist leider einer gelblichen Raumbeleuchtung gewichen. Das macht den Laden zwar etwas heimeliger, meine iPhone-Bilder allerdings sehr fies. Netterweise hat mir Herr Knüwer einige seiner Bilder überlassen, die deutlich schicker sind. Und noch was: Ich habe mir keine Notizen gemacht, was für den Blogeintrag sehr, sehr doof ist. Insofern ist das hier keine angemessene Kritik, sondern eher ein Merkzettel für mich, damit ich noch in drei Wochen weiß, was ich gegessen und getrunken habe.


(Foto: Thomas Knüwer)

Wir starteten mit einem Rieslingsekt, um uns die Wartezeit bis zu den Vorspeisen zu verkürzen. Die bestanden aus, copypaste von der Speisekarte:

„Eisblume und Vinaigrette“ – genauer gesagt ein bisschen Sorbet (?) mit säuerlich-frischer Vinaigrette. Schöner Reinkommer.

„Cracker“ – mit Rhabarbergelee. Weder süß noch salzig, aber herrlich. Zuerst knistert, dann schmeichelt es.

„Aubergine und Miso im Umschlag“ – kleine Gemüsewürfel in Esspapier. Mein Kommentar an dem Abend: die erste Aubergine, die nach was schmeckt.

„Eingelegter Hering, traditionell“ – genau so.


(Foto: Thomas Knüwer)

Der Gruß aus der Küche war ein „Lammburger“ – genauer gesagt, ein grünes Macaron, das mit einem winzigen Salatblatt und Lammfleisch belegt war, serviert an einem Klecks Senfdressing auf knitterigem Pergamentpapier. Den Burger in die Hand genommen, durch den Senf gezogen, in einem glückseligen Haps verspeist und mit den Fingern noch den Rest Dressing vom Pergament gerettet.

Dann ging es an die Hauptgänge, zu denen Stevan, Thomas, zwei weitere Menschen, von denen ich nicht weiß, ob sie genannt werden möchten, mit denen man aber einen sehr netten Abend verbringen kann, und ich die Weinreise orderten. Also zu jedem Gang ein Glas passenden Wein. Inzwischen bin ich so weit, dass ich an den Weinen fast mehr Spaß habe als am Essen, weswegen es mich noch mehr ärgert, mir keine Notizen gemacht zu haben.

„Morchel ,Royale’ mit Pinienkernen, Zwiebelbouillon und Verjus 8“, dazu gab es einen Amontillado V.R.O.S, Bodegas Tradicion, Jerez. Kein Foto, und der Gang wurde von den Erinnerungen an die folgenden leider in die hinterste Hirnecke gedrückt. War garantiert toll.

„Garnelen aus der Normandie, Buschbohne, Seemoos und Aioli“, dazu einen Riesling R „Monzinger Halenberg“, Emrich-Schönleber von der Nahe, 2008. Wie ich schon twitterte: der beste Riesling, den ich je getrunken habe. Bitte kauft ihn mir nicht weg, ich muss ihn dringend noch mal trinken. Garnelen und ich werden wohl nie richtig dicke Freund_innen, aber die hier waren (erwartungsgemäß) ausgezeichnet. Vor allem das grüne Sößchen hatte es mir angetan, und ich musste mich sehr zusammenreißen, nicht den Teller zu kippen und den Rest auszutrinken.

Wieder ohne Foto: „Ei, geschmortes Huhn, Johannisbeerblätter und verflüssigte Kräuter“, dazu einen Manzoni Blanc de Plana, Vigna Dogarina, Veneto, 2008. Das nächste kleine Wunderwerk aus verschiedenen Texturen, die für mich so spannend waren, dass ich den Geschmack fast vergessen hätte. Knusprig, flüssig, eine Beilage, die zuerst spröde und dann schmelzig im Mund war, dazu das weiche Ei – herrlich. Der Wein dazu war ebenso komplex: viel Frucht, viel Ooomph.

„Gänseleberterrine, Erd- und grüne Mandel“, dazu einen Cantocuerdas Moscatel, Bernebaleva, Vinos de Madrid, 2009. Bei dem Wein jauchzte ich peinlicherweise ein bisschen auf, was den schnuckigen Sommelier aber nicht aus dem Konzept brachte. Seit Frau Cucina Casalinga mir einen Moscato kredenzte und ich im trific grundsätzlich den Gelben Muskateller vom Pollerhof anhimmele, will ich mich in die Richtung fortbilden. Der hier war eine gute Fortbildung – so eine von der Sorte, wo ich schon bei der ersten Nase weiß, dass ich davon gerne eine Kiste nach Hause tragen wollen würde. Lieblich, aber mit genug Muckis, um gegen die Gänseleber anstinken zu können. Bei der Beschreibung dachte ich, das wird ein feister Angebergang mit nem vorsichtigen Wein dazu. Stattdessen machte sich der Moscatel im Mund breit, während die Gänseleber fein vor sich hinschmolz und die grünen Mandeln charmante Akzente setzten. Ach, und das Brot! Fluffigst.

„Blauleng, Tomatensaft, Austernkraut und Muscheln“, dazu ein Sotorrondero, Jimenez Landi, Mentrida, 2009. Der Gang, bei dem selbst der Koch am Tisch fragen musste, was bitte ein Blauleng sei. Der Racker ist ein Fisch, der angeblich ein bisschen nach Forelle schmeckt. Kann ich nicht beurteilen, war aber – natürlich – sehr gut. Zartes und gleichzeitig kräftiges Fleisch, dazu die ansatzweise zähen Muscheln, was ich als positiv empfand; sie rutschten nicht so uninspiriert weg, sondern ergänzten den Fisch um eine zusätzliche Textur. Mit dem Wein musste ich mich erst anfreunden: Die Nase zuckte vom Glas weg – Rauch! Also nicht nur ein bisschen Holz irgendwo hinten in den Nasenflügeln, sondern wirklich so, als ob man den Kopf in einen Kamin steckt. Sobald ich aber einen Bissen vom Essen nahm, verschwand der Kamin, und aus allem wurde eine wunderbare Einheit. Hach, Wein!

