Was schön war, Sonntag bis Dienstag, 8. bis 10. Oktober 2017 – Elternbesuch

Meine Eltern setzen sich heute mittag in den Zug zurück nach Niedersachsen, aber in den letzten Tagen habe ich ihnen hoffentlich München ein wenig schmackhaft machen können.

Am Sonntag waren wir – natürlich – in Rosenheim, um uns die NS-Ausstellung anzuschauen. Dabei konnte ich dann auch gleich die Termine für meine angedachte Führung mit der Galerieleiterin klarmachen – nachdem ich mich dafür entschuldigt hatte, die Führung im Blog angepriesen zu haben, ohne sie vorher zu kontaktieren. Ich dachte ehrlich gesagt, es meldet sich eh niemand, aber nein.

Abends saß die Familie dann wieder an meinem Küchentisch, wo sie auch schon Samstag abend gesessen hatte. So in Restaurants essen ist nicht das Ding meiner Eltern, und so tischte ich Kürbissuppe auf, nachdem es am Abend vorher nur Käsebrote und Salat gegeben hatte, was aber völlig ausreichend war. Samstag hatten F. und ich einen fiesen Tantris-Kater – ich wollte partout nicht kochen und F. nicht essen. „Was soll jetzt noch kommen?“ Schlimm. Aber das legte sich netterweise bis Sonntag.

Am Montag gingen wir vormittags auf Stadtrundfahrt, die ich eher nicht empfehlenswert fand. Für 17 Euro kann man vermutlich nicht viel erwarten, aber was da an Infos vom Tonband kam, fand ich eher enttäuschend, aber immerhin gut verständlich. Und als wir unerwarteterweise fies im Verkehr feststeckten, kamen dann auch weiterhin Dinge vom Band, die zwar mit den Ansichten vor den Busfenstern kaum etwas zu tun hatten, aber dafür hatte man halt was zum Zuhören: der Kini, warum wir einen Mönch im Stadtwappen haben und so’n Zeug. (Ich glaube, ich sage gerade zum ersten Mal „wir“, wenn ich von München rede. Immer noch ungewohnt.)

Nachmittags schlenderten wir durch die Neue Pinakothek, ich zeigte meine Lieblinge Anne-Marie-Louise Thélusson, Italia und Germania, Frau Gedon und Fanny Ebers, aber wie zu erwarten, hingen dann doch alle bei den ollen Impressionisten rum. Na jut. Abends Käsebrot und Salat.

Gestern war dann der Tag, weswegen meine Eltern sich überhaupt auf den beschwerlichen Weg zur Erstgeborenen gemacht hatten: Ich bekam mein Masterzeugnis ausgehändigt. Das hätte man sich auch formlos beim Prüfungsamt abholen können, aber neuerdings gönnt sich die LMU eine kleine Feier. Zwei Musikstudis gaben drei Lieder zum besten, der Dekan hielt eine kleine Rede, dann überreichten er und der Dozent, bei dem ich meine allererste Kunstgeschichtsvorlesung hatte, die Zeugnisse, und dann meinte der Dekan noch zum Abschluss: „Anhand der vielen feuchten Hände merkt man dann doch, dass das ein besonderer Moment war.“ Stimmt. Ich bin sehr froh, mir das Mäppchen nicht abgeholt zu haben.

Danach gingen meine Eltern noch in die Pinakothek der Moderne, aber ohne mir etwas davon zu sagen, obwohl ich da viel mehr hätte erzählen können als in der Neuen. Ich hatte also quasi den Nachmittag frei, aber abends gab’s dann wieder gemeinsames Essen bei mir; ich warf Gemüse auf ein Backblech, rührte Kräuterquark an und öffnete den von meinen Eltern mitgebrachten Uniabschlussprosecco.

Jetzt ist das Kind endlich von der Straße.

Was schön war, Samstag, 7. Oktober 2017 – KSM 11

Meine Eltern sind seit gestern zu Besuch in München. Der Zug aus Hannover fuhr netterweise wieder, das war Freitag abend noch nicht ganz so klar. Danke, Deutsche Bahn, fürs schnelle Aufräumen!

Wie Eltern halt so sind, fragten sie mich seit Tagen, ob sie mir irgendwas mitbringen sollten, selbstgekochte Marmelade, Geschirr oder Tischwäsche, die bei ihnen die Schränke verstopft und die ich eigentlich immer gerne nehme, aber jetzt gerade nicht, weil sie bei mir nicht nur die Schränke, sondern die Wohnung verstopft, denn ich habe derzeit leider nicht mehr so viele Schränke wie noch vor zwei bis fünf Jahren.

Aber eine Sache fiel mir dann doch ein: die alte Kaffeemühle meiner Großeltern. Ich bin immer noch zu geizig, viel Geld für eine elektrische Mühle auszugeben und ich mag meine Handmühle auch gerne, aber ich erinnerte mich, dass bei Oma und Opa immer so ein rundes Maschinchen rumgestanden hatte. In meinem Kopf war sie weiß und von Krups.

Ist sie nicht. Sie ist silberschwarz und von Braun. Die KSM 11 wurde 1964 von Reinhold Weiss gestaltet und hat sogar Designpreise gewonnen. Vermutlich nicht mit dem kaputten und von Opa huschig geklebten Deckel, aber ich mag sie so, wie sie ist.

Ich hatte ein winziges bisschen auf Dieter Rams gehofft, aber dem wurde sie nur fälschlicherweise zugeschrieben.

Was nicht nur schön, sondern wundervoll war, Freitag, 6. Oktober 2017 – Tantris

Am Anfang des Studiums erstellte der ehemalige Mitbewohner für mich eine Liste, was ich gefälligst alles in München anzusehen oder mitzumachen hatte. Darauf stand natürlich auch das Tantris, das mir auch im hohen Norden ein Begriff war. Wer zu faul ist, den kurzen Wikipedia-Artikel durchzulesen: Das Tantris unter Eckart Witzigmann begründete 1971 die Gourmetküche in Deutschland, war (soweit ich weiß) das erste Sternerestaurant Deutschlands und hält seit über 20 Jahren ständig zwei Michelin-Sterne (es waren zwischenzeitig mal drei). Es hat mit über 50.000 Flaschen einen der größten Weinkeller in deutschen Restaurants, und von 1991 bis 2011 war Paula Bosch Chef-Sommelière, die erste Frau in Deutschland, die einen derartigen Posten innehatte. Die rot-orange-schwarze Einrichtung sieht heute noch fast genauso aus wie 1971, sie wurde 2002 behutsam erneuert und steht inzwischen unter Denkmalschutz.

(Wer mehr Hintergrundgeschichten lesen möchte, kann das im SZ-Magazin tun sowie hier die Chronologie nachlesen.)

Als ich das Studium begann, überlegte ich mir als Abschluss einen Besuch im Tantris. Das hatte ich immer im Hinterkopf, auch als aus dem Bachelor ein Master wurde. Es war nicht so, dass ich fünf Jahre lang auf diesen Tag hingefiebert hatte, aber als die Masternote online war, wollte ich endlich einen Tisch buchen. Statt des ehemaligen Mitbewohners saß gestern F. mit am Tisch und ich war anfangs völlig überfordert.


(Das Logo auf der Menükarte, die wir uns mitgeben ließen.)

