„Why White Supremacists Support Barack Obama – How do racists, anti-Semites and all-purpose hate-mongers view the possibility of America’s first black president? Not necessarily the way you think they would.“

Die Esquire hat vier weiße und einen schwarzen Idioten gefragt, wen sie nächste Woche wählen. Via Daniel Erks Gezwitscher.

Wer alles bei NASA twittert.

Glaser, übernehmen Sie!

(Nebenbei auch ein kleines Dokument des Berlinwetters zu Mittagspausenzeit.)

„man weiß zunächst noch sehr genau, wie es war, als man diesen gewaltigen ruck in der körpermitte spürte, etwas gewaltig großes rutschte irgendwo durch und irgendwo rein, und dann kamen die presswehen und dieses gewaltige etwas wurde nach draußen geschoben. der schmerz, den das mit sich bringt, ist nicht in worte fassbar. das heißt nicht, dass er unfassbar schlimm ist – man kann ihn einfach nur nicht erklären. nichts, was ich bisher an schmerz oder körperlichem gefühl kennen gelernt habe, könnte jemandem, der noch nicht geboren hat, vermitteln, wie sich eine presswehe anfühlt.“

Manche Tweets lassen mich kurz innehalten:

„I should stay well-preserved in this cold. I’ll be humankind’s monument here for centuries, eons, until future explorers come for me ;-)“

Tweet von MarsPhoenix.

The Daily Show von gestern abend mit Barack Obama als Gast. (Wow, der Mann ist in den letzten drei Monaten 30 Jahre älter geworden.)

Zweimal Daumenkino: Einmal im fluffigen Musikvideo Squeeze Me von Kraak & Smaak (verdammte Rhapsody-Werbung in der Daily Show online), zum zweiten im Kurzfilm Adjustment von Ian Mackinnon (danke an Mario für den Hinweis). (Noch ne Klammer because I can.)

Kirk twittert. Die anderen auch, aber die sind langweilig. Die Mad Men twittern auch alle, aber verraten gerne Plotpoints, die ich noch nicht kenne. Daher folge ich nur Kirk. Überall hin.

“Self-hatred isn’t a natural consequence of being fat. It’s something I was taught.”

The Fat Monologue. Via Big Fat Blog.

Uwe geht zu Fuß. Ein Film von westerholt & gysenberg.

Nachklapp: Uwe guckt den Trailer.

„Huch? Bin ich hier richtig?“

Jaja, stimmt schon. Hier ist auf einmal alles violett lila. Kommen Sie ruhig rein, ist immer noch die Grönersche hier.

Seit Februar (seit der Selbständigkeit) habe ich eine tolle CI, in der meine Visitenkarten, Briefbögen und Zeug gestaltet sind, und die ist schwarzweißgraulila. Seitdem hat mich mein rotes Blog so einen Hauch genervt, und mir wurden die Menüpunkte zu wenig, aber im bisherigen Layout war ja kein Platz mehr, um sie zu erweitern, yadayada, kurzer Sinn: Der Herr Fischer hat sich mal meiner Webpräsenz angenommen und sie aufgeräumt und schwarzweißgraulila gemacht. Meinen hingestümperten Layoutvorschlag (mich sollte man nie an InDesign ranlassen) hat er sehr kompetent aufgehübscht, Korrekturen gingen blitzschnell und überhaupt muss ich hier mal ganz groß Werbung für den Herrn machen.

Ein paar Kleinigkeiten sind noch nicht so, wie sie sein sollen, aber das merke ich selber erst beim Rumklicken. Und ich bin wahrscheinlich eh die einzige, die im Archiv rumwühlt. Falls euch noch was auffällt, was auf einmal gar nicht mehr geht: bitte kurze Mail an mail dings ankegroener dings de.

Inhaltlich hat sich nur insofern was geändert, dass zu den Filmen jetzt auch die Serien einen Menüpunkt haben, dass die Blogroll und die Favorite Entries sich nicht mehr irgendwo im Archiv verstecken, das Impressum und der RSS-Feed etwas leichter zu finden sind und mein Gezwitscher jetzt auch im Blog zu lesen ist.

Nicht geändert hat sich die abgeschaltete Kommentarfunktion, aber die alten Kommentare sind jetzt wieder lesbar.

Das war’s schon. Keks nehmen, sitzenmachen. Enjoy your stay.

Lu hat Wein geerntet und – noch besser – darüber geschrieben.