„Berliner Weiße ,eiskalt’ und Löwenzahnlimonade“, genauer gesagt, ein Schlückchen Dandelion & Burdock. Ein köstliches Sorbet mit Himbeerpüree und einer mit dem Skalpell zerteilten Himbeere zum Magenaufräumen. Über die Löwenzahnlimo war man sich am Tisch nicht ganz so einig: sehr süß, und ich hatte seltsame Zahnarzterinnerungen, weiß der Geier woher. Aber das Himbeerpüree hätte ich geheiratet. Und ich habe Klee gegessen.

„Wald und Wiese: Kronenstück vom Kalb, Salatspitzen, Knollenkerbel“, dazu ein Dominio de Atauta, Ribera del Duero, 2009. Der Gang, der uns am meisten beeindruckte. Schon optisch ein Volltreffer, aber das ist ja fast albern zu erwähnen, und ich streue wirklich zutiefst traurig Aschenberge auf mein Haupt wegen des miesen Bilds. Dann der erste Bissen: Das Fleisch wurde bei Niedrigtemperatur gegart; außen war es lieblichbraun, innen vollständig rosa. Und ich meine: rosa. Sämtliche Stücke hatten die gleiche Struktur und Farbe und steckten voller Kraft und Anmut. Wo wir bisher das gesamte Essen durchgequatscht hatten, war auf einmal Ruhe am Tisch. Fünf Menschen, die sich andächtig mehreren kleinen Stücken Fleisch widmeten, dem bissfesten Spargel, den luftigen Kräutern, der konzentriert-aromatischen Sauce, die alle mit Brot auftunkten, weil es schlicht ein Sakrileg gewesen wäre, auch nur einen Tropfen davon zu verschwenden. Dazu ein tiefroter, vollfruchtiger Wein, an den ich aber kaum eine Erinnerung habe. An das begeisterte Schweigen um so mehr.

Das Dessert für Herrn Knüwer war „asiatisches Müsli und geeiste Zuckererbse“, wir anderen ließen uns „Emmental Grand Cru, Sauerklee und Kernobst“ schmecken. Dazu hatten wir einen Chardonnay R, Ökonomierrat Rebholz, Pfalz, den ich mal wieder nicht als Chardonnay erkannt hätte (dass ich jemals Chardonnay erkennen würde, hatte mir Vinoroma eigentlich auch schon ausgetrieben). Ich gackere zwar immer noch ein bisschen über die Kombination Käsename + Grand Cru (hey, es ist Käse!), aber auch dieser Gang hat mich sehr glücklich gemacht. Erstens sah er aus wie ein Kandinsky zum Essen – ich unterstelle der Küche, den Teller mit Geodreiecken rechtwinklig ausgerichtet zu haben –, und zweitens gab es neben den Obststücken ein Früchtebrot, das so dermaßen allen anderen Klötzen dieses Namens, die man zu Weihnachten kriegt, in den Arsch tritt wie es fester kaum geht. Das war quasi nur Luft mit einem Sauerteighauch und Fruchtsüße. SO. GEHT. FRÜCHTEBROT.


(Foto: Thomas Knüwer)

Die Rausschmeißer nach den acht Gängen waren „Erfrischungsstäbchen“, die ähnlich wie die Billovariante schmeckten, aber kunstfertig handgedrechselt aussahen, weswegen Stevan anfing, darüber nachzudenken, wie man die wohl herstellt. „Kaffeesahne karamellisiert“ war ein dekonstruierter Milchkaffee – das Stichwort „Milchmädchen“ fiel; mich erinnerte es an einen mit Gold überzogenen Starbuckssirupkaffee, und ich hätte gerne viel mehr davon gehabt. Der „Energieriegel“ war ein dünnes Segel aus Nüssen, bei dem ich mich fragte, ob die Küchencrew Yoga macht, um so ruhige Hände zu haben, die man braucht, um diesen Hauch zusammenzubauen. Und das „Schokokissen und Kümmel“ war Luft mit würziger Schokolade ummantelt.

Ein letztes Knacken im Mund, ein wehmütiger Blick auf die leergegessenen Platten und ausgetrunkenen Gläser. Zum Abschluss noch ein Espresso und ein Nussbrand, von dem ich mir blöderweise die Marke nicht erfragt habe, denn es war der erste Schnaps, der so mild war, dass er dazu verführt, deutlich mehr als 2 cl davon zu trinken. Wenn ich mich richtig erinnere – und irgendwann war ich, wie beim letzten Mal, nicht mehr fähig, klar zu denken, weil ich in Glückshormonen badete –, haben wir fast fünf Stunden für das Festmahl gebraucht. Ich war danach weder angetrunken noch überfressen, sondern hätte gerne gleich für den nächsten Tag wieder einen Tisch gebucht.

Ehe ihr fragt: mit Trinkgeld 275 Euro. Jeden Cent wert. Logisch.

Ein wildes Dankeschön …

… an Nina, die mich mit Inge Waltls (zu.viele.konsonanten) wild & köstlich – Feine Gerichte aus der Wildpflanzenküche überrascht hat. Das Buch stand zwar nicht auf meinem Wunschzettel, aber ich habe mit Interesse schon die Rezepte mit Gänseblümchen durchgeblättert – und frage mich jetzt, ob ich einfach mal eine Wiese leersammeln und verkochen sollte. Eine neue Aufgabe, yay! Vielen Dank, ich habe mich sehr gefreut.

„Bavaria‘s cuisine is a monster truck. It crumples the delicate-by-comparison culinary offerings of Spain, Italy, and France like tiny little Fiats and Peugots in its path.

Do you want to eat Bavarian food? OF COURSE YOU DO. It is rich and doughy and filling and is the only thing on the planet that can soak up German beer.“

Noch mehr Neues EINSELF!