Wenn man sich etwas fünf Jahre lang vornimmt und dann ist der Tag plötzlich da, fühlt sich das alles etwas irreal an. Natürlich kannte ich das Gebäude und die Inneneinrichtung von diversen Bildern und freute mich auf beides fast genauso wie auf das Essen. Natürlich wusste ich um den irrwitzig gut bestückten Weinkeller und freute mich ebenso. Und ich ahnte, dass der Service wie in allen guten Häusern überaus zuvorkommend war, aber als jemand, der gerne seine Jacke zuhause über einen Stuhl schmeißt und entspannt mit dem Teller auf dem Bauch auf dem Sofa isst, sorgt genau dieser Service erstmal für Stress. Ich bin es nicht gewohnt, dass mir jemand aus der Jacke hilft und mir den Stuhl zurechtschiebt, ich will dann bloß nicht auffallen und dumme Fehler machen – falls man dabei einen Fehler machen kann, sich seine Jacke ausziehen zu lassen. Ich war die ersten fünf Minuten jedenfalls völlig überwältigt, auch von den Farben im Innenraum. Es ist schon ein Unterschied zu wissen, dass jetzt die 70er-Jahre-Keule wartet oder dann wirklich fünf Stunden lang auf eine mit orangefarbenem Teppich bezogene Wand zu starren. Ich hatte mich – überfordert – blöderweise auf den Stuhl gesetzt, der zur Wand und zur Fensterfront ging und nicht in den, von dem aus ich in den Laden hätte gucken können. Ich wollte mich dann aber auch nicht umsetzen, obwohl F. es mir ungefähr 80mal anbot; ich wollte einfach nur dasitzen und überfordert-glücklich gucken und essen und trinken.

Und deswegen gibt es auch keine Fotos vom Essen. Mir war eigentlich schon seit Tagen klar, dass ich nicht im Tantris mit dem iPhone rumwedeln und den Teller dreimal drehen wollte, bis das Licht vernünftig ist. Ich wollte nicht den ganzen Abend einen Blogeintrag im Kopf haben und mir innerlich Notizen zu den Weinen machen müssen. Ich wollte einfach nur dasitzen und überfordert-glücklich gucken und essen und trinken. Und OMG habe ich das gemacht.

Als Gruß aus der Küche gab es, wenn ich mich richtig erinnere, ein kleines Stück Zander in einer knusprigen Panade auf kühlem Gemüse. Und schon damit war klar, dass dieser Abend kulinarisch unvergesslich werden würde. Es waren keine irrwitzig überraschenden Geschmäcker, es gab kein modernistisch angerichtetes Eventfood, auf keinem Teller fanden sich effektvolle Saucenkleckse oder molekulare Experimente. Das nehme ich sonst gerne alles mit, aber im Tantris herrscht eine klassische Küche vor – in einer Perfektion, die für mich neu war. In diesem Fall war es die Panade, die so knusprig war wie nichts, was ich jemals gegessen hatte, mit einem winzigen, stimmigen Kontrast aus Heiß und Kalt. So simpel, so großartig. Das war jedenfalls mein Fazit, als wir nach fünf Stunden und acht Gängen wieder gingen: Ich hatte noch nie so stimmig, so irreführend schlicht, denn das war es natürlich nicht, so klar, so perfekt gegessen.

Der erste Gang bestand aus pochierter Entenleberterrine mit Räucheraal, grünem Apfel, rosa Entenbrust und roter Bete. Ich war darauf vorbereitet, dass der Räucheraal alles erschlagen würde, die roten Bete mit ihrer Erdigkeit dagegen anmaulen würden, vielleicht gäbe es ein paar frische Spitzen vom Apfel, und alles zusammen war vermutlich irre kräftig. War es nicht; alles fügte sich harmonisch zusammen, die Entenleber zerschmolz auf der Zunge, der Räucheraal war deutlich zu schmecken, nahm sich aber sofort wieder zurück, um nicht aufdringlich zu werden, die Bete waren frisch statt erdig, und wenn es Spitzen gab, dann waren sie so fein dosiert, dass ich sie nicht als solche wahrnahm.

Zum zweiten Gang – ausgelöster Hummer mit Butternusskürbispüree und Sternaniscreme – wurde uns von einem der drei Sommeliers ein Wein serviert, über den F. und ich seitdem nicht aufhören können zu reden. Überhaupt sprachen wir eigentlich, seit wir aus der Tantris-Tür gingen, über nichts anderes mehr als das Tantris, das Essen, den Wein, den Service, das Ambiente. Aber dieser Wein! Der 2011er Hermitage blanc von Jean-Louis Chave war der teuerste Wein des Abends; für ein Glas 0,1 l zahlten wir 55 Euro, und damit höre ich auch auf, von Geld zu reden. Ja, das war mit Abstand das teuerste Essen, das ich jemals hatte, aber wie gesagt: Es war auch mit Abstand das beste, das ich jemals hatte.

Ich kann den Wein nicht mal beschreiben, weil er nach nichts schmeckte, das ich kannte. Normalerweise definiert sich ein Weißwein über Zucker oder Säure, so weit ich weiß, aber der hier hatte gefühlt nichts von beidem. Er war einfach da, souverän und ausdrucksstark, und er wurde immer klarer, je länger er im Glas war. Er war ein Cuvée aus Marsanne- und Rousanne-Trauben, die ich beide nicht kannte. Ich roch keine Frucht, ich schmeckte auch keine, jedenfalls keine, die ich hätte definieren können. Dieser Wein war so weit außerhalb meines bisherigen Geschmackshorizonts, dass ich nur stumm und ehrfürchtig ein ums andere Mal am Glas nippte und immer kleinere Schlucke nahm, damit er möglichst lange im Glas blieb. Irgendwann musste ich dann aber doch Abschied von ihm nehmen. Das Internet behauptet, dass das Weingut gerade 60 Flaschen dieses Weines gekeltert hat, und ich fühle mich überaus reicht beschenkt, ihn gekostet zu haben. (Auch wenn’s 6000 Flaschen sind, fühle ich mich beschenkt.)

Der Sommelier, der uns danach einen weißen Rioja kredenzte, meinte dann auch fast entschuldigend, dass es jeder Wein schwer habe, auf diesen zu folgen. Der Rioja schlug sich aber sehr ordentlich. Und er passte natürlich hervorragend zur konfierten Seezunge mit Bohnen, Ricottaravioli und Oliven-Sardellensud. Auch hier wieder: Oliven! Sardellen! Unglaublich intensive Geschmäcker, aber sie waren nicht die Hauptdarsteller, im Gegenteil, sie stützten mit ihrer Würze den feinen Fisch und den hauchdünnen Raviolo, in dessen Innerem sich der schmelzigste Ricotta verbarg, den ich jemals gegessen hatte. (Ich müsste mit diesen Superlativen langsam aufhören, es kommen schließlich noch drei Gänge, aber sie sind angebracht. Sorry not sorry.) Unter Ricotta verstand ich bisher bröckeliges weißes Zeug, mit dem ich nie etwas anzufangen weiß außer es mit Spinat zu kombinieren. Und Oliven waren für mich halt das herbsäuerliche Zeug, das im griechischen Salat liegt. Mit Sardellen stelle ich nur Dressing für Caesar Salad her oder packe sie auf Pizza, und Bohnen sind meine liebste Gemüsebegleitung, weil sie so schön knackig sind. Dieser Gang warf mal eben alles über den Haufen, was ich bisher über diese Zutaten gelernt und verinnerlicht hatte. Ich lernte, dass Oliven auch einfach nur würzen können und dass Bohnen auch unknackig hervorragend sind. Ich hätte auch gerne gelernt, wie man Pastateig so unfassbar dünn ausrollen kann, so dass der Löffel quasi hindurchgleitet, er aber fest genug ist, um im Wasser nicht auseinanderzufallen.

Ich war bei jedem Gang damit beschäftigt, die ganzen winzigen Kleinigkeiten zu bewundern, von denen ich nur ahnen kann, wieviel Arbeit sie gemacht haben. Die Gemüsewürfelchen in der folgenden Ochsenschwanzessenz wurden vermutlich mit einem Skalpell geschnitten, und trotzdem schmeckte man Möhre und Zwiebel aus diesem zwei Millimeter kleinen Ding heraus.