Beseelt


(Mit freundlicher Genehmigung der Fotografin Monika Rittershaus)

Ich war am Mittwoch abend mal wieder in der Oper. Diesmal nicht in der Deutschen, sondern in der Staatsoper Unter den Linden, wo Tschaikowskys Eugen Onegin gegeben wurde. Daniel Barenboim dirigierte, und als Lenski sollte Rolando Villazón auftreten, den ich noch nie live gesehen habe, sondern nur im Fernsehen. Also hab ich ein bisschen mehr Geld als sonst in eine richtig gute Karte investiert, noch drei Stunden vor Aufführungsbeginn auf der Webseite nachgeguckt, ob’s irgendwelche Änderungen gab – gab’s nicht –, mich vorfreudig in meine Opernklamotten geschmissen und mir ein Taxi gegönnt. Vor der Oper standen dann aber nicht nur wartendes Publikum, sondern auch freundliche Zettelverteiler, die jedem Ankömmling so mitteilten, dass Herr Villazón leider nicht singen könne, aber die Rolle spielen werde. Mpf.

Egal. Man ist ja nicht nur wegen des Tenors hier. Ich habe erstmal die Millionen von Kronleuchtern angeguckt, die im Haus verteilt sind, habe Ausschau nach Schulklassen gehalten, die mich nerven könnten (keine da, Karten waren zu teuer) und mich ängstlich in mein enges Sesselchen am Gang gequetscht, das mich sofort die Beinfreiheit der Deutschen Oper hat vermissen lassen. Ich mag sowohl moderne Opernhäuser als auch die kleinen, plüschigen, aber sobald ich sitze und versuche, meine Knie irgendwo unterzubringen, bin ich absoluter Verfechter der modernen Häuser. Neben mir saß eine alte Dame aus Holland mit ihrem geschätzt 50jährigen Sohn (?), der mit seinen 1,90 Körpergröße zwei Stunden neben mir gelitten hat. In der Pause entschuldigte er sich sofort, dass er mir so auf die Pelle gerückt sei, um seine Beine irgendwo unterzubringen, was ich so nett fand, dass ich im zweiten Teil mit ihm den Platz getauscht habe. Seine Mutter hat mir dann noch erzählt, dass der einzige Vorteil vom Altersschrumpfen sei, dass man wieder überall Platz habe, als es auch schon weiterging.

Aber erstmal zum Anfang: Wir saßen im ersten Rang und konnten schön aufs Parkett runtergucken, wo sich eine Dame so ziemlich mit Türenschluss noch in die zweite Reihe Mitte quetschte (Murphy’s Law: Leute, die zu spät kommen, sitzen IMMER in der Mitte). Zehn Sekunden, nachdem sie saß, kam Villazón auf die Bühne und entschuldigte sich auf Deutsch, dass er nicht singen könne, er habe eine Luftröhrenentzündung und alles versucht, aber es ginge nicht. Wir möchten ihm verzeihen und trotzdem den Abend genießen, denn es seien schließlich noch viele andere wundervolle Sänger da, ein großartiges Orchester und ein tolles Stück. Das Publikum klatschte – und die Dame aus der zweiten Reihe drängelte sich wieder zum Ausgang.

Gut, kann ich verstehen, aber nur widerwillig. Wenn ich zum, keine Ahnung, Oasis-Konzert gehe und mir mitgeteilt wird, dass Liam nicht singen kann, sie aber ne prima Alternative haben, dann hör ich mir das trotzdem erstmal an. Wenn’s doof ist, kann ich ja immer noch gehen. Aber so respektlos dem restlichen Ensemble gegenüber zu sein, sofort den Saal zu verlassen, weil EIN Sänger eine Vertretung ranlässt, fand ich dann doch ziemlich blöd. Das restliche Publikum auch, und es wurde nicht nur in unserer Ecke im Rang ein bisschen lästerlich getuschelt. (Wie die Vögel in The Birds.)