Jetzt, wo wir hier alles anständig lesen können, weil alles so schön groß ist, habe ich auch noch einen neuen Menüpunkt gebastelt (bzw. basteln lassen, Sie wissen ja, ich lasse, ich befülle das hier nur mit Content), und dieser neue Menüpunkt heißt: Bücher. Da links isser.

Ich finde nicht alle Bücher wieder, die ich hier in den letzten knapp zehn Jahren besprochen habe, aber so alles ab 2007 ist in der Liste. Enjoy.

Deppenpost

Äh. Ja. Mailen die sich den Text erstmal intern siebzehnmal zu, bevor sie arme Blogger_innen belästigen? Niedlich.

Alles neu macht der Mai Nee, die Überschrift nehme ich nicht, ist ja nicht alles neu, und außerdem ist sie doof. Hm. Mal überlegen, was ich drüber schreibe.

Oma Gröner ist alt und hat müde Augen und keine Lust mehr auf ihre geliebte kleine Verdana. Denn meine geliebte kleine Verdana sieht nur in 12 Punkt und darunter hübsch aus; darüber finde ich sie meh. Daher hat sich mein bewährter, persönlicher Style Sheet Servant Herr jawl an die Arbeit gemacht und das Blog etwas modernisiert. Beziehungsweise dafür gesorgt, dass Oma Gröner sich beim Gucken nicht mehr so anstrengen muss.

Die Headlines sind weiterhin serif, jetzt allerdings in Cardo anstatt in Georgia, der Fließtext weiterhin sans serif, jetzt in Quattrocento sans anstatt in Verdana. Und alles eben riesengroß. Die Fotos dürfen sich statt 380px jetzt 500px breit machen, was meine iPhone-Fotos noch mieser, meine Futterfotos per Digicam aber hoffentlich etwas hübscher aussehen lässt.

Zusätzlich funktioniert dieses Blog jetzt mit diesem fancy responsive web design; den Ausdruck habe ich in einem der meist unverständlichen Kerl-Tweets über dieses Thema gelernt und wende ihn seitdem begeistert an. Das heißt, ankegroener.de passt sich jetzt deinem Screen in der Breite fließend an. Je schmaler dein Device ist (27-Zoll-Thunderbolt-Display, iPad, iPhone … oder eben was von der dunklen Seite der Macht), desto schmaler wird auch das Layout, bis es auf Smartphones schließlich nur noch die Textspalte gibt und das Menü zum Ausklappen ist. Ich probiere das gerade noch alles aus; wenn es irgendwo so richtig seltsam aussieht, gerne Mail oder DM an mich.

Sonst hat sich nix geändert. Weiterhin altmodisches Tagebuchbloggen. Ihr kennt das ja.

Mokka-Walnuss-Marmorkuchen

Das Rezept stammt von der charmanten Ostwestwind und reicht in der Menge, wie sie unten steht, für eine Gugelhupfform. Ich wollte nur was Kleines zum Spontankaffee und habe daher das Rezept halbiert und damit eine kleine Kastenform vollgekriegt.

Auch en miniature ist der Kuchen äußerst schmackhaft: ein bisschen Schokolade, ein Hauch Kaffee, eine Spur Nuss und das alles flauschig verpackt. Gerne wieder.

85 g dunkle Schokolade (bei mir Lindt 70 %),
60 ml Kaffee (bei mir Espresso),
1 TL löslicher Kaffee oder Espresso (bei mir schnödes Kaffepulver) und
30 g Butter bei kleiner Flamme zu einer Creme schmelzen.

In einer Schüssel
315 g Mehl, Type 405, mit
40 g gemahlenen Walnüssen (bei mir Haselnüsse),
1 TL Backpulver und
1 TL Salz mischen.

In einer zweiten Schüssel
225 g weiche Butter zu einer dicklich-weißen Creme verschlagen. Nach und nach
4 Eier sowie
350 g Zucker unterrühren.

In diese Creme nach und nach die gemischten trockenen Zutaten sowie
240 ml zimmerwarme Milch mischen. Laut Ostwestwind immer abwechselnd, dabei mit den trockenen Zutaten anfangen und aufhören. Keine Ahnung warum, hat aber funktioniert und geschmeckt und deswegen hinterfrage ich das nicht groß. Das Mischen geht mit dem Mixer; ich persönlich bin allerdings ein großer Fan des vorsichtigen Unterhebens per Teigschaber. Wahrscheinlich bilde ich mir das ein, aber seitdem ich nicht mehr hysterisch mixe, sondern chillig unterhebe, sind meine Kuchen fluffiger als früher.

Eine Hälfte des Teigs in die Kuchenform gießen, die zweite Hälfte mit dem Schokobutterkaffeegemisch mixen und ebenfalls in die Form geben. Mit dem Besteckteil Ihrer Wahl die Teige kurz vermischen, so dass ein Muster entsteht. Wer es kleinteilig mag, kann die Teige auch abwechselnd löffelweise in die Form füllen. Wir haben ja sonst nix zu tun.

Das Ganze für eine Stunde im auf 195° C vorgeheizten Ofen backen und beim Auskühlen den Kerl aus der Küche scheuchen. („Wieso muss der auskühlen?“)

re:publica 2012 – Tag 3

Meine Soziophobie nahm am letzten Tag noch ausgeprägtere Züge an als am zweiten: Ich hoffte sehr, dass mich niemand ansprach, und das hat auch ganz gut geklappt. Trägt wahrscheinlich nicht gerade zu meiner Reputation als echt netter Mensch bei, aber das war alles ein bisschen zu viel von allem. Abends im reinstoff in kleiner Runde konnte und wollte ich stundenlang reden, tagsüber in der Masse dagegen verschwinden und einfach nur zugucken, zuhören, aufnehmen, mich inspirieren lassen.

Dafür war das erste Panel nicht ganz so geeignet. EU-Kommissarin Neelie Kroes las ihren Vortrag fast komplett ab (auf Papier!!einself!), und dementsprechend fiel es mir etwas schwer, dabei zu bleiben. Könnte aber auch an ihren Thesen gelegen haben, die in meinen Augen keine waren: Sie wünscht sich ein möglichst freies Internet, aber zum Beispiel Kinder müssten auch geschützt werden. Äh. Ja. Das klang zwar enthusiastischer als das meiste, was deutsche Politiker_innen von sich geben, aber alleine für diese Aussage hätte ich keine halbe Stunde Zeit gebraucht.