Der Fleischgang bestand aus gratiniertem Lammrücken mit Spinat, Artischocken und Petersilienpolenta. Und hier, und es ist mir ein bisschen peinlich es zuzugeben, war ich kurz davor zu heulen. Es ist doch nur ein blöder Lammrücken mit einer blöden Kräuterkruste und blöder Polenta, aber es war dann eben doch so unglaublich viel mehr. Wo ich bisher noch auf Details der Zutaten oder der Zubereitung geachtet hatte, warf mich hier der Geschmack endgültig um, ich war schlicht überwältigt von diesen mir eigentlich bekannten Aromen in ihrer mir bisher nicht bekannten Vollendung. Ich weiß, es ist „nur“ Essen, aber genauso könnte ich vor Rogier van der Weydens Kreuzabnahme im Prado stehen und sagen, es ist nur ein Bild. Dieses Essen hatte ein Niveau, das mich schlicht überforderte – mich damit aber sehr beglücken konnte.

Den Käsegang (Ziegenfrischkäse auf Mispeln, OMG) und die beiden Desserts nahm ich fast nur noch als Konsistenz war, so fertig waren meine Geschmacksnerven. Ich erinnere mich daran, beim Mohr im Hemd – ein kleines Schokoküchlein mit Rumsahne und geschmolzener Schokolade und Kaffeeeis – nur noch über die unfassbare Fluffigkeit des Küchleins gebrabbelt zu haben: Wie kann man einen Kuchen so backen, dass er sich anfühlt, als würde man in süße Luft beißen? Und wie kann ein Süßwein bitte nach Kaffee schmecken? Das Passionsfruchtsorbet auf Mango räumte dann den Magen wieder etwas auf, aber für mehr als einen Espresso reichte meine Kraft nicht mehr, keinen Schnaps mehr, danke. Ich wollte abends auch gar nicht Zähneputzen, um möglichst lange die letzten Geschmacksmoleküle zu retten.

Ich habe so noch nie gegessen – und ich werde wieder ein paar Jahre verstreichen lassen, bis ich mir das noch einmal gönne. Das war ein unvergesslicher Abend, und als wir uns auf dem Weg zur U-Bahn noch einmal zum Restaurant umdrehten, hatte ich dann doch ein paar Tränchen in den Augen. Ich bin so dankbar, etwas so Wundervolles erlebt und genossen zu haben. Und ich bin einer meiner Leserinnen genauso dankbar, dass sie mir diesen Abend finanziert hat; ich konnte die ganze Zeit schmecken und riechen und staunen anstatt daran zu denken, dass ich gerade dreiviertel meiner Monatsmiete für eine Mahlzeit ausgebe.

Den nächsten Tisch dort buche ich, wenn die Dissertation abgegeben ist. Ich freue mich jetzt schon darauf.

Tagebuch, 3. Oktober 2017 – Putztag

Meine Eltern sind ab Samstag in der Stadt, denn ich bekomme Dienstag nächster Woche meine Masterurkunde überreicht, und das wollen sie sich gerne angucken (und vermutlich schlimme Fotos machen, auf denen ich wie ein Honigkuchenpferd strahle). Deswegen muss diese Woche die Wohnung elternfein gemacht werden – also auf einen Sauberkeitsstandard gebracht werden, der meinen normalen etwas übersteigt. Ich beging den Tag der deutschen Einheit also wie eine gute Hausfrau aus den 50er Jahren und beschäftigte mich mit der Küche, die ich bis auf die tägliche Reinigung von Kochstelle und Umgebung sowie dem wöchentlichen Saugen meist sich selbst überlasse. Gestern putzte ich Fenster (das mache ich höchstens einmal im Jahr, was soll der Aufwand), räumte alle offenen Regale aus und wischte alles sauber, säuberte Schrankoberflächen und die Ecken unter dem Sideboard, die ich sonst erst beim Auszug mal geputzt hätte, warf weg, räumte um und wischte schließlich den Boden.

Wie ich mal wieder latent ungern feststellen musste: Putzen vertreibt bei mir Traurigkeit. Nicht ganz so effektiv wie in der Bibliothek zu sitzen, aber es ist nah dran: Ich sehe, was ich getan habe, fühle mich irre produktiv und bin meist zufrieden damit.

Wenn das mit der Werbung oder dem Arbeiten in der Kulturbranche nichts mehr wird, werde ich Raumpflegerin.

Andere Baustelle: die Ausstellung über lokale NS-Künstler in Rosenheim (kein Gendersternchen, mpf). Ich meinte neulich mal launig, dass ich Interessierte durch die Ausstellung führen würde – und jetzt hat sich tatsächlich jemand gemeldet, die darauf gerne zurückkommen würde. Besteht ernsthaft Interesse daran? Schickt mir eine Mail oder einen Tweet, falls ihr Lust auf eine Führung hättet, dann mache ich ein Google-Doodle mit Terminvorschlägen auf.

Ganz Kurzentschlossene können sich zu diesem Thema auch heute das Kolloquium in der Pinakothek bzw. im Zentralinstitut für Kunstgeschichte geben. Ich bin natürlich vor Ort und lausche aufmerksam.

„It’s okay if sometimes you’re not okay.“

Gestern war ich eigentlich auf der Wiesn verabredet, und ich hatte mich auf den Termin und die Gruppe und das Zelt seit Wochen gefreut. Leider ging es mir Montag ähnlich wie Samstag; ich war bei allem irrwitzig nah am Wasser und sah mich schon flennend vor meiner Maß sitzen. Also sagte ich gegen Mittag ab und machte Dinge, die mir gut tun: spazierengehen, einen Riesenberg Obstsalat schnippeln und genießen, still in meinem dicken Buch weiterlesen, auf dem Sofa unter meiner Kuscheldecke Tee trinken und den Tag möglichst schnell verstreichen lassen. Und: das Internet und Twitter weitgehend ignorieren. Wenn mir im realen Leben Menschen zu viel sind, sind sie das auf Twitter erst recht.

Abends, als es mir besser ging, schaute ich aber doch wieder in die Timeline, wo gerade ein, ja sorry, Buzzfeed-Artikel verlinkt wurde. Bitte nicht von der bescheuerten Headline irritieren lassen; es geht um Ratschläge, die Menschen aus der Buzzfeed-Community von ihren Therapeut*innen erhalten haben und die im Alltag, gerade an miesen Tagen, hilfreich sind. Darunter war auch der Satz, der über diesem Blogeintrag steht: Es ist in Ordnung, wenn es dir manchmal nicht gut geht. Das lasse ich mal hier stehen, auch damit ich es mir selber merke.

Der wichtigste Satz, den ich aus meiner Therapie mitgenommen habe, war: „Sie dürfen nett zu sich sein.“ Den kann man auch immer gut brauchen, den Satz, gerade wenn wieder Sprüche kommen wie „in den Schmerz reinarbeiten“ und „hart zu sich sein“ und „What’s your excuse“ und „den inneren Schweinehund überwinden“ oder ähnlicher Quatsch.

Tagebuch, Samstag/Sonntag, 30. September/1. Oktober 2017 – Altona-Tränen

Am Samstag stand wieder ein Augsburg-Spiel auf dem Plan. Ich war schon den ganzen Vormittag latent traurig, wusste aber nicht, warum, denn ich freute mich auf das Spiel und den @Surfin_Bird, der F. und mich begleiten würde. Wenn ich dieses Spiel mit meiner halben Dauerkarte bestritten hätte, wäre ich vermutlich auf dem Sofa unter der Decke geblieben, aber bei dieser Begegnung war der eigentliche Karteninhaber wieder im Stadion, weswegen ich 40 Euro für eine Karte ausgegeben hatte. Ich weiß nicht, ob das der Grund war, mich doch aufzuraffen oder schlicht die Vorfreude aufs Spiel – auf jeden Fall ging ich aus dem Haus, wenn auch ohne Trikot und Schal, sondern in meinen normalen Klamotten. Als ich am Hauptbahnhof auf den Bahnsteig gehen wollte, auf dem wir uns immer treffen, um nach Augsburg zu zuckeln, fiel mein eh schon wackeliger Blick auf das Nachbargleis, auf dem gerade ein ICE darauf wartete, nach Hamburg-Altona zu fahren. Und ehe ich begriff, was passierte, kullerten die ersten Tränchen und ich drehte mich um und hoffte, die Jungs hatten mich noch nicht gesehen. (Hatten sie, wie ich später erfuhr.) Ich ging ein paar Meter zurück zum Infostand zur neuen Stammstrecke und dem geplanten Umbau des Hauptbahnhofs, der wie ein kleines Häuschen mitten im Bahnhof steht. Dort versteckte ich mich, heulte minutenlang vor mich hin und las mir, um mich abzulenken, die ganzen Infotafeln durch. Ich kenne jetzt auch das Architekturmodell für den neuen Hauptbahnhof auswendig, und soweit ich das durch den Tränenschleier beurteilen kann, wird das Ding echt okay.