Ich kannte von Tschaikowsky bisher nur seine Ballette, ein paar Sinfonien und … äh … Kleinkram, aber noch keine Oper. Ich habe mir brav den Inhalt vorher durchgelesen, aber nicht das Libretto, vor allem deshalb, weil die Aufführung am Mittwoch nicht in deutscher, sondern in russischer Sprache mit Obertiteln war. Heißt: Ich kann entspannt mitlesen. Trotzdem habe ich in den ersten Minuten erstmal sortieren müssen, wer da jetzt gerade mit wem auf der Bühne interagiert. Denn: Die Inszenierung von Achim Freyer hatte auf den ersten Blick gar nichts mit dem Text oder der Handlung zu tun. Von Anfang an waren fast alle Beteiligten des Stücks auf der Bühne, die Sänger tummelten sich mit einigen Tänzern und dem Chor auf einer weißen Schräge, auf der sie viermal hintereinander so ziemlich die gleiche Choreografie vollführten. Dabei bewegten sich alle in streng abgezirkelten Bewegungen, deren Sinn ich meist nicht ergründen konnte. Da wurden Stühle durch die Gegend getragen, die Arme ausgebreitet, es wurde sich hingelegt, man stand wieder auf, man ging vorwärts und rückwärts einmal die Bühne rauf und runter … und das alles in Zeitlupe. Nicht nur die Bühne war weiß, sondern auch die Kostüme sahen aus wie schmutzigweiße, schlichte Umhänge, Jacken, Kleider. Ab und zu traten ein paar bunt gewandete Sänger auf und wieder ab, und das war’s. Zum Ende der Choreografie änderte sich das Licht dramatisch (z.B. von weiß zu blutrot und giftgrün), bis es schlagartig verlosch – und alles wieder von vorn begann.

Meine Simpelinterpretation wäre: Alles wiederholt sich, wir machen immer die gleichen Fehler, bewegen uns in einer vorgezeichneten Schleife und haben keine Chance, etwas zu ändern. Ich weiß nicht, ob das zu kurz gegriffen ist, aber lustigerweise wollte ich mir darüber gar keinen Kopf machen. Ich fand den Kontrast zwischen der leidenschaftlichen Musik und den hingebungsvollen Stimmen zur abgezirkelten Inszenierung so spannend, dass ich teilweise vergessen habe zu atmen – und daraufhin den ersten fiesen Hustenanfall meines Lebens in einer Oper bekommen habe. Ich hätte mich gehasst.

Es gibt moderne Inszenierungen, die mir auf den Keks gehen, weil ich sie nicht verstehe, oder weil ich nur darauf warte, dass mal wieder wer nackt über die Bühne rennt und mit Blut um sich wirft oder ähnlichen Schmonz veranstaltet. Es gibt aber auch Inszenierungen, die mich einfach erwischen, und ich kann nicht mal sagen, warum. Die hier hat mich erwischt: mit ihrer Schlichtheit, die gleichzeitig wahnsinnig kompliziert aussah, mit ihrer sehr grafischen Ausprägung und mit ihrer Dramatik, die sich gerade aus dem Fehlen jeder Dramatik ergab. Ich kann’s nicht erklären, ich weiß nur, dass ich selten so begeistert aus einer Oper gekommen bin wie Mittwoch abend. Ich bin dann so fürchterlich dankbar, dass ich an etwas so Wunderbaren teilhaben durfte, so etwas Besonderes sehen konnte. Dass es Menschen gibt mit so unterschiedlichen Talenten, die so hart dafür arbeiten, dass ich nach drei Stunden dumm grinsend im Taxi nach Hause schaukele und mich beseelt fühle.

Es hat natürlich nicht allen gefallen; natürlich war auch wieder ein Buh-Rufer in meiner Nähe, nur lustigerweise – das hab ich noch nie erlebt – wurde der von seinen Nachbarn in Grund und Boden diskutiert. Sein Gebrülle: „ES GEHT HIER UM LEIDENSCHAFT UND NICHT UM ZOMBIES!“, wurde sofort niedergeklatscht, und danach haben sich mehrere Leute um ihn geschart, um ihn zu bitten, doch zu respektieren, dass es dem Rest anscheinend gefallen habe. Woraufhin sich ein kurzer, verbaler Schlagabtausch entsponn, den ich bis zum Satz „Ich bin selber Künstler, ich weiß, wie man Tschaikowsky interpretieren muss“ mitangehört habe, bevor ich zum Sektstand geflüchtet bin.

Die stimmliche Vertretung für Villazón hat übrigens in schwarzem Anzug am Bühnenrand gestanden und bekam einen ordentlichen Applaus. Villazón ist, was ich sehr bemerkenswert fand, nicht mit den anderen Solisten zum Verbeugen nach vorn gegangen, sondern ist hinten bei den Tänzern geblieben, bis die anderen ihn nach vorne gebeten haben.