Dafür entschädigte das nächste Panel für so manches: Marcel-André Casasola Merkle (@zeitweise) überlegte laut, wie es wäre, wenn Spieleentwickler wie er Gesetze machen würden. Der Titel des Panels klang für mich so an den Haaren herbeigezogen, dass ich es unbedingt sehen wollte – und ich kam äußerst begeistert wieder raus. Viele, viele tolle Ideen – toll, weil viel, aber auch doof, weil zu viel, um sie sich zu merken. Ich habe gerade noch im Kopf: Wenn Menschen Regeln selbst entwickeln, halten sie sich viel eher daran als wenn ihnen diese von außen aufgezwungen werden. Beispiel Twitter, wo die User selbst „Regeln“ aufstellen, wie zum Beispiel Hashtag-Nutzung, an die sich auch alle halten. Und Twitter als Anbieter hat auf diese Regeln reagiert, indem sie Hashtags irgendwann klickbar machten. (Ich hoffe, ich erinnere mich da jetzt korrekt.)

Merkle sprach über verschiedene Reaktionen, die er in den Berichten von Spieletester_innen wiederfindet: das Gefühl von Ohnmacht, Überforderung, Verkrustung, Ungerechtigkeit. Das seien auch Dinge, die der Gesetzgeber ausgleichen müsste. Monopoly diente als Beispiel für eine Möglichkeit, den Spieler_innen über einen längeren Zeitraum die Möglichkeit zur Teilhabe zu garantieren: Wer über Los zieht, bekommt automatisch Geld und kann weiter mitspielen. Der Weg zum bedingungslosen Grundeinkommen ist gedanklich kürzer als die Zeit, die ich brauche, um diesen Satz aufzuschreiben.

Oder die Tatsache, dass sowohl Spiele als auch Gesetze nicht ergebnisorientiert sind. Wir spielen, um uns gemeinsam zu unterhalten. Und Gesetze sind nicht dazu da, jemanden zu bevorzugen, sondern um ein möglichst gerechtes Miteinander aller zu ermöglichen. Aus diesen Gedanken entstand der Satz, der mein Lieblingstweet der ganzen rp12 ist: „Spiele sind nicht ergebnisorientiert. Außer Strip-Poker. Oder russisches Roulette.“ Gefolgt von: „Mensch-ärgere-dich-nicht ist nur dazu da, damit Kinder lernen, dass die Welt scheiße ist.“

Ich kann dem Panel nicht gerecht werden, weil ich nicht mitgeschrieben habe, daher fallen mir jetzt nur noch diese wenigen Fragmente ein. Ich hoffe sehr, dass der Beitrag vielleicht online gestellt wird, damit ihr ihn nachlesen könnt, denn es lohnt sich sehr. Das fand auch der sehr volle Saal; das Panel hat den bis dahin längsten Applaus bekommen, und ein Fragesteller meinte, er beantrage hiermit eine zweite Staatsbürgerschaft in dem Land, das Merkle mit Gesetzen beglücken würde. Dito.

(Edit: die taz hat Merkle interviewt.)

In hochphilosophischer Stimmung schlenderte ich zu Stage 2, um mir eben diese ruinieren zu lassen, denn dort lieferte Herr Schwenzel einen seiner traditionell unterhaltsamen Vorträge ab. Diesmal trug er den Titel Soylent Green, äh, the internet is people. Da war zwar null Neues für mich dabei (Menschen machen das Internet – ach was), aber ich würde Felix auch bei einem Vortrag Bananen sind Südfrüchte zuhören. Nach 30 statt 60 Minuten waren wir durch, und es gab keine Fragen, was die Moderatorin erstaunte, Felix aber nicht: „Ich hab keine Fragen erwartet. Ich hab ja alles erklärt.“ Genau.

Nach einer kurzen Pause, die ich zum Rumlungern auf dem Affenfelsen nutzte, dem Abblocken per Tweet/DM aller Kontaktwünsche (ich kam mir immerhin scheiße und asozial vor) und für ein paar dutzend Seiten in meiner derzeitigen Lektüre, ging ich zu Stage 1, wo Katie Jacobs Stanton, Vice President of Market Development @ Twitter, uns bergeweise Zahlen zur Twitterentwicklung und -nutzung um die Ohren warf. Sie erwähnte lustigerweise eine Sache, die auch Felix besprach: dass Fernsehen durch Twitter wieder zu einem Gruppending geworden ist. Wir gucken zwar alle auf unserer eigenen Couch, diskutieren aber mit hunderten oder tausenden Nutzern über den gleichen Inhalt. Felix erwähnte den #esc, auf den ich mich auch schon sehr freue, Katie zeigte Schaubilder zu American Idol oder den Debatten bei den republikanischen Vorwahlen, wo die Zuschauer_innen die Glaubwürdigkeit der Kandidaten per Twitter-Hashtags bewerteten, was Fox News live begleitete. Mich hat auch fasziniert, dass 90 Prozent aller NBA-Spieler auf Twitter vertreten sind und wieviele Regierungen dieses Medium nutzen (darauf kam auch der nächste Sprecher Steffen Seibert noch mal zurück). Eine Zahl ist mir auch im Gedächtnis geblieben: Bis Twitter die erste Milliarde Tweets voll hatte, vergingen drei Jahre und ein paar Monate. Heute reichen für diese Zahl gerade mal drei Tage.

Und dann brach schon das letzte Panel an: der eben angesprochene Steffen Seibert setzte sich unter großem Applaus auf die Bühne und beantwortet zunächst Fragen der Moderatorin (deren Namen ich leider vergessen habe), bevor die Fragen ans Publikum weitergereicht wurden.