Das Spiel war dann recht nervig, auch weil sehr viele Dortmunder Fans im Stadion waren und die Kulisse sich deswegen nicht ganz so heimspielig anfühlte. In der ersten Halbzeit war Dortmund klar besser und führte zur Pause mit 2:1, auch weil beim zweiten Tor die Augsburger Verteidigung reiner Slapstick war. In der zweiten Halbzeit machte der FCA aber das, was er am besten kann: den Gegner auf sein Niveau runterziehen. Auch der BVB bekam kaum noch Pässe zustande und schoss zeitweilig nur noch hoch und weit in den Strafraum. Das Spiel wurde hakeliger, und zu allem Überfluss störte der neue, beknackte Videobeweis die Spieldynamik zusätzlich. (Womit die Spieler anscheinend besser umgehen können als wir als Publikum.) Das war alles grottig anzusehen, aber ich persönlich fand es beruhigend, dass Augsburg gegen Dortmund nicht untergegangen ist. Wenn die Mannschaft die restliche Saison ähnlich agiert, dürfte der Klassenerhalt kein Problem sein. (Und dann kaufe ich mir eine eigene Dauerkarte.)

Den Sonntagmorgen verbrachte ich bei F. Wir lungerten ewig im Bett rum und beschlossen zur Mittagszeit, dass man ja mal frühstücken könne, was wir dann im Görreshof taten, wo ich statt Croissants und Kaffee Schnitzel in Breznpanade und Apfelschorle genoss. Das machen wir selten, so lange an freien Tagen morgens zusammen zu sein; meist will derjenige, in dessen Wohnung man sich gerade nicht befindet, sich irgendwann frischmachen und den Tag starten, während der andere noch rumliegen will. Das sind die Momente, wo ich Zusammenleben vermisse. Wir wohnen keinen Kilometer auseinander, es ist also kein Akt, mal eben zum anderen rüberzugehen oder zu radeln oder den Bus zu nehmen, der uns ernsthaft von Haustür zu Haustür schaukelt. (Wir haben quasi Chauffeurservice.) Trotzdem mag ich es, dass jeder seinen Tag im eigenen Tempo starten kann und man trotzdem zusammen ist. Ich mochte das in anderen Beziehungen gern, dass der eine schon aufsteht, während der andere halt noch liest oder schläft; irgendwer kümmert sich um Frühstück oder halt nicht, man kann nochmal zum anderen unter die Decke schlüpfen, wenn derjenige partout noch nicht rauswill oder ähnliches. Es kostet weniger Planungsenergie oder überhaupt irgendeine Anstrengung, miteinander Zeit zu verbringen, wenn man unter einem Dach wohnt. So gerne ich unsere getrennten Wohnungen mag, so sehr vermisse ich eine gemeinsame an Sonntagmorgenden.

Den Rest des Tages las ich das Terrorismusbuch weiter. Vermutlich werde ich es nicht komplett durchlesen können, weil ich es diese Woche in die Stabi zurücktragen muss; da hat ein Schlingel doch tatsächlich eine Vormerkung getätigt, bevor ich es verlängern konnte. Auch okay, schön, dass das Buch mehr Leser*innen kriegt.

Neben der schon gerühmten Schreibweise und des wirklich spannenden Inhalts konnte ich mir noch ein paar wissenschaftliche Konventionen abgucken. Bis zur Masterarbeit habe ich gefühlt jeden Satz mit einer Fußnote belegt, in dem eine Idee drinsteckte, die vielleicht nicht ganz allein meine war. Hier sah ich eine etwas entspanntere Herangehensweise: Man schreibt einen ganzen Absatz zu einem Thema und belegt dann in einer langen Fußnote die einzelnen Teile.

Überhaupt merkte ich mal wieder, wie gut es der eigenen Arbeit tut, andere zu lesen. Den Rat kriegt vermutlich jede Journalistin, jede Texterin, jede andere Wortarbeiterin irgendwann: „Wer schreiben will, muss lesen.“ Den halte ich auch immer noch für essentiell. Klar gibt es Genies, die aus dem Nichts einen Stil erfinden, aber ich persönlich habe gerne von anderen gelernt: Wieso funktioniert diese Headline jetzt? Wieso will ich diesen Film weitergucken und diesen hier nicht? Wie ist die Erzählstruktur aufgebaut? Wieso finde ich diesen wissenschaftlichen Aufsatz lesbar und strukturiert und diesen hier nicht? Wo ist der Unterschied? Neuerdings lese ich das FAZ-Feuilleton nicht nur wegen des Inhalts, sondern gucke mir besonders an, wie die Autor*innen in den Text reinkommen: Wo holt man die Leserin ab, und wie entlässt man sie nach 40 Zeilen wieder? Das ist gerade bei Ausstellungsbesprechungen ein ganz anderer Aufbau als der, den ich hier lustig im Blog anbiete, denn hier weiß ich um eine geneigte Leserschaft. Ich ahne, dass Zeitungsartikel – genau wie Werbetexte – nur ein, zwei Zeilen haben, um die Leserin zu überzeugen, ihre Zeit für die Lektüre herzugeben.

Auch deswegen freue ich mich sehr darüber, wenn ich wissenschaftliche Texte finde, die ich nicht nur lese, weil ich weiß, dass ich Informationen von ihnen brauchte, sondern schlicht, weil es ein Vergnügen ist, sie zu lesen.

Ein etwas ängstliches Dankeschön …

… an Annette, die mich mit Hillary Rodham Clintons What Happened überraschte. Ängstlich, weil ich ahne, dass diese Lektüre vermutlich wenig Spaß machen wird. Ich habe von Clinton bereits Living History gelesen wie auch die Autobiografie ihres Mannes; ich schätze ihre Art zu schreiben sehr. Jetzt interessiert mich, wie Clinton den Wahlkampf und vor allem das Wahlergebnis verarbeitet hat, auch weil sie sehr deutlich sagt: „In the past, for reasons I try to explain, I often felt I had to be careful in public, like I was up on a wire without a net. [Dieses Gefühl dürften viele Frauen im professionellen Umfeld kennen.] Now I’m letting my guard down.“

Ich ahne, dass Clinton immer noch nicht alles sagen wird, was ihr in den letzten zwei Jahren durch den Kopf gegangen ist, aber ich bin gespannt auf ihre Sichtweise, die jetzt keine Rücksicht mehr nehmen muss auf Umfragen und Persönlichkeitschecks. Ich habe einige Rezensionen zum Buch gelesen; in einigen wird gesagt, Clinton übernehme nicht genug Verantwortung für ihre Fehler, in anderen steht genau das Gegenteil. Auch deswegen war ich neugierig auf dieses Buch – aber eben auch ängstlich. Vielen Dank für das Geschenk, ich habe mich sehr gefreut.

