„Die Worte sollen aus dem Mund purzeln“ – Über die Synchronisation der Serie The Wire ins Deutsche. Via Kottke.

Im Englischen spricht man etwa von „Lingo“, der ganze Drogenslang gehört dazu. Wenn man so will, gibt es ja auch einen deutschen Drogenslang – orientieren sie sich daran?

Wir haben teilweise hier und da etwas aus dem deutschen Drogenslang übernommen. Insgesamt ist die ganze Slang-Geschichte schwierig. Weil er so gut im Original dargestellt ist, dass wir sicherlich einige Schwierigkeiten hatten diesen Slang im Deutschen rüberzubringen. Das ist fast unmöglich.

Wir haben es so gemacht, dass die Sprecher, die wir für die einzelnen Personen genommen haben, gänzlich auf saubere Sprache verzichten – ansonsten wird beim Synchronen ja sehr darauf geachtet, dass gut artikuliert wird etc.. Das heißt: verschleifen – verschleifen meint, es muss nicht jedes Wort exakt sauber gesprochen werden. Bei den Worten „ist“ oder „nicht“ etwa gänzlich ohne die „T´s“ hinten; die Worte sollen aus dem Mund purzeln und nicht sauber artikuliert herüberkommen. (…)

Um die Einfachheit aus diesen Slums oder Ghettos rüberzubringen, haben wir nicht auf exaktes Deutsch geachtet. „Wegen des Fahrrads“ – spricht dort niemand, sondern „wegen dem Fahrrad“ – an dieser Stelle also beispielsweise falsches Deutsch. Teilweise haben wir andere Satzstellungen verwendet, manchmal einen amerikanischen oder englischen Satzbau. (…)

Ich erinnere mich an eine Szene in der ersten Staffel, da untersuchen zwei Mordermittler einen Tatort und geben nur das Wort „Fuck“ von sich.

Eine herrliche Szene, die geht über Minuten, wunderbar.

Da wird zwanzigmal „Fuck“ gesagt, haben Sie das einfach so übernommen?

Es gab eine kurze Beratung zwischen uns, aber uns war eigentlich völlig klar: Hier kann es nur so lauten wie im Original. Wir haben zwanzigmal „Fuck“, „Fucker“, „Fucking“ usw. sagen lassen, es ist dabei geblieben.“