Bei dem Panel wurde mir sehr deutlich bewusst, wer als Profi da oben sitzt und wer nicht. Ich unterstelle dem allergrößten Teil des Publikums, dass es nicht die CDU wählt, und trotzdem hingen alle an seinen Lippen und waren äußerst beifallfreundlich. Seibert wusste ganz genau, was für eine gute Werbeveranstaltung er da ablieferte, und er wusste auch, wie er das Publikum in den Griff kriegen konnte. Erstmal nett sein und danke sagen, dass man eingeladen wurde, zugeben, dass man ein bisschen nervös sei (habe ich ihm nicht abgekauft), dann ein paar kleine Witze in Richtung der Piraten – „Wenn wir dann das Problem der Piraten am Horn von Afrika gelöst haben … (Lacher im Publikum) … am Horn von Afrika, meine Damen und Herren“ (noch mehr Lacher) – und schließlich äußerst charmant und leutselig über die Regierung plaudern wie wir über unsere Kolleg_innen plaudern. Warum er überhaupt mit dem Twittern angefangen habe, wurde er gefragt, woraufhin er meinte, dass viele Regierungen dieses Medium nutzten: „Downing Street No 10, der Élysée-Palast, das Weiße Haus, der Kreml, der Vatikan – und man sollte doch technisch nicht hinter dem Vatikan herhinken.“

Das Panel war jetzt auch nicht übermäßig neu oder inspirierend, aber wie gesagt, ich fand den Kontrast zwischen der Professionalität des Sprechers im Gegensatz zu vielen anderen, sehr überzeugend. Und ja, ich habe mich gut unterhalten. Dafür gab’s dann auch den längsten Applaus (ich habe bei Merkle länger geklatscht, so, bäh) und den vollsten Saal, soweit ich das überblicken konnte, wobei ich ahne, dass Herr Lobo am ersten Abend ähnliche viele Zuschauer_innen gehabt hatte.

Diese re:publica hat sich für mich sehr anders und doch sehr vertraut angefühlt. Neu war: Ich habe alle Panels geguckt, die ich gucken wollte oder eben kurzfristig den Plan umgeschmissen, aber ich war dauernd in irgendwas drin. Ich habe keine Zeit zum Rumlungern oder Quatschen genutzt, sondern war jeden Tag von 10 bis 16 Uhr in Panels, am ersten Abend sogar bis 18 Uhr. Das war bisher gar nicht möglich, weil alles überfüllt war. Dafür habe ich sonst weitaus mehr Menschen getroffen bzw. mich länger als 30 Sekunden mit ihnen unterhalten. Ich weiß nicht, woran es lag, dass ich dieses Mal wirklich nur zuhören und nicht aktiv teilnehmen wollte; vielleicht weil es endlich mal ging.

Mir persönlich hat es jedenfalls sehr, sehr gut gefallen. Die Location ist großartig (nein, sie ist nicht am Arsch der Welt, sondern eine Fußminute von einer U-Bahn-Station weg), wenn mir auch ein bisschen das urbane Umfeld fehlt, das in Mitte die Mittagspausen etwas abwechslungsreicher gemacht haben. Die Vorträge waren fast durchgehend von exzellenter Qualität, und die Bandbreite hat mich sehr erstaunt und noch mehr erfreut. Ich mochte Kleinkram oder begleitende Ideen: die Monoblock-Stühle zum Rumschleppen, die man am letzten Tag sogar käuflich erwerben konnte. Die überklebten Kloschilder, weil die ursprünglichen Bilder einfach doof waren. Das Abspielen der Nyan-Cat-Musik vor jedem Panel, wo sonst in den Pausen entspannter Chillkram lief, der einem auch nach drei Tagen nicht auf den Keks ging. (Edit: klick!) Dass in der republica-space (ich habe sie bisher „open space“ genannt) wieder gemalt wurde, siehe obiges Bild. Und die Begrüßung vom Typ am Kaffeestand: „He, du warst doch gestern auch schon hier.“ Genialer Satz. Trefferquote von fast 100 Prozent, würde ich schätzen.

Liebes re:publica-Team: Tolle Veranstaltung, gerne wieder. Danke.

Rageface-Gröner

Ich hatte den Beitrag schon in meiner rp12-Nachberichterstattung vom Tag 1 verlinkt, aber ich gackere seit Tagen über dieses Bild, und da ich nicht will, dass es untergeht und ihr nicht zum Gackern kommt, ist es hier nochmal als Extraeintrag. Und natürlich der Link zu Jojos Replik auf meine verhaltene Kritik an seinem Panel. (Loveyou!)

“The ideal memorial is written from distance, a generous calculation of merit that proceeds honorably without abandoning accuracy. I have to apologize right now for being unable to give you that – Adam Yauch was a part of my childhood, an ambassador to America from our New York, which is now gone, as is he.”

Peace, Adam von Sasha Frere-Jones.

re:publica 2012 – Tag 2

Nachdem ich am ersten Tag mit Gucken und Staunen und Hallosagen beschäftigt war, war der zweite Tag leider der, an dem meine sozialen Fähigkeiten gen Null tendierten. Ich schaffte es zwar noch, Journelle und Nuf viel Spaß bei ihrem Panel zu wünschen (um mich selbst in ein anderes zu setzen), aber alle anderen Menschen, die mich danach trafen, haben leider die recht ungesprächige Anke abgekriegt, die einfach nur ihre Ruhe haben wollte, sofern das inmitten von 4.000 Menschen möglich ist. Entschuldigung. It’s not you, it’s me.