Was schön war, Freitag, 29. September 2017 – Mittagswiesn und Macarons

Wie schon im letzten Jahr schafften F. und ich es einmal, zur Mittagszeit auf der Wiesn zu sein. Unsere Überlegung „Ochsenbraterei oder Augustinerzelt“ wurde durch den Wunsch nach dem Lieblingsbier entschieden (F. über Spaten, das in der Ochsenbraterei ausgeschenkt wird: „Schaufelbier“), und so landeten wie, ebenfalls wie im letzten Jahr, im Augustinerzelt. Es war noch vor 12, die Kapelle spielte noch nicht, wir konnten uns in normaler Lautstärke unterhalten, der Herr hatte Fleischpflanzerl (das Zeug heißt Frikadellen und Bayern hat manchmal echt ne Macke), ich genoss meine geliebten Rostbratwürstchen mit Sauerkraut, jeder hatte eine Maß und alles war gut. Danach bummelten wir etwas, tranken im Biergarten beim Käferzelt einen Absacker-Milchkaffee, ich guckte ein wenig den Fahrgeschäften zu, kaufte meine üblichen gebrannten Mandeln, ohne die ich kein Oktoberfest verlasse, und dann saßen wir noch ein Stündchen bei F. auf dem Balkon, bevor der Herr zu einer Hochzeit musste.

Beim untenstehenden Foto mochte ich die abfallende Diagonale zum Riesenrad sowie die geschwungene Fassade links im Bild so gerne, deswegen nahm ich es auf. Ich achtete überhaupt nicht auf die Leute im Bild, und so fiel mir erst zuhause auf, was die Menschen so trugen. In letzter Zeit geht mir das Klamottenabwatschen wieder stark auf den Zeiger – was darf man tragen, was nicht – und so verzichtete ich in diesem Jahr bei allen Wiesnbesuchen nicht nur aus Bequemlichkeitsgründen, sondern auch aus Bockigkeit auf mein Dirndl. In den ersten zwei Jahren Oktoberfest trug ich Jeans und fühlte mich underdressed, in den nächsten zwei dann Dirndl und fühlte mich verkleidet, und seit letztem Jahr gehe ich wieder in Jeans. Jetzt passt’s.

Ich verbrachte den Rest des Abends mit Lesen und brach gaaanz vorsichtig das Mitbringsel von F. an, das er ernsthaft aus Paris nach München getragen hatte. Der Herr war für das Bayernspiel gegen PSG mal kurz in den TGV gestiegen und ich hatte per DM gewitzelt, er möge mir bitte Macarons von Ladurée mitbringen. Sowas darf man dem Mann nicht sagen – der macht das nämlich.

Was schön war, Donnerstag, 28. September 2017 – Rosenheim und Küchengast

Morgens setzte ich mich in den Zug nach Rosenheim, um mir unsere Ausstellung über die lokale Kunst im Nationalsozialismus anzuschauen. Darüber blogge ich noch ausführlich, aber dafür möchte ich noch kurz was im ZI nachschlagen, was heute nicht geht, denn heute ist endlich Mittagswiesn mit F., und am Wochenende hat meine geliebte Lieblingsbibliothek unfassbarerweise geschlossen; der Bericht kommt also erst nächste Woche.

Ihr könnt euch für einen ersten Eindruck aber durch meine bebilderten Tweets klicken, die ich bräsigerweise nicht zu einem Thread zusammengefügt habe (ich mach das noch nicht so lange). Vor der Galerie; erster Eindruck in der Mittelhalle (die Galerie erinnert in ihrem Aufbau bewusst ans Haus der Kunst in München); zwei Bilder von Leo von Welden (1944), die vor einem Spiegel aufgehängt wurden, damit man die Rückseiten sehen kann; ein Wandtext, der erklärt, worum es genau geht; ein Wandtext über Hans Müller-Schnuttenbach, einem der meistausgestellten Künstler auf der Großen Deutschen Kunstausstellung, über den es bis heute noch keine wissenschaftliche Auseinandersetzung gibt; ein nachgestelltes Depot im Ausstellungsraum, das darauf verweist, wieviele solcher Bilder noch in deutschen Depots hängen (das gefiel mir sehr gut); zwei Lithografiemappen von Leo von Welden (1948), an denen ich seinen leicht veränderten Stil in der Nachkriegszeit erläutere – diese beiden Mappen waren die ersten Ankäufe der Galerie nach 1945; Leos Selbstporträt von 1956, als der Mann Farbigkeit und Expressivität für sich entdeckte; ein Blick in das Inhaltsverzeichnis unseres substanziellen Katalogs, in dem ich entsetzt entdeckte, dass mein Name falsch geschrieben wurde, aber beim eigentlichen Text steht er korrekt.

Gegen 13.30 Uhr war ich wieder in München. Zum Mittagessen gab es den Rest der köstlichen Erbsensuppe von gestern sowie ein Plunderstückchen, das ich mir am Bahnhof mitgenommen hatte. Gegen 16 Uhr twitterte @holgi, dass er drei Stunden in der Stadt totschlagen müsse, bevor sein Flieger nach Berlin ging, und ich lud ihn spontan an meinen Küchentisch ein. Der Herr brachte eher geschmacklosen Kuchen mit („Ist der vegan?“), gönnte sich ein Augustiner, während ich weiter an meinem Tee nippte und froh war, vom Teilchen noch zu satt für den komischen Kuchen zu sein. Holger und ich hatten uns bereits auf meinem Hamburger Sofa mal gesehen, jetzt halt in München, und so meinte er folgerichtig zum Abschied: „Bis zur nächsten Stadt.“

Nachdem der Spontanbesuch gegangen war, las ich weiter unseren Ausstellungskatalog, den mir die Museumsleiterin vormittags in die Hand gedrückt hatte, um endlich die Forschungsergebnisse meiner Kommilitoninnen würdigen zu können. Einige weitere Aufsätze von Kunstgeschichtsprofis las ich ansatzweise und freute mich über gute Diskussionspunkte, die ich in meiner Ausstellungsbesprechung aufgreifen kann. Ich hatte aber überhaupt keine Lust mehr, sie gestern noch anzufangen, daddelte stattdessen Hay Day und Candy Crush und ließ mich von alten Grey’s-Anatomy-Folgen berieseln.

Außerdem hat der FCB gestern Herrn Ancelotti entlassen, wozu die New York Times sehr schlau schrieb: „Ancelotti was just what Bayern had wanted. It just turned out he was not at all what it needed.“

„The immediate interpretation is that Ancelotti’s 15 months in Munich should be read as an allegory for not knowing what you’ve got until its gone, and to interpret his appointment and dismissal as proof that what Bayern wanted all along was actually — here is the ironic twist — Guardiola.

The reality is different. Bayern and Guardiola had traveled as far as they could together; fissures were starting to appear by the time he left. The mistake Bayern made was in assuming that was the end of the journey: that what was needed now was someone to keep things ticking along, rather than put a foot on the throttle.

In both a domestic and European context, Ancelotti’s calling card — that air of serene stability, managing both upward and down — now seems a little outdated.

In Germany, in those years when Guardiola was transforming Bayern, the rest of the league changed too, becoming populated by a raft of bright young coaches full of bold new ideas. They are all cast from the same mold, each possessing just a scintilla of Guardiola’s influence: their styles are adventurous and expansive, their tactics complex and advanced. In the Bundesliga, as elsewhere, players do not expect simply to be maintained. They expect to be improved.“

Das Schlusswort hat F. Und ich erkläre den Witz mal kurz für die Nicht-Wiesnkundigen.

Was schön war, Mittwoch, 27. September 2017 – Entspannt, klug, lecker

Morgens den Wecker ignoriert, nicht walken gewesen, stattdessen noch ein Stündchen geschlafen.

Zum Frühstück wieder Cold Brew aus der geliebten Kaffeeflasche genossen und Links verbloggt.

Den Vormittag endlich mal wieder im ZI verbracht. Bergeweise NS-Kram an den Platz geschleppt, viel gelesen, viele Bilder angeschaut, viel nachgedacht. Auf meinem Rechner existiert jetzt ein Ordner namens „Dissertation“.