Und so hätte er sich wahrscheinlich angehört, wenn er denn hätte singen können:

Wer sich das Stück angucken möchte: Es läuft leider nur noch einmal am 25. Oktober, und ich weiß natürlich nicht, ob es noch Karten gibt.

Franzi und der Popkulturjunkie haben mir aus ihrem Amerikaurlaub das beste Mitbringsel aller Zeiten mitgebracht: Peanut Butter M&M’s. In der Halloween-Edition in orange und braun und in einer formschönen Tüte. Und in dieser lag ein Coupon, der mich auf diese Seite führte, von der ich seit Tagen nicht glauben kann, dass es sie gibt.

Einmal, weil ich sofort meinem Patenkind einen Berg von pinkfarbenen M&M’s mit ihrem Foto drauf zu Weihnachten hätte schenken wollen, but „We are sorry but we do not currently ship custom printed M&M’S® Milk Chocolate Candies internationally.“ Rats.

Aber es besteht noch Hoffnung. Falls der Kerl mich irgendwann einmal ehelichen will, hat er hier die Möglichkeit, den perfekten Verlobungsring für mich zu erstehen. MIT SCHOKOLADE! Und Schampusgläsern! Und eigentlich ist der Ring eine Kette! (Hä?)

(For the record: Princess Cut. Ich sag’s nur so. *hust*)

Herr Niggemeier hat einen sehr lesenswerter Vortrag zum Zustand des Onlinejournalismus veröffentlicht:

„(…) Trotzdem halte ich das nicht für die gefährlichste Entwicklung im Online-Journalismus. Denn diese Verleger, die das Medium Internet immer noch für das Medium der Zukunft und nicht der Gegenwart halten (wenn überhaupt), diese Verleger gefährden ja vor allem sich selbst. Es gibt aber eine Reaktion auf die geringen Einnahmemöglichkeiten im Internet, die den Journalismus an sich gefährdet. Wenn wir im Internet weniger verdienen, geht die Logik ungefähr, können wir halt auch nur weniger ausgeben. Wir sparen uns zum Beispiel einfach so überflüssige Dinge wie ein Korrektorat oder überhaupt das Gegenlesen von Artikeln. Und an der Stelle von Fachjournalisten beschäftigen wir günstige Allesproduzierer, die die einlaufenden Agenturmeldungen und Pressemitteilungen so einpflegen, dass es halbwegs okay ist.

Aus irgendeinem Grund, den ich nicht genau festmachen kann, liegt dieser Strategie die Annahme zugrunde, dass es das Publikum im Internet nicht so genau nimmt. Dass Zeitungsleser zwar empfindlich reagieren, wenn sie zuviele falsch geschriebene Wörter in den Artikeln finden, aber Internetnutzern solche Nebensächlichkeiten egal ist. Dass Fernsehzuschauer ungern das Gefühl haben, die Texte, die ihnen der Nachrichtensprecher vorliest, seien von ihrer achtjährigen Tochter geschrieben worden, aber Internetnutzer den Unterschied eh nicht merken. Es ist schon richtig, dass zum Wesen des Internets als Nachrichtenmedium gehört, besonders schnell zu sein. Und womöglich akzeptieren die Internetnutzer tatsächlich, dass diese Geschwindigkeit bei Breaking News gelegentlich auf Kosten der Genauigkeit geht, dass Nachrichten mehr als in anderen Medien auch etwas Provisorisches haben können. Das erklärt aber nicht die umfassende Senkung von Qualitätsmaßstäben, auf die man bei vielen deutschen Online-Medien trifft. (…)“