Mein persönliches re:publica-Programm geht in zwei Richtungen: Ich setze mich entweder in Panels, bei denen mich das Thema interessiert, ich vielleicht schon Vorwissen habe oder mich die Sprecher_innen neugierig gemacht haben. Oder ich setze mich in Panels, bei denen mir das Thema sonst ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht, ich aber hier auf einmal eine Möglichkeit habe, etwas darüber zu erfahren. So ein Panel war mein Start in den Tag: Euroblogger und europäische Öffentlichkeit im Netz. Europa ist für mich ein hübsches Konstrukt, aber ich interessiere mich kaum dafür. Ich mag es, dass ich auf dem Weg nach Paris oder Rom keinen Reisepass mehr brauche, und ich empfinde mich eher als Teil der europäischen Geschichte als der deutschen, aber wenn zum Beispiel Fußball-EM ist, ist dieses Gefühl ratzfatz wieder weg. Europapolitik verursacht in meinem Kopf Desinteresse bis Fragezeichen, und daher dachte ich mir: Alle Themen, die dich interessieren, finden ihre Vertiefung in Blogs bzw. Blogs schaffen es, dich für Themen zu begeistern, von denen du gar nicht wusstest, dass sie dich begeistern können – warum nicht auch Europa? Das Panel von Ronny Patz war dann auch sehr kurzweilig, und in seinem Blog finden sich viele Links zu spannenden Blogs, die ich jetzt brav absurfen werde.

Das zweite Panel war mein bisher liebstes auf der ganzen Veranstaltung, auch wenn es mich sehr deprimiert hat: Theater und digitale Medien – ein Trauerspiel von Tina Lorenz. Sie sprach über den Unwillen der etablierten Häuser, sich digital zu engagieren, wobei nicht ganz klar wurde, ob sie jetzt mehr Partizipation während oder vor/nach der Vorstellung forderte. Auch im Publikum gingen die Meinungen auseinander. Der „Macher“ vom Twitteraccount des Hamburger Thalia-Theaters meinte, er wäre nicht so wild darauf, Menschen zu haben, die aus der Vorstellung heraus twitterten (was ich beklatschte), aber Lorenz meinte, man könne es doch mal auf einen Versuch ankommen lassen – wer von vornherein die neuen Medien ausschließt, dürfe sich nicht wundern, wenn kein echter Dialog aufkäme (was ich auch beklatschen musste).

Ich persönlich kann für eine Oper mein iPhone auch mal zwei Stunden abschalten, wobei ich mir eingestehen muss, es SOFORT in der Pause wieder anzumachen. Entweder um zu checken, was in den vergangenen zwei Stunden passiert ist, die ich ja fieserweise abgeschnitten von der Außenwelt verbrachte oder um meinen unvermeidlichen Pausentweet abzusetzen. Der dient natürlich so gut wie immer als völlig unverhohlene Werbung für die Vorstellung. Und das war dann auch das, was ich aus dem Panel mitgenommen habe. Wir als Publikum (oder wir als Macher_innen) sind Multiplikatoren. Wenn wir niemandem erzählen, wie toll das alles ist, was wir gerade sehen/machen, dann weiß es auch keiner. Wenn wir es erzählen, bringen wir vielleicht etwas in Bewegung. Dumm nur, dass das Theater- bzw. Opernpublikum so klein ist. Oder gibt es neue Schichten, die entdeckt werden könnten? Ein Zuhörer meinte unter großem Applaus: „An die Theaterschaffenden – geht doch mal auf die größte Theatermesse der Welt: die gamescom. Da sitzen lauter Menschen, die sich gerne in fremde Welten entführen lassen.“

Lorenz erwähnte auch die wenigen Versuche, mehr als Social Media zu machen, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. So ließ das Thalia-Theater per Facebook (?) über den Spielplan der kommenden Saison abstimmen, was nicht ganz das gewünschte Ergebnis brachte: Peer Gynt als Heavy-Metal-Musical war dann doch nicht ganz das, was das hohe Haus haben wollte. Der Thaliatwitterer widersprach und meinte, man hätte sich nicht mit den Künstlern einigen können, und nur deswegen werde das Stück nicht gegeben, auch wenn es bei der Publikumsabstimmung den 3. Platz erreicht hatte.

Eine weitere Idee, die Lorenz eher doof, ich aber ganz clever fand, war „Effi Briest 2.0“ vom Gorki-Theater Berlin in Zusammenarbeit mit Jung von Matt. Lorenz wünschte sich weniger Marketingmenschen und mehr Künstler_innen bzw. Dramaturg_innen, die dem Rest der Welt das Theater digital näher brächten. Meiner Meinung nach ein guter Ansatz, aber vielleicht könnten sich diese beiden Fraktionen einfach zusammentun? Das mag ja sein, dass Werber_innen wenig Ahnung vom Theater haben, aber dafür haben Dramaturg_innen auch wenig Ahnung von Werbung.

Ebenfalls erwähnt wurde „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“ aus dem Münchener Residenztheater, über das ich auch gebloggt habe (siehe Link). Dort wurde zusätzlich zur analogen Aufführung ein digitaler Film erstellt, den man sich im Internet anschauen konnte. Für mich eine gute Idee, aber natürlich auch frei von jeder Publikumsbeteiligung. Die fand dagegen bei „Public Republic“ in den Münchener Pathos-Ateliers statt: Das Publikum gab seine Facebook-Daten frei, und die Akteur_innen machten aus diesem Material Theater (wenn ich das richtig verstanden habe). Spannende Idee und ein simpler Ansatz, aus den neuen Medien auch neues Theater zu schaffen.

Generell war aber die Kluft zwischen der angeblich so hohen Kunst und dem angeblich so nerdigen Internet zu spüren. Die Angst der Machenden vor dem Ungewissen, was durch Publikumsbeteiligung oder offenen Kommentarsträngen auf Facebook so alles passieren könnte. Der Kontrollverlust eben, der, laut Lorenz, bei den Künstler_innen noch stärker sei als bei den Leuten, die die Kunst vermarkten.

Mich hat das Panel sehr fasziniert und gleichzeitig recht traurig gemacht. Zum einen, weil mir wieder klar wurde, wie sehr ich es nach jahrelanger Pause genieße, in die Oper zu gehen und wie gut es mir tut. Und zum anderen, weil ich weiß, dass ich zwar einige wenige Blogleser_innen oder Twitterfollower dazu animieren kann, dieser Kunstform eine Chance zu geben, es mir aber verwehrt bleiben wird, diese Begeisterung im großen Stil (das heißt, im Auftrag einer Staatsoper) weiterzugeben. (Your loss, bitches.)