Spontan Lust auf herbstige Erbsensuppe gehabt, obwohl es gestern recht warm war. Beim Lieblingsmetzger ein schönes Stück Speck und ein paar Wiener Würstchen gekauft. Der Betrieb ist mein Liebling, weil er so Dinge tut wie Hackfleisch frisch durchzuwolfen anstatt eine Kelle aus der Metallwanne zu verkaufen, die vielleicht schon seit Stunden in der Theke steht. Und neulich kaufte ich ein Kalbsschnitzel, woraufhin einer der Jungs fragte, ob ich es nur braten oder auch panieren wolle. Ich so: „Nee, schon panieren.“ „Dann klopf ich Ihnen das gleich flach.“ Außerdem runden sie fast immer beim Betrag zum nächsten Groschen ab, um sich die blöden Pfennige zu ersparen. Und, vielleicht am Wichtigsten, ihre Ware schmeckt hervorragend. Nur mit ihrem hausgemachten Obazda bin ich nicht glücklich, den mache ich doch lieber selbst.

Erbsensuppe gekocht. Während sie 90 Minuten vor sich hinblubberte, guckte ich die erste Folge der zweiten Staffel This is Us, war aber noch nicht ganz wieder bereit für diesen Schmachtfetzen. Vorgestern sah ich schon Young Sheldon, das ich besser fand als erwartet, sowie The Good Doctor, das mir überhaupt nicht gefiel. Und The Good Place ist wieder da und noch genauso herrlich abstrus wie in der ersten Staffel.

Abends hatte ich Lust auf etwas Süßes und machte dazu aus der winzigen brauen Banane auf meinem Obstteller ein winziges Bananenbrot. Und weil es schon so spät war und ich kein Tageslicht mehr hatte, sah das kleine Kunstwerk irrwitzig dramatisch aus. Und schmeckte sehr gut.

Links von Mittwoch, 27. September 2017

Wahlhelfen mit Computer

Die Kaltmamsell half, wie ich auch, am Sonntag bei der Wahl als stellvertretende Schriftführerin mit. Zum ersten Mal wurden dafür in München Computer eingesetzt – nicht zum Wählen, sondern um uns die Auszählung zu erleichtern und den Wahltag zu dokumentieren, was bisher nur auf Papier stattfand. Wir hatten zusätzlich noch alles in Papierform da, also die Ergebnismeldung oder das Blatt für besondere Vorkommnisse. Das war auch das einzige Mal, bei dem meine Schriftführerin und ich ein bisschen über die Menüführung die Stirn runzelten, ansonsten lief bei uns alles problemlos. Bei der Kaltmamsell lief der Tag so:

„Der Wahlvorsteher hat mich für die Frühschicht eingeteilt, um halb acht morgens gehe ich mit ihm und einer Beisitzerin in das Gymnasium, in dem das von uns betreute Wahllokal liegt. Wie in der Schulung angekündigt, steht in dem dafür vorgesehenen Klassenzimmer ein großer schwarzer Koffer mit dem Computer (neben der gelben Wahlurne in Mülltonnenform, die alles sonstige Material für unseren Einsatz enthält). Nachdem wir das Klassenzimmer wahlgeeignet geräumt und auf den Gängen ausgeschildert haben, machen wir den Computer startklar. Wir legen den Koffer auf einen Tisch und nehmen den Deckel ab. Darunter werden ein Laptop und dahinter ein kleiner Drucker sichtbar. Der Laptop ist auf einem Zwischenboden befestigt, unter dem Kabel und Mouse liegen.

Der Laptop ist vorschriftsgerecht mit einem Siegel verschlossen, das wir brechen. Wir starten das Notebook und loggen uns ein. Die Erfassung des Wahltags in einer Browser-basierten Software ist das einzige Programm, das uns zur Verfügung steht. Das System weiß bereits, wer in diesem Wahllokal zur Wahlhilfe eingeteilt ist: Zur Eingabe der Anwesenheiten muss der Wahlvorsteher nur noch die Namen anklicken und speichern. Er bestätigt ebenfalls per Klick die Versiegelung der Wahlurne, trägt die Anzahl der Wahlkabinen und Nebenräume ein, bestätigt, dass ihm keine Nachrichten über ungültige Wahlscheine vorliegen.

Um 8 Uhr öffnet der Wahlvorsteher das Wahllokal und trägt auch das in eine Computermaske ein. Ab jetzt bis zum Schließen des Wahllokals um 18 Uhr brauchen wir den Rechner nur für zwei Handgriffe: Klick auf den Wählerzähler (das macht der Wahlvorsteher jedesmal, wenn ich die Übereinstimmung eines Wahlwilligen mit dem Wählerverzeichnis bestätige und im Wählerverzeichnis einen Haken male) und Eintrag von Veränderung in der Besetzung der Wahlhelfer. Es gibt zudem noch eine Maske, in der besondere Vorfälle eingetragen werden können, doch die ereignen sich nicht.“

Der Hausmeister der Schule, in der unser Wahllokal lag, war anscheinend etwas proaktiver. Bei uns waren die fünf Wahlkabinen bereits aufgebaut – dreiteilige Wände, die einen Schirm ergaben – und auch schon beschriftet: „Wahlkabine. Bitte nur einzeln eintreten“. Die Urnentonne stand brav versiegelt neben dem Lehrerpult, darauf lag schon der Koffer, in dem sich Laptop und Drucker plus Zubehör befanden. Wir hatten keine Maus, vermissten sie aber auch nicht. Ich persönlich fand es, vermutlich beknackt, aber egal, schon ein bisschen aufregend, das Siegel brechen zu dürfen.

(Nebenbei: Den Witz „Meine Stimme ist für die Tonne“ habe ich mindestens zehn Mal gehört. Ich erinnerte mich an meine Zeiten im Kino, als die Leute beim Einlass auch gerne den Satz „Jetzt hast du meine Karte kaputtgemacht, brauch ich ne neue?“ lustig fanden. Nochmal nebenbei: Ich finde es auch doof, dass die heilige Wahlurne eine Mülltonne ist.)

Zurück zum Computer: Bei uns war es die Maske mit den besonderen Vorkommnissen, die nicht ganz so clever geschrieben war. Das Programm führte einen idiotensicher von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt, aber bei diesem einen Screen sehe ich Verbesserungsbedarf. Auf der Seite konnte man einmal anklicken, ob es während der Wahl und ein zweites Mal, ob es während des Auszählungsvorgangs besondere Vorkommnisse gegeben habe. Dieser Screen tauchte aber direkt nach dem Ende der Wahlhandlung auf, also noch bevor wir mit dem Auszählen begonnen hatten. Wir klickten brav an, dass der Wahlvorgang ereignislos vor sich gegangen war, ignorierten das zweite Kästchen und wollten auf die übliche Schaltfläche „Speichern und weiter“ klicken. Danach tat sich minutenlang nichts und das System zeigte auch nicht an, ob es irgendwie aktiv war. Wir konnten aber auch nirgends anders auf „Weiter“ klicken. Also halfen bei erstmal beim Stimmzettelsortieren bzw. zählten die abgehakten Wähler*innen im Wählerverzeichnis. Als wir damit fertig waren, sahen wir den nächsten Screen, ohne dass wir noch etwas gemacht hatten.

Als wir nach dem Auszählen dann die Schnellmeldung senden und drucken wollten, tauchte ein Warnhinweis auf, dass wir noch nicht angeklickt hätten, dass auch der Auszählungsvorgang problemlos war. Wir mussten uns noch einmal komplett durch alle Screens nach 18 Uhr klicken (aber ohne neue Angaben zu machen), um auch das zweite Häkchen setzen zu können. Dieses Mal dauerte es dann nur wenige Augenblicke, als wir nach „Speichern und Weiter“ auch wirklich weitermachen konnten. Wir sendeten und druckten unser Endergebnis und begannen mit dem Aufräumen. Die Wahlkabinen hatte der Hausmeister schon wenige Minuten nach 18 Uhr abgebaut und weggeräumt.

Hinter den Kulissen eines Fußballspiels

Ich ahne nach der Lektüre dieses Blogartikels im Fotoblog kwerfeldein, dass die schraddeligen Eigenschaften des Augsburger Stadions, die ich so charmant finde, für die Presseleute genau das Gegenteil sind. Ich ahne auch, dass es in der Allianz-Arena vielleicht ein bisschen hochwertiger zugeht. Und ich weiß nun auch, dass die Reporter*innen genauso frieren wie wir Zuschauer*innen. Ich hätte gedacht, dass die Leute, die zum Arbeiten da sind, etwas mehr Komfort haben als wir, die wir uns notfalls in Decken kuscheln können.