Was mich als jemand, der sich beruflich mit Marken beschäftigt, immer ein bisschen verwirrt, ist der riesige Qualitätsunterschied zwischen den Print-Mutterschiffen wie der SZ oder dem Spiegel, über den man ruhig geteilter Meinung sein darf. Spiegel Online ist noch längst nicht so weit wie der Spiegel, und sueddeutsche.de ist auf einem anderen Planeten als die SZ. Vielleicht ist das ein Werberproblem, aber ich nehme beide Publikationen (Print und Online) als eins wahr. Und wenn die Onlineausgabe grottig ist, habe ich ein Problem damit, die Printausgabe noch ernst zu nehmen. Ich habe mein SZ-Abo gekündigt, weil ich sueddeutsche.de unter aller Würde finde. Und ich weiß nicht, warum eine so gute Zeitung wie die SZ es nicht schafft, ein entsprechendes Onlineangebot hinzukriegen. Stefan weist zu Recht auf die New York Times hin, die für englischsprachige Nachrichten und Hintergrundkommentare inzwischen meine erste Anlaufstelle geworden ist. Einfach, weil diese Seite sich augenscheinlich bemüht, Qualität zu liefern anstatt Klickzahlen zu generieren. Und: Weil sie Blogs verstanden hat und sie völlig selbstverständlich und gleichberechtigt zu den Artikeln präsentiert. Inzwischen hat es sich sogar eingebürgert, vom Artikel ins passende Blog zu linken (denn die NYT hat nicht nur eins, sondern zu jede Sparte mindestens eins, meist mehrere), wo noch weitere Informationen präsentiert werden und der Leser die Gelegenheit zum Feedback hat.

Als Ergänzung ein bisschen was von Telepolis, via Jos Gezwitscher:

„(…) Große, namhafte Verlagshäuser zahlen € 50 für Artikel und schämen sich nicht. Hätten wir eine Stechuhr, könnten wir ausrechnen, dass die Reinigungskräfte in diesen Häusern mehr verdienen, als diejenigen, die Gesetze analysieren. oder die öffentlich machen, wie Unternehmen Politiker und Bürger belügen, und immer neue Millionen vom Steuerzahler fordern.

Die Vierte Gewalt ist pleite. Niemand hat den Mumm, dies einzugestehen.

Es lohnt sich betriebswirtschaftlich nicht mehr, für namhafte Magazine im Fernsehen zu arbeiten. Fernsehmann Friedrich Küppersbusch erläuterte die Gründe, die dazu führten, Er schrieb in seinem Artikel, wie sich Freie in das öffentlich-rechtliche Fernsehen einklagten. Daraufhin führten die Sender die sogenannte Prognose ein, also ein Cap, eine Beschränkung der Arbeitszeit. Wer sich daran gehalten hätte, dem wäre es so gegangen wie freien Journalisten heute – man wäre verhungert. Also beschlossen Festangestellte und Freie im gegenseitigen Einvernehmen, sich in die Tasche zu lügen oder, um Küppersbusch zu zitieren:

„Praktisch erzeugte der langjährige Brauch eine alchimistische Geheimwissenschaft der atomisierten Arbeit. Da wurde angemeldet, an einem Tag recherchiert, gedreht, geschnitten und getextet zu haben, damit die Arbeit eines Monats in die Arbeitszeit einer Woche paßt. Würde man so arbeiten, wie man es abrechnet, würde man bald nichts zu arbeiten mehr bekommen.“

Dies ging eine ganze Weile gut. Denn es wurde die faktisch geleistete Arbeit bezahlt, nicht die, die auf dem Papier stand. Dann aber ging es darum, Geld einzusparen: für Sport, Shows, Verwaltung, Festangestellte, und um die Gebührendebatte zu überstehen. Nun schlossen Branchenfremde und Festangestellte einen Pakt – die einen wussten es nicht besser, die anderen erklärten nicht das Lügensystem, das Existenzen sicherte. Und so kam es, dass sich Branchen-Ahnungslose die Prognosemeldungen ansahen. Dort fanden sie dann das, was Küppersbusch in dem “Zeit”-Artikel beschrieben hatte: die Alchemie, die Angabe, TV-Beiträge seien in einem Tag entstanden oder in einer Woche, und dafür kassierten die Autoren zwischen DM 5.000 und DM 20.000.

Jedem Fernsehmacher ist natürlich klar, dass Stücke für ein investigatives TV-Magazin mitnichten in einer Woche, sondern in mindestens sechs Wochen, oder bei besonders heiklen Fragen – manchmal in einem Vierteljahr entstehen. Außerdem ist noch einmal dieselbe Zeit notwendig, um als freier Journalist in Konkurrenz zu Redaktionen überhaupt ein solches Thema auszugraben. Davon realisiert man im Jahr vielleicht mit Glück und Erfahrung vier Stück. Und dann bekommen DM 20.000 plötzlich eine ganz andere Dimension. Doch diese Erklärung gaben die Festangestellten nicht. Sei es, weil sie schon immer neidisch waren auf die Freien, die die spannenden Stücke mit der großen Außenwirkung machten, sei es, weil sie ihre Position in Gefahr sahen, sei es aus Ignoranz. (…)“