(Pause.)

Der Kontrast zum nächsten Panel hätte kaum größer sein können, denn nun schlenderte ich von Stage 8 zu Stage 7 und hörte mir an, wie deutsche Krankenhäuser sich so auf Facebook präsentieren. Mir war gar nicht klar, dass überhaupt ein deutsches Krankenhaus auf diese irre Idee gekommen war, aber doch, es gibt sie. Laut des Vortragenden sind ungefähr zehn Prozent der Kliniken auf Facebook, und er erzählte uns, was da thematisch so abginge – im Vergleich zu den Themen, nach denen die Menschen suchten. Die würden nämlich gerne was über gesunde Ernährung lesen, bekommen aber stattdessen Jobangebote oder einen Twitterticker, der stündlich über Neugeborene in einer Klinik informierte. Facebook lässt manche Menschen auch komplett vergessen, wer alles mitliest; so wurde ein Beispiel eines Vaters zitiert, der mit einer Behandlung seiner Tochter nicht einverstanden war. Das postete er zunächst nur auf seiner eigenen Pinnwand, dann aber auch an der des Krankenhauses, womit dieses nun das Problem hatte, den Mann beschwichtigen zu müssen, ohne dabei zu sehr ins Detail gehen zu können – Stichwort Schweigepflicht. Ich kam mir 30 Minuten lang wie in einer Parallelwelt vor, fand aber alles äußerst faszinierend.

Das Panel von Herrn Sixtus hat mich dann leider ziemlich gelangweilt: Übermorgen.tv hätte so viel Potenzial gehabt bei dem Thema und den Sprecher_innen, aber ich habe nichts aus dieser Veranstaltung mitgenommen. Außer der Begeisterung über die schmeichelnde Stimme des Gastgebers. Rrrr. Könnte aber auch am Raum gelegen haben; zum ersten Mal habe ich einen überfüllten Saal erwischt und saß in der letzten Reihe, wo ich kaum die Leinwand erkennen konnte.

Als Abschluss gönnte ich mir das Foodblogger-Panel, auf das ich mich seit Wochen gefreut habe. Von den fünf Vortragenden waren mir vier persönlich bekannt, und deswegen habe ich es der Veranstaltung locker verziehen, nicht so wahnsinnig viel Neues über Kochblogs erfahren zu haben. Ich werde jetzt allerdings Herrn Paulsen immer mit „Kochen Sie’s gut“ verabschieden (seine eigene Verabschiedung ans Publikum seiner RTL-Kochshow, von der es noch einige Folgen auf YouTube gibt, laut Selbstauskunft zum „eigenen Leidwesen“). Und Vijay Sapre, Herausgeber der effilee, meinte, auf das nicht-existente Urheberrecht für Rezepte angesprochen: „Das wär ja noch schöner, wenn man für jede Bechamel was abdrücken müsste.“

Schon vor dem Kochblogger-Panel waren meine Batterien ziemlich leer, weswegen ich danach schnellstmöglich verschwand. Denn ich hatte noch was vor: einen Besuch im reinstoff. Aber dazu kommt noch ein eigener Blogeintrag (wenn die Fotos was geworden sind, was ich mir bei der neuerdings gelblichen Beleuchtung kaum vorstellen kann).

re:publica 2012 – Tag 1

Raus aus Kalkscheune und Friedrichstadtpalast – rein in die Station Berlin. Konnte nach dem Rush-Hour-Gedrängel und -Geschwitze vom letzten Jahr eigentlich nur besser werden auf der re:publica 12. Und es wurde. Und wie.

In der Station gibt es acht Stages, von denen ich gestern, am Mittwoch, fünf kennengelernt habe. Und bis auf eine war ich von allen schwer begeistert – gut und ausreichend bestuhlt, gutes Licht, guter Ton, gute Luft. Stage 1 ist die Hauptbühne, auf der fast durchgehend Englisch gesprochen wird. Und wo man tollerweise mitlesen kann, denn um die Barrierefreiheit zu verbessern, tippt irgendein unsichtbarer Geist alles mit, was der/die Sprecher_in sagt, und man kann es mit winziger Zeitverzögerung und fast komplett auf der Leinwand mitlesen.

Aber damit fing es ja gar nicht an. Nach der kurzen Akkreditierung und dem unvermeidlichen Bändchen am Handgelenk, was jetzt zwei Tage mitduschen darf, schlenderte ich um kurz nach 9 in die helle, große und luftige Halle, in der sich mehrere Türme aus schwarzen Boxen erhoben, auf denen schon fleißig Menschen in Smartphones oder Laptops starrten. Kiki taufte das Ganze per Tweet „Affenfelsen“, und genauso nenne ich das jetzt auch. Neben den Boxen standen bergeweise bunte Stapelstühle rum, die sich im Laufe des Tages in allen Stages und Freiflächen verteilten – und genau das sollten sie auch. Wie Johnny in der Eröffnungsrede meinte: mitnehmen, wo immer sie gebraucht werden, danach wieder in die „open space“ (die Luft um den Affenfelsen rum) bringen, wo sie dann ein anderer mitnehmen kann. Gute Idee, simpel, praktisch, schön.

In der „open space“ befinden sich zusätzlich ein paar Catering-Buden (auch eine deutliche Verbesserung zur Theke in der Kalkscheue), bei denen es Getränke, Sandwiches, Baguettes und kleine Gerichte zum Wegsnacken gibt. Zusätzlich wartet an der Stirnseite der Halle ein re:staurant, wo man sich entspannt hinsetzen und was Warmes essen kann. Habe ich nicht angetestet, sah aber alles gut und bezahlbar aus. Mein Getränk des Tages war Filterkaffee für einen Euro – mal eine schnieke Abwechslung zum Latte-Gedöns für nen Fünfer.