In der sehr stimmungsvollen Bebilderung des Artikels sieht man übrigens auch die unverkleidete Arena, die ich so mag. Mochte.

„Am Presseeingang angekommen, mussten wir eine Fan-ähnliche Kontrolle über uns ergehen lassen. Seit den terroristischen Anschlägen in Paris sind auch in Augsburg die Sicherheitskontrollen verschärft worden, was bedeutet, dass neben einer kurzen Leibesvisitation sogar unser komplettes Equipment kontrolliert wurde. Direkt nach den Vorkommnissen in Paris musste das Equipment sogar auf Funktionsfähigkeit vorgeführt werden. Man merkte wohl aber schnell, dass dies teils abstruse Auswüchse annahm und so wurde die Einlasssituation doch wieder etwas entspannt und beschleunigt.

Um 19:05 Uhr verließen wir den Aufzug im 3. Stock der Arena, die Pressetribüne war erreicht. Gelassenes Gewusel an etwa der Hälfte der vorhandenen Presseplätze. Hier mal ein freudiges „Servus“, dort mal ein emotionsloses „Grias di“. Es war ziemlich unaufgeregt da oben. 20 Minuten später waren unsere Plätze eingerichtet: Rechts Toms Platz mit Mikro, Notizbuch, Schreibutensilien und einem kleinformatigen Sendegerät, links mein Platz, ähnliches Setup, nur fotospezifisch. […]

Eine Stunde vor Spielbeginn ist nun noch genug Zeit, um das verheißungsvolle Catering zu probieren. Mit dem Aufzug geht es drei Stockwerke nach unten und über triste Flure gelangen wir in den dann doch nicht so tollen Presse-Verpflegungsbereich. Auf gefühlt 20 m² Raumgröße kommen ca. 40 Medienvertreter*innen, die sich mit erfahrungsgeprägter Miene über zwei Würstchenwarmhaltebehälter lehnen, um sich ihre wohl millionste Wurst auf den Pappteller zu legen. Noch ein wenig Tütensenf und leicht angetrocknetes Brot dazu, fertig ist das in Gänze überhaupt nicht hochwertige Pressemitarbeiter*innenessen.“

(via @sowieso)

Museums in the digital age: insights from the Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Ein Gespräch der Europeana Foundation mit dem oben genannten Museum, warum es seine Sammlung nach und nach online verfügbar macht und was man so davon hat. Eigentlich ist nach dem ersten Absatz auch alles gesagt:

„We believe that the collection of the MKG belongs to all of us. The museum was founded in the 19th century to share examples of human creativity and related knowledge with as many people as possible. One of the main aspects was to let the collections be a source of inspiration for new creations. In the digital sphere, we want to make it as easy as possible for everyone to reuse digital images of works of art that are already in the public domain.“

Ich fand es noch interessant zu sehen, was daraus werden kann, wenn man Dinge der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt:

„One example is the Zeitblick-App that was created during the Coding da Vinci Nord Hackathon in 2016. Users take a selfie and the app shows them a matching portrait from MKG’s historical photography collection. They then get additional information about their historical self and get to know the collection in a playful way that doesn’t require any previous knowledge.“

Mehmaid

Ich folge Gemma Correll auf Instagram und bin sehr verliebt in die introvertierte Arielle. Hier gibt’s das Lied mit dem richtigen Songtext. (Und hier das beste Lied aus dem Film. Ursula FTW!)

Was schön war, Montag, 25. September 2017 – Zweiteiliges Frühstück

Sonntag abend dachte ich so beim Zubettgehen, ach, dann machste doch den Montag zum Sonntag, denn am Sonntag haste ja gearbeitet. Und gerade als ich den üblichen Wecker im iPhone deaktivieren wollte, fiel mir ein: Du hast dich um kurz nach 9 verabredet, du Horst. Puh.

Ich war dann auch ohne Wecker um kurz nach 6 Uhr wach; die Wahlergebnisse und das konzentrierte Arbeiten am Sonntag im Wahllokal hatten meinen Kopf nicht so recht zur Ruhe kommen lassen. Ich war ein bisschen durch den Wind und kam auch leicht verrüscht und ungeschminkt zur Verabredung. Tanja Praske und ich saßen bei meinem Lieblingsmilchkaffeehöker, der aber leider noch keine seiner hervorragenden Kuchen in die Vitrine geräumt hatte. Die wurden dann zwar nach und nach an uns vorbeigetragen, aber ich hatte keine Lust, den schönen Gesprächsfluss zu unterbrechen, und so klönten wir bis kurz vor 12 bei gerade einem Milchkaffee. (Munch-Emoji!)

Wir sprachen über Museen und Social Media, Tweetups und Instawalks, Jobs in der Kulturbranche und über das Kunstgeschichtsstudium. Tanja erwähnte, dass sie noch eine Übung vor Originalen machen musste – also nix mit bequem im Seminarraum vor PowerPoint hocken, sondern schön im Museum stehen und dem Kurs was beibringen. Ich erinnere mich in meinem Studium an nur wenige Seminare oder Übungen, die vor Ort stattfanden, obwohl wir in München mit Museen sehr reich gesegnet sind; ich ahne, dass das auch was mit den Themen der Seminare zu tun gehabt hat, und vermutlich wissen auch die Dozierenden, dass wir Studis halt gerne sitzen und mitschreiben (oder mit dem Smartphone rumdaddeln oder auf dem arbeitssam aufgeklappten Laptop Facebook checken. Ich saß mal in einer Vorlesung hinter einer Kommilitonin, die 90 Minuten lang Tiervideos geguckt hat. Glaube ich jedenfalls; ich habe mich irgendwann umgesetzt, weil ich sonst auch 90 Minuten lang Tiervideos geguckt hätte). Ich weiß aber auch aus Erfahrung, dass das Sprechen vor Originalen ungleich mehr Spaß macht als vor einer Beamerpräse. Ich konnte zu Leo von Welden ja im Depot der Galerie Rosenheim stehen und einen schönen Schub nach dem nächsten aufziehen, um Grafiken zu zeigen oder Schiebewände für die Ölbilder. Das hat sich schlicht ziemlich großartig angefühlt.

Apropos Leo von Welden: Unsere Ausstellung ist seit gestern geöffnet. Ich werde vermutlich diese Woche mal hinfahren und gucken, was wir alles so gemacht haben. Dann lerne ich den Katalog auswendig und dann führe ich interessierte Blogleser*innen rum. (Falls daran jemand Interesse hat.)

Zur Ausstellung gibt es auch eine Website, bei der ihr einen ersten Eindruck gewinnen könnt. Die Texte zu den einzelnen Künstlern wurden von den Erstellerinnen der Site, zwei Kommilitoninnen, auf der Basis unserer Katalogtexte erstellt; die Leo-Texte sind also nicht von mir. Ich hätte sie nicht ganz so geschrieben, aber das war auch nicht mein Job. Ich durfte sie aber natürlich Korrektur lesen.

Zurück zu meinem Tag: Ich kam mit vielen Eindrücken und Ideen wieder nach Hause, war nun allerdings aber völlig verhungert. Mein Frühstück fand um halb eins statt und bestand aus einem Käseteller mit frisch geröstetem Brot, dazu hobelte ich Rettich, rührte schnell ein Honig-Senf-Dressing an und bestreute alles mit Schnittlauch.

(Mir kommt ein Blogeintrag selbst etwas komisch vor, in dem ich locker NS-Kunst und Käseteller vermische, aber mei, das ist halt gerade mein Leben.)

Was schön war, Sonntag, 24. September 2017 – Wahldienst

Okay, dass der Wecker um kurz nach 6 klingelte, war nicht ganz so schön, aber ohne Dusche oder Frühstück wollte ich dann doch nicht im Wahllokal auflaufen. Dort war ich pünktlich um 7.30 Uhr; mein Wahlort war in einer Grundschule, wo sich noch sechs andere Wahllokale befanden, was den ganzen Tag dazu führte, dass die Leute im falschen Raum landeten – trotz liebevoller Auszeichnung. Aber dafür sind wir ja da – Leuten den Weg zur Urne zu weisen, notfalls mit der Ansage „Da müssen’S zwei Räume weiter.“

What happens in the Wahllokal stays in the Wahllokal, daher verblogge ich hier keine besonderen Vorkommnisse oder Eigenarten der Wählenden, die ich aber durchaus interessiert beobachten konnte. Vielleicht nur ein Hinweis für die nächste Bundestagswahl: Wir brauchen euren Perso nicht, die Wahlbenachrichtigung reicht, wir finden euch dann schon im Wählerverzeichnis. Oder andersrum: Wenn ihr eure Wahlbenachrichtigung verschlampt habt, reicht auch der Perso zum Wählen, wir finden euch dann schon im Wählerverzeichnis. Wir nehmen auch Führerscheine oder Reisepässe, hauptsache, ihr steht auf unserer unbestechlichen Liste.

(Edit, weil zum Thema „Perso mitbringen oder nicht“ ein paar Mails kamen: „Das Gesetz verlangt nicht ausdrücklich, dass Sie sich im Wahlraum ausweisen. Denn wählen kann, wer in das Wählerverzeichnis eingetragen ist oder einen Wahlschein hat.“)

Und noch was: Wenn ihr euch Briefwahlunterlagen zuschicken lasst, dann benutzt die doch auch einfach und kommt nicht mit ihnen ins Wahllokal. Falls ihr das doch tut, dann bringt bitte alles mit, denn wir behalten euren Wahlschein ein (während ihr die Wahlbenachrichtigung für die Urnenwahl wieder zurückkriegt und selbst wegschmeißen dürft), und ihr dürft die lustigen bunten Umschläge vor unseren Augen zerreißen, damit ihr sie nicht doch irgendwo einwerft. Falls ihr eure Unterlagen irre spät kriegt und glaubt, die olle Post schafft das nicht mehr zum Wahltermin – alleine in München gab es fünf (glaube ich) Briefkästen, in die ihr auch am Wahltag noch eure Briefwahlunterlagen einwerfen konntet und die dann um 18 Uhr geleert wurden. Einer davon stand am Rathaus am Marienplatz, also superzentral und für alle bequem zu erreichen. Fragen Sie Ihre freundlichen Wahlhelfer*innen bei der nächsten Wahl danach und haltet nicht die Schlange mit den netten Urnenwähler*innen auf.

Wir hatten bei uns im Lokal wirklich nur freundliche Wahlhelferinnen. Das fand anscheinend auch ein Wähler, der uns morgens Croissants und Kaffee vorbeibrachte. Das Kreisverwaltungsreferat hatte in die Urne nicht nur die Wahlunterlagen gelegt, sondern auch einen Riesenberg an kleinen Gummibärtütchen, von denen wir einige verzehrten und den Rest an Kinder verteilten – und an die Wähler Nummer 100, 200 usw. Ich bin kurz nach Wähler 350 bzw. gegen 13 Uhr nach Hause gegangen und kam um kurz vor 18 Uhr wieder, um beim Auszählen zu helfen. Wir hatten bei uns im Lokal eine Wahlbeteiligung von über 80 Prozent, weswegen wir den ganzen Tag gut beschäftigt waren. Das Auszählen hat problemlos geklappt – und was noch viel wichtiger war: die Computerunterstützung auch. Für München wurde für diese Wahl eine eigene Software entwickelt, die wir gestern erstmals im Einsatz erprobten. Das System lief fehlerfrei und bis auf eine etwas dusselige Menüführung problemlos; das Hantieren mit Taschenrechnern und 700 Notizzetteln entfiel, die Schnellmeldung wurde von uns gegen kurz nach 20 Uhr elektronisch verschickt. Da wir praktischerweise richtig gezählt hatten – Anzahl der Stimmzettel stimmte mit der der erfassten Wählenden überein – und wir auch sonst recht flink waren, hatten wir die, wenn ich mich richtig erinnere, 666 Stimmzettel in gut zwei Stunden ausgezählt, alles in entspannter, unhektischer Atmosphäre. Mit den Damen würde ich gerne noch einmal zusammenarbeiten, da gab es kein nerviges Rumquatschen, keine wollte Chef spielen, wir arbeiteten konzentriert und professionell, obwohl wir natürlich alles Laien waren.

Bei uns im Stadtbezirk ist nach Zweitstimmen die CSU stärkste Kraft, dann folgen die Grünen, die FDP, die SPD und die Linken. Die AfD landete bei uns auf Platz 6, aber ich frage mich wirklich, warum in einem gut situierten, teils bürgerlichen, teils studentischen Viertel immer noch fünf Prozent der Wählenden meinen, sie müssten diesen menschenverachtenden, populistischen, demokratiefeindlichen Arschlöchern ihre Stimme geben. Darüber tröstet mich auch meine Ehrenurkunde nicht hinweg, die das Innenministerium gestern erstmals springen ließ. (Neben den Gummibärchen.)

Was schön war, Samstag, 23. September 2017 – Endlich Wiesn




Und ich hab heute Wahldienst und muss um 7.30 Uhr im Wahllokal sein. Ganz dumme Terminierung des Wiesn-Tisches! (Oder der Bundestagswahl.)

Was schön war, Freitag, 22. September 2017 – Studienausweis

Nachdem ich letzte Woche in der Studierendenkanzlei (die noch Studentenkanzlei heißt, was mich immer irritiert, denn unser Studentenwerk heißt schon Studierendenwerk) erfahren hatte, was mir noch zur Umschreibung in den Promotionsstudiengang fehlte, leitete ich das alles diese Woche in die Wege, um gestern wieder vor der Studierendenkanzlei (ich benutze einfach diesen Namen, fertig) zu sitzen und darauf zu warten, dass meine Nummer aufgerufen wird. Währenddessen las ich weiter im Buch über die Entstehung des Terrorismus; ich las den hervorragenden Forschungsstand und die Begriffsdiskussion und merke mir dieses Buch hiermit für meine eigene Diss vor, in der ich ja auch einen Forschungsstand schreiben werde. Das kann ich zwar inzwischen meiner Meinung nach ganz prima, aber der her war wirklich äußerst nachvollziehbar und führte sehr gut zum Thema hin. Auch die Erläuterung der Quellen- und Literaturgrundlagen gefiel mir sehr.

Nach gut einer halben Stunde Wartezeit setzte sich ein junger Mann neben mich, der als einziger in der langen Schlange telefonierte. Leider konnte ich ihn nicht ganz ausblenden, weswegen ich das Buch, das doch etwas Konzentration erfordert, seufzend zuklappte und stattdessen Twitter und Instagram leerlas, die weitaus weniger Hirnschmalz brauchen. Nach einer weiteren Viertelstunde war meine Nummer dann dran, ich ging in Zimmer 1, wo ich erfuhr, dass ich für mein Anliegen gar nicht hätte warten müssen und wurde in Zimmer 2 geschickt. Dort sagte ich mein Sprüchlein von letzter Woche auf – „Ich habe im Sommersemester meine Masterprüfung hier an der LMU bestanden und würde mich gerne in den Promotionsstudiengang einschreiben“ –, zeigte meinen Studiausweis vor, die Dame überprüfte, ob ich meinen Semesterbeitrag entrichtet hätte, dann guckte sie sich die Promotionszulassung an und behielt eine Kopie da, und dann druckte sie mir meinen neuen Ausweis und die ganzen Immatrikulationsnachweise und Firlefanz aus, den man halt in jedem Semester bekommt.

Ich war seit Tagen darauf gespannt, was da jetzt statt B.A. oder M.A. draufstehen würde. Jetzt weiß ich’s.