Nach der Eröffnung in Stage 1 ging ich zu Stage 2, wo Herr Knüwer über „Creative Internet Business: Made in Germany?“ redete. Dabei saß ein Investor, der seine buntverspiegelte Sonnenbrille völlig ironiefrei im Haar trug, und ein anderer benutzte derart viele Buzzwords, dass ich ihm sehr gerührt zuhörte. Derartig konsequentes Jil-Sander-Denglisch kriegt man in Reinform ja kaum noch geboten.

Eigentlich sollte der Vortrag nur die Zeit bis zum Panel über Barrierefreiheit überbrücken, aber dann fand ich es doch so interessant, dass ich blieb. Auf Stage 1 erzählte mir dann eine junge Dame etwas über Windowfarms (“as locally grown as possible”) und Open-Source-Food, was ich auch alles äußerst spannend fand. Die Digital Media Women Hamburg konnten mir dann auf Stage 7 leider nicht sagen, was sie eigentlich genau machen außer dem üblichen schwammigen „Netzwerken“, aber vielleicht ist das so ein Twitter-Ding: Wenn man es nicht ausprobiert, kapiert man es nicht. Stage 7 war die einzige Bühne, die etwas nervig war – sie teilt sich das offene Obergeschoss mit Stage 8. Die beiden sind zwar weit genug voneinander entfernt, dass man das andere Panel nur als Hintergrundrauschen hört, aber man hört es eben. Außerdem ging mir der Titel „Kompetenz statt Quote“ ziemlich auf die Ovarien, denn ich finde es sehr schade, wenn Frauen glauben, sich verbal von feministischen Themen abgrenzen zu müssen, um bloß niemanden zu erschrecken. Das habe ich mir dann auch nicht bis zum Schluss angehört und mich wieder zu Stage 2 begeben, wo ein hochinteressantes Panel zum Thema Self-Publishing stattfand, das von mir aus gerne doppelt so lang hätte sein können. Die Vor- und Nachteile von Self-Publishing versus klassischer Verlag wurden gut herausgearbeitet, und mit meinem winzigen Einblick in das Buchgeschäft, den ich im letzten Jahr gewonnen habe, war das alles noch mal so spannend.

(Edit: Das Publishing-Panel ist online.)

Das Stage-Hopping ist übrigens um so vieles einfacher als das Von-Raum-zu-Raum-Gekämpfe der letzten Jahre. Wo man sich sonst, gerade in der Kalkscheune in den kleineren Räumen, am besten morgens um 10 einen Platz sicherte, damit man auch garantiert in das Panel um 16 Uhr reinkommt, ist hier: Platz. Platz bis zum Umfallen. Sogar die Luft ist erträglich, sogar bei knapp 30 Grad, sogar nachmittags um vier. Okay, da wurde es in den kleinen Räumen etwas stickiger, aber auch das war immer noch deutlich besser als in der Kalkscheune, wo ich mit allem fächelte, was ging, um wenigstens die Illusion von Luft zu erzeugen.

Auch der Zeitplan ist etwas schlauer; es gibt immer einen Puffer von 15 Minuten zwischen den einzelnen Vorträgen, und jetzt, wo man die Zeit gar nicht braucht – weil eben nicht alles so überfüllt ist – hat man wirklich mal die Möglichkeit, aufs Klo zu gehen oder sich ein Sandwich zu holen, und man kommt danach trotzdem bequem in die Panels. (Klos = sehr sauber, nie überfüllt.) Vielleicht hatte ich die guten Vorträge mit dem guten Publikum, denn auch die Labernasigkeit von Fragesteller_innen hielt sich extrem in Grenzen. Ich hatte den ganzen Tag das Gefühl von entspannter Wohlorganisiertheit. Der Charme des Klassentreffens ist ein bisschen dahin, aber dafür kriegt man endlich mal was von den Vorträgen mit, für die ich Geld bezahle. Um Blogger- und Twitternasen zu treffen, brauche ich keine Konferenz. Für die Vorträge schon. Und natürlich habe ich trotzdem dauernd jemand getroffen, den ich kannte, allerdings nicht so in der geballten Menge wie sonst. Dafür ist es doch alles deutlich größer.

In der „open space“ stehen natürlich auch die üblichen Sponsorenboxen, die ich mir aber nicht genauer angeschaut habe. Dafür fand ich eine Aktion von Hornbach sehr erwähnenswert. Erstens haben sie Frühstück verteilt, was für die frisch Angekommenen aus anderen Städten sicher ne nette und sinnvolle Idee war. Und zweitens haben sie in der „open space“ eine geschätzt acht Meter lange Wand aufgebaut, die sie tapezieren. Immer wieder. Wenn die Wand voll ist, fangen sie wieder von vorne an, denn wie ihr Claim sagt: „Es gibt immer was zu tun.“ Und was tapezieren sie da? Sämtliche ausgedruckten Tweets mit dem Hashtag #rp12. I like. (Hier sieht man die analoge Twitterwall in Bewegung – die bunten Stühle auch. Via @stecktimdetail.)

Beim Panel „Innovationslabore des Journalismus“ war ich kurz davor einzunicken, weil ich das Gefühl hatte, hallo, das habe ich doch alles schon vor drei Jahren gehört, aber das fand netterweise der Rest des Raums auch, und es entwickelte sich eine recht scharf geführte Diskussion zwischen Publikumsanspruch und Innovationswille der Verleger bzw. den vermittelnden Journalist_innen auf der Bühne. War dann doch spannend. Der einzige Vortrag, den ich eher so meh fand, war ausgerechnet der von Kathrin Jans und Jojo, den ich ja anbete, aber die 45 Minuten zu Leetspeak und Ragefaces war dann doch teilweise an den Haaren herbeigezogen (den Gedankensprung von Kunst zu Memes musst du mir noch mal erklären) und von geringem Neuigkeitswert. Leider. (Edit: Le Jojo hat mich hervorragend getroffen. Ich bin ein Rageface im Bayerntrikot!)

Danach war mein Kopf dicht und ich schwänzte die letzten beiden Stunden, um in angenehmer Gesellschaft bei einigen Gläsern Riesling zu versacken.

Bisheriges Fazit: bis jetzt toll. Mehr